LEBEN - Begegnung

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13. Dezember
Nichts ist schöner als ein Gesicht, das die Kämpfe eines Lebens durchscheinend gemacht haben. Es gibt nur schöne Gesichter, seien sie nun traurig oder strahlend. 
R. SCHUTZ

14. Dezember
Mein Leben besteht darin, in den anderen zu erkennen, was sie zerrüttet, was sie erfreut, und mit den Menschen Leid und Freude zu teilen.
R. SCHUTZ

15. Dezember
Seit meiner Jugend habe ich mein ganzes Leben hindurch den Wunsch gehabt, nie jemanden zu verurteilen. Für mich war das Wesentliche im Verhältnis zu jedermann, stets alles von ihm zu begreifen. Und wenn es mir gelingt, den anderen zu begreifen, so ist das schon ein Fest.
R. SCHUTZ

16. Dezember
Gott bewahre mich vor Heiligen mit verdrießlichen Mienen
Traurigkeit ist nicht dasselbe wie Trostlosigkeit (vgl. Mt 6,4).
TERESA VON AVILA

17. Dezember

Ich hatte nie bemerkt, dass jede Freude unmittelbar in Lob überfließt, wenn nicht (manchmal obwohl) Schüchternheit oder die Scheu, anderen lästig zu fallen, absichtlich aufgeboten werden, sie daran zu hindern ... Es war mir entgangen, dass die demütigsten und gleichzeitig ausgewogensten und umfassendsten Geister am meisten loben, während es am wenigsten Sonderlinge, Eigenbrötler und Unzufriedene tun. Gute Kritiker finden auch an manchen unvollkommenen Werken etwas zu loben; die schlechten kürzen immerzu die Liste der Bücher, die man allenfalls lesen dürfte. Der gesunde und ungezwungene Mensch, mag er auch in Luxus aufgewachsen und in guten Küchen vieler Länder erfahren sein, kann eine sehr bescheidene Mahlzeit loben: der Magenkranke und der Snob finden an allem etwas auszusetzen. Wo nicht unerträglich widrige Umstände stören, scheint Lob nichts anderes zu sein als hörbare innere Gesundheit ... Ich glaube, wir loben darum so gern, was uns Freude macht, weil das Lob unsere Freude nicht nur zum Ausdruck bringt, sondern sie mehrt, sie zu ihrer gottgewollten Erfüllung bringt. 
C.S. LEWIS

18. Dezember
Von einem gewissen Punkt an besteht die Zärtlichkeit der Mütter für ihre Kinder nicht mehr darin, diese für sich selber zu pflegen und sich in Liebe für sie aufzureiben und zu entkräften, sondern darin, sich um der Kinder willen zu pflegen.
Nichts ist verloren, solange man sich nicht selber aufgibt, solange man sich im Bewusstsein seiner Hinfälligkeit, in Voraussicht seines Versagens, ja in Voraussage seiner Rückfälle mitten im stets nachwachsenden Wahn einer idealeren Zukunft, über all das betrübt, um Hilfe bittet und Beistand erhofft.
M. BLONDEL

19. Dezember

Rabbi Mendel von Kozk sprach einmal zur Gemeinde: »Was begehre ich denn von euch? Drei Dinge nur: Aus sich nicht herausschielen, in den andern nicht hineinschielen und sich nicht meinen!«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN