 |
Kaltvergärung, auch temperaturgesteuerte
Gärführung
genannt, ist unter Winzern und Kellermeistern eines der großen
Schlagworte auf dem Weg zu besserer Weinqualität. Dahinter
verbirgt sich die Kontrolle der alkoholischen Gärung, die
behutsame Umwandlung des Zuckers aus der Traube in Alkohol unter
niedrigen Temperaturen.
Die eigentliche Wandlung des Traubensafts
zu Wein geschieht durch die Arbeit einer besonderen Art von
Hefen, die den lateinischen
Namen saccharomycey cerevisiae tragen. Diese mikroskopisch kleinen
Hefepilze nutzen die beiden natürlich in der Traube vorkommenden
Zuckerarten Glucose und Fructose als Energiequelle und wandeln
sie in Alkohol, Kohlendioxid und Wärme um. Bei diesem Vorgang
ist der Wärmeverlust über die Tankwand oder das Holzfass
nach außen recht gering, so dass sich der gärende
Most langsam aufheizt. Da sich Hefezellen bei warmen Temperaturen
sehr wohl fühlen, vermehren sie sich sprunghaft, und es
kommt zu einer sogenannten stürmischen Gärung. Das
dabei entstehende Kohlendioxid entweicht sprudelnd und nimmt
dabei einen großen Teil der leicht flüchtigen Weinaromen mit sich. Das Ergebnis ist eine schnelle und vollständige
Vergärung, aber auch ein aromen- und damit facettenarmer
Wein. Die Aromen, die dabei verloren gehen, sind vor allem sekundäre
Weinaromen. So bezeichnet man die Aromastoffe, die noch nicht
in der Traube vorhanden sind, sondern erst als Nebenprodukt bei
der alkoholischen Gärung entstehen. Für Art und Charakter
des Weines sind diese Sekundäraromen aber besonders wichtig.
Auch die bei der Gärung entstandene Kohlensäure bleibt
bei langsamer Fermentation zu einem Teil im Wein gebunden. Gerade
junge Weine präsentieren sich so besonders frisch und spritzig.
Um möglichst viele Aromen im Wein zu erhalten, kühlt
man den Most deshalb während der Gärung auf eine Temperatur
von ca. 15°C. Die Gärung verläuft so langsamer,
und der Aromaverlust kann auf ein Minimum begrenzt werden. Mit
noch niedrigeren Temperaturen umzugehen, birgt allerdings Risiken,
da die Hefen dann ihr Wachstum und ihren Stoffwechsel einstellen
können, wodurch die Gärung unterbrochen werden
kann.
Die technische Umsetzung der Kaltgärung ist in der Regel
eine einfache Wasserkühlung von Edelstahltanks, weil dieses
Material eine besonders gute Wärmeleitfähigkeit besitzt.
Je nach vorhandener Technik wird das Wasser aufgestäubt
und so die Verdunstungskälte genutzt, oder man berieselt
die Tanks mit kühlem Wasser.
Bei allen Vorteilen, die diese kühle, kontrollierte Art
der Vergärung bietet, ist sie doch kein Patentrezept. So
kann während der Gärung nur das an Qualität erhalten
werden, was das Lesegut mitbringt.
Linktipp:
Bioweine von a-tavola!
|
 |