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Wahrnehmungen der Votanten

Situationsbeschreibungen, Ist-Stand, Vorgefundenes

Im Verhältnis zu den ausführlich und oft appellativ vorgetragenen Impulsen, Wünschen, Aktionen und Hoffnungen im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Ökumene beschreibt eine relativ geringe Anzahl an Voten den Ist-Stand. Die Bandbreite der beschriebenen ökumenischen Situation vor Ort reicht von geringen Kontakten über ein herzliches und offenes Klima bis hin zu einem ökumenischen Miteinander.

Ökumenische Gottesdienste, Bibelkreis, Helferkreis zur Betreuung von Aussiedlern und Asylbewerbern, Kleinkinderspielkreis, Kinderchor, Disco, Gymnastikkurs (Frauengemeinschaft), Seniorennachmittage (Advent, Karneval), Begegnungsfrühstück, Literaturkreis, Basar, Pfarr- und Gemeindefest (alle 2 Jahre), ökumenische Trauungen (auf Wunsch), gegenseitige Benutzung der Gotteshäuser (je nach Bedarf). (G263-663-0)

Für etliche Votanten (21) gehört Ökumene zum Alltag des gemeindlichen Lebens, wo sie selbstverständlich praktiziert wird.

Ökumene ist für uns kein Thema für ausgewählte Tage und Anlässe. Ökumene ist Alltag! Es gibt gemeinschaftliche Schulgottesdienste, Behindertenarbeit, Erwachsenenbildung, geselliges Tanzen, gemeinsames Frühstück, Altenclub. Ein Mitglied des evangelischen Presbyteriums nimmt regelmäßig an den Sitzungen des PGR teil. Alle sozial-kommunikativen Angebote werden ökumenisch genutzt.
Die Atmosphäre zwischen den Gemeinden ist so offen, daß Angebote von der evangelischen Pfarre wie selbstverständlich auch von den Mitgliedern der katholischen Pfarre angenommen werden. Das gleiche gilt auch umgekehrt. Durch Kontakte - durch Sich-Kennen-Lernen - wird die Stimmung in unserem Stadtteil ökumenisch. Es heißt miteinander, nicht gegeneinander.
Die konfessionellen Unterschiede werden nicht verwischt, nicht vertuscht. Sie werden zur Sprache gebracht, damit können wir - ohne Krieg und ohne missionarischen Eifer - leben. (G145-231-0)

Gerade wegen der z.T. guten Ökumene im Alltag vermissen einige die sonn- und feiertägliche Ökumene. Dahinter wird ein strukturelles Problem vermutet, nämlich das der nicht ausreichenden Unterstützung der Ökumene durch die Kirchenleitung.

Viele Gruppen unserer Gemeinde werden von ChristInnen beider Konfessionen getragen. Die bestehenden Strukturen erweisen sich hierbei teilweise als hinderlich. (G214-414-0)
Berührungsängste gibt es zwischen den Christen der evangelischen und katholischen Kirche im Prinzip nicht. Es wird vermutet, daß diese Ängste hauptsächlich in den oberen Kirchenkreisen bestehen (Angst um den eigenen Posten?). (G134-157-0)
Es besteht der Eindruck, daß an der Basis Gemeinsamkeit gelebt wird, ohne sich um theologische Gehalte zu kümmern, aber auch ohne offizielle Unterstützung durch die Kirche. (G145-227-0)

Sechs Voten stellen fest, daß konfessionelle Unterschiede den meisten Christen nicht mehr bekannt oder nicht mehr vermittelbar seien. Zwei Voten stellen kritisch einen Stillstand in der Ökumene fest.

Für 5 Votanten ist eine ökumenische Praxis fast nicht feststellbar.

Nur wenig ökumenische Zusammenarbeit vorhanden. ... Trotz weniger offizieller Kontakte ist aber das Verhältnis untereinander gut und freundschaftlich. (G343-781-0)

Für einige Votanten zeigt sich die schmerzliche Erfahrung der Trennung der christlichen Konfessionen insbesondere bei jenen Ehepartnern, die jeweils einer anderen Konfession angehören. Besonders die fehlende Mahlgemeinschaft zwischen den christlichen Konfessionen wird als Erschwernis zur aktiven Teilnahme der ''konfessionsverbindenden'' Ehepaare und ihrer Familien am kirchlichen Leben empfunden.

Die Bezeichnung ''konfessionsverschiedene Ehe'' wird von uns als trennend empfunden. Dieser Ausspruch akzentuiert zu stark die Unterschiede und widerspricht der angestrebten Entwicklung. Die Bezeichnung ''konfessionsverbindend'' wäre dagegen eine positive Bewertung der Lebensgemeinschaft zwischen Angehörigen beider Konfessionen. Die Schwierigkeiten für den evangelischen Partner an der katholischen Eucharistie teilzunehmen und die dem katholischen Partner auferlegte Beschränkung zur Teilnahme am evangelischen Abendmahl werden als eine der schmerzlichsten Trennungen im partnerschaftlichen Bereich empfunden. Die in der katholischen Kirche vielfach geübte strenge Auslegung ihrer dogmatischen Bestimmungen reißt Wunden und führt zur Resignation oder Auflehnung. (G114-050-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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