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Gottesdienstgestaltung

Die Feier des Gottesdienstes ist für alle Votanten Mittelpunkt der Gemeinde und Kraftquelle des christlichen Lebens. Ganz obenan in der Wertschätzung aller Zusender (160 zu diesem Thema) steht die Eucharistiefeier. Viele beziehen ihre Aussagen ausdrücklich oder - aus ihrem Erleben - ganz selbstverständlich nur auf diese Hochform des Gottesdienstes. In der Meßfeier fühlen sich viele zuhause, in der Nähe Gottes geborgen, ohne Vorleistung angenommen. Im Beten und Singen der Gemeinde drückt sich für viele der Wille aus, Gott zu loben und ihm zu danken, und die Sehnsucht, ihm zu begegnen. Weil die Menschen die Gegenwart Gottes erleben möchten, brauchen sie Zeichen und Symbole, die seine Nähe vermitteln. Sie brauchen eine lebendige und im Sinne des Wortes ansprechende Gestaltung des Gottesdienstes.

Unsere Gottesdienste haben den Anspruch, ''Feier'' zu sein. (G313-709-0)
Heimat in der Kirche finden, Liturgie soll Nähe zum Menschen vermitteln. (G115-057-0)
Ein brennendes Anliegen kam stets erneut zum Ausdruck: In bewußter, inniger Freundschaft mit Gott leben. Bei der Meßfeier, beim täglichen Stillwerden, im Gebet, in der Begegnung mit den Menschen Gottes Gegenwart durch den ganzen Tag hindurch erfahren. Mit Seinen Augen schauen, mit Seinem Herzen Entscheidungen treffen. Bei allen Unzulänglichkeiten darauf vertrauen, daß Er mich so annimmt, wie ich bin, ohne Vorleistungen meinerseits. (G143-204-0)
Im Gottesdienst finden wir Ruhe und das Gefühl, daß uns jemand zuhört. Am meisten befriedigt persönlich Gottes Nähe und das Singen und Beten. Ohne den Gottesdienst könnten viele von uns nicht leben. (G143-196-0)
Aus der Feier der Liturgie schöpft die Gemeinde ihre Kraft, sie ist mit Christus als Mittelpunkt Ausgangspunkt allen christlichen Handelns. (G321-731-0)
Im Gottesdienst bringen äußere Zeichen inneren Zugang, z.B.: Händekette beim Vaterunser, im Kreis gemeinsam kommunizieren, den Friedensgruß vom Altar aus an die Gemeinde geben. (D-113)

Gerade weil der Feier des Gottesdienstes ein so hoher Wert beigemessen wird, empfinden viele die Diskrepanz zwischen dem ersehnten Ideal und der (sonn)täglich erlebten Realität als anstößig. Die Grundtendenz der Voten lautet: der Gottesdienst ist zu unpersönlich, die Formen in der Liturgie sind zu starr, nicht zeitgemäß, nicht mehr verständlich. Rituale, deren Gehalt nicht mehr verstanden wird, wirken befremdlich und grenzen die Mitfeiernden aus. Zeichen, die das, was sie bezeichnen sollen, mehr verstellen als erhellen, erfüllen ihre Aufgabe nicht mehr. Zwischen den Menschen (ihrem Denken und Fühlen) und dem liturgischen Geschehen (Riten und Handlungen) entsteht eine immer tiefere Kluft. Besonders Kinder und Jugendliche finden sich mit ihrem Lebens- und Verstehenshorizont kaum in den gottesdienstlichen Vollzügen wieder. Junge Menschen empfinden viele Gottesdienste als langweilig und belanglos. Das Gefälle von oben (Leitung) nach unten (Basis) wird auch für die Mitfeier des Gottesdienstes beklagt. - Zu anderen Gottesdienstformen (Andachten, Rosenkranzgebet, Prozessionen, Wallfahrten) gibt es in den Voten nur wenige Äußerungen; z.T. wird bedauert, daß sie weniger Zuspruch finden als früher.

Die Gestaltung der Gottesdienste entspricht vielfach nicht den Bedürfnissen der Menschen von heute. (G117-091-0)
... Hier wird ... das offenbare Bestehen von Schwierigkeiten im Umgang mit liturgischem Handeln und Sprechen sichtbar. Die Gläubigen sind liturgieunfähig geworden und/oder die Liturgie hat sich vom Menschen entfernt. (G112-031-0)
Die amtliche liturgische Sprache ist nach unserer Meinung geschraubt; sie bedarf der Erneuerung (SB-161-A)
Menschen wollen nicht gedankenlos nachsprechen, sie erleben eine tiefe Kluft zwischen Gebeten, Liedern und ihrem eigenen Glauben und Empfinden. (G132-139-0)
Gottesdienste ... leben aus und mit einem Spannungsbogen aus Ritualen und Worten (und Musik).
Ein Teil dieser Rituale ist vielen fremd (geworden) und verlangt nach erklärenden, deutenden Worten. Zeichen und Zeichenfolgen aber, die erklärt werden müssen, haben ihren Zeichencharakter eingebüßt. (G313-709-0)
Kirche wird oft nur als Institution, nicht aber als Gemeinschaft erfahren. Das gilt auch für die Gottesdienste ... (G228-535-0)
Es wurde aber auch darauf hingewiesen, daß der Gottesdienst in der derzeitigen Form nur begrenzt Nähe und Solidarität bietet. (G146-242-0 und G146-243-0)
Liturgische Formen ... bedürfen der Deutung und einer Ausdrucksweise, die die heutigen Menschen anspricht. Insbesondere von der Jugend wurde bemängelt, daß die festgelegten Formen zu starr sind und ... sich nicht das Lebensgefühl des Menschen von heute, insbesondere der Jugendlichen, wiederspiegelt. (G113-099-0)
... möchten wir auf die Bedeutung von Rosenkranzgebeten, Totenwachen, Kreuzweg und Betstunden hinweisen. Diese alten Formen des ''Wortgottesdienstes'' werden in unserer ländlichen Gemeinde rege wahrgenommen. (G252-583-0)
Allgemeiner Rückgang der Volksfrömmigkeitsformen, wie z.B. Andachten, Wallfahrten, Liedgut usw., wird beklagt. (G381-932-0)
Formen der Verehrung des Allerheiligsten müssen zeitgemäß sein, dürfen nicht lächerlich wirken und den Zugang zu Christus als unserem Bruder im Alltag nicht verstellen. (G132-139-0)

Noch immer - so eine Reihe von Voten - werden Laien, Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, zu wenig in die Gestaltung der Gottesdienste mit einbezogen. Doch wo es geschieht, machen Gemeinden gute Erfahrungen, z.B. in Kinder-, Jugend- und Familiengottesdiensten. Diese Gottesdienste sind in der Regel gut besucht, wenn die Gemeinde sich auf die Familien einläßt, sie willkommen heißt. Immer da, wo die Menschen sich persönlich angesprochen fühlen, wo man einen Zugang zu ihrem Inneren findet, kommen sie zahlreich, jung und alt. Laien (Mütter und Väter) können sich aufgrund des gemeinsamen Lebenshorizontes oft besser in die Welt und Denkweise anderer Laien (Kinder und Jugendliche) einfühlen und auf sie eingehen.

Diese Messen werden so gestaltet, daß sie kindgerecht sind, aber auch gleichzeitig Elemente für Erwachsene enthalten - ... Die Katechesen werden häufig von ehrenamtlichen Laien vorbereitet und gehalten. Sie arbeiten gerne mit Zeichen und Symbolen oder auch Spielen. Wir glauben, daß der Zugang zur Seele der Menschen durch non-verbale Elemente erleichtert wird. ... Diese Familienmessen werden von allen Altersklassen mitgefeiert. Die Gemeindemitglieder und viele Mitglieder aus anderen Düsseldorfer Gemeinden kommen bewußt und gezielt in diesen Gottesdienst. Es ist keine Seltenheit, daß unsere Familien-Messe von 3 Generationen gleichzeitig besucht wird. Durch die Kinder kommen viele junge Familien zu uns ... und nehmen recht oft aktiv am Gemeindeleben teil. (G145-231-0)
Auf der Suche nach Orten und Möglichkeiten, wo man heute Neuerungen in der Kirche entdecken kann, sind uns zunächst diverse Jugendmessen in den Sinn gekommen. Hier konnte man ... einige Neuerungen erkennen, wie z.B. den Einsatz von Pantomimen, Rollenspielen, Dia-Vorführungen, modernen Liedern sowie provokativen Texten. Gerade auch bei den älteren Generationen stießen wir hier auf positive Resonanz. Es wäre jedoch weiterhin erstrebenswert, die Gemeinde noch mehr in den Gottesdienst mit einzubeziehen. (G144-213-0)

Aus ihren Erfahrungen und aufgrund der festgestellten Defizite formulieren die Zusender ihre Wünsche. Fast alle betreffen die Eucharistie. Viele wünschen eine größere Freiheit bei der Gestaltung einzelner Elemente und der Feier als ganzer, eine Ausschöpfung des Reichtums an Gestaltungsformen (vom lateinischen Hochamt bis zur Krabbelmesse), eine stärkere Beteiligung aller Mitfeiernden. Zu Intensivierung der Mitfeier wird mehr Realitätsnähe gefordert. Texte, Lieder und Gebete sollen so geartet sein (ausgewählt oder verändert werden), daß sie dem Lebensgefühl heutiger Menschen, besonders auch von Kindern und Jugendlichen, entsprechen. Neue Gestaltungsformen sollen eingeführt und erprobt werden (z.B. Pantomime, Tanz) und Akzente gesetzt werden (z.B. Bild- und Textmeditationen).
Das Verständnis der Liturgie als Voraussetzung für Mitfeier und Mitgestaltung soll durch Angebote liturgischer Bildung vertieft (oder erst geschaffen) werden. Der Aufbau der Meßfeier, die Bedeutung der Riten, die Funktion des liturgischen Kalenders sind Laien weithin unbekannt. Dazu wünschen viele Votanten Hilfen vor Ort durch die Gemeindepriester, die, statt Liturgie als ihre Domäne zu betrachten, Laien zur Liturgiegestaltung befähigen sollten. Für den Wortgottesdienst ohne Priester muß der Priester Anleitung geben und Kenntnisse vermitteln. Und man wünscht sich Unterstützung, (Ermutigung, Arbeitshilfen) durch das Bistum, damit Kräfte und Phantasie in den Gemeinden freigesetzt werden können.

Priestern und Laien sollte eine größere Offenheit und Freiheit bei der Gestaltung von Gottesdiensten eingeräumt werden. Ohne gute Traditionen über Bord zu werfen, sollten einzelne Elemente überdacht werden. (G117-091-0)
Eucharistiefeier soll mehr eine gemeinsame Feier als ein Monolog des Zelebranten werden. (G131-112-0)
Vielfältige Formen der Liturgie ermöglichen: Lateinisches Hochamt (sollte nicht ganz einschlafen!); moderne Texte im Gottesdienst; kindgemäße Liturgie, traditionelle Andachtsformen. (G114-047-0)
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung hinsichtlich der Gestaltung der Meßfeiern artikulieren zahlreiche Mitglieder der Gemeinde den Wunsch nach lebens-/realitätsnahen Bezügen im Gottesdienst (z.B. in der Predigt), geeigneten Formen der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen, meditativen Texten und/oder Fragen meditativer Art. (G352-821-0)
... daß die Messen langweilig und zu traurig sind. Die Messen sollten lockerer sein und Jugendliche sollten sie mitgestalten. Außerdem sollte man mehr Diskussionen in der Messe durchführen ... Man sollte lieber mehr auf die Menschen eingehen. (VD-017-210)
Gewünscht wird, aufzuklären über den Zugang zu den wechselnden Texten, über die Liturgie von Sonn- und Feiertagen, über den Ablauf der Meßfeier, über die symbolische Bedeutung von Riten und Zeichen ... (G181-308-0)
Das Verständnis für die Liturgiereform des II. Vatikanums muß vertieft und der Bezug der Liturgie zum Leben der Gemeinde deutlicher gemacht werden. Begründung: Manche Christen sehen immer noch Liturgie als feierliches Ritual, das den Priestern vorbehalten bleiben sollte. ... Wer aus dem Glauben lebt, muß sein Lebensgefühl in die Feier der Liturgie einbringen können. (G367-923-0)
Zunehmender Priestermangel muß als Chance genutzt werden, Neues und Zelebrationsunabhängiges den Gläubigen vertraut zu machen. Dies führt nur über die Akzeptanz und die Unterstützung des geweihten Amtsträgers, da er in der Gemeinde die liturgische Autorität ist. (G142-188-0)
Wir wünschen uns mehr beratende, begleitende ''Einwirkung von oben'' (Bischöfe), was einheitliche Kriterien im Beziehungsgeflecht Geweihte/Hauptamtliche/Ehrenamtliche angeht: wo Pfarrer ''mitziehen'', geht fast alles; wo sie sich verweigern, geht gar nichts (gilt auch für das ''Pastoralgespräch''). (G142-188-0)
Es sollten sich in den Gemeinden Kreise bilden, die sich einüben in Wortgottesdienste. Wir bitten die Seelsorgeabteilung im Generalvikariat um Vorbereitungsmöglichkeiten. (G331-738-0)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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