MENSCH - Berufen

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7. Februar
Jegliche Kreatur weist hin auf Gott, nicht eine enthüllt ihn. Sobald unser Blick auf einer Kreatur verweilt, zieht sie uns ab von Gott ... Gott ist, was vor uns ist ... Sei wie ein Wanderer, der alles nur im Vorbeigehen betrachtet und nirgends Halt macht. Sage dir stets: Gott allein ist nicht vorläufig.
A. GIDE

8. Februar
Seht, so sind wir alle eins mit Gott in unserem ewigen Bilde, das die Weisheit Gottes ist, die unser aller Natur angenommen hat. Und wenn wir nun eins sind in unserem Bild mit Gott aufgrund der Angenommenheit unserer Natur, müssen wir ihm auch ähnlich werden in Gnaden und Tugendwirken, sollen wir uns geeint finden mit Gott in unserm ewigen Bild, Jesus Christus erhöht und eins mit der Weisheit Gottes, und seine Seele und alle seine Kräfte waren erfüllt und sind es noch mit der Fülle aller Gaben, und er ist für uns eine lebendige Quelle, aus der wir alles empfangen, dessen wir bedürfen.
JAN VAN RUUSBROEC



9. Februar
Setzen wir einmal den Fall, ich kenne Sie wirklich nicht so genau und so richtig, wie Sie in Wahrheit sind! Dieser Fall ist sehr wahrscheinlich, ja gewiss, ich kenne Sie wirklich nicht ganz. Aber warum soll ich Sie denn so kennen? Warum sollte irgendein Beichtvater Sie so kennen? Es genügt doch, dass Gott Sie kennt, er, der unfehlbare Erforscher der Herzen, »dem jeder Laut bekannt ist«. Aber freilich, das genügt Ihnen nicht. Weil aus dem wissenden Gott niemals ein Echo Ihrer stummen oder auch laut schreienden Anklagen zurückkommt, weil er sich sogar nicht äußert über Sie. Sie möchten so gerne überall einen Reflex, ein Spiegelbild Ihres Wesens sehen, an dem Sie sich betrachten, vergleichen, studieren, begutachten können: Sie haben das Bedürfnis, dass ein anderer, irgend jemand, gleichsam ein Unparteiischer sich einmenge in Ihren Streit mit Ihrer eigenen Seele. Aber Gott sagt nichts!
P. LIPPERT

10. Februar
Das ist das Geheimnis der Dinge: wer ihnen nachläuft, vor dem fliehen sie; wer sie pflücken will, dem entfallen sie; wer sich an sie hängt, dem werden sie entrissen. Wer aber an ihnen vorübergeht, dem laufen sie nach, um mit ihm zu Gott zu kommen; auf einen solchen Menschen harren die Kreaturen, sie schauen auf ihn und lauschen auf seine Schritte.
P. LIPPERT


11. Februar
Dienen heißt, mit dem Leib den Menschen zur Seite zu stehen und mit dem Geist durch das Gebet am Himmel anzuklopfen.
JOHANNES KLIMAKOS

12. Februar
Aber Du wirst das nicht immer begreifen und erfahren, und gar manchmal wirst Du zurückschauen und abfallen wollen. Das ist der Zweifel an Gott, dem Dunkeln und Fernen, und an seiner Welt! Aber wenn Du ihn auch besiegt hättest, es bliebe noch der Zweifel an Dir selbst: die letzte Qual aller Heiligen. Auf Deinem Wege liegt lauernd die quälende Unzufriedenheit mit Dir selbst. Es kommt die Zeit, wo Du nicht nur an dem Ziele und dem Wege, sondern sogar an Deinem eigenen Gehen zweifeln wirst, wo Dein Leben zu wimmeln scheint von Versäumnissen, Trägheit, Feigheit, wo Dein Wille immer schwächer, zerbrochener wird, wo das Paradies deiner Unschuld und Reinheit immer weiter zurückweicht.
P. LIPPERT

13. Februar
Siehe die große Tragik: wir müssen streben, schaffen, rennen, beten, beichten, bessern, opfern, leiden immer aufs neue - bis all das, unsere ganze Tat zusammenbricht unter uns, bis wir mit gebrochenen Rädern hinstürzen auf Gnade und Ungnade, dann kann Gott uns aufnehmen in seine Vaterarme, wie Kinder, die nichts übrig behalten als das große Vertrauen: 'Vater, in deine Hände befehle ich!' Aus dem Zusammenbruch in Gottes Arme! Ohne Deinen Kampf und deine Tat gäbe es aber keinen Zusammenbruch deiner Tat! So höre denn: wenn einmal der Zweifel Dich zu töten droht, dann bist Du dem Leben nahe.
P. LIPPERT

14. Februar

Was ist der Sinn davon, dass Gott, und auch und gerade Gott in Christo, sich völlig verschweigt und verbirgt in eine Welt scheinbar totalen Unglaubens und totaler Nacht?
G. GREENE

15. Februar
Du bist gekommen. 
Was ändert sich?
Wo du dich anzeigst,
verberge ich dich
durch meine Taten,
durch meine Worte.
Du hast geworben.
Wen werbe ich?
Nur zu verdrossen
bezeuge ich dich
durch meine Taten,
durch meine Worte.
Du willst noch warten.
Erwartest mich,
bis ich mich stelle,
gefordert durch dich,
durch deine Taten,
durch deine Worte.
Du bist gekommen.
Herr, präge mich,
wo du mich hinschickst
zum Zeichen für dich,
für deine Taten,
für deine Worte.
UNBEKANNT