LEBEN - Umkehr

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1. Juni
Rabbi Bunam sprach zu seinen Chassidim: »Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht, - die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering! Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

2. Juni
Manchmal bete ich um Selbsterkenntnis nicht im allgemeinen, sondern um gerade so viel, als ich in diesem Augenblick ertragen und brauchen kann: um die kleine tägliche Dosis. Haben wir denn irgendeinen Grund zur Annahme, restlose Selbsterkenntnis - falls sie uns zuteil werden sollte - gereiche uns zum Guten?
C.S. LEWIS

3. Juni
Nimm dir die rechte Zeit, um dir selbst zu gehören, und versenke dich oft in Gottes Gnadenfülle.
THOMAS A KEMPIS

4. Juni
Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denke also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.
BERNHARD VON CLAIRVAUX

5. Juni
Wie kannst du für andere voll und echt Mensch sein, wenn du dich selbst verloren hast. Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.
BERNHARD VON CLAIRVAUX

6. Juni
Sei du für dich der erste und der letzte Gegenstand des Nachdenkens. Wer nicht einmal den Anfang gemacht hat, darf sich nicht wundern, dass die Vollendung auf sich warten lässt. 
BERNHARD VON CLAIRVAUX

7. Juni
Es ist beachtlich, dass man vor allem seine seltenen Fehler kennt und sich ihrer anklagt, während man die alltäglichsten und schwersten übersieht oder entschuldigt. Demut ist selten, da wir uns selbst gegenüber verblendet sind. Und da wir uns in eigener Sache notwendig täuschen, müssen wir, um wirklich demütig und erleuchtet zu sein, die Meinung haben, wir seien es nicht.
M. BLONDEL

8. Juni
Demütige Selbsterkenntnis ist ein sichererer Weg zu Gott als profunde wissenschaftliche Forschung.
THOMAS A KEMPIS

9. Juni
Niemals an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln! 
BENEDIKT VON NURSIA

10. Juni
Heiligen wir uns selbst. Durch dieses Mittel werden wir auch die anderen heiligen.
CH. DE FOUCAULD

11. Juni
Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist; sondern es zuerst sein, um mit mehr Recht so genannt zu werden. 
BENEDIKT VON NURSIA

12. Juni
Zerbrich alles, was klein ist, und versuche in der Höhe zu leben, nicht aus Stolz, sondern aus Liebe.
CH. DE FOUCAULD

13. Juni
Mögen unsere Gefühle weder sterben noch uns töten.
C.S. LEWIS

14. Juni
Eine Krankheit, die dazu führt, die Hilfe des Arztes zu suchen, ist eine Krankheit, die zum Heile gereicht.
BERNHARD VON CLAIRVAUX

15. Juni

Rabbi Ahron kam einst in eine Stadt. Ein Vater brachte ihm seinen Knaben und klagte, dass der im Lernen keine Ausdauer habe. »Lasst mir ihn eine Weile hier«, sagte der Rabbi. Als er mit dem Knaben allein war, legte er sich hin und bettete das Kind an sein Herz. Schweigend hielt er es am Herzen, bis der Vater kam. »Ich habe ihm ins Gewissen geredet«, sagte er, »hinfort wird es ihm an Ausdauer nicht fehlen.« Wenn der Rabbi diese Begebenheit erzählte, fügte er hinzu: »Damals habe ich gelernt, wie man Menschen bekehrt.«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

16. Juni
Rabbi Mosche Löb erzählte: »Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er wie die anderen alle. Als aber sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: 'Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?' Jener antwortete: 'Ich liebe dich sehr.' Er aber sprach wieder: 'Du sagst: ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es in Wahrheit wissen.' Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wie vorher. Ich aber verstand: das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen.«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

17. Juni
Christus zerstört nicht den Menschen aus Fleisch und Blut. Er bricht nicht, was im Menschen da ist. Wenn du in die Stille deines Herzens hineinhorchst, verklärt er, was dich am meisten beunruhigt.
REGEL VON TAIZÉ

18. Juni
Vereinfachen, um intensiv zu leben, im Augenblick: dann wirst du den Geschmack am Leben finden, der so eng mit dem Geschmack am lebendigen Gott zusammenhängt.
REGEL VON TAIZÉ

19. Juni
Singe Christus, bis seine Freude durchbricht. 
REGEL VON TAIZÉ

20. Juni
Von allen Sünden ist die Unreinheit am schwersten auszurotten ... Wie schwer ist es, sich vollkommen von dieser Sünde zu befreien.
PFARRER VON ARS

21. Juni
Die Versuchung ist nützlich und notwendig!
PFARRER VON ARS

22. Juni
Es ist eine tagtägliche Erfahrung, dass der, welcher sich vornimmt, sich zu bekehren, um so schärfer von der Begierlichkeit des Fleisches angefochten wird.
BERNHARD VON CLAIRVAUX

23. Juni
Rabbi Schlomo fragte: Was ist die schlimmste Tat des Bösen Triebs? Und er antwortete: Wenn der Mensch vergisst, dass er ein Königssohn ist.
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

24. Juni
Der liebe Gott verlangt von uns nicht das Martyrium, sondern bloß, dass wir einigen Versuchungen widerstehen.
PFARRER VON ARS


25. Juni
Eine Versuchung ist nicht nur ein Gedanke der Unreinheit, des Hasses oder der Rachsucht, den man verwerfen muss, sondern jeglicher Überdruss, der über uns kommt.
PFARRER VON ARS

26. Juni
Die größten Heiligen sind jene, die am meisten versucht worden sind.
PFARRER VON ARS

27. Juni
Die gewöhnlichsten Versuchungen sind Hochmut und Unkeuschheit. Ein Mittel, ihnen am besten zu widerstehen, ist ein für die Ehre Gottes tätiges Leben. Viele Leute geben sich der Verweichlichung und dem Nichtstun hin.
PFARRER VON ARS

28. Juni
Man ist nur, was man sein will. Wer ordentlich schreibt, ist auch fähig, seiner Leidenschaften Herr zu werden.
S. WEIL

29. Juni
Nicht wünschen, dass irgendeine unserer Erbärmlichkeiten verschwinde, sondern die Gnade erbitten, die sie verwandelt.
S. WEIL

30. Juni

Versuchen, seinen Fehlern durch die Aufmerksamkeit abzuhelfen und nicht durch den Willen ... Wendet man die Aufmerksamkeit mit Liebe auf Gott, so werden gewisse Dinge un-möglich.
S. WEIL

1. Juli
Wundere dich nicht, dass du - ein Mensch - ein Engel werden kannst. Denn vor dir liegt die engelgleiche Herrlichkeit; diese verheißt der Kampfrichter den Kämpfenden.
GEISTLICHE WIESE

2. Juli
Wenn nämlich so ein Anfänger sich bemüht, mit Gottes Hilfe zum Gipfel der Vollkommenheit zu gelangen, so geht er meines Erachtens niemals allein in den Himmel ein, sondern zieht immer auch viele andere nach sich; denn als einem tapferen Feldherrn teilt ihm Gott Seelen zu, die sich ihm anschließen.
TERESA VON AVILA

3. Juli
Die Gnade besteht darin, dass man sich vergisst.
G. BERNANOS

4. Juli
Und hätte ich wie heute abend, ihm nichts anzubieten, so soll er eben dieses Nichts haben.
THÉRÈSE VON LISIEUX

5. Juli

Céline klagt über das Verrauchen der ersten Begeisterung im Kloster. Therese dazu: »Das war nur Jugendlichkeit. Die wirkliche Tapferkeit ist nicht diese Glut des Augenblicks, in der man begehrt, auf Eroberung der Seelen auszuziehen um den Preis aller Gefahren, die diesem schönen Traum nur einen Reiz mehr verleihen. Wirklich tapfer sein heißt, das Kreuz inmitten der Herzensangst ersehnen, während man sich sozusagen dagegen wehrt, wie unser Herr am Ölberg.«
THÉRÈSE VON LISIEUX

6. Juli
Verschweige, was Gott dir gibt, und erinnere dich an das Wort der Braut (Jes 24,16): 'Mein Geheimnis ist für mich!'
JOHANNES VOM KREUZ

7. Juli
Denn Gott ist uns inwendiger als wir selbst es sind, und sein inwendiges Treiben oder Wirken in uns - ob natürlich oder übernatürlich - ist uns näher und inniger in uns als unser eigenes Wirken, und deswegen wirkt Gott in uns von innen nach außen.
JAN VAN RUUSBROEC

8. Juli
Einer kam zum Kozker und brachte sein Leidwesen vor: »Die Leute nennen mich einen Frömmler. Was ist das für ein Gebrechen, das sie mir zuschreiben? Warum ein Frömmler und nicht ein Frommer?« »Der Frömmler«, erwiderte der Rabbi, »macht aus der Hauptsache der Frömmigkeit eine Nebensache und aus ihrer Nebensache die Hauptsache.«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

9. Juli
Der Kozker sprach: »Wenn ein Mensch ein Gesicht macht vor 


einem Gesicht, das kein Gesicht ist, das ist Götzendienst.«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

10. Juli
Die Hindernisse sind ein Zeichen dafür, dass die Sache Gott gefällt. Die Schwäche der menschlichen Mittel ist eine Quelle der Stärke. Gott bedient sich der widrigen Winde, um uns in den Hafen zu führen.
CH. DE FOUCAULD
11. Juli
Ich muss die Kraft aus meiner Schwäche schöpfen und mich für Gott eben dieser Schwäche bedienen.
CH. DE FOUCAULD

12. Juli
Ich glaube nur an das, wozu ich mich überwinden muss. Ich habe nichts Brauchbares in dieser Welt getan, was mir nicht zunächst nutzlos erschienen wäre, nutzlos bis zur Lächerlichkeit, nutzlos bis zum Ekel. Der Dämon meines Herzens heißt - wozu?
G. BERNANOS

13. Juli
Bei einem wirklich liebenden Wesen wiegt das Stammeln eines ungeschickten Geständnisses schwerer als das schönste Gedicht. 
G. BERNANOS

14. Juli

Die Sünde dringt selten mit Gewalt in uns ein, sondern mit List. Sie kommt herein wie die Luft. Sie hat keine Form, keine Farbe, noch Geschmack, die ihr eigentümlich wären, sie nimmt sie aber alle an. Sie unterhöhlt uns von innen.
G. BERNANOS

15. Juli
Die Heiligkeit ist auf keine Formel zu bringen, oder vielmehr: auf alle. Sie umschließt und überhöht sämtliche Kräfte, sie verwirklicht die in eine einzige Ebene hinabgezwungene Verdichtung der allerhöchsten Fähigkeiten des Menschen. Um die Heiligkeit auch nur zu erkennen, bedarf es einer Anstrengung, einer Teilnahme gewissermaßen an ihrer Lebensform, an ihrem unsäglichen Aufschwung.
G. BERNANOS

16. Juli
Ich bilde mir nicht ein, mein Leben zu führen. Niemand, außer den Heiligen, hat je sein Leben geführt. 
G. BERNANOS

17. Juli
Es ist leichter, als man glaubt, sich zu hassen. Die Gnade besteht darin, dass man sich vergibt. Wenn aber aller Stolz in uns gestorben wäre, dann wäre die Gnade der Gnaden, sich selbst demütig zu lieben als irgendeinen, wenn auch noch so unwesentlichen Teil der leidenden Glieder Christi.
G. BERNANOS

18. Juli
Fange damit an, dass du über dich selbst nachdenkst, damit du dich nicht selbstvergessen nach anderem ausstreckst ... Wärest du auch weise, so würde dir doch Wesentliches zur Weisheit fehlen.
BERNHARD VON CLAIRVAU