Aufgeben ist keine Option

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erschütterte vor einer Woche das politische System in Deutschland. Die Kirchen reagierten schnell und mit einer seltenen Einmütigkeit und Klarheit. Dabei wurde deutlich: Aufgeben ist keine Option. Denn es steht zu viel auf dem Spiel. Und die Kirchen werden dabei einen wichtigen Beitrag leisten müssen.

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor einer Woche haben Kirchen und Verbände klar Stellung bezogen und deutlich gemacht, dass Rückzug keine Option ist: „Wir werden nicht wegsehen und wir werden nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen verletzt, unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt oder der Rechtsstaat ausgehöhlt wird“, so die gemeinsame Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) Link.

Zudem gab es eine ebenso klare Stellungnahme des Zentralkomitees der Katholikinnen und Katholiken Linkund eine lesenswerte gemeinsame Erklärung der evangelischen, katholischen und jüdischen Jugendverbände Link.

Aber am eindrücklichsten bleibt dem Autor die Rede des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, beim „Michaelsempfang“ in Berlin in Erinnerung (nachzulesen auf: Link).

Diese Stellungnahmen zeigen, dass die Kirchen ihre Stimme erhoben haben, nicht aus „Panik“, wie konservative Medien zu Unrecht proklamieren, sondern aus der Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Und das nicht erst jetzt, sondern schon seit dem 22.02.2024, als die Bischöfe ihre Erklärung zum völkischen Nationalismus veröffentlicht haben Link.

Brückenbauer-Funktion der Kirchen

Denn gerade jetzt kommt den Kirchen zudem auch eine „Brückenbauer“-Funktion zu: Einerseits in der Sache (Erhalt der Menschenwürde für alle) „hartbleiben“, aber im Dialog mit den Menschen weiter „offen und zugehend“ sein.

Das Wahlverhalten eines Menschen darf kritisiert oder dessen Tätigkeit in kirchlichen Gremien wegen einer antidemokratischen politischen Haltung entzogen werden, aber die Kirchen dürfen sich von niemandem abwenden, wie der Theologe Frank Richter in dieser Woche beim Portal „domradio.de“ Linkbetonte:

„Der Mensch dahinter darf deshalb aber nicht abgeschrieben werden. (…) Dies ist nicht nur ein demokratisches, sondern auch ein christliches Gebot.“

Warum Rückzug keine Option ist

Fazit: Ein Wahlergebnis – selbst ein vermeintlich historisches – verändert nicht den Auftrag des Evangeliums, sich für die Würde jedes Menschen einzusetzen. Wenn sich Kirchen und Verbände jetzt aus der öffentlichen Debatte zurückziehen würden, würde dadurch genau jenen Kräften der Raum überlassen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen, die die Kirchen zu Recht schützen wollen. Dabei sind kirchliche Positionen zum Erhalt der Menschenwürde, des Rechtsstaats und der Demokratie nicht von Wahlergebnissen oder Regierungen abhängig, sondern basieren auf dem universellen christlichen Menschenbild. Und das ist – Gott sei Dank – wahlunabhängig.

Gerade deshalb ist es gut, dass die Kirchen jetzt so klar und einmütig, wie selten zuvor, ihre Stimme erhoben haben. Aufgeben darf – im Sinne des Evangeliums – niemals eine Option für Christ:innen sein, wie auch ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp betonte:

„So wie die Christinnen und Christen vor Ort werden auch wir uns nicht zurückziehen.“

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Christian Schnaubelt Chefredakteur und Herausgeber von kath.de