Frankfurter Buchmesse: Den Wandel im Buchmarkt gestalten

Vor einer Woche endete die Frankfurter Buchmesse 2026. Gemeinsam mit unserem Partnerportal explizit.net sprach kath.de mit dem Katholischen Medienverband über die Lage des Buchmarktes und das in den Messehallen alles beherrschende Thema Künstliche Intelligenz, das längst auch in den katholischen Verlagen angekommen ist. Auch wenn der deutsche Buchmarkt schrumpft, gab es in Frankfurt auch positive Signale.

„Künstliche Intelligenz ist längst in der Verlagswelt angekommen.“

In einer Studie zum Thema Künstliche Intelligenz der Interessengruppe Digital des Börsenvereins bewerteten 31 Prozent der 196 befragten Fach- und Führungskräfte die Bedeutung von KI für ihren Verlag 2026 als hoch oder sehr hoch; 2025 waren es erst neun Prozent. Für 2031 erwarten dies 83 Prozent. Im gemeinsamen Interview von kath.de und explizit.net sagte Stefan Eß, stellvertretender Vorsitzender des Katholischen Medienverbandes und Direktor des St. Michaelbundes, in dieser Woche auf explizit.net dazu:

„Künstliche Intelligenz ist längst in der Verlagswelt angekommen – selbstverständlich auch bei katholischen Verlagen und Medienhäusern. (…) Eine belastbare quantitative Erhebung speziell unter den katholischen Verlagen liegt uns derzeit nicht vor. Aus den Gesprächen mit unseren Mitgliedsverlagen und dem Austausch auf der Buchmesse nehme ich allerdings mit, dass KI längst kein theoretisches Zukunftsthema mehr ist. Viele Verlage beschäftigen sich intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten, erproben Anwendungen oder integrieren KI bereits in einzelne Arbeitsabläufe.“

„Künstliche Intelligenz muss ein Werkzeug des Menschen bleiben – nicht umgekehrt."

„Künstliche Intelligenz muss ein Werkzeug des Menschen bleiben – nicht umgekehrt. Ergebnisse, die mithilfe von KI entstehen, müssen von Menschen geprüft, bewertet und verantwortet werden. Die letzte redaktionelle und verlegerische Entscheidung darf nicht an eine Maschine delegiert werden. Gerade als katholische Medienunternehmen haben wir einen besonderen Anspruch an Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung. Technologische Innovation und ethische Orientierung sind für uns keine Gegensätze. Im Gegenteil: Wir sollten die Möglichkeiten der KI nutzen, ohne dabei unsere publizistischen Werte aus der Hand zu geben. (…)

Stefan Eß führt im Interview im Nachklang zur Frankfurter Buchmesse 2026 weiter aus: "Entscheidend wird dabei nicht allein sein, wie viele Verlage KI einsetzen, sondern vor allem, wie sie es tun: mit fachlicher Kompetenz, einem klaren Bewusstsein für die Grenzen der Technologie und der Bereitschaft, die Verantwortung für die veröffentlichten Inhalte weiterhin selbst zu tragen.“

Die Buchbranche hat den ersten „KI-Schock“ überwunden zu haben

Auch wenn der Buchmarkt in Deutschland weiter schrumpft (4,5 Prozent weniger verkaufte Bücher im 1. Halbjahr 2026 in Deutschland gegenüber 5,3 Prozent minus in Österreich und 1,5 Prozent minus in der Schweiz, wo die Preise für Bücher leicht angehoben wurden), gab es bei der Frankfurter Buchmesse positive Signale: Die Buchbranche scheint den ersten „KI-Schock“ überwunden zu haben.

Gerade kleine Verlage berichten von der Möglichkeit, durch Künstliche Intelligenz Kosten in den Bereichen Übersetzung, Lektorat und Layout zu sparen. Auch bei den katholischen Verlagen. Stefan Eß vom Katholischen Medienverband bestätigte diese Entwick-lung: „Viele Verlage beschäftigen sich intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten, erproben Anwendungen oder integrieren KI bereits in einzelne Arbeitsabläufe. (…) Die Zahlen aus der Studie des Börsenvereins zeigen sehr deutlich, wie schnell die Bedeutung dieser Technologie in der gesamten Branche wächst. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung auch die konfessionellen Verlage weiter prägen wird.“

Stimmungswandel

Gleichzeitig hat der Autor bei seinem zweitägigen Besuch der Buchmesse 2026 bei vielen Gesprächen auch einen Stimmungswandel wahrgenommen. Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur als Bedrohung des Buchmarktes, sondern auch als Chance, angesehen. Und es gibt weitere positive Signale in Frankfurt: Auch wenn die Lesefähigkeit von jungen Leser:innen in Deutschland sinkt (was der Buchbranche große Sorgen bereitet), hält der Trend junger Leser:innen für „Romantasy“ – und Comic – Bücher aus 2025 auch 2026 wei-terhin an. Dies belegte auch die „Matsuri“-Bühne der Buchmesse 2026, die erstmals japanische Comic- und Popkultur nach Frankfurt und Offenbach holte.

Fazit: Das gedruckte Wort braucht eine Qualitätsoffensive

Entscheidend wird sein, dass Autor:innen, Verleger:innen und Journalist:innen mit einer Qualitätsoffensive den Massen an KI-Büchern etwas entgegensetzen können!

Die Entwicklung zeigt, dass Leser:innen gegenüber den immer auf die gleiche oder ähnliche Weise von KI-erstellten Texten und Grafiken müde werden. Statt purer Masse ist wieder verstärkt Klasse gefragt. Und dies ist eine große Chance, gerade auch für konfessionelle Buchverlage und Medien. Denn das Interesse an Büchern zum Thema Glaube und Spiritualität hält an, wie auch der Katholische Medienverband bestätigte: „Fragen nach Sinn, Werten, gesellschaftlichem Zusammenhalt und persönlicher Orientierung bewe-gen viele Menschen – und hier haben konfessionelle Verlage viel beizutragen, gerade auch, wenn es um Zukunftsthemen unserer Gesellschaft geht“, betonte Stefan Eß und führte weiterhin aus: „Menschen wollen lesen, sich mit Themen vertieft auseinandersetzen und Orientierung finden.“

Gerade bei den Massen an nicht kuratierten KI-Büchern können gedruckte Bücher, aber auch eBooks und Hörbücher, den Leser:innen eine Orientierung bieten, die im Internet und auf Social Media so (bisher) nicht angeboten werden. Und hier sind besonders die Verleger:innen und die Redakteur:innen gefragt: Statt auf nicht nachhaltige Klickzahlen oder KI-Inhalte zu setzen, braucht es weiterhin menschliche Autor:innen, die den Wert des Wortes hochhalten.

Lesetipp zur Frankfurter Buchmesse 2026 und zur Lage des (konfessionellen) Buchmarktes in Deutschland bei unserem Partnerportal explizit.net:

https://explizit.net/medien/artikel/frankfurter-buchmesse-2026-interview-mit-stefan-ess-vom-katholischen-medienverband/

Hinweis Anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2026 wird kath.de gemeinsam mit unseren Partnerportalen explizit.net und hinsehen.net in den Monaten Oktober und November eine Reihe von neuen Büchern rezensieren: https://explizit.net/monatsthema/.

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)