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Perspektiven der Votanten

Impulse, Konkretionen, Optionen, Orientierungen, Hoffnungen

Die zum Thema Ökumene formulierten Perspektiven sind in ihrer Mehrzahl knapp und unmißverständlich klar gehalten.

30 Voten fordern die Intensivierung der Ökumene mit dem Ziel der Überwindung konfessioneller Grenzen.

Der ökumenische Auftrag muß ernster genommen werden. Die Einheit der Christen darf nicht an zweitrangigen Kriterien scheitern. Das Reich Gottes muß schon hier beginnen (''Das Reich Gottes ist mitten unter euch''). Hier und heute brauchen Menschen Hilfe. Sie dürfen nicht auf das Jenseits vertröstet werden. (G367-923-0)

In 17 Zuschriften findet der Wunsch nach stärkeren ökumenischen Akzenten auf der kirchlichen Leitungsebene Ausdruck. Hierzu gehören insbesondere Ermutigungen der Bistumsleitung zu einer intensiveren Ökumene zwischen den christlichen Konfessionen. Gerade aufgrund der besonderen lokalen Situation müßte das Erzbistum Köln, so die in einem Votum zum Ausdruck gebrachte Forderung, eine Vorreiterrolle spielen.

Da Köln zu den Diözesen weltweit gehört, wo weder katholische noch evangelische Christen in einer Diasporasituation sind - also gleichwertige Partner, wo keiner sich in die Ecke gedrängt fühlen muß -, kann unsere Diözese hier einen besonderen Dienst für die Weltkirche übernehmen, wenn wir nicht nur mit einem freundlichen Nebeneinander zufrieden sind. (VD-027-340)

Hauptforderung der Votanten ist die Anerkennung ökumenischer Gottesdienste an Sonn-und Feiertagen als ''vollwertige'' sonntägliche Gottesdienste (Sonntagspflicht) unter Abbau der z.Z. geltenen Einschränkungen (42 Voten). In diesen Voten wurde die volle Anerkennung ökumenischer Gottesdienste wenigsten an einigen (zweiten) Feiertagen oder wenigstens für Paare aus ''konfessionsverbindenden'' Ehen gefordert. In einem Votum wird betont, daß das Thema kontrovers diskutiert wurde.

Die Frage nach der uneingeschränkten Anerkennung ökumenischer Gottesdienste ist eng mit dem Problem der Mahlgemeinschaft verknüpft. Etliche Votanten erleben die derzeitige Situation als unbefriedigend und können die Gründe hierfür kaum nachvollziehen. 25 Votanten treten - als Vorgriff auf eine anzustrebende Kirchengemeinschaft - für eine volle Mahlgemeinschaft zwischen den christlichen Konfessionen ein (in einem Votum werden neben dem Wunsch nach der Mahlgemeinschaft auch von einem Teil der Gesprächsteilnehmer Bedenken vorgebracht); in 8 Voten wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß sich wenigstens für die ''konfessionsverbindenden'' Ehen in naher Zukunft etwas ändern möge.

Die Sorge um eine sensiblere und gemeinsame Seelsorge an Paaren aus ''konfessionsverbindenden'' Ehen eint die Verfasser von 17 Voten. Zumindest den konfessionsverbindenden Paaren soll die jeweilige eucharistische Gastfreundschaft ermöglicht werden.

Hinsichtlich des besonders sensiblen Bereichs der Teilnahme an Abendmahl- und Eucharistiefeiern, die Paare in konfessionsverbindenden Ehen bestärken, ihrem sie drängenden Gewissen zu folgen. (Christus lädt ein!) (DS-110)

Die Predigterlaubnis für nichtkatholische Amtsträger nicht nur in ökumenischen Gottesdiensten, sondern auch in katholischen Eucharistiefeiern wurde 12 mal gefordert. Der Wunsch, das Amtsverständnis zu überdenken, wurde in diesem Zusammenhang einige Male geäußert.
Ein Votum wünscht die Einsetzung eines ökumenischen Sachverständigenausschusses und ein anderes die Veränderung des Wortes ''katholisch'' in ''christlich'' im Glaubensbekenntnis.

Das Erzbistum Köln sollte Schritte unternehmen, um Regelungen zu finden, die das Leben in einer konfessionell gemischten Gesellschaft erleichtern. Wir wünschen daher möglichst bald die Wiedereinsetzung eines Sachverständigenausschusses auf Bistumsebene, um die strittigen Punkte, besonders die Amtsfrage und das Abendmahlsverständnis betreffend, weiter zu klären. Pastoralgespräch und ökumenischer Dialog gehören zusammen. (G184-362-0)
Die Formulierung im Großen und Apostolischen Glaubensbekenntnis ''katholische Kirche'' soll durch ''christliche Kirche'' ersetzt werden, weil dies die ursprüngliche Bedeutung von katholisch als allgemein und allumfassend richtig wiedergibt. (G132-139-0)

Doch auch Forderungen an sich selbst stellen die Votanten, indem sie nämlich eine Stärkung des örtlichen ökumenischen Gemeindelebens anstreben (10 Voten). Hier werden eine Reihe von Vorschlägen gemacht:

  • regelmäßige gegenseitige Information, z. B. im Pfarrbrief
  • Abstimmung der Jahresplanung
  • ökumenische Ehevorbereitung
  • gemeinsame Pfarrbesuchsdienste, z. B. im Krankenhaus oder für Neuzugezogene
  • weitere Kreise und Aktivitäten der Gemeinde ökumenisch gestalten: Senioren- Nachmittage, Hobby- und Spielkreise, Bibelkreise, Ausflüge und Freizeiten usw.
  • die ökumenische Zusammenarbeit im geselligen und im caritativen, gesellschaftlichen und politischen Bereich ausweiten

Ökumenische Gesprächskreise auf breiter Ebene fördern das Verständnis der einzelnen Konfessionen untereinander und müßten verstärkt angeboten werden. (G114-050-0)

In 11 Voten wird für die Ausweitung der Ökumene auf alle christlichen Konfessionen und eine Intensivierung des interreligiösen Dialogs optiert.

Ökumene muß sich zukünftig auch auf andere monotheistische Religionen beziehen (orthodoxe Kirchen, Juden, Islam). Insbesondere die Zuwendung zum Islam ist - wegen der vielen bei uns lebenden Türken - wichtig. (G134-157-0)

Mit jeweils einer bis maximal fünf Nennungen sind folgende Forderungen in den Voten auszumachen:

  • ökumenische Weiterentwicklung liturgischer Texte
  • ökumenisches Taufritual
  • ökumenische Aufnahmekriterien für Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft
  • gemeinsamer Religionsunterricht von katholischen und evangelischen Schülern
  • nichtkatholische Mitarbeiter der Caritas
  • gemeinsame Verlautbarungen der Kirchenleitungen
  • Mitgliedschaft der katholischen Kirche im Ökumenischen Rat der Kirchen
  • Anerkennung jeder Form christlicher Eheschließung von ''konfessionsverbindenden'' Paaren.


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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