next up previous contents
Next: Perspektiven der Votanten Up: Den Glauben leben Previous: Wahrnehmungen der Votanten

Einschätzung der Votanten

Reflexion, Kritik, Beurteilung, Genese, Fragen

In fast allen Voten, wenn nicht explizit, so doch der Tendenz nach, wird zum Ausdruck gebracht, daß der Dienst am Nächsten ein Wesenselement der Kirche ist. Es müsse zu einer Verzahnung der drei Grundfunktionen kommen. Diakonie soll in der Seelsorge ihren angemessenen Platz finden. Immer wieder klingt auch der missionarische Aspekt der Diakonie an, weil der gelebte Glaube überzeugend wirke. (vgl. Kapitel 11: ''Glaubwürdigkeit'' sowie den Abschnitt 4.1 im 4. Kapitel: ''Den Glauben bezeugen'').

Diakonie will Kirche sichtbar machen. (D-225)
Überzeugen durch echtes Zuhören, Trostspenden, Dienst am Nächsten (Besuch von Kranken, Nachbarschaftshilfe usw.) Devise: christliches Handeln überzeugt, Worte reichen nicht. (SB-253-BII))

Grundsätzlich wird die fachliche Unterstützung des Caritasverbandes gewürdigt, es klingt aber auch an, daß Caritasverband und Gemeinden sich in ihrem Engagement nicht wahrnehmen und hin und wieder auch in Konkurrenz miteinander stehen. Gelegentlich wird auch die politische Dimension der Caritasarbeit angeführt. Neben der klaren Einschätzung, daß diakonales Handeln wegen des Vorbildes Jesu zum unbedingten Muß einer Gemeinde gehört, wird hin und wieder angeführt, daß das Handeln mit den Armen uns selber verändert und vor innerkirchlicher Nabelschau bewahrt.

Im Empfinden der Gemeinde haben Liturgie und die Verkündigung einen ungleich höheren Stellenwert als die Diakonie/Caritas. Von seiten der Kirchenleitung - und auch von seiten der Gemeinde - wird oft nur nach Kirchenbesucherzahlen gefragt. Unbewußt oder bewußt wird der ''Wert'' einer Gemeinde an der Zahl der Gottesdienstbesucher/innen gemessen. Es erscheint uns wichtig, daß die Diakonie, der geschwisterliche Dienst, einen neuen Wert erhält. Viele, die am ''Rande'' stehen, werden durch diese Seite der Kirche/Gemeinde auf die ''christliche'' Gemeinde aufmerksam, nicht durch die Zahl der Gottesdienstteilnehmer/innen. Daß die Eucharistiefeier ''Quelle und Höhepunkt'' der Gemeinde ist, geht aus den Antworten unserer Gemeinden in der Gemeindebefragung hervor und ist unbestritten. (G118-098-0)
Der Caritasarbeit in der Gemeinde wird sehr großer Stellenwert eingeräumt, Diakonie und Caritas werden als Anliegen großer Teile der Gemeinde gewertet. (G171-288-0)
Zwischen Kirche und Caritas besteht zur Zeit eine deutliche Konkurrenzsituation: Bei der Verteilung der zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen bei der Bewertung der Wichtigkeit und Bedeutung der Arbeit von Kirche und Caritas. Während Kirche sich dem ''Eigentlichen'' zuwendet (Glaubensverkündigung in Liturgie und Katechese), ist die Caritas im ''Vorhof des Tempels'' tätig. Die Kommunikation zwischen Seelsorgern und Caritasmitarbeitern ist in der Regel auf einem geringen Niveau und oft von Mißtrauen geprägt. (VV-005-320)
Wir sehen Kirche als katholisch, d.h. weltweit an und haben den Wunsch, auch von den jungen Kirchen in der weiten Welt zu lernen. (D-214)
Wer sich aufmacht und die Begegnung mit den Armen sucht, wird selber in Frage gestellt und verändert, aber dadurch eben auch reicher an Leben. (VS-001-330)

Es wurde die klare Einschätzung ausgesprochen, daß Caritasverband und Beratungsdienste eine positive Auswirkung auf das Erscheinungsbild der Kirche haben.

Beratung ist in der Lage, negative Bilder von Kirche zu verändern und positive Erfahrungen zu vermitteln. (VD-028-110)
Im Beratungsdienst der Kirche, der als Teil der Pastoral zu verstehen ist, spüren wir, daß Berater/in und Ratsuchende in die Nähe Gottes rücken, denn dieser Dienst hat seinen Ursprung in der Zuwendung Gottes zum Menschen. Indem den Lebensnöten eines jeden Menschen zunächst einmal aufmerksam zugehört und genau reflektiert wird, kann die bestehende Beratungssituation ''heilsam'' sein. Dieses Erfahrbarmachen der lebensspendenden Frohbotschaft durch Werke der tätigen Liebe (Diakonia) kann in der Beratungsarbeit möglich werden. Hier verweisen Beratung und Liturgie (Leiturgia) innerlich aufeinander, denn Gottesdienst kann ohne Dienst am Nächsten nicht heilvoll sein und umgekehrt. Darüber hinaus ist Beratungsdienst der Kirche praktische Verkündigung (Martyria) in der Gemeinde, denn hier kann etwas von dem deutlich werden, was Verheißung des Gottesreiches sagen will. (VV-001-220)


next up previous contents
Next: Perspektiven der Votanten Up: Den Glauben leben Previous: Wahrnehmungen der Votanten

HTML von F. Seiffert 24/9/1996
www.kath.de