„Wir sind im Spiel Gegner, nach dem Spiel alle Christen und Brüder"

„The winner takes it all“: Nach dieser „ABBA“-Liedzeile kämpfen derzeit 48 Nationen bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko um den goldenen WM-Pokal. Dass der Fußball und der Glaube Gegner verschiedener Mannschaften verbinden können, wurde dabei am 14. Juni bei einem ungewöhnlichen Gebet im Stadion von Houston (USA) deutlich.

Nach dem Abpfiff des WM-Spiels zwischen Deutschland und Curaçao (Ergebnis 7:1) bildeten die deutschen Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah zusammen mit einigen Nati-onalspielern von Curaçao einen Kreis auf dem Rasen, um zu beten. Im Interview mit der ARD betonte der Mittelfeldspieler Felix Nmecha später: „Wir sind im Spiel Gegner, nach dem Spiel alle Christen und Brüder. Dann haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen ge-macht, weil wir immer noch sehr dankbar sind.“

Felix Nmecha, der das 1:0 für Deutschland gegen Curaçao erzielte, führte in der ARD weiter aus: „Vom Ergebnis her ist es natürlich schön für uns, aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet.“

Nationalspieler Felix Nmecha hatte bereits im Vorfeld deutlich gemacht, wie wichtig ihm der Glaube ist. So zeigt ein Foto, wie Nmecha mit einer Bibel in der Hand den deutschen Mann-schaftsbus vor dem Curaçao-Spiel verlässt. Allerdings ist der Spieler von Borussia Dortmund wegen Aussagen in den Social Media auch nicht unumstritten.

Viele Spieler der Nationalmannschaft von Curaçao sind – nach „Stern“-Angaben – auch vom christlichen Glauben geprägt. „In den sozialen Netzwerken waren vor der Weltmeisterschaft Videos zu sehen, in denen die Spieler während ihres Trainingslagers gemeinsam beten und christliche Lieder singen“, so das Magazin.

Papst Leo XIV.: Sport als „Instrument des Friedens“

In einer Videobotschaft zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat Papst Leo XIV. gesagt: „In Zeiten von Krieg und extremer Polarisierung ist der Sport eines der wenigen Dinge, die uns einander näherbringen. (…) Lasst uns dafür beten, dass der Sport ein Instrument des Frie-dens, der Begegnung und des Dialogs zwischen Kulturen und Nationen ist und Werte wie Respekt, Solidarität und persönliches Wachstum fördert.“

Der Heilige Vater wird laut seinen Weggefährten Pater Guiseppe Pagano und Joseph Farell nachgesagt, Fan von AS Rom zu sein, hat dies selbst aber offengelassen. Nach Medienberich-ten habe der Pontifex eine Verbindung zu Real Madrid als Fan bestätigt.

„Jeder weiß, dass ich jetzt Tennis spiele; ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt, aber auch American Football“, sagte Papst Leo XIV. Seine Zeit als aktiver Fußballspieler wird auf seine Missionsjahre datiert, wo Francis Prevost nach eigenen Angaben in seiner Zeit als Aus-bildungsleiter in Peru gespielt habe, „allerdings nur in der Abwehr“.

„Schönste Nebensache der Welt“ ist in Gefahr

Das Gebet auf dem Rasen des Stadions in Houston wirkt wie ein Gegenpol zu der immer stärker werdenden Kommerzialisierung der Fußball-Weltmeisterschaften. Eintrittskarten für 2000 Dollar, Parkplatzgebühren von 380 Dollar, teure Essenspreise (inklusive Verbot der Mit-nahme von Wasser) und zwei verordnete „Trinkpausen“ pro Spiel, damit die FIFA zwischen-durch Werbung verkaufen kann, sind nur einige Beispiele. Viele Fans können (und wollen) sich dies nicht mehr leisten. Zu Recht!

Die „schönste Nebensache der Welt“ (Pele) ist in Gefahr. Das Gebet gegnerischer Spieler war wohl nicht lange geplant (und wäre sicherlich auch von der FIFA verboten worden, wenn dies vorher angefragt worden wäre) und zeigt dennoch, dass Fußball und Glauben Menschen verbinden können. Es sind die kleinen Gesten, die verbinden und zählen. Und diese kann man eben nicht kaufen oder erzwingen. Und das ist gut so!

Lesetipp:„Zeit, dass sich was dreht“

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)

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