Auf der Suche nach Hoffnungsnachrichten…

Ostern ist ein Fest der Hoffnung. Sowohl in der Natur als auch im Glauben wird an den Kar- und Ostertagen deutlich: Das Leben kann den Tod bezwingen. Dies ist eine Hoffnungsnachricht, von denen es derzeit in den Medien viel zu wenige gibt. Befeuert durch eine zunehmende „Nachrichtenmüdigkeit“ werden immer weniger Nachrichten konsumiert und die Wissenschaft belegt eine Orientierungslosigkeit bei den Konsumenten.

„Früher gab es feste Nachrichtenrituale. Da gab es zum Frühstück die Tageszeitung oder die Radiosendung (…) abends gab es die Tagesschau oder andere Nachrichtensendungen. Die Nachrichten wurden mit einer Verzögerung vorgetragen, von Sprecher:innen, die sehr distanziert waren. Das waren Barrieren oder Distanzmöglichkeiten. Da wusste man genau: Ich bin orientiert, so und so viel muss ich wissen“, sagte Anke Gehrmann von der Hamburg Media School und führt weiter aus: „Heute sind die Faktoren ganz andere. Es gibt einen 24/7-Newsflow. Man wird auf allen Kanälen bombardiert. Man scrollt immer weiter, weil die Algorithmen so programmiert sind, dass sie dich möglichst lange halten. Das führt zu totaler Überforderung. Man hat gar keine Zeit mehr, sich zurückzuziehen, zu verarbeiten oder eine Distanz zu finden.“

Nachrichtenvermeidung und Ohnmachtsgefühl

Ihr Kollege Prof. Christopher Buschow von der Hamburg Media School beschreibt die Folgen dieser Entwicklung wie folgt: „Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Nachrichtenvermeidung führen. Negative Nachrichten sind ein wesentlicher Treiber, das zeigt die Forschung sehr deutlich. Krisen, Konflikte und Negativität führen dazu, dass Menschen sich überlastet fühlen und keine Selbstwirksamkeit spüren – also keine Möglichkeit, die Situation ein Stück weit zu verändern.“

„Das Problem ist: Wenn man so viele negative oder ausschließlich negative Nachrichten hört, rutscht man in eine sogenannte erlernte Hilflosigkeit. Die Menschen kommen in ein Ohnmachtsgefühl: ‚Es ist alles so schlecht, ich kann ohnehin nichts tun.‘ Wenn es immer nur dieses eine Narrativ gibt, schlägt das auf die Stimmung – und viele sagen dann: Damit beschäftige ich mich nicht mehr“, ergänzt Gehrmann.

Negatives wird geklickt oder „only bad news are good news“.

Nachrichten sind für uns Menschen schon seit der Steinzeit wichtig. Wer wusste, wo der Säbelzahntiger sein Revier hatte oder wo es essbare Beeren gab, konnte überleben. Unser Wahrnehmungssystem ist darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu warnen. Daher werden negative Nachrichten stärker wahrgenommen und gute Nachrichten gehen unter. Dazu sagt Prof. Christopher Buschow: „Wir wissen aus der Forschung, dass Negativität zwar zu Erschöpfung und Vermeidung führt, aber gleichzeitig sehr populär ist. Online wird mehr geklickt, wenn Headlines negativer sind“, oder anders ausgedrückt: „Only bad news are good news“, wie Gehrmann weiter ausführt.

Konstruktiver Journalismus als Gegenpol?

„Wir können nichts an den Krisen ändern. Aber der Journalismus muss nicht ohne konstruktive Perspektive berichten. Es geht nicht darum, das Positive zu betonen. Aber eine Lösungsorientierung, ein Weg nach vorn, kann Menschen zurückholen, die sonst sagen: Es ist immer alles negativ. Diese Geschichten zeigen Selbstwirksamkeit: Du kannst etwas ändern, auch im kleinen Wirkbereich. Das ist wichtig“, betont Prof. Christopher Buschow von der Hamburg Media School abschließend.

Wir benötigen mehr „Gute-Taten“-Nachrichten!

Fazit: Nicht nur Ostern zeigt: Es gibt Hoffnungsnachrichten. Wir müssen nur wieder stärker unseren Fokus darauf richten. Und auch wir Medienschaffende können durch konstruktiven Journalismus dazu beitragen. Es geht nicht darum, alles Negative auszublenden, die Leser:innen in eine Traumwelt zu verleiten oder in eine „Filter Bubble“ einzuhüllen. Aber es geht darum, aufzuzeigen, dass es – abseits der berechtigten Berichterstattung über die Probleme in der Welt – auch (Hoffnungs‑)Nachrichten gibt. Denn dies bedeutet: Worauf wir unseren Fokus richten, verändert die Wahrnehmung unserer Welt.

Dafür setze ich mich persönlich als Journalist ein. In dem ich versuche, Geschichten über „gute Taten“ sowie Personen und Institutionen, die „Gutes bewirken“, zu erzählen. Auch davon gibt es einige und dafür muss man gar nicht weit reisen. Es reicht bereits ein Blick in die nahe Umgehung. Denn vielerorts setzen sich Menschen für andere Menschen (z. B. bei der Caritas, der Tafel, in Vereinen) ein. Diese „Held:innen des Alltags“ werden oft vergessen. Dabei sind es gerade sie, die eine Hoffnungsnachricht wert sind!

Die kath.de-Redaktion wünscht frohe und gesegnete Kar- und Ostertage.

Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)