Zu Beginn des Jahres stehen sie hoch im Kurs: die Neujahrsvorsätze. Sparen, Ernährung und Sport gehören nach einer Umfrage zu den „Top drei“ der Vorsätze der Deutschen für 2026. Doch was wäre, wenn wir uns stattdessen mehr „Mut zu Veränderungen“ vornehmen würden? Und wäre dies nicht auch für die katholische Kirche passend?
Das mit den Neujahrsvorsätzen ist so eine Sache: Irgendwie weiß jede:r, dass sie nicht lange halten, aber ohne wollen die meisten Deutschen auch nicht ins neue Jahr starten. Dabei sind die Zahlen klar: Laut einer Studie der Scranton Universität setzen nur etwa acht Prozent der Menschen ihre Neujahrsvorsätze langfristig um. Link
Bei den Neujahrsvorsätzen der Deutschen liegt für 2026 „mehr Geld sparen“ mit 52 Prozent auf Platz 1, gefolgt von „gesünder ernähren“ mit 50 Prozent auf Platz 2 und „mehr Sport treiben“ mit 48 Prozent auf Platz 3, belegt eine „Statista“-Umfrage. Link
Aber wie wäre es, wenn wir uns statt einer materiellen oder persönlichen Verbesserung eine Verhaltensänderung als Neujahrsvorsatz vornehmen würden, die nicht nur uns, sondern allen zugutekommt?
„Ein Funke Mut“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Weihnachtsansprache 2025 (Link) auf das Jahresmotto der Aktion „Friedenslicht aus Betlehem“ hingewiesen, die noch bis zum 6. Januar läuft: „Ein Funke Mut“. Manchmal benötigt es nur einen kleinen Funken, um eine Flamme zum Leuchten zu bringen. Und diesen Funken können nicht nur Mächtige in Politik und Kirchen entflammen, sondern jede:r von uns. Ja, es geht sogar nicht ohne jede:n von uns!
Denn so wie es das Friedenslicht nur durch die Hände vieler Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen von Betlehem nach Deutschland schaffte, so ist es auch in der (katholischen) Kirche. Wir brauchen einen „Funken Mut“, um die dringend notwendigen Reformen anzugehen.
Noch ein weiter Weg zur „Einheit in Vielfalt“
Doch dazu braucht es vor allem eins: „Einheit in Vielfalt“ (Zitat von Jawaharlal Nehru, erster indischer Premierminister).
Doch dass es in der katholischen Kirche noch ein weiter Weg zu einer „Einheit in Vielfalt“ ist, zeigt zum einen der „Synodale Weg“ in Deutschland. Ende Januar 2026 wird eine letzte Synodalversammlung in Stuttgart stattfinden und reflektieren, wie die Beschlüsse aus 2023 umgesetzt wurden. Bisher zeigt sich da ein sehr uneinheitliches Bild in den 17 deutschen (Erz-)Bistümern, insbesondere auch im Bereich der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs und in der Präventions- sowie Interventionsarbeit. Das kritisieren nicht nur Betroffene von sexualisierter Gewalt, sondern auch ZdK und Diözesanräte.
Und auch beim wichtigsten Beschluss des 2025 zu Ende gegangenen „Synodalen Rates“, der Satzung für eine „Synodalkonferenz“, in der Bischöfe und Lai:innen dauerhaft gemeinsam beraten wollen, gilt es noch einige Hürden zu nehmen: Sowohl in Deutschland bei der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Würzburg als auch im Vatikan, der noch über die Erteilung einer „Recognitio ad experimentum“ – einer befristeten Anerkennung zu Versuchszwecken – zu dessen Satzung wird entscheiden müssen. Papst Leo XIV. hat angekündigt, dass der Vatikan dabei „darauf achten wird, dass der deutsche Weg der Laienbeteiligung an Entscheidungen in der Kirche nicht zu sehr von dem abweicht, was auf Weltebene gilt“.
Der Dezember 2025 brachte zum anderen eine Enttäuschung für viele Reformbefürworter:innen: Denn die von Papst Franziskus eingesetzte Theologenkommission lehnte eine Zulassung von Frauen zum Diakonat zum jetzigen Zeitpunkt ab, schloss sie aber nicht gänzlich für die Zukunft aus. Die Frage bleibe „offen für weitere theologische und pastorale Vertiefungen“ und müsse „lehramtlich entschieden werden“, hieß es in Rom. Doch ein Verschieben löst das Problem nicht und schafft stattdessen eher neue Probleme.
Der Funke für Veränderungen ist bereits da
Fazit: Auch wenn der Weg noch lang ist, und viel Geduld und Kompromisse benötigen wird, sind Veränderungen nicht mehr zu stoppen. Daher würde uns ein Neujahrsvorsatz 2026 wie „Mut zur Veränderung“ guttun. Sei es persönlich, gesellschaftlich oder kirchlich. Dies ist herausfordernd, aber zugleich auch „alternativlos“, wie es Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel formulierte.
Aber dies wird wohl nur funktionieren können, wenn wirklich alle mitmachen und sich niemand aus ideologischen oder machtpolitischen Gründen verweigert. Denn weder das Festhalten an der Asche noch ein erzwungener Wandel werden eine „Einheit in Vielfalt“ ermöglichen können.
Dafür sollte uns ein Zitat aus Hebräer 13:8 Mut machen: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ und ein Funke für Veränderungen ist bereits da!
Linktipp: Kommentar
Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von kath.de)