LEBEN - Zeugnis

gesamten Text ausdrucken
13. September
Die ganze Welt wird als »Brennender Dornbusch« erkannt, voll des göttlichen Feuers und doch nicht verzehrt von ihm. Der Prophet Sacharja warnt: 'Verachtet nicht den Tag der bescheidenen Anfänge' (4,10). Wahre Mystik entdeckt das Außerordentliche im Gewöhnlichen.
O. CLEMENT

14. September
Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, wenn es auch ganz wenig ist, aber das verwirkliche ganz.
REGEL VON TAIZÉ

15. September
Gewisse Erfahrungen können durch die Sprache vermittelt werden, andere - tiefere - durch Schweigen; und schließlich gibt es Erfahrungen, die nicht vermittelt werden können, auch nicht durch Schweigen. Aber das macht nichts. Wer sagt denn, dass man Erfahrung macht, um sie mitzuteilen. Man muss Erfahrungen leben. Das ist alles. Und wer sagt, dass die Wahrheit dazu da ist, enthüllt zu werden? Sie will gesucht werden. Das genügt. Angenommen, sie liege in der Schwermut verborgen, ist das ein Grund, sie anderswo zu suchen?
R. SCHNEIDER

16. September
Bleibe bei keinem geschaffenen Ding stehen, ohne dass du von ihm zum Schöpfer vordringst. 
IGNATIUS VON LOYOLA

17. September
Wisst, dass sich der Herr inmitten der Kochtöpfe aufhält.
TERESA VON AVILA

18. September
Das Höchste ist nicht, das Höchste zu verstehen, sondern es zu tun.
S. WEIL

19. September
Wäre der Mensch so in Verzückung, wie's Sankt Paulus war, und wüsste einen kranken Menschen, der eines Süppleins von ihm bedürfte, ich erachtete es für weit besser, du ließest aus Liebe von der Verzückung ab und dientest dem Bedürftigen in größerer Liebe.
MEISTER ECKHART

20. September
Zeugnis gibt der Gläubige nun gewiss nicht nur im Wort, sondern auch durch sein Tun, und ganz allgemein durch die Weise, wie er sein Leben lebt. Durch sein Tun ist der Christ ein aufbauendes Beispiel, wenn an ihm erkennbar ist, wozu er in seinem neuen Selbstverständnis instand gesetzt, wozu er befreit ist, eben dazu, dass er nicht alles, Mensch und Ding, auf sich beziehen muss, sondern dass er sich anderen zuwenden kann, weil Christus sich ihm zugewandt hat (Apg 2,44-47; 1 Petr 5,7). Das zeigt die Aufgabe, so zu leben und zu handeln, dass die Menschen nicht uns, sondern Gott loben. Es muss also möglich sein, so zu handeln, dass unser Tun nicht so sehr als unser Werk erscheint, sondern als Gottes Wirken, jedenfalls als ein Handeln, das in dieser heilshaften und befreienden Form erst möglich ist unter der Voraussetzung der Heilstat Gottes in Christus. Auf solcherweise soll und kann jeder Gläubige ein Zeuge werden für die neue Schöpfung in Christus. 
H. VOLK

21. September
Der Auftrag Gottes und Christi an uns, den es für jeden gibt, ist nicht so zu verstehen, dass Christus uns dabei von sich wegschickt, so dass wir uns zur Ausführung von Christus trennen müssten. Vielmehr will Christus durch uns hindurch handeln (Gal 12,19f).
H. VOLK

22. September
Brächte ich es fertig, meine kleinen Pflichten jeden Augenblick getreulich zu erfüllen, wie viel Gutes würde ich dann tun. Aber dadurch, dass ich deine Treue in den kleinen Dingen eines jeden Augenblicks nicht wahre, bleibe ich unfruchtbar und allein.
CH. DE FOUCAULD

23. September
Wenn unsere Religion wirklich die Wahrheit ist, wenn das Er wahrhaft das Wort Gottes ist, dann müssen wir glauben und danach leben, selbst wenn wir es ganz allein täten.
CH. DE FOUCAULD

24. September
Ich möchte mein ganzes Leben lang die Frohe Botschaft herausschreien.
CH. DE FOUCAULD

25. September
Das Christentum ist darum für mich das Einfachste, weil es das eine Ganze des Daseins meint und alle Einzelheiten darin als solche uns überlässt, ohne auch dafür schon ein Rezept zu geben. Aber das Einfachste ist auch das Schwerste. Es ist Gnade.
K. RAHNER

26. September
Ich dachte, ich könnte glauben lernen, in dem ich selber so etwas wie ein heiliges Leben zu führen versuchte. Als das Ende dieses Weges schrieb ich mein Buch »Nachfolge« ... Später erfuhr ich es und erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen, [...] dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern das Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube; ... und so wird man ein Mensch, ein Christ.
D. BONHOEFFER

27. September
Das christliche Leben besteht eben darin, dass ich in der Welt und wie die Welt lebe, mich in nichts von ihr unterscheide, ja nicht auch gar nicht - um der Gnade willen! - von ihr unterscheiden darf, dass ich mich nicht aber zu gegebener Zeit aus dem Raum der Welt in den Raum der Kirche begebe, um mich dort der Vergebung meiner Sünden vergewissern zu lassen.
D. BONHOEFFER

28. September
Du hast den Auftrag erhalten, das Evangelium von den Dächern zu rufen, nicht durch dein Wort, sondern durch dein Leben.
CH. DE FOUCAULD

29. September
Ich will euch die beste Art weisen, Lehre zu sprechen. Man soll sich selber gar nicht mehr fühlen, nichts mehr sein als ein Ohr, das hört, was die Welt des Wortes in einem redet. Sowie man aber die eigene Rede zu hören beginnt, breche man ab.
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

30. September
Wenn ich euch abschließend sagen müsste, was das Wichtigste ist für uns, die wir in der Stadt leben wollen und die wir an ein Christentum glauben wollen, das wirklich Einfluss auf das moderne Leben hat, dann möchte ich sagen, dass unsere Grundhaltung der Sieg über die Angst sein muss. Denn warum bete ich nicht? Weil ich Angst habe, Zeit zu verlieren; weil ich Angst vor der geistlichen Trockenheit habe. 
C. CARRETTO

1. Oktober
Das, was der göttliche Bräutigam von uns fordert, - wir sind es ja, die, wie das Hohelied sagt, im Gebet die Braut darstellen -, ist: treu sein im Warten auf ihn, der kommt! Er ist jener Gott, der immer auf uns zukommt; und wir müssen bereit sein, ihn zu erwarten; dies aber in der Überzeugung, dass er uns immer Neues bringen wird.
C. CARRETTO

2. Oktober
Nicht auf dem Schwung, sondern in der Senkung der Falten wohnen die Entscheidungen.
M. BUBER

3. Oktober
Man sagt sich zuweilen: Wenn ich nur wüsste, was Gott von mir will! Doch wir müssen das Verdienst haben, selber zu suchen, ja beinah den Pfad zu bahnen, den er uns bestimmt. Er stößt uns, aber die Straße muss gerodet werden; sie ist nicht einfach von vornherein angelegt. Also mutig voran und hinein in den unbekannten Urwald, ohne Angst vor den Dornen.
M. BLONDEL

4. Oktober
Gott eint in seiner unendlichen Wirklichkeit alle Gegensätze, die zu vollkommener Einheit verschmelzen: alle Kontraste gehen von der Einheit aus und kehren dorthin zurück. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Und die Menschen, nach dem Bilde Gottes geschaffen, verkörpern kraft ihrer unsterblichen Bestimmung diese gegensätzlichen Vollkommenheiten in der Einheit ihrer Freiheit.
M. BLONDEL