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Gemeindeleben, Gemeinschaft

Mit dem Lebensraum Gemeinde werden sehr viele Hoffnungen verbunden, Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, gegenseitiges Stützen im Glauben, tragfähige menschliche Beziehungen, Erfahrungen und Konkretionen der Botschaft Jesu, geglücktes und befreiendes Kirche-Sein. Dabei werden immer wieder kleine überschaubare Gruppen genannt, die dafür am ehesten die Voraussetzung bieten. Gemessen an diesen Wunschvorstellungen ist die Bestandsaufnahme des tatsächlich in Gemeinden Vorgefundenen eher ernüchternd. Es gibt Gruppen-Egoismus, es mangelt an partnerschaftlichem Umgang und Dialogbereitschaft. Kennzeichen vieler Gemeinden sind Aktionismus und Geschäftigkeit, Beharren auf eigenen Zielvorstellungen und Nichternstnehmen des oder der anderen.

Als Gemeinde verstehen wir ''einen Ort und einen Zustand'', an dem und in dem wir zu Hause sind, wo wir auch von anderen getragen werden, wo wir Vertrautheit erfahren, wo wir uns öffnen können und dürfen. (G225-498-0)
Wir erleben Kirche in glaubwürdigen Kleinzellen. Viele kleinere Zellen bilden z.B. in unserer Pfarrgemeinde ca. 10 Familienkreise und 10 Vereine mit eigenem Programm. Sie halten dies für eine unbedingte Notwendigkeit für die Zukunft, um Glauben erfahrbar zu machen. (G381-932-0)
Wir erleben in Gruppen der Kirche eher Gemeinschaft als in der Gesamtgemeinde. Dort erleben wir häufiger ein Gegeneinander statt ein Miteinander. (G145-236-0)
... werden auch positive Erfahrungen mit Kirche und Glauben gemacht, die trotz aller Frustrationen zum Verbleib in der Kirche ermutigen. Wichtige Rollen spielen hierbei der menschliche Umgang miteinander, das individuelle Glaubensleben sowie Glaube und Erfahrungen in menschlichen Grenzsituationen. (G112-031-0)
Kirchengemeinden sind Orte der Begegnung für die Gemeindemitglieder unterschiedlicher Zielvorstellungen. Es kommt vor, daß einzelne Gruppen sich nicht ernstgenommen fühlen, Konflikte nicht immer friedlich ausgetragen werden und auch die notwendige Bereitschaft zum Dialog fehlt. (G211-371-0)
Zwischen einzelnen Gruppierungen in der Pfarrgemeinde bestehen Differenzen. Zusammenarbeit wird oft durch einzelne Personen erschwert/verhindert. (G162-269-0)
... daß unsere Gemeinde im Pragmatismus versinkt. Bei aller Aktivität fiel auf, daß das Wesentliche, der Glaube, der Austausch über den Glauben, das gemeinsame Gebet und auch die Auseinandersetzung im Glauben, oft auf der Strecke bleibt. Selbst bei engagierten Christen besteht die Gefahr, daß der Glaube immer mehr zur Privatsache verkommt. (G214-421-0)

Viele Votanten betrachten die Gemeinde als den Lebensraum, in dem intensive Erfahrungen von Gemeinschaft möglich sind. Sie sehen die Chance und den Auftrag, in der Gemeinde Kirche zu verwirklichen, die Zuwendung Gottes im täglichen Leben bewußt zu machen und im Gottesdienst zu feiern. Viele trauen einer aus dem Geist des Evangeliums lebenden Gemeinschaft zu, neue Kräfte freizusetzen, unterschiedlichsten Menschen in der Gemeinde Heimat zu geben, verschiedene Formen des Miteinander zu üben, Optionen für Schwache und Benachteiligte zu treffen. Insofern hat Gemeinde als Rahmen christlichen Lebens immer noch einen hohen Vertrauensbonus.

Rückhalt und Austausch in einer überschaubaren Gruppe sind mehr als notwendig, sie stellen das Sakrament der Gemeinschaft dar. (G143-195-0)
Viele aktive Christen in unserer Gemeinde verstehen unter dem Begriff ''Kirche'' die Kirche vor Ort, das sind hauptsächlich Menschen, die man kennt, und man verbindet damit das Leben in der Pfarrgemeinde, die Gestaltung des Gottesdienstes und die Begegnungen. Der Zuspruch zur Ortsgemeinde ist in unserer Pfarre erstaunlich groß. (G133-151-0)
Nur durch andere Christen wird die Güte Gottes an den Menschen erfahrbar. Daher ist es notwendig, in einer Gemeinde von Christen ein Maximum an Begegnung und Kommunikation herzustellen. Zentral ist die Sorge um Randgruppen, Kranke und Behinderte, Alte und Jugendliche, die auf keinen Fall aus der Gemeinde herausfallen dürfen. (G321-731-0)
Die Kirche kommt diesem Auftrag auf vielfache Weise nach: wenn sie Gottesdienste und die Sakramente feiert und dabei verschiedene Formen entsprechend dem Adressatenkreis zuläßt, wenn sie das Wort Gottes verkündet und weitervermittelt, wenn sie Menschen an den ''Nahtstellen'' des Lebens begleitet. (G171-287-0)
Es ist Aufgabe der ganzen Gemeinde, ... Wege zu finden, daß die Gemeinde für die Fremden zur Heimat wird. Die Kraft des gemeinsamen Glaubens und die Katholizität unserer Kirche sind hierbei eine große Hilfe. (G145-228-0)
Die Zunahme von Sekten zeigt, daß trotz der Bindungsängste nicht wenige Menschen eine Beheimatung bei engeren Gemeinschaften suchen, in denen Raum für das Erleben christlicher Werte ist. Offenheit, Behutsamkeit, Einfühlungsvermögen sind geeignete Mittel, Bindungsfähigkeit zu fördern. (D-114)
... sehen wir die besondere Herausforderung unserer jetzigen Gemeindesituation im sozialen und gesellschaftlichen Engagement. ''Soziale Begegnung'' könnte die vielfältigen Milieugrenzen partiell überwinden und sogleich die Frohe Botschaft unaufdringlich, aussagefähig weitergeben. (G185-313-0)
Übrigens ein wichtiger Gradmesser: worüber regt ''man'' sich in den Gemeinden noch wirklich auf? Über die Verschiebung von Gottesdienstzeiten? Über die Verteilung des Pfarrfesterlöses? Wen wundert die Kirchenverdrossenheit? (VS-001-330)

Viele Wünsche der Votanten richten sich an die Gemeinden selbst. Gefordert werden mehr Offenheit und Vertrauen, mehr Miteinander in den Gruppierungen, tiefgehende Glaubensgespräche, eine größere Vielfalt des Angebotes, Einbeziehung von Randgruppen. Dazu wünscht man sich dann Hilfestellungen von seiten des Bistums (geistliche Impulse, Begleitung durch Fachleute) und eine Verbesserung des gesamtkirchlichen Klimas. Von der Kirche insgesamt, speziell der Gemeinde, wird erwartet, unterschiedliche Nähe zu Kirche und Gemeinde zu akzeptieren, Menschen in ihren Bedürfnissen ernstzunehmen, einen angstfreien Umgang miteinander einzuüben und nicht zuletzt für unterschiedliche soziologische und altersspezifische Gruppen Orientierung anzubieten, ohne sie aufzudrängen.

In der Gemeinde vor Ort möchten wir weiter erleben, daß Kirche für die Menschen da sein kann, da das eine frohe Botschaft ist, die sie verkündet, daß die Eucharistiefeier und alle Sakramente weiter in der Mitte ihres Gemeindelebens stehen. In der Gemeinde möchten wir weiter Toleranz und Weitherzigkeit erleben. (G351-804-0)
Halt (finden), besonders in der Gemeinschaft. Orientierung durch Anstöße und gemeinsames Suchen, aber nicht durch vorgegebene Antworten und unverrückbare Wahrheiten. (G134-151-0)
Daneben wünschen sich die Mitabeiter eine Kirche, in der der dienende Aspekt stärker gegenüber dem herrschenden Aspekt hervortreten sollte, aber genauso (De-)
Mut und Courage, für die Würde der Menschen einzutreten. Darüber hinaus besteht der Wunsch, die Gemeinde stärker mit in das pastorale Handeln einzubeziehen. (VV-017-210)
... daß die Gemeinde akzeptiert, daß Menschen in unterschiedlicher Nähe zu ihr stehen; daß sie sich in einem offenen Zugang ohne Vereinnahmungstendenzen allen in der Gemeinde zuwendet. (G114-043-0)
Es bedarf der Akzeptanz und Aufwertung einer ländlich geprägten und differenzierten Pastoral durch die Bistumsleitung mit Auswirkungen auf eine sachgerechte Personal- und Pastoralplanung. (VD-016-110)
Aber auch die Pfarrgemeindemitglieder sind gefordert, sich von der ''versorgt-werdenden'' Gemeinde zu lösen und Schritte zur ''mitsorgenden'' Gemeinde zu gehen. Sie sollten ihre eigenen Charismen entdecken, sie entfalten und anwenden. Es bedarf sicherlich der Unterstützung der Hauptamtlichen und der Laien. (G114-050-0)
Die Reflexionsarbeit zum Thema ''Sendungsauftrag der Kirche'' sollte eigentlich ein Dauerthema für Gemeinde, Bistum und Weltkirche sein. ... ein entsprechendes Selbstverständis in eine aktive katechetische und diakonische Arbeit umzusetzen. Eine kritische, aber gleichwohl spürbare solidarische Begleitung wäre hierfür ausgesprochen wünschenswert. (G225-498-0)
Wir wünschen eine Diskussion zur Theologie der Gemeinde. Ist Gemeinde dort, wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind? Ist Gemeinde dort, wo Eucharistie gefeiert wird? Hört Gemeinde auf, Gemeinde Jesu Christi zu sein, wenn eine regelmäßige Eucharistiefeier wegen Priestermangel nicht mehr möglich ist? (VV-031-110)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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