Journalist:innen haben wie die Bäcker, die Kaufleute sowie die Schmiede einen himmlischen Fürsprecher. Es wäre eine Missachtung der Medienschaffenden, wenn sie keinen Heiligen hätten. Der Gedenktag des Heiligen Franz von Sales war am gestrigen 24. Januar.
Schutzpatron wird man nicht durch eine himmlische Ämterverteilung, sondern in der Westkirche durch den Papst und in der Orthodoxie durch eine Synode. Pius IX. hat ihn 1877 zum Schutzpatron der Journalist:innen und Schriftsteller:innen erhoben. Die Lutheraner:innen benötigen keinen solchen Fürsprecher, denn Luther war einer der erfolgreichsten Publizisten – und das mit theologischen Themen, um die Journalist:innen eher einen Bogen machen, gerade bei der katholischen Kirche, die ein eigenes Lehramt eingerichtet hat, das aus allen Ländern Hinweise erhält.
Franz v. Sales lebte 100 Jahre nach Luther, aber in der gleichen Medienwelt, in der man viele Menschen noch durch Predigten erreichte, aber schon mit Gutenbergs beweglichen Lettern leichter Druckvorlagen erstellen konnte. Das Flugblatt war für ihn wie bei Luther das meistgenutzte Medium. Auch die damaligen Medien hatten einen großen Einfluss und wirkten wie heute in ein Spannungsfeld hinein. Der Auseinandersetzung mit den Calvinisten konnte er nicht aus dem Wege gehen. Er tat es nicht mit der Polemik, wie es für die Zeit üblich war. Er nutzte Medien nicht zur Verschärfung eines Konfliktes, wie sie auch heute eingesetzt werden. Er ist nicht nur einer, der Medienleute unterstützt, er hat auch wie viele an der Grundfrage der Zeit gelitten. In diesem Punkt kann er auch ein Vorbild für den heutigen Journalismus sein.
Journalist:innen gehen die tieferliegenden Strömungen des jeweiligen Zeitgeistes deshalb nahe, weil sie mit den ungelösten Fragen und Konflikten jeden Tag konfrontiert werden. Leser:innen können die Zeitung beiseitelegen, Zuhörer:innen können weghören, die Journalist:innen können sich aus den Zeitläufen nicht ausklinken.
Damals war es eine religiöse Grundangst, nicht zu denen zu gehören, die von Gott für die himmlische Existenz erwählt waren. Dieses Gefühl war weder evangelisch noch katholisch, auch wenn Calvin zu der Überzeugung kam, dass Gott schon vor der Geburt eines Menschen entschieden hat, ob dieser in den Himmel oder die Hölle kommt. Dieses Gefühl ergriff den Studierenden Franz, so dass er drohte, in einer Depression unterzugehen. Er sagte sich nicht von Gott los, sondern fand zur Barmherzigkeit Gottes zurück und strahlte ab diesem Zeitpunkt eine große Freundlichkeit aus. Einen Schutzpatron zu haben, der die Zerbrechlichkeit des Menschen erfahren und dann zur Freude zurückgefunden hat, benötigen gerade katholische Journalist:innen.
Sie benötigen auch einen, der ihren Ruf in Ehren hält. Wer in diesem Beruf der Kirche nahe ist, spürt bei manchen Leitungspersonen Skepsis gegenüber Journalist:innen und manchmal sogar auch eine gewisse „Verachtung“. Es gibt eine Strömung, die Medien als oberflächlich einschätzt und Journalist:innen daher Seriosität absprechen. Weiterhin herrscht die Furcht, dass ein/e Journalist:in, der/die über eine kirchliche Einrichtung oder eine Person berichten will, die dunklen Seiten ausleuchtet. Der Verdacht, dass Medienleute der Kirche Übles wollen, verhindert, mit ihren Vertretern ein normales Verhältnis zu suchen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Gerade aus der Liebe zur Kirche beziehen katholische Journalist:innen die Kraft und Motivation, auch über deren Probleme und Herausforderungen zu schreiben.
Warum benötigen katholische Journalist:innen einen Schutzpatron?
Da ist es erleichternd, einen Bischof als Schutzpatron zu haben. Vor allem wenn dieser die Medien seiner Zeit für die Vermittlung religiöser Themen erfolgreich eingesetzt hat. Von seiner himmlischen Warte hat Franz von Sales Dokumente befördert, die die Medien nicht nur ernst nehmen, sondern ihnen auch das Ziel setzen, für gegenseitiges Verstehen und Gemeinschaft zu arbeiten. „Communio et Progressio“ heißt das Dokument, das im Auftrag des letzten Konzils verfasst wurde und daher maßgebend geblieben ist. Es gibt Verständigung durch Kommunikation vor und sieht die Medien als Faktor für Fortschritt – wenn sie für Gemeinsamkeit sorgen. Diese beiden Ziele haben Franz von Sales geleitet. Neben dem Mann aus dem 17. Jahrhundert haben die Journalist:innen einen zweiten himmlischen Fürsprecher aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Maximilian Kolbe leitete ein großes Pressehaus in Niepokalanów, das bis heute besteht. Er starb in dem Hungerbunker des Konzentrationslagers Auschwitz.
Dr. Eckhard Bieger SJ