Gemeinsam in Vielfalt

„Ich war verwundert, warum in der Nacht noch Licht in der Kirche brennt, und daher bin ich hereingekommen. Dass Kirche so etwas anbietet, hat mich positiv überrascht.“ Diese Worte stammen von der Teilnehmerin bei einer Nacht der offenen Kirchen in Bochum. Gestern fand dort eine Neuauflage der Kirchennacht unter dem Motto „Gemeinsam in Vielfalt“ statt. Dabei wurde deutlich: Kirche(n) sollten stets offen, manchmal überraschend, aber immer einladend sein.

Am gestrigen Abend öffneten – auf Einladung des Katholikenrates Bochum + Wattenscheid – anlässlich einer ökumenischen Kirchennacht, 25 evangelische, katholische und freikirchliche Kirchen und Einrichtungen in der Stadt Bochum ihre Türen. Aber nicht nur das. Für die #kirchennachtbowat, die übrigens größtenteils von Ehrenamtlichen organisiert und durchgeführt wurde, gab es ein abwechslungsreiches dezentrales Programm zu entdecken: Bibel- und Krimilesungen, Livemusik, Gebete, Benefizkonzert, Kirchenraumentdeckungen (samt Klettern) sowie viel Musik und Begegnung. Und in den Stadtteilen Langendreer und Linden boten die christlichen Kirchen gemeinsame Angebote an, die mehrere Kirchorte aktiv miteinander verbanden.

Die Verbundenheit stand auch im Mittelpunkt eines ökumenischen Friedensgebetes, welches zu Beginn der Kirchennacht in der Pauluskirche in Bochum stattfand. Dabei wurde im Rahmen einer virtuellen Gebetsbrücke insbesondere für die Christinnen und Christen in Bochums Partnerstadt Donezk in der Ukraine gebetet. Weihbischof Ludger Schepers (Bistum Essen), Bürgermeisterin Martina Schnell (Stadt Bochum) und Bundestagsabgeordneter Max Lucks (ZdK, Berlin) nahmen an dem Friedensappell zum Thema „Zusammenhalt“ teil, an dem auch die Gesellschaft Bochum-Donezk e. V. beteiligt gewesen war.

Ökumene lebt von Taten, nicht von Worten

Gestern Nacht wurde einmal mehr deutlich: In vielen Gemeinden und Pfarreien sowie auf der Ebene der Stadtkirchen gibt es bereits eine langjährige und gewachsene Verbundenheit zwischen den christlichen Kirchen. Nicht nur in Bochum. Und das ist ein Schatz, der behütet und ausgebaut werden sollte. Denn Ökumene lebt von Taten, nicht von Worten!

Und damit aus Worten auch wirklich Taten werden können, braucht es drei Zutaten: Zusammenhalt, Vertrauen und insbesondere den Mut zu Veränderungen.

Mut zu Veränderungen

Die Nacht der offenen Kirchen in Bochum zeigte beispielhaft, dass Kirche(n) stets offen, manchmal überraschend, aber immer einladend sein sollten. Nicht nur bei Events, sondern täglich.

Und diese Offenheit beginnt bereits damit, welche „Willkommenskultur“ und Offenheit in einer Gemeinde, Pfarrei oder einem Verband vorherrscht. Wie wird auf Neues zugegangen und wird Neues wirklich zugelassen? Und es geht weiter, indem die christlichen Kirchen – mehr noch als bisher – an einem Strang ziehen. Denn vielen Christinnen und Christen – zumindest in Bochum – ist es egal, ob an der Kirchentür evangelisch, katholisch, freikirchlich oder neuapostolisch steht. Und das ist eine echte Chance, die Schranken zwischen den Kirchen – die primär nur im Kopf bestehen – aufzuheben. Die Menschen haben dies bereits getan. Jetzt sollten die Kirchen folgen.

Denn letztendlich geht es bei allen christlichen Kirchen und Verbänden doch nicht um die Bewahrung der Asche, sondern um die Weitergabe des Feuers. Und dies gelingt nur, wenn auch Veränderungen zugelassen werden. Daher heißt es auch 2026 weiterhin:

Wir brauchen den Mut zu Veränderungen!

Christian Schnaubelt – (Chefredakteur und Herausgeber kath.de)