CHRISTUS - Schweigen

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22. Mai
Dreiundzwanzig Jahre lang habe ich das Schweigen gebrochen und habe ihm doch kaum einen Riss beigebracht. Das Schweigen ist ohne Ende. Reden ist nur ein Anfang.
H.D. THOREAU

23. Mai
Man vermag dem Worte nicht besser als mit Schweigen und Hören zu dienen. Räumst du ihm deine Seele gänzlich ein, so erfüllt es dich ohne Zweifel ganz und gar; ebensoviel wie du ihm einräumst, so viel strömt seines Wesens in dich ein, nicht mehr und nicht weniger. 
JOHANNES TAULER

24. Mai
Wie viele Paradoxe enthält das Leben, das auf keine Formel zu bringen ist!
R. GUARDINI

25. Mai
Du sollst dieses tiefe Schweigen oft und oft in dir haben und es in dir zu einer Gewohnheit werden lassen, so dass es durch Gewohnheit ein fester Besitz in dir werde; was nämlich einem ge-übten Menschen wie nichts erscheint, dünkt einem ungeübten ganz unmöglich: denn Gewohnheit erzeugt Geschicklichkeit.
JOHANNES TAULER


26. Mai
Der Mensch, der mir begegnet, ist oft nicht so lehrreich wie das Schweigen, das er bricht.
H.D. THOREAU

27. Mai
Schweigen ist die Stille vor dem Wort, der Mutterschoß des Wortes, der es lange trägt, um es zu gebären.
H. SCHLIER

28. Mai
Wer weiß, vielleicht sollte man in der Kirche doch mehr schweigen als reden, jedenfalls auch schweigen. Und gewiss findet das Wort die gegenwärtige Sprache dort am ehesten, wo es sich aus einer schweigsamen Existenz aufmacht.
H. SCHLIER

29. Mai
Jeder braucht etwas Wüste.
E. KÄSTNER

30. Mai
In diesem langen Schweigen habe ich getreulich an Sie gedacht ... Schweigen - Sie wissen es - ist das Gegenteil von Vergessen und Kälte: In meditatione exardescet ignis ... Im Schweigen liebt man am glühendsten; Lärm und Worte verlöschen oft das innere Feuer.
CH. DE FOUCAULD


31. Mai
Ganz gewiss hat das Schweigen auch keinen Wert in sich selbst, es kann eitel und bedeutungslos sein. Es gibt das Schweigen der Feigen (Petrus im Hof des Hohenpriesters) und das Schweigen der Verräter (Judas beim letzten Mahl). Man kann Gottes Sache mit seinem Schweigen verraten, wie man ihn mit seinen Worten verraten kann. Daher handelt es sich ganz und gar nicht darum zu fliehen (Flucht in die Retraite), sondern im Gegenteil darum, auf der Flucht umzukehren, nicht mehr wie bisher Worte und Sachen zwischen sich und den lebendigen Gott zu stellen. Sei also dankbar für die äußere Stille, die dir hier von Gott gegeben ist, und achte sie; strebe nach der inneren Stille, dank der dir die äußere Stille keine Last mehr sein wird, sondern im Gegenteil ihren ganzen Wert gewinnen wird. »Die innere Stille erfordert zunächst, dass man sich von sich selbst los-gesagt hat, um die wirren Stimmen zu beruhigen und des Druckes der Sorgen Herr zu werden - in dem steten Neuanfang eines Menschen, der niemals entmutigt ist, weil ihm immer vergeben wird.«
BRÜDER VON TAIZÉ