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Zum Problem der kirchlichen Sprache in Verkündigung und Liturgie

57 Voten thematisieren das Problem der kirchlichen Sprache generell, in weiteren 41 Voten wird speziell die liturgische Sprache angesprochen. Die Voten äußern fast durchgängig Kritik an der kirchlichen bzw. liturgischen Sprache. Die Sprache in Theologie und Pastoral sei unverständlich, lebensfremd, abstrakt, nicht zeitgemäß; sie wird als antiquiert erlebt, errichtet Barrieren. Die Sprache der kirchlichen Dokumente sei schwer verständlich; in der Behandlung kirchlicher Fragen und Themen durch das kirchliche Lehramt löse sich die Amtskirche von den Gläubigen und der Sprache der einfachen Leute. Die kirchlichen Verlautbarungen ließen zu wenig erkennen, daß die Kirche ein ''Ort der Liebe Gottes'' sein solle.
Die Sprache der Liturgie wird in den Voten qualifiziert als unverständlich, lebensfremd, nicht zeitgemäß, überaltert, distanziert, formelmäßig und zu Leerformen erstarrt. Die männlich geprägte Sprache lasse Frauen und Männer leiden. Gewünscht wird eine kirchliche Sprache, die jede(r) versteht, die einfacher, klarer und praxisorientiert ist, die die ursprüngliche Wahrheit des Glaubens ausdrückt und den Glauben als frohmachende Weisung darstellt. Es soll eine Sprache sein, die im Dialog mit den Menschen den Glauben für heute entdecken hilft, eine moderne, lebendige Sprache, die Sprache unserer Zeit, lebensnah und praxisorientiert; eine Sprache, die vor allem auch von der Jugend verstanden wird. Gefordert wird weiter, die kirchliche Lehre zu vereinfachen und die Inhalte kirchlicher Lehre und kirchlicher Dokumente so aufzubereiten, daß auch die Laien sie verstehen können. Dabei sollten kirchliche Verlautbarungen auf einen Absolutheitsanspruch verzichten, als dienend erfahrbar und von Liebe und Vergebung getragen sein. Mehrfach und nachdrücklich wird eine frauengerechte Sprache in Verkündigung und Lehre gefordert, in der dem Weiblichen mehr Raum gegeben wird (z.B. Predigt von Frauen).
Im Blick auf die Liturgie wird eine kritische Überprüfung liturgischer Sprachformen gefordert. Auch die liturgische Sprache sollte eine Sprache der Menschen von heute sein, mit ihren Fragen, Bedürfnissen und Erlebnissen. Sie solle das Selbstgefühl der Menschen von heute - auch der jungen - widerspiegeln. Die liturgische Sprache sollte modern, verständlich und schlicht sein, differenziert und sensibel, eine Sprache, die Verständigung zuläßt sowie Geschwisterlichkeit ausdrückt und fördert. Wiederum wird sehr deutlich eine frauengerechte Sprache gefordert, die z.B. den vielfältigen Ausschluß der Frauen (''Brüder'') aufhebt. Im Blick auf die Kirchenlieder wird häufig eine Anpassung an eine zeitgemäße Theologie gefordert (unverständliche Liedtexte sollten aussortiert werden). Einzelvoten wünschen: mehr moderne Texte in Gottesdienst; Zelebranten sollten mehr die Möglichkeit zur freien Formulierung nutzen; die Fürbitten sollten aktuelle Ereignisse mit einbeziehen; und schließlich wird auch einmal die bessere Pflege des Lateinischen als Gottesdienstsprache gewünscht.

Wir fordern eine Kirchensprache, die jeder versteht, die nicht theoretisch theologisch ist, die praxisorientiert ist, die die ewigen Wahrheiten so offenlegt, wie sie ursprünglich gedacht waren. (G224-488-0)
Der Glaube des einzelnen und der Gemeinschaft kann nur lebendig bleiben, wenn Inhalte und Formen nachvollziehbar sind und mit dem Leben zu tun haben. Wir brauchen eine Sprache und Ausdrucksformen, in denen der Glaube neu entdeckt werden kann. (G171-283-0)
Große Probleme haben wir mit der ''Verständlichkeit'' der Kirche. Wir gewinnen oft den Eindruck, daß die studierten und diplomierten Theologen die Sprache der einfachen Menschen weder verstehen noch sprechen und damit umgekehrt ihre Sprache auch für die einfachen Leute in der Kirche unverständlich ist. (VV-003-160)
Die Verantwortlichen in Weltkirche und Bistum sollten in einer allgemein verständlichen Sprache, die auch von den jungen Menschen verstanden wird, unseren Glauben als frohmachende Lebensweisung und Vertiefung der Gewissensfähigkeit aufzeigen und nicht so sehr als einen Katalog von Verboten und Einengungen. So soll auch die Heilige Schrift und der Katechismus stärker verstanden werden. (G114-050-0)
Überwiegend herrscht ... der Eindruck vor, daß die Kirche in der Öffentlichkeit keine gute Presse hat. Von den zahlreichen Äußerungen der Kirche werden offenbar nur wenige wahrgenommen. Es sind zumeist die Verlautbarungen der Amtskirche, die als sehr fragwürdig empfunden werden, weil sie zu wenig erkennen lassen, daß die ''Kirche'' ein Ort der Liebe Gottes sein sollte. (G142-190-0)
Hinsichtlich der offiziellen Verlautbarungen der Kirchenleitung bittet die Gemeinde um eine Sprache, die unserer Zeit entspricht und die Situation der heute lebenden Menschen berücksichtigt. (G183-350-0)
Wir fordern mehr weibliche Elemente in der Verkündigung und Gestaltung des Glaubens (Sprache, Predigten von Frauen), weil sie Bilder aus der Frauenwelt verwenden. (G225-497-0)
Wir fordern, daß auch die liturgische Sprache einer kritischen Prüfung unterzogen wird und mehr als bisher in Gottesdiensten eine Sprache gesprochen wird, die die Fragen und Bedürfnisse der Menschen von heute aufgreift. (G211-371-0)
Liturgische Formen und liturgische Sprache bedürfen der Deutung und einer Ausdrucksweise, die die heutigen Menschen anspricht. Insbesondere von der Jugend wurde bemängelt, daß die festgelegten Formen zu starr sind und in der textlichen und musikalischen Gestaltung sich nicht das Lebensgefühl der Menschen von heute, insbesondere der Jugendlichen, widerspiegelt. (G118-098-0)
Die Sprache in der Liturgie soll den Sprachwandel in der Gesellschaft berücksichtigen. Sie soll frauengerecht sein, Themen unserer Zeit aufnehmen und erfahrungsorientiert und leichter verständlich sein. (G112-004-0)
Eine konkrete Forderung: Die Gebete und Lieder in unseren Gebetbüchern sollen nicht nur von Brüdern, sondern auch von Schwestern sprechen. (G223-472-0)
Die im Gotteslob ausgedruckten Kirchenlieder sollten in eine Fassung gebracht werden, die einer zeitgemäßen Theologie entspricht. Das gilt insbesondere für solche Texte, durch die sich Frauen ausgeschlossen fühlen müssen. In ähnlicher Weise aber auch für die Texte, die in einer allzu martialisch-kriegerischen Sprache wenig vom Gott der Liebe erkennen lassen.
Bis zu einer Überarbeitung in der Gotteslob-Kommission für die deutschsprachigen Länder soll -evtl. durch den Diözesan-Cäcilien-Verband - den Pfarreien der Diözese Köln eine vorläufige Neufassung zum Einlegen in das Gotteslob angeboten werden. (G172-301-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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