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Frau und Amt

Weitaus die meisten Votanten machen das Thema Gleichberechtigung an der Zulassung von Frauen zum Amt fest. 34 Zuschriften votieren für den allgemeinen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern (3 nennen dazu ausdrücklich das Bischofsamt), 108 für die Zulassung von Frauen zum Diakonat, 29 davon begründen diese Forderung mehr oder weniger ausführlich. Zusätzlich fordern acht, die Diskussion darüber offenzuhalten.
Für die Zulassung von Frauen zum priesterlichen Amt votieren 81, davon 24 mit Begründung. Weitere 17 wünschen, daß darüber weiter nachgedacht und diskutiert werden kann. Dreimal wird die Übertragung der Gemeindeleitung an Frauen gewünscht (siehe dazu vor allem Kapitel 2: ''Gemeinde der Zukunft'').

Die Zulassung sowohl zum Diakonat als auch zum Priesteramt werden oft mit den gleichen Argumenten begründet. Diese beziehen sich größtenteils auf die Gleichwertigkeit von Mann und Frau (25), auf die Erhöhung der Zahl von Priestern bzw. Seelsorgern (15) sowie auf biblische Grundlagen (14). Von vielen wird auch die Bereicherung dieses Amtes durch weibliche Charismen betont. Für den Diakonat der Frau spricht insbesondere, daß Frauen schon in vielen diakonalen Bereichen Verantwortung tragen (15), sowie die Tatsache, daß diesem Amt theologisch nichts im Wege steht (5) und dieses Amt schon in der Urkirche praktiziert wurde (7). Es gibt keine Voten, die sich gegen den Diakonat der Frau aussprechen.

Die größere Bedeutung der Laien für die Entwicklung der Kirche macht eine stärkere Beteiligung der Frauen an der Verantwortung erforderlich. Mit Bezug auf Vorbilder im Neuen Testament und auf Geist und Wort des Vaticanum II sollen Frauen zum Diakonat zugelassen werden. Der Herr Kardinal wird gebeten, sich dafür einzusetzen. (G228-535-0)
Die Zeit ist wohl noch nicht reif dafür, daß Frauen zur Priesterweihe zugelassen werden, aber ein Diakonat der Frau, wie es in der Urkirche bestanden hat (Röm 16,1), sollte möglich sein. (G313-702-0)
Viele Frauen üben bereits ein wirkliches Dienstamt aus: In der Sakramentalkatechese, bei Kranken- und Altenbesuchen, im ganzen Bereich der Caritas, sind Lektorinnen und teilen die Kommunion aus. In einigen Diözesen können Frauen, nach Absprache mit ihrem Bischof, predigen. Frauen erfüllen schon jahrhundertelang diese Dienste. Seit dem II. Vatikanischen Konzil bekommen Männer für die gleichen Dienste die Diakonenweihe. Es ist wichtig und sinnvoll, allen, ob Männer oder Frauen, die diese angesprochenen Funktionen ausüben, auch die sakramentale Gnade zukommen zu lassen. (D-363)
Die christlichen Gemeinden brauchen um der Lebendigkeit und Vielfalt des christlichen Zeugnisses willen und als Verleiblichung unseres Glaubens an Gott als Vater und Mutter, der Mann und Frau als sein Ebenbild geschaffen hat, das spezifische Charisma des Weiblichen, die besondere Gabe von Frauen auch im kirchlichen Amt, d.h. im Diakonat und im Priestertum der Frau. (VD-015-110 und G-367-924-0)
Langfristig müssen kirchliche Dienstämter so neu geordnet werden, daß Frauen auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Kirche weibliches Glaubenszeugnis und weibliche Verkündigung in der Nachfolge Jesu kreativ zum Tragen bringen können. Ein erster Schritt ist die Wiedereinführung des Diakonats der Frau. (G363-873-0)

Die amtlicherseits vorgebrachten Gründe gegen die Zulassung der Frau zum Priesteramt überzeugen viele nicht (13). Einige bezeichnen die Begründung, Jesus habe nur Männer als Apostel berufen, als nicht schlüssig, um Frauen vom Priesteramt auszuschließen. Die Zulassung der Frau zum Priesteramt wird von einigen wenigen auch angefragt. Vor allem bei den Fragebogen und Abstimmungsergebnissen finden sich auch Gegner. Auf jeden Fall wird gewünscht, daß diese Fragen weiter theologisch geklärt werden, und daß die offene Diskussion darüber möglich bleibt.

Der Verkündigungsauftrag Jesu, der auch für Frauen gilt (Joh 20, 16-18), muß ernst genommen werden und von daher die Zulassung zum priesterlichen Amt ermöglicht werden. (G311-677-0)
Wer Jesu Auswahlkriterien im Blick auf Frauen strikt und buchstabengetreu anwenden will, muß begründen, warum er in Bezug auf Männer anders verfährt. Dem Beispiel Jesus folgend, dürften dann nämlich nur jüdische, zum Christentum konvertierte Männer Nachfolger der Zwölf werden, Nachfolger des Petrus sogar nur ein verheirateter Mann ... Gen 1,26 folgend, sind Mann und Frau Ebenbild Gottes. Folglich repräsentieren beide den Dreifaltigen Gott. Was schon in der Schöpfungsordnung gilt, wird in der Erlösungsordnung nicht hinfällig, sondern vollendet. (G367-921-0)
Liest man die Berichte aus den Urgemeinden, so waren Frauen und Männer Leiter der Gemeinden. Jesus hat viele Frauen unter seinen Jüngern gehabt, und er hat sie nicht von seinem Auftrag ausgenommen. Sie haben ihn bis unter das Kreuz begleitet, sie haben als erste den Auferstandenen gesehen, und sie sind Pfingsten mit dem Geist erfüllt worden. (G313-207-0)
Die Stellung der Frau muß überdacht werden und die Frauenordination ermöglicht werden. Sonst sehen wir Jugendlichen es als schwierig an, in Zukunft auch junge Frauen für das Gemeindeleben zu gewinnen. (G162-267-0)
Es gibt keine theologischen Gründe, warum Frauen nicht Priesterinnen werden können, sondern nur Argumente aus der Kirchengeschichte. Was aber 2000 Jahre Tradition war, muß nicht immer so bleiben! (G132-139-0)
Die Diskussion um die Frauenordination muß weiter vorangetrieben werden und zu einer Lösung führen. (G331-739-0)
Die Forderung nach Einführung der Priesterweihe für die Frau sollte eher einem vorsichtigen Wachsenlassen, bis die Zeit dafür reif ist, Platz machen. (G321-733-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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