Schutz der Vielfalt = Schutz der Demokratie

Im Umfeld der Landtagswahlen in Deutschland und der Midterms-Wahlen in den USA wird darüber diskutiert, welche Aufgaben und Macht die Medien haben, die auch als „vierte Gewalt“ bezeichnet werden. Kardinal Reinhard Marx (DBK-Medienbischof 2021–2026) appellierte dazu an katholische Medienschaffende, die Verteidigung der Meinungsfreiheit und Vielfalt als höchste Verantwortung des Journalismus anzusehen.

In einem gestern veröffentlichten Gastbeitrag für das Magazin „Informationen“ der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands e. V. (GKP) betonte Kardinal Reinhard Marx (Erzbischof von München und Freising): „Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben – auch und gerade der Mensch, der keine Lobby und keine Reichweite hat.“ Marx appellierte an katholische Medienschaffende, „die Vielfalt der Stimmen gegen jede Macht, die sich zur alleinigen Deuterin der Wirklichkeit aufschwingt, zu bewahren. Halten wir an einem Journalismus fest, der der Wahrheit mehr verpflichtet ist als der Reichweite!“ Ähnlich hatte sich auch Papst Leo XIV. bereits geäußert.

Marx: Für die Fakten und die Wahrheit entscheiden

„Guter Journalismus lebt von Recherche, Erfahrung und Urteilskraft“, wird Kardinal Reinhard Marx, der von 2021 bis September 2026 Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) war, zitiert. Damit Medienschaffende ihre Arbeit verrichten können, brauche es eine „Wahrung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter“, so die GKP. Kardinal Marx führte dazu schriftlich aus: „Journalistinnen und Journalisten müssen wirksam davor geschützt werden, dass ihre Werke ohne angemessene Beteiligung zur ‚billigen Ressource‘ für die Geschäftsmodelle großer Technologieunternehmen werden.“

Kardinal Marx greift in seinem Magazinbeitrag die Kritik von Papst Leo XIV. an einer Medienwelt auf, die sich nur auf die „Aufmerksamkeitsökonomie“ und nicht auf den Menschen ausrichte. Dieses Thema wird auch im Mittelpunkt der Botschaft zum nächsten „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ im Januar 2027 stehen, wie der Vatikan kürzlich mitteilte. Statt der Ausrichtung auf Klicks werde Qualitätsjournalismus an der Sorgfalt gegenüber Fakten gemessen, so Marx. „Diese beiden Maßstäbe geraten täglich in Konflikt. Eine christliche Haltung im Journalismus entscheidet sich in diesem Konflikt für die Fakten und die Wahrheit“, wie der Erzbischof von München und Freising betonte.

Maßstäbe gelten auch für die katholische Kirche

Der ehemalige Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (heute „Kommission Medien“ unter Vorsitz von Bischof Georg Bätzing) betonte, dass die Maßstäbe, sich an Fakten und an die Wahrheit zu halten, auch für die katholische Kirche gelten. Im Gastbeitrag für die GKP bezieht sich Kardinal Marx auf Papst Leo XIV. und erinnert daran, „dass wir auch als Kirche an einer transparenten Kommunikation und einer ehrlichen Suche nach Fakten mitwirken müssen – und dass dies nicht immer überall der Fall gewesen ist.“ Genau deshalb könne die Kirche diese Maßstäbe nur dann glaubwürdig vertreten, wenn sie ihnen auch in ihrer eigenen Kommunikation gerecht werde, folgerte die GKP. „Ein Journalismus, der die Menschenwürde hochhält, Vielfalt schützt und die Qualität über die Quote stellt, folgt diesem Auftrag“, so Marx.

Vielfalt und Meinungsfreiheit sichern die Demokratie

Die UNESCO bezeichnet unabhängige Medien und eine Vielfalt von Meinungen als wesentlich, damit Bürger:innen informiert entscheiden und am demokratischen Leben teilnehmen können. Vielfalt und Meinungsvielfalt können – aus Sicht des Autors – die freiheitlich-demokratische Grundordnung dabei doppelt schützen: einerseits vor der Monopolisierung der öffentlichen Meinung durch politische, wirtschaftliche oder mediale Macht. Und andererseits vor blinden Flecken, die entstehen, wenn Medienschaffende stets dieselben Quellen und Expert:innen berücksichtigen.

Fazit: Das Wichtigste dabei bleibt: die Unabhängigkeit.

Dies gilt auch und insbesondere für den konfessionellen Journalismus. Die Kritik beispielsweise an Missständen in der katholischen Kirche sollte daher nicht als „Nestbeschmutzung“ abgetan werden, sondern im Gegenteil ein Zeichen der Verbundenheit zu ihr angesehen werden. Denn nur was man schätzt und liebt, will man auch bewahren und verändern. Doch dazu braucht es weiterhin Vielfalt und Meinungsfreiheit in (kath.) Medien, auch wenn es unbequem ist.

Hinweis: Der Verein publicatio e. V., der das Portal kath.de herausgibt, hat satzungsgemäß die „Förderung der Meinungsfreiheit und des journalistischen Nachwuchses“ zum Ziel. Das Portal kath.de lässt sich dabei durch den Deutschen Presserat kontrollieren.

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)