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Kirche für die Menschen von heute?

Wahrnehmung

Eine größere Anzahl von Voten (78) geht überwiegend kritisch auf den Umgang der Kirche mit der Realität der modernen Welt, der Menschen und Christen heute ein. Beklagt wird zunächst die mangelnde Veränderungsbereitschaft der Kirche, das einengende Festhalten an vermeintlichen Idealen aus Angst um das Bestehende. Dadurch komme die Kirche in Spannung zu den Realitäten des Alltags. Vor allem die kirchliche Fixierung auf Moralprobleme mache in erheblichem Umfang die Unbeweglichkeit der Kirche aus. Durch die Einengung auf moralische Fragen (wie z.B. Sexualität) und das Thema Gehorsam verliere die Kirche mehr und mehr Kompetenz, Hilfe bei der Lebensgestaltung zu bieten; das ''Moralisieren'' der Kirche wird als einengend und bevormundend erlebt, es verstelle eher den notwendigen Sinn für Normen und Werte. Dadurch wirke die kirchliche Lehre und das Verhalten der Seelsorger oft wirklichkeitsfremd und nicht zeitgemäß. Daß die Meinung der kirchlichen Hierarchie oft nicht mehr nachvollziehbar ist, liegt nach Meinung einiger Voten nicht nur in der mangelnden Gegenwärtigkeit, sondern auch darin, daß es zu wenig Transparenz und Dialog in der innerkirchlichen Kommunikation gibt. Dadurch komme einerseits zu wenig ans Licht, was in Kirche wirklich geschieht und sich auch verändert, andererseits werde auch oft die Chance verpaßt, zentrale Fragen der Menschen aufzugreifen und gemeinsame Antworten zu suchen:Als Glaubende fühlen wir uns oft nicht ernstgenommen. (G313-709-0) Gelegentlich wird auch das schlechte öffentliche Bild der Kirche beklagt, das es ihren Mitgliedern schwer mache, zu ihr zu stehen und in ihr mitzuarbeiten. In diesem Zusammenhang thematisieren einige Voten auch das Problem der Kirchenaustritte.

Optionen

Gewünscht wird, daß die Kirche die ''Zeichen der Zeit'' erkennt, sich den Gegebenheiten der Zeit anpaßt, Weltfremdheit abbaut und offen wird für Neues. Sie sollte offener, moderner werden, Dogmen und Kirchengebote im Dialog mit den Wissenschaften überdenken, überholte Moral ändern, aber auch mit Neuerungen behutsam umgehen. Kirche sollte als Anwalt der Menschen ihre Stimme erheben zu zeitkritischen Themen und sich in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist nicht mundtot machen lassen.
Bezüglich der Mündigkeit der Menschen und Christen heute, wünscht eine ganze Reihe von Votanten, Kirche solle das Gewissen respektieren, bei Gewissenbildung beraten und ihre Autorität als Lebenshilfe einsetzen. Sie solle dabei Bevormundung vermeiden und das Erwachsenwerden im Glauben fördern, indem sie ohne Druck, durch Argumentation, durch vielfältige geistliche und praktische Hilfe Menschen hilft, berechtigte Ideale bzw. normative Zielvorstellungen und die konkrete Lebenswirklichkeit zusammenzubringen nach dem Prinzip: Das Gesetz ist für die Menschen da. Auf diesem Weg sei weniger Reglementierung gefordert als vielmehr Mut, Offenheit und Vertrauen. In diesem Sinne wünschen sich einige Voten eine menschengerechtere Kirche: Sie soll Menschen abholen wo sie stehen und helfen, den Abstand zwischen Alltag und Glauben zu überwinden. Sie soll auf drängende Fragen überzeugende Antworten bieten und vor allem auf die verzweifelten und enttäuschten Menschen ohne Angst vor Machtverlust zugehen. Diese innere Freiheit könne sich darin zeigen, daß in der Kirche ein ständiger Dialog stattfindet, eine offene Diskussion moralischer Fragen, ein gemeinsames Suchen anstelle normativer Fixierungen vor allem durch das Betonen des Unerlaubten. Sie soll dabei auch deutlicher unterscheiden zwischen unverzichtbaren Glaubenswahrheiten und überholten Lehrmeinungen und Denkmodellen.

Wie glaubwürdig ist Kirche, wenn zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und dem, was Kirche und wie sie es sagt, Welten liegen, wenn Basis und Amtskirche sich deutlich entfremdet haben. Wie glaubwürdig ist Kirche, wenn die Kirchenleitungen unentwegt formelhaft Positionen vertreten, die Menschen als Ausdruck von Gängel, Machtausübung empfinden, in Fragen, die sie längst für sich in ihrer Gewissensverantwortung entschieden haben (z.B. Sexualmoral). (G351-804-0)
Immer mehr Menschen erleben die Kirche als eine Institution, die bevormundet anstatt zur eigenen Verantwortung zu ermutigen. Das Erwachsenwerden im Glauben muß das Ziel für jede Christin und jeden Christen sein. Die verantwortungsvolle Gewissensbildung sollte unterstützt und der Eindruck der Bevormundung, der bei vielen Gläubigen vorherrscht, sollte vermieden werden. Deshalb sollten in der Verkündigung überzeugend begründete Hinweise und Anregungen für ein im Geist Jesu gelingendes Leben im Vordergrund stehen. (G113-099-0)
Viele Menschen ziehen sich heute aus der Kirche zurück, da sie oftmals nicht erleben, daß diese für sie da ist. Sie fühlen sich häufig mit ihren vielfältigen Lebensproblemen allein gelassen und nicht verstanden, obwohl sie grundsätzlich Orientierung und Lebenshilfe von dieser wünschen. (G262-641-0)
Lehrmeinungen der Kirche, welche die persönliche Lebensführung betreffen, finden immer seltener Verständnis unter den Gläubigen. Dies führt zu einem inneren Rückzug der Betroffenen und hat eine Aushöhlung der Lehre zur Folge. Unserer Meinung nach ist es notwendig, bestehende Lehrmeinungen auf pastorale Durchführbarkeit zu überprüfen, damit wieder für alle erkennbar wird, daß das Gesetz für die Menschen da ist und nicht der Mensch für das Gesetz ... Uns geht es darum, mit den Menschen auf der Grundlage des Glaubens Lösungen für die Probleme des Alltags zu finden. Dies sollte zu einer zunehmenden Kompetenz und Eigenverantwortlichkeit jedes Christen führen. (VS-003-110)
Die Autorität der Kirche in Fragen des Glaubens und der Sitte wird bejaht. Autorität ist aber nur dann sinnvoll und wird akzeptiert, wenn sie nicht überstrapaziert wird (Überdrehung der Autorität vor allem im sexuellen Bereich). Die Gewissensentscheidung des einzelnen ist stärker zu respektieren. (G114-047-0)
Es geht darum, nicht Macht auszuüben, sondern zu dienen. Es geht darum, daß wir alle unter dem Wort Gottes stehen, daß wir gemeinsam suchen und gemeinsam danach leben. (G313-702-0)
Kirche muß sich wandeln. Angst vor dem Wandel, vor dem Loslassen, darf keine Rolle spielen. Macht und Angst vor Machtverlust dürfen keine Rolle spielen. Nach dem Beispiel Jesu muß Kirche auf die Menschen zugehen, ihre Leiden sehen und bei ihnen sein.
Sie muß sich mühen, für Menschen Heimat zu werden, die auf der Suche sind, deren Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht sind. Wir hoffen auf eine Kirche, die sich aus vielen Erstarrungen lösen kann, die viel mehr noch als bisher Gottes barmherzige Liebe spürbar machen kann. (G182-332-0)
Die Kirche soll ihre Stimme zu zeitkritischen Themen erheben und sich nicht mundtot machen lassen; dabei soll sie ihr Ohr immer bei den Menschen haben. (G353-832-0)
Die Kirche blickt zu oft zurück, sie sieht zu selten nach vorne. Sie versucht vergebens, mit Antworten, die gestern vielleicht noch richtig waren, Fragen von heute zu beantworten. In den Augen unserer Umgebung sind wir immer mehr die Nachhut, fast nie Vordenker oder Visionäre der Zukunft. (G143-205-0)
Wir stehen zu unserem Papst und unserem Bischof, ohne Abstriche. Wenn es geht, dann etwas behutsamer mit ''Neuerungen'' und deren Einführung umgehen! Es war in zu kurzer Zeit zu viel. Wir sind eine traditionsbewußte Gemeinde. Uns tangiert der Zeitgeist bisher noch nicht! (G352-817-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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