MENSCH - Erwählt

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23. Januar
Wir müssen uns selbst in Ehren halten. Der Mensch muss sehr demütig sein; in Furcht wegen seiner Schwäche, in Reue über seine Sünden - aber er muss auch wissen, dass er das innigste Geheimnis Gottes ist. Er muss sich sehr in Ehren halten ... Am Ende wird der Mensch ein unsägliches Geheimnis sein: ganz gottähnlich, und ganz menschlich. Unaussprechlich schön und groß. Der Mensch ist Gottes Freude.
R. GUARDINI

24. Januar
Augustinus sagt: »Gieß aus, damit du erfüllt werden kannst; geh aus, auf dass du eingehen kannst.« Und an anderer Stelle: »Edle Seele, vornehmes Geschöpf, was suchst du den außer dir, der ganz und gar, in aller Wahrheit und ganz unverhüllt in dir ist, und was hast du noch, da du göttlicher Natur teilhaftig bist, mit all den Geschöpfen zu tun und zu schaffen?« Wenn der Mensch so die Stätte, den Grund bereitet, so muss sonder allen Zweifel Gott ihn ganz und gar erfüllen, eher bärste der Himmel und erfüllte das Leere. Viel weniger lässt Gott die Dinge leer, es wäre ganz gegen sein Wesen und seine Gerechtigkeit. Und darum sollst du schweigen! So kann das Wort dieser Geburt in dich gesprochen und es in dir vernommen werden. Aber gewisslich, willst du sprechen, so muss Gott schweigen. 
JOHANNES TAULER

25. Januar

Das Licht der Sonne überstahlt alle anderen Leuchten so, dass sie im Sonnenglanz kein Licht mehr geben, denn unsere Sehkraft ist geblendet. Die Sonne gibt also im Hinblick auf die anderen Leuchten keine Sicht, sondern nimmt sie vielmehr und macht blind, weil ihr Licht unsere Sehkraft unverhältnismäßig übersteigt. Ebenso überwältigt und besiegt das Licht des Glaubens durch sein Übermaß das Licht des Verstandes, das ja an sich für das natürliche Erkennen hinreicht, obwohl es auch für das Übernatürliche bestimmt ist, wenn unser Herr es zu übernatürlicher Fähigkeit erheben will.
JOHANNES VOM KREUZ

26. Januar
In jedem Christen lebt Christus gleichsam sein Leben neu: er ist zuerst Kind und reift dann heran, bis er das volle Alter des mündigen Christen erreicht. Darin aber wächst er, dass der Glaube wächst, die Liebe erstarkt, der Christ sich immer klarer seines Christseins bewusst wird und mit immer größerer Tiefe und Verantwortung sein christliches Dasein lebt.
R. GUARDINI

27. Januar
Unerhörter Gedanke! Erträglich nur im Glauben, dass Christus wirklich der Inbegriff ist; und in der Liebe, die mit ihm eins werden will. Oder wäre der Gedanke, mit einem zusammengefügt zu sein - nicht nur verbunden im Leben und im Tun, sondern in eins gewachsen in Sein und Selbst - zu ertragen, falls er nicht als Jener geliebt würde, durch den ich mein eigentliches Ich finde, das des Kindes Gottes und mein eigentliches Du, nämlich den Vater?
R. GUARDINI

28. Januar

In jedem Menschen findet sich eine Schicht der Einsamkeit, die keine menschliche Verbundenheit ausfüllen kann, auch nicht die stärkste Liebe zwischen zwei Menschen. Wer nicht in diese Stelle der Einsamkeit einwilligen will, lebt im Aufruhr, im Aufruhr gegen die Menschen und sogar gegen Gott ... Dort in der Tiefe des Seins, wo keiner keinem gleicht, dort erwartet dich Christus.
REGEL VON TAIZÉ

29. Januar
Christus ist es, der dich zuerst geliebt hat, das ist sein Geheimnis ... Ich möchte dich dazu bewegen, mit deinem Leben das Gedicht einer Liebe zwischen dir und ihm zu schreiben.
REGEL VON TAIZÉ

30. Januar
Je weiter der Mensch zurücktritt, um so stärker und tiefer wird sein Sprung in Gott ihn tragen.
JOHANNES TAULER

31. Januar
Man fragte Rabbi Pinchas: »Warum wird Gott Ort genannt? Freilich ist er der Ort der Welt; aber dann müsste man ihn eben so nennen, und nicht Ort schlechthin.« Er antwortete: »Der Mensch soll in Gott hineingehen, dass Gott ihn umgebe und sein Wort werde.«
CHASSIDISCHE ERZÄHLUNGEN

1. Februar
Eine Person kann vom Feuer erwärmt sein, ohne dass sie das Feuer wahrnimmt. 
JOHANNES VOM KREUZ


2. Februar
Das ist die größte Gabe, dass wir Gottes Kinder seien und dass er seinen Sohn in uns gebäre. 
MEISTER ECKHART

3. Februar
Das haben schon viele geistliche Seelen an sich erfahren, die sich oft von Liebe zu Gott entzündet sahen, ohne dass sie eine klarere Erkenntnis hatten als ehedem. Man kann eben eine geringe Erkenntnis und einen hohen Grad von Liebe haben, wie es auch möglich ist, eine umfassende Erkenntnis und eine schwache Liebe zu besitzen. Man kann oft fromme Seelen fin-den, die in der Erkenntnis Gottes nicht weiter vorangeschritten, aber um so mehr bezüglich des Wollens gefördert sind. Statt der Wissenschaft des Verstandes genügt ihnen der Glaube, durch welchen Gott ihnen die Liebe eingießt oder deren Tätigkeit vermehrt, und das bedeutet eine Zunahme der Liebe, ohne dass die Erkenntnis wächst. Und so kann der Wille Liebe trinken, ohne dass der Verstand neue Erkenntnisse aufnimmt.
JOHANNES VOM KREUZ

4. Februar
Mit der Liebe Gottes vereint, dankt der Mensch neu dem Vater und liebt ihn in seinem Sohn Jesus Christus, mit und in ihm. Mit Christus vereint, tut er das, zusammen mit Christus.
R. MOSIS

5. Februar
Gott will durch mich leben ... Wenn ich das zulasse, werde ich immer mehr lernen, von innen nach außen zu schauen.
J. BOURS

6. Februar
Ich kann mir nicht vorstellen, was mein Leben wäre, wenn ich dies nicht sagen könnte: Ich freue mich, dass Gott an mich gedacht hat!
J. BOURS