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Wahrnehmungen der Votanten

Situationsbeschreibung, Ist-Stand, Vorgefundenes

Die grundlegende Wahrnehmung ist, daß es die vielen Hände und Herzen tausender ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen sind, die in unseren Gemeinden die Caritasarbeit tun. Diese fühlen sich durch die Fachdienste des Caritasverbandes unterstützt und ergänzt. Hierbei werden aber auch Defizite genannt. Die Situation, in die hinein diese Arbeit geschieht, wird so beschrieben:
Die Menschen leben heute in dieser Zeit des Wohlstandes mit vielen Nöten, körperlichen und psychischen Krankheiten und Entwurzelungen, mit speziellen Wohlstandskrankheiten, aber auch mit offener oder meist verdeckter Armut. Es ist daher erforderlich, daß alle Christen die Botschaft Jesu in die Tat umsetzen. (G133-151-0)

Eine große Rolle spielt die Minderschätzung der Diakonie im Zusammenspiel der Grunddienste gegenüber Verkündigung und Liturgie. Hier schließt sich die Feststellung an, daß Diakonie oft nur von einigen in der Gemeinde oder von Gruppen wahrgenommen wird und daß selten bewußt ist, daß es sich hierbei um eine Aufgabe der Gemeinde als ganzer handelt. Von den diakonalen Zielgruppen und Arbeitsfeldern werden immer wieder die Bedürftigen, wie Kranke, Obdachlose, bedürftige Alleinstehende und Familien genannt. Es gibt aber auch deutliche Anzeichen, daß man sich bemüht, Themen wie neue Armut, Arbeitslosigkeit, Aids, seelische Verarmung verstärkt in den Blick zu nehmen. Der Bereich ''Engagement für die 3. Welt'' ist traditionell stark vorhanden und wird vielfach durch den Einsatz um weltweite Gerechtigkeit ergänzt. Deutlich benannt wird auch das Thema Solidarität mit Ausländern und Asylbewerbern. Neben der Aufzählung all der guten Taten in den Gemeinden steht die Feststellung, daß sich unsere Gemeinden den Armen zu wenig zuwenden, sich kaum zu ihnen bekennen und daß sich die Armen zu wenig von unseren Gemeinden angenommen fühlen, weil sie sich dort als fremd erfahren.

Der Gottesdienst wird als legitimer Ausdruck des Gemeinschaftsgefühls erlebt, die caritative Arbeit dagegen sehr viel stärker als Institutionsarbeit und nicht als Arbeit in einer Gemeinschaft. (D-225)
Zwischen verbandlicher und gemeindlicher Caritas-Arbeit besteht guter Kontakt. Dies wird auch auf Dekanatsebene bejaht. Der Caritasverband ist um gute Zusammenarbeit bemüht. Auf Dekanatsebene finden zweimal jährlich thematische Treffen statt. Persönliche Absprachen werden mit den zuständigen Caritas-Mitarbeitern (Hauptamtlichen) nach Wunsch getroffen. (D-144)
Wir kennen keine Ausgewogenheit zwischen Pastoral und Diakonie. In der Bibel wird davon gesprochen, daß die pastoralen und diakonischen Dienste gleichwertig nebeneinanderstehen sollen. In der kirchlichen Praxis ist vielerorts wenig von Gleichwertigkeit dieser Dienste zu erkennen. (VV-012-360)
Die Caritas ist zu stark verbandsmäßig organisiert und deshalb zu weit vom einfachen Glauben entfernt. Es ist schon ein Gefühl beim Gläubigen gegeben, wenn es reicht, ''eine Spende zu überweisen''. (G381-932-0)
Doch es käme nicht nur darauf an, daß sich die Gemeinde zu den Armen hinbewegt; es käme auch darauf an, daß sich die Armen zur Gemeinde hinbewegen und dort integriert werden. Aber das stößt im allgemeinen auf große Hindernisse. Die Armen würden sich in den meisten Gemeinden gar nicht wohlfühlen, weil sie sich fremd vorkämen. Unsere Gemeinden sind in erster Linie Gemeinden des Mittelstandes oder der Reichen. Sie sind stark bürgerlich geprägt und wenig vom Evangelium geformt. Man empfände es als Zumutung, wenn die Armen beim Gottesdienst dabei wären oder bei Versammlungen anderer Art (bei Feiern im Gemeindezentrum, bei Empfängen usw.) Man sage nicht, das ist doch gar nicht wahr! Wenn wir die Armen konkret vor unseren Augen sehen, dann wissen wir, daß es wahr ist! (VS-001-330)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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