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Wahrnehmungen der Votanten

Situationsbeschreibung, Ist-Stand, Vorgefundenes

Die Voten zum Thema Laien in der Kirche handeln vor allem von Mitarbeitern, seien es ehrenamtliche, seien es hauptamtliche Mitarbeiter in der Pastoral. Durchgängig fällt ein Unbehagen der Laien auf - an ihrem Stand und seiner Bezeichnung, vor allem auch in Verbindung mit den korrespondierenden Voten zum Thema ''Verfaßtheit der Kirche'' (Kapitel 10).

Es gibt nur ein Volk Gottes und somit auch nur eine Kirche. Darum: Ersetzung des Begriffs ''Laie'' in der Sprache der Kirche. ... den Begriff ''Laie'' gibt es im NT und in der Urkirche nicht. Laie bedeutet - Nichtfachmann, ist also ein Negativbegriff. (G142-191-0)
Die Laien müssen als Geistbegabte ernstgenommen werden (im Glaubensleben gibt es keine Hierarchie). Auch unter den Laien gibt es zahlreiche kompetente Leute. (G143-195-0)
Den Laien wird im CIC zwar zugestanden, daß sie dem Hirten der Kirche ihre Anliegen vortragen (can. 212 §2), aber sogleich wird hinzugefügt, daß das in Ehrfurcht geschehen müsse, als erstes aber wird christlicher Gehorsam verlangt. Den Laien wird das Recht auf religiöse Bildung sowie Freiheit in weltlichen Dingen zugestanden, aber Gehorsam gefordert bis hin zum Verstandesgehorsam (vgl. cc. 218; 752; 753; 727). Außerdem hat sich die Hierarchie das Recht vorbehalten, die Ausübung der Rechte der Laien zu regeln (vgl. can. 223 §2). Kann auf solch einem Hintergrund und bei solch einem Selbstverständnis der Hierarchie Dialog überhaupt gelingen. Man braucht Laien ja nicht ernst zu nehmen! Zu oft gilt nicht, was jemand sagt, sondern wer etwas sagt. (G367-921-0).
Ein Recht der Laien, das, was vielleicht von Amts wegen geduldet wird, einzufordern, oder einfach in die Tat umzusetzen, gibt es nicht. Dies kann man im kirchlichen Gesetzbuch nachlesen. ... Daraus folgt, daß man dem Laien nicht im Ernst zumuten kann, von einer in Wahrheit rechtlosen Position aus die gesicherte Position des Amtsträgers zu umgehen, um neue Impulse für die Seelsorge zu geben. Es wäre also erste Voraussetzung für eine wirkliche ehrliche Mitbeteiligung der Laien, wenn diesem rechtlosen Zustand endlich einmal ''von oben'' ein Ende gesetzt würde. (G263-664-0)

Demgegenüber wird ebenso regelmäßig die allen Gläubigen gemeinsame Berufung gesehen, die in Taufe und Firmung gründet. Diesem gemeinsamen Priestertum entspricht die gemeinsame Verantwortung aller Getauften für die Sendung der Kirche, der sich die ''Laien'' ausdrücklich stellen.

Die Gesamtverantwortung für die Kirche ist im allgemeinen Priestertum aller Getauften begründet. (G311-677-0)
In den letzten Jahrzehnten hat sich die gemeinsame Verantwortung von Laien und hauptamtlichen Seelsorger/innen in den Gemeinden (z.B. PGR) bewährt. Sie ist unverzichtbar. (G162-267-0)
Ohne ehrenamtliche Arbeit könnte die Pfarrei nicht existieren. Ehrenamtliche sind wesentliche Träger der Gemeinde. Sie haben Kompetenz und Verantwortung. Sie werden zur Selbständigkeit ermuntert. Es ist ihre Gemeinde geworden, wo sie zu Hause sind, wo sie bekannt sind und etwas gestalten können. (G145-231-0)

Diese Bereitschaft der Ehrenamtlichen stößt aber immer öfter an Grenzen, nämlich da, wo einzelne oder ganze Mitarbeiterstäbe überfordert sind bzw. werden. Mit zunehmendem ''Priestermangel'' werden die Aufgaben, die Ehrenamtliche übernehmen (sollen), nicht nur mehr, sondern auch schwieriger, komplexer. In etlichen Fällen wird deshalb berichtet, daß Mitarbeiter (oftmals langjährige), sich von ihrem Engagement zurückziehen, gelegentlich sogar vom kirchlichen Leben insgesamt. Ein anderer Fluchtpunkt angesichts der Aufgabenflut ist die Steigerung der Aktivitäten - auf Kosten der Qualität und der inneren Beteiligung.

Durch den Priestermangel sind die Priester überfordert. Die Laien wären bereit zu helfen, sind aber nicht befähigt. Guter Wille ist vorhanden. In jeder Gemeinde gibt es ein Potential derer, die sich einsetzen wollen - obwohl nur noch wenige etwas ehrenamtlich tun. (G229-548-0)
... die wenigen Aktiven, die in der Lage sind, diese Aufgaben ehrenamtlich durchzuführen, sind einfach überfordert. (G312-696-0)
... aber weitere Motivation der Gemeindemitglieder ist erschöpft. (G312-696-0)
Wir beobachten, daß die Zahl der Ehrenamtlichen in unserer Gemeinde abnimmt oder veraltert. (G214-421-0)
Es besteht inzwischen weniger Interesse, in der Kirche mitzuarbeiten. Vielen Leuten ist der Einsatz ihrer Freizeit für die Gemeinde zu schade. Gleichgültigkeit der Kirche gegenüber macht sich breit. (G225-495-0)

103 Voten äußern sich zum Thema Laien unter den Aspekten von Akzeptanz, Anerkennung, Zutrauen, Vertrauen, Selbständigkeit. Besonders drängend ist die (mangelnde) Akzeptanz des ehrenamtlichen Dienstes. Wer sich nach getaner Berufsarbeit in seiner Freizeit für und in Gemeinde engagiert, erwartet, anerkannt und ernstgenommen zu werden. Daran hapert es nach der Votenlage vor allem in Hinblick auf Pfarrer und Bistumsleitung, gelegentlich auch auf einzelne Gemeindemitglieder und Gemeinden überhaupt.

Wie viele andere fühlen wir uns von den Amtsträgern mißachtet und allein gelassen. Daher zweifeln wir inzwischen grundsätzlich an, daß wirklich gemeinsame Verantwortung von geweihten und nichtgeweihten Kirchenmitgliedern gewollt ist. (G321-727-0)
Seelsorger könnten die Laienarbeit als hilfreiche Ergänzung sehen, statt sich abzugrenzen und Distanzen aufzubauen, die ein fruchtbares Miteinander blockieren. (G341-195-0)
Laien sind hier (in der Verkündigung) vielfältig einsetzbar; manche Priester wollen dieses Ressort nicht teilen. (G313-706-0)
Die Laienarbeit muß vom Klerus und Gemeindemitgliedern mehr akzeptiert werden. (G343-781-0)

Prüfsteine für die Akzeptanz sind Eigenverantwortlichkeit bzw. Kompetenz. Sie fehlen vielfach, weil sie entweder nicht gegeben sind (Kirchenrecht, Zuständigkeiten) oder nicht zugestanden werden (Helfer, ''Lückenbüßer''). Wer eine Aufgabe übernimmt, will dies i.d.R. nicht als Handlanger, sondern als Verantwortlicher, der auch die entsprechenden Freiräume, Experimentierfelder, Vollmachten und Entscheidungsbefugnisse hat.

Den Laien muß in Pfarre und Diözese eigene Verantwortung für solche Aufgaben übertragen werden, die sie nach Ausbildung und Lebenserfahrung übernehmen können und wollen. (G114-043-0)
Kompetenz der Laien akzeptieren und nutzen; Laien nicht nur als ''Lückenbüßer'' benutzen; mehr Flexibilität, auch Experimente zulassen; Machtmißbrauch im kirchlichen Amt und der kirchlichen Behörde; Stärkung der Laienseelsorger. (G114-042-0)
Zum Beispiel läßt die grundsätzliche zeitliche Begrenzung der Beauftragung von Kommunionspendern nicht Vertrauen und Ermutigung, sondern eher Mißtrauen und Kontrolle erkennen. Die Einschränkung der Beauftragung auf Fälle, wo ''kein Priester, Diakon oder Akolyth'' zur Verfügung steht, zeigt, daß die Laien nur als Lückenbüßer betrachtet werden. (G133-142-0)

Das Engagement der ''Laien'', ihre Beteiligung am Leben und Aufbau der Gemeinde wird in sehr deutlichem Zusammenhang mit der jeweils spezifischen Begabung (Charisma) der einzelnen gesehen. Wer eine bestimmte Gabe empfangen hat, soll sie auch zum Wohl der Gemeinschaft einsetzen (dürfen). Der Reichtum an Gaben, auf dem das Leben der Kirche beruht, wird mehrfach erwähnt, ebenso deutlich aber kritisiert, daß die ''Amtskirche'' die Entfaltung der Gaben hindere.
Das findet breiten Ausdruck in den Voten, wo auf die fehlende Bereitschaft des Klerus zur Zusammenarbeit mit (ehren- wie hauptamtlichen) Laien verwiesen wird. Die Ehrenamtlichen erleben sich hier ohnmächtig, fühlen sich hilflos. Spannungen werden zum Normalfall, wenn im Konfliktfall der Verlierer von vornherein feststeht. Das drückt die Bereitschaft zur Mitarbeit enorm.

Nicht einer allein, gleich welcher Position, hat alle Gaben. Gott befähigt Menschen zu unterschiedlichsten Aufgaben, die es für die Ausbreitung seines Reiches gibt. (G311-670-0)
... notwendig, ja sogar verpflichtend, daß jeder seine Fähigkeiten einbringt. (G263-663-0)
... kirchliche Vorschriften, die dem entgegenstehen sind zu revidieren: z.B. das Predigtverbot von Laien in der Eucharistiefeier. (G223-474-0)
... hier erweist sich die Amtskirche als richtiger Hemmschuh, denn sie bestimmt, welche der von Gott geschenkten Gaben sich entfalten dürfen zum Wohl aller, z.B. wären manche Familienväter auch gute Priester ... (G342-762-0)
Nach wie vor wird die Kirche geprägt durch eine innere Spaltung in ''Kleriker'' als Subjekte und in ''Laien'' als Objekte kirchlichen Handelns. (D-226)
Priester und Laien sind gemeinsam das Volk Gottes und dürfen sich nicht auseinanderdividieren lassen. (D-114)
Zusammenarbeit Laien - Priester vielfach vorhanden, aber Koordinationsprobleme treten auf. (G312-696-0)
Spannungen dort, wo kreative Vorstellungen der Ehrenamtlichen an Geistlichen oder starren Vorgaben der Kirche scheitern. (G312-696-0)
... jeder Versuch einer engagierten Mitwirkung zum Scheitern verurteilt ist, wenn die Priester nicht mitziehen. Dadurch kommt es zu Frustrationen und Rückzügen aus der Mitwirkung. (D-353)
Die Zusammenarbeit zwischen Priestern, Pastoral- und Gemeindereferentinnen/-referenten und sonstigen engagierten Mitarbeitern der Gemeinde ist nicht selten von Spannungen geprägt. Wir sehen die Ursachen hierfür in einem falschen ''Dienstverständnis'' der Beteiligten und halten es für erforderlich, daß die Gleichwertigkeit der ''Dienste'' im Bewußtsein aller von der Bistumsleitung gestärkt wird. (G322-474-0)

Pastoral- und GemeindereferentInnen (PR/GR) sind ein ''Sonderfall'' des Laien. Ihr Dienst in den Gemeinden wird in den Voten ausnahmslos positiv eingeschätzt, die damit verbundenen Kompetenzen aber werden als zu gering angesehen. Ein einziges Votum hält diese Berufsgruppe für ''Quasi-Pfarrer'' und für eine große Gefahr für das Priesterbild und für das Amt (G182-326-0).
Vereinzelt wird auch darauf verwiesen, daß den Gemeinden, den Gläubigen unbekannt ist, was zu den Aufgaben dieser Berufsgruppen gehört.

Die Übernahme von pastoralen Diensten durch Diakon oder Gemeindereferent bringt Kreativität und Vielfallt und wird akzeptiert. (G343-781-0)
Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten können diese wichtigen basisorientierten Strukturen unterstützen und ausbauen, man darf sie aber nicht dadurch verschleißen, daß auch sie zugleich für mehrere Gemeinden zuständig sind. Der hauptamtlich in der Seelsorge Tätige braucht unbedingt auch eine feste Beheimatung in einer Pfarre, sonst verkümmert er als Mensch. (G214-424-0/G214-427-0)
Vieles wäre leichter und überschaubarer, würde die Amtskirche die hauptamtlichen Laien in ihrer Position mehr unterstützen und stärken. (G132-136-0)
Die Aufgaben der Pastoral- und Gemeindereferenten in der Kirche und in den Gemeinden sind häufig nicht klar erkennbar. Sie sollten daher transparenter gemacht werden. (G228-535-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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