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Wahrnehmungen der Votanten

Situationsbeschreibung, Ist-Stand, Vorgefundenes

Der Auszug der Jugend aus der Kirche ist Anzeiger dafür, daß die Gemeinde und die Kirche insgesamt zu wenig für die jungen Menschen da sind. (G145-231-0)
Es sind immer weniger Jugendliche bereit, sich in der Gemeinde zu engagieren. Wir sind ratlos. (G113-099-0)
Diese beiden Grundstimmungen werden häufig durch die Feststellung ergänzt, daß Kirche Kinder und Jugendliche vernachlässigt. Andererseits wird der Kirche vielfach mangelnde Attraktivität für Jugendliche durch konservative Starrheit, festgefahrene Strukturen und mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten attestiert. Jugendliche erleben eine Diskrepanz zwischen verkündigtem und gelebtem Glauben und erfahren Kirche als unglaubwürdig. Dort, wo dies nicht so explizit gesagt wird, stellt man mangelnde Begegnung zwischen jung und alt fest, ebenso wie zu geringes Ernstnehmen der Kinder und Jugendlichen. Die Art und Weise, wie Gottesdienste gestaltet sind, ist Jugendlichen fremd. Zu selten gibt es jugendgemäße Gottesdienste.

Zunächst ist festzustellen, daß es skandalös ist, wenn in den ''Anstößen'' die Kinder und Jugendlichen nicht eigens angesprochen werden. Die Stimmung unter den Jugendlichen ist überwiegend resignativ, weil sie keinen Grund haben zu erwarten, daß sich die Strukturen dieser Kirche im positiven ändern werden. Besonders kritisiert wird die Diskrepanz zwischen verkündetem und gelebtem Glauben. Vielfach empfinden Jugendliche Gemeindeleben und auch die Gesamtkirche als unglaubwürdig. (G199-106-0)
Bei den Jugendlichen und Leitern herrschte das Gefühl vor, in der Kirche weder akzeptiert noch ernstgenommen zu werden. Deutliche Frustration über das vorherrschende Gefühl, mit den eigenen Wünschen keinen Platz in unserer Kirche zu finden, war zu spüren. Dementsprechend wünschen sich die Teilnehmer mehr Erkenntnis in die Richtung, daß mit der Jugend die Kirche von Morgen heranwächst, die man - will man eine Zukunft haben - nicht einfach außen vor lassen kann, um sich um die immer kleiner werdende Schar der Noch-Gläubigen zu kümmern. (G321-726-0)
Die Fakten zeigen, daß immer weniger Jugendliche von der etablierten Kirche, der Kirche, wie sie sich jetzt darstellt, angesprochen fühlen. (Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für das Gedankengut von Sekten.) (G263-664-0)
Die Jugendlichen erwarten von den Erwachsenen mehr Glaubwürdigkeit, ihr Wort und ihr Handeln muß übereinstimmen - Vorleben! (G183-344-0)
Die gebräuchlichen Gottesdienstformen werden von Jugendlichen als fremd zu ihrer Lebenswelt empfunden. (G342-773-0)
Religiöse Themen, Gottesdienste und eine Auseinandersetzung mit Kirche sind am ehesten auf Fahrten möglich, brauchen also eine besondere, nicht alltägliche Situation. (VV-025-110)
Die Familie ist heute nicht mehr unbedingt der Raum, in dem Kinder mit dem Glauben in Berührung kommen. (D-314)

Die Beziehung Jugendlicher zur Kirche wird als ambivalent beschrieben: Es wird ein verstärktes Interesse an Gemeindearbeit benannt, aber auch ein totales Fernbleiben nach der Firmung.

Insofern Jugendliche nicht nur Träger der Evangelisierung der Welt, sondern auch Träger der Evangelisierung der Kirche sind, setzen sie sich auch mit dieser Kirche, in der sie ihre Zukunft gestalten wollen, auseinander. (VV-020-110)
Weitverbreiteter Verfall herkömmlicher Werte sowie zunehmende Ablehnung der konventionellen Formen unserer Amtskirche bringen - in der Regel nach der Firmung - vielfach den Bruch mit der Religiosität schlechthin. (G146-024-0)

Deutlich gesehen wird, daß sich kirchliche Jugendarbeit in starker Konkurrenz zu Medien und anderen Freizeitangeboten befindet. Das Elternhaus ist für die Weitergabe des Glaubens an Jugendliche oft nicht der geeignete Ort. Jugendarbeit erfordert ein hohes Maß an persönlichem Engagement, dem sich haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde sowohl zeitlich wie auch von der Kompetenz her in der Regel nicht gewachsen fühlen.
Aber auch die abnehmende Zahl der Priester, ihre Überalterung und Überforderung sowie die neuen Aufgaben im Seelsorgebereich verstärken die Zweifel, daß diese sich in Zukunft intensiver um Kinder und Jugendliche kümmern werden.

Wir behaupten auch, daß es auf Dauer nicht ausreicht, immer mehr ehrenamtliche Mitarbeiter für Gemeindearbeit einzuspannen, da der Einsatz dieser ehrenamtlichen Helfer zeitlich nur begrenzt sein kann und im Bereich von Kinder- und Jugendarbeit, wo Kontinuität und zielgerichtetes Arbeiten gefragt ist, nicht ausreicht. (VV-002-170)
Vielfach sehen sich Eltern ohne fremde Hilfe überfordert, den Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Für die Weitergabe des Glaubens ist deshalb die Jugendarbeit unverzichtbar. (G117-109-0)
Die Bindung junger Menschen in Jugend- oder Meßdienergruppen ist nur noch sehr schwer und in der Regel nur mit hohem persönlichen Einsatz zu erreichen. (G143-195-0)
Der Aufbau einer Bezugsebene zwischen Seelsorgern und einzelnen Heranwachsenden bzw. Jugendgruppen gelingt infolge des Priestermangels immer weniger. (G181-308-0)
Ehrenamtliche Mitarbeiter fühlen sich gerade im Bereich der Seelsorge überfordert und allein gelassen. In zahlreichen Gemeinden liegt die Jugendarbeit wegen Überalterung und Überforderung des Priesters brach. (G182-326-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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