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Geschwisterlichkeit/Offenheit/Toleranz in der Kirche

Die Glaubwürdigkeit der Kirche, so der Tenor der Voten zu diesem Thema, hängt davon ab, ob und wie Werte wie Geschwisterlichkeit, Toleranz, Offenheit, Mut, Dialog- und Kritikfähigkeit gelebt werden. Dies gilt für die Gemeinschaft der Glaubenden ebenso wie für die Funktionsträger, nach innen ebenso wie nach außen.
Glaubwürdigkeit innerhalb der Kirche wird überall da erlebt, wo der einzelne Mensch persönliche Ansprache erfährt, wo er sich respektiert und angenommen fühlt und sich in seiner Gemeinde wiederfindet, wo er einen Zugang zu Gott als Mittelpunkt der Kirche bekommt.

... eine geschwisterliche Gemeinschaft von Frauen, Männern, Jungen, Alten, Laien und Amtsträgern, damit Menschen in den Gemeinden Heimat finden. (G313-708-0)
Das glaubwürdige Zeugnis einer lebendigen Gemeinde vermag mehr als alle organisierten ''Maßnahmen''. (D-114)
Überall da, wo Kirche als Institution erscheint, wird sie ''als den Menschen zu entfernt'' erlebt. (G171-285-0)
Kirche muß sich zuvörderst daran messen lassen, ob sie Ort des gemeinsamen Glaubens ist. Wenn sie nur Mangel verwaltet, Notstände kittet und sich vor notwendigen Veränderungen drückt, dann werden sie immer weniger Menschen mittragen und ihr immer mehr Menschen den Rücken kehren. (SB-161-A)
An der Erfüllung ihres Auftrages muß sich die Kirche messen lassen - damit sind wir alle gemeint und nicht nur die Amtskirche. (G311-670-0)

Die Botschaft Jesu Christi muß glaubwürdig von Kirche gelebt und vorgelebt werden - so die Vorstellung, wie sie in den Voten zum Ausdruck kommt. Die Kirche erscheint den Votanten jedoch in ihren patriarchalisch-autoritären Strukturen festgefahren; sie erweckt den Eindruck, es ginge ihr nur um Herrschaft und sie fürchte sich deshalb vor dem Verlust ihrer Macht. Sie sei nicht offen genug für die Bedürfnisse der Gläubigen und für notwendige Veränderungen. Vermißt wird die Bereitschaft, sich auf einen offenen Dialog mit Andersdenkenden einzulassen.

Wie stellt sich die Kirche dar? Ist sie ein Machtapparat, will sie herrschen oder in der Nachfolge Christi den Menschen ein zugewandter Partner sein, dem sie Entscheidungen zutraut und ein freiheitliches Miteinander in Freundschaft und gegenseitigem Vertrauen ermöglicht. (G161-260-0)
Was kann man für die Glaubwürdigkeit der Kirche tun, wenn die Kirche oben sich wenig bewegt, die innerhalb (und außerhalb) der Kirche seriös diskutierten ''grundständigen'' Fragen ... ideologiefrei zu lösen? ... Unglaubwürdig, wenn sie von Solidarität spricht, in der Amtsführung das nicht praktiziert. (G181-320-0)
Konfliktfähigkeit ... gegen das gut katholische, früh gelernte ''Unter-den-Teppich-Kehren''. (G134-161-0)

In Bezug auf Perspektiven zu diesem Thema sind die Voten eindeutig: mehr Geschwisterlichkeit statt Hierarchie, Befreiung statt Unterdrückung, Offenheit statt Abgrenzung, Konfliktfähigkeit statt Verdrängung, Förderung von Charismen statt Be-oder Verhinderung, Dialog statt Diktat, Einheit in der Vielfalt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen in Kirche und Gemeinde sollten getragen sein von Offenheit, Toleranz und Respekt für die jeweilige gegebene Situation der Menschen. Lebenszusammenhänge - auch der Katholiken - sind zu komplex, als daß bei auftretenden Problemen mit einfachen (fundamentalistischen) Lösungen Abhilfe geschaffen werden könnte.
Ein anderer Prüfstein für Glaubwürdigkeit ist die Pluralität: Unterschiedliche Gruppen in Gemeinde und Kirche sollen akzeptiert werden um der Liebe Christi willen. Konflikte gehören zum menschlichen Alltag, deshalb muß Kirche auf allen Ebenen konfliktfähig werden und bei Unstimmigkeiten lernen, offen und nicht hinter dem Rüken Betroffener zu agieren.
Wenn Fehler in diesem Bereich (auch aus der Vergangenheit) eingestanden werden, wächst die Glaubwürdigkeit, ebenso im menschlichen Umgang mit ''Abweichlern'' und Nonkonformisten. Letztlich zeigt sich die Glaubenskraft auch darin, ob Kirche dem Wirken des Heiligen Geistes vertraut und sich deshalb trauen kann, in geschwisterlicher Atmosphäre zu handeln:Wir sollten ... keine Angst vor Veränderungen haben. (G145-236-0)

Wir wünschen uns ein besseres Miteinander, mehr Solidarität, Offenheit, Ehrlichkeit, ja Menschlichkeit in unserer Kirche, damit wir nicht sagen ''die'' Kirche, sondern ''unsere Kirche''. (G171-285-0)
Kirche muß befreiend wirken. (G181-320-0)
Aus der Begegnung im gemeinsamen Mahl mit Christus kann Gemeinde wachsen, die sich für alle Menschen verantwortlich weiß, die bereit ist, Akzeptanz, Toleranz, einfach Mitmenschlichkeit zu praktizieren. Kirche für Menschen heißt: Menschen für Menschen, denn wir sind Kirche. ... Für-und Miteinander müßte unser tägliches Leben bestimmen, sich ergebend aus unserer Gotteskindschaft, aus unserem Schwester- und Brudersein mit Jesus. (G161-260-0)
Insgesamt muß Kirche in unserer Zeit einen einladenden Charakter und nicht eine ausgrenzende Botschaft ausstrahlen. (D-330)
Auch beim Umgang mit Abweichlern und Nonkonformisten muß menschliches Verständnis eine größere Rolle spielen. Im übrigen gilt es, der Durchsetzungskraft der Glaubenswahrheiten und des Heiligen Geistes mehr zu vertrauen. (G313-702-0)
Wir wünschen uns ... daß unterschiedliche Gruppierungen in der Kirche sein dürfen und einander tolerieren und akzeptieren um der Liebe Christi willen. ... daß die sog. rechten und linken Gruppen innerhalb der Kirche ihre Vorstellungen und Ziele transparent machen und leben dürfen. (G184-358-0)
Vielfalt ist ein Geschenk von Gott. Dieses Geschenk dürfen wir als Kirche nicht ablehnen. Hier haben viele Leute und Ideen Platz, vom frommen Beter bis hin zur querdenkenden Theologin, vom Zweifler, der um die Wahrheit ringt, bis hin zum brilliant formulierenden Pediger, vom Bischof bis zum Obdachlosen. (G133-143-0)
Wir warnen vor einfachen, fundamentalistischen Lösungen. (G112-031-0)
Barmherzigkeit vor den Artikeln des Codes juris canonici - die volle Beachtung der im Zweiten Vaticanum aufgestellten Grundsätze über eine geschwisterliche Kirche. (VV-021-110)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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