Jahresgedächtnis des Todes von Papst Franziskus: Was wirkt von seinem Pontifikat nach?

Am Ostermontag gedachte die katholische Kirche dem Jahrestag des Todes von Papst Franziskus. Papst Leo XIV. würdigte das Wirken seines Vorgängers im Rahmen der Osterfeierlichkeiten in Rom. Was wirkt vom Pontifikat von Papst Franziskus bis heute nach?

Papst Leo hat diesen Ostermontag an seinen Vorgänger Papst Franziskus erinnert, der vergangenes Jahr am Ostermontag verstarb. Beim „Angelus“ am 6. April auf dem Petersplatz lobte der Pontifex das „große Zeugnis des Glaubens und der Liebe“ von Franziskus: „Im Licht des Auferstandenen denken wir heute mit besonderer Zuneigung an Papst Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres sein Leben in Gottes Hand zurückgegeben hat.“ Schon zuvor hatte Papst Leo im Rahmen der Osterfeierlichkeiten auf dem Petersplatz Papst Franziskus gewürdigt, wo Franziskus am 20. April letztmals öffentlich in Erscheinung trat, als er den päpstlichen Segen „urbi et orbi“ spendete.

Der Unvollendete Reformer

Ein Jahr nach seinem Tod zeigt sich: Papst Franziskus hat die katholische Kirche nicht revolutioniert, aber sie in eine andere Richtung ausgerichtet: stärker synodal, sozial und weltkirchlich.

Er bleibt ein „unvollendeter Reformer“ https://www.kath.de/kommentar/2025-04-21-der-unvollendete-reformer, dessen Einsatz für die Umwelt („Laudato si“ und „Laudate Deum“), sein Aufruf, „an die Ränder der Gesellschaft“ zu gehen („Fratelli tutti“), und sein Appell zu Ehe- und Familienleben („Amoris laetitia“) nachhaltig Wirkung erzeugt haben.

Dazu werden – mit etwas Abstand – sicherlich auch die Weltsynoden 2023 und 2024 gehören, die ein neues Miteinander von Laien und Klerus sowohl im Vatikan als auch in „synodalen Gremien“ in den Bistümern initiiert haben. Die von Franziskus initiierte Weltsynode, deren Schlusstext im Herbst 2024 veröffentlicht wurde, werten Vatikanbeobachter als erste grundlegende Kirchenreform seit dem Zweiten Vatikanum. Zwar noch ohne Gesetzesänderungen, aber durch die Schaffung eines „synodalen Stils“ der katholischen Kirche, die seine Nachfolger schwerlich zurückdrehen können.

Große Themen und große Probleme

Neben den großen Themen Umwelt, Soziales, und Synodalität, für die Papst Franziskus nicht nur politisch, sondern auch als Mensch einstand, hatte der Pontifex in seiner Amtszeit auch mit großen Problemen zu kämpfen. Sei es innerkirchlich mit der Reform der römischen Kurie und seines oft kritisierten Finanzsystems. Und zudem weltkirchlich und kirchenrechtlich mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Hier erließ Papst Franziskus schärfere Normen, Meldepflichten und verhängte Sanktionen, etwa im Fall des Ex-Kardinals Theodore McCarrick. Dennoch kritisieren Betroffenenbeiräte und Reformgruppen sein Handeln als nicht ausreichend. Ein schwarzer Schatten, der sein Pontifikat begleitete und noch weiter aufgearbeitet werden sollte. Papst Leo folgte Franziskus’ Fußstapfen, setzte aber eigene Akzente

Zudem hat Franziskus zahlreiche Kardinäle (so viele wie keine seiner Vorgänger) ernannt und das Kardinalskollegium „weltkirchlicher“ gemacht, welches Papst Leo XIV. zu seinem Nachfolger wählte. Papst Leo hat bereits früh klargemacht: Franziskus’ Kurs zu einer synodaleren Kirche wird er fortsetzen, allerdings will er auch eigene Wege gehen und Akzente setzen. Dazu gehört auch ein kollegialerer Umgang mit der Kurie und den Kardinälen, denen er Anfang des Jahres 2026 mehr Mitentscheidungsmöglichkeiten schaffte.

Kommentator:innen bewerteten das Wirken von Papst Franziskus zudem als einen Beitrag zu einer „jesuanischeren“ Kirche und Franziskus als einen Pontifex, der das Amt „entmythologisiert“ und „menschlicher“ gemacht habe.

Franziskus’ Pontifikat weder verklären noch kleinreden

Das Pontifikat hat die innerkirchlichen Konfliktlinien schärfer sichtbar gemacht: zwischen den „Reformer:innen“, denen Franziskus zu zögerlich blieb, und den „Traditionalist:innen“, die ihm Traditionsbruch vorwarfen. Besonders in Europa (allen voran im deutschsprachigen Raum) wurden die Reformen als „zu zaghaft“ bewertet, die grundlegende Probleme (Macht und die Verhinderung des Missbrauchs) nicht gelöst haben.

Dennoch hat Papst Franziskus mehr Türen aufgestoßen, als er verschlossen hat. Dazu gehörten auch manche Türen, die zuvor sehr lange verschlossen gewesen waren oder die von Teilen des Klerus zuvor als „endgültig geschlossen“ (z. B. die Frage des Frauendiakonats) angesehen worden waren. Durchgegangen ist Papst Franziskus durch die Türen nicht, allerdings hat er seinen Nachfolgern neue Möglichkeiten für die Zukunft eröffnet.

Fazit: Gerade mit Blick auf die Weltkirche wird aus Sicht des Autors deutlich: Franziskus’ Pontifikat bleibt ein unvollendeter Reformer, sollte aber weder verklärt noch kleingeredet werden. Die Geschichte wird zeigen, wie dessen Pontifikat bewertet werden wird …

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)

P.S.: Der Autor ist 2024 Papst Franziskus bei einer Audienz der GKP im Vatikan persönlich begegnet und hat 2025 am päpstlichen „Jubiläum der Medien“ teilgenommen.