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Kooperation im Seelsorgebereich, Selbständigkeit

Nach der Votenlage läßt sich feststellen: Es gibt Zusammenarbeit im Seelsorgebereich, aber in ganz unterschiedlicher Intensität. Von guten Verläufen wird berichtet, von ersten positiven Ansätzen, von Kooperation in Teilbereichen, aber auch von strikter Ablehnung. Als Bedingungen für die Zusammenarbeit wird fast immer die Wahrung der Eigenständigkeit genannt. Ferner wird hingewiesen auf den Wert gewachsener Strukturen und die Behinderung durch (alte) Rivalitäten. Es gibt Anzeichen dafür, daß die Herausforderung durch die neuen Seelsorgebereiche von Seelsorgern und Gemeinden angenommen wird, aber auch Berichte von Abwarten, Ausweichen, Taktieren.

Zusammenarbeit zwischen einzelnen Gemeinden gibt es punktuell, verursacht vor allem durch Priestermangel. Kooperation in diesem Feld kann u.a. bestehen in der Abstimmung von Gottesdienstzeiten. Sie kann bewirken, den Abbau von Animositäten zwischen Gemeinden, soweit solche bestehen, und das gegenseitige Kennenlernen. Kooperation findet auch mit den Füßen statt, indem Gläubige sich in anderen Gemeinden engagieren. (D-311)
Die Pfarrgemeinderäte der beiden Gemeinden kooperieren, indem gemeinsame Tagungen ''PGR in Klausur'' veranstaltet werden, Erstkommunion, Firmung gemeinsam geplant werden, Terminabsprachen für Gottesdienste, besonders zu kirchlichen Hochfesten, errungen werden müssen. Chancen für die Zukunft sehen wir nur, wenn die Eigenständigkeit der Pfarrgemeinde bewahrt bleibt und gefördert wird. (G351-802-0)
Dabei stellte sich heraus, daß Neubürger gegenüber Alteingesessenen leichter bereit sind, neue Schritte zu gehen ... Mut und Ausdauer zu kleinen Schritten sind allerdings notwendig. (G251-571-0)
Vor der Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde ... auf verschiedenen pastoralen Gebieten herrscht nach wie vor Skepsis. Die kleinere Pfarrei befürchtet, daß ihre Interessen nicht genügend berücksichtigt werden. (G253-531-5)
Die Voraussetzungen zur Zusammenarbeit und die Fähigkeit zur Kooperation ist zum Teil nur schwach ausgeprägt. Manche Situationen lassen erkennen, daß echte Kooperation offensichtlich nicht gewollt ist, daß Entwicklungsprozesse entsprechend verhindert werden. (SB-144-D)
In unserem Seelsorgebereich liegen bisher keine Erfahrungen mit Kooperation vor. Ursache ist u.a. die weit ausgedehnte Fläche im ländlichen Gebiet (ohne einen ausreichenden öffentlichen Nahverkehr). (G366-914-0)

In der Zusammenarbeit im Seelsorgebereich wird vielfach eine Chance gesehen, effektiver zu arbeiten. Das gemeinsame Planen und Tun mehrerer Gemeinden soll sich aber nur auf einige Bereiche erstrecken, am häufigsten genannt: Jugendarbeit, Sakramentenkatechese, Bildungsangebote. Daneben wird als unverzichtbar zur Sicherung und Förderung des Glaubenslebens und der geistlichen Beheimatung die selbständige, eigenverantwortliche Arbeit in der Gemeinde angesehen. Hingewiesen wird auf die unterschiedliche Prägung (volkskirchlich, traditionell - gemeindekirchlich, neuer) benachbarter Gemeinden. Insgesamt ist die Einschätzung der Kooperation im Seelsorgebereich ambivalent: Hoffnung auf größere Vielfalt einerseits, Befürchtung von mehr Zeitaufwand für Termine andererseits. Besonders skeptisch gesehen oder abgelehnt wird die Kooperation von kleinen Gemeinden, die eine Vereinnahmung durch die größeren befürchten, und von Gemeinden im ländlichen Raum, in dem die Probleme der Zusammenarbeit sehr viel größer sind als in städtischen Gebieten.

Die notwendige Zusammenarbeit im Seelsorgebereich eröffnet positiv viel Vielfalt, bedeutet aber auch sehr viel mehr Zeitaufwand für regelmäßige Absprachen und gegenseitige Informationen. Bei Neubesetzungen sollte man darauf achten, daß wichtige Aufgaben, wie z.B. die Jugendarbeit, im Seelsorgebereich gesichtert bleiben. (D-251)
Es ist uns ein Anliegen, daß von ''oben'' her nicht immer größere Gemeindeeinheiten geschaffen werden, deren Unüberschaubarkeit und Unbeweglichkeit geradezu zur Bindungslosigkeit einladen. (G263-655-0)
Sinnvolle Gottesdienstgemeinschaft ohne Lebensgemeinschaft ist nicht möglich. (D-146)
Die Pfarrgemeinden in unserem Dekanat befinden sich im Übergang von Land- zu Stadtgemeinden und sind außer vom Einwohnerzuwachs von einer hohen Fluktuation geprägt. Es gilt festzustellen, inwieweit traditionelle ''volkskirchliche'' (zentrale Positionen des Pastors, Volksfrömmigkeit, ...) bzw. neuere ''gemeindekirchliche'' (aktiver PGR, Kommunion- und Firmkatecheten, Familienkreise, ...) Erwartungen der Gläubigen sich im Rahmen des öffentlichen kirchlichen Lebens der Gemeinde äußern und darstellen können und welchen Anteil sie jeweils in etwa ausmachen. Danach muß sich dann sowohl die Einteilung von Seelsorgebereichen wie auch die Besetzung von Pfarrstellen und die Anstellung von hauptamtlichen Verantwortlichen richten. (D-262)
Der Pfarrgemeinderat wird die Vermutung nicht los, daß auch diese Kooperationsplanung des Bistums ein Ausdruck der Priester-Mangel-Verwaltung ist, kein wirklich erneuerndes, Grenzen überwindendes Geschehen. (G225-495-0)
... daß die Chancen einer pfarrübergreifenden Jugendarbeit für die Jugendlichen genutzt werden, daß gelebte Kooperation der Seelsorgerinnen und Seelsorger für Jugendliche zum Zeugnis eines gemeinschaftstiftenden Glaubens wird. (VS-002-250)
Gemeinden und Seelsorger müssen die Zusammenarbeit wollen. Die Bistumsleitung muß mehr zur Zusammenarbeit motivieren, und zwar Pfarrer und Gemeinden. (D-114)

In vielen Voten wird die Hoffnung geäußert, daß die Identität der einzelnen Gemeinde und das Zusammenspiel mehrerer Gemeinden im Seelsorgebereich in ein fruchtbares Verhältnis gebracht werden. Von der Bistumsleitung wird ein klares Ja zur Kooperation und zur Eigenständigkeit gefordert. Die Stärkung der einzelnen Gemeinde ist für viele die Voraussetzung für sinnvolle Zusammenarbeit. In diesem Zusammenhang wird auf die wichtige Rolle der Pfarrbüros verwiesen, werden andere gemeindebildende Aktivitäten (z.B. Seniorenkreise) genannt, eine Aufgabenerweiterung für Subsidiare vorgeschlagen. Als konkrete Maßnahme der Bistumsleitung wünscht man sich für den Kooperationsprozeß Motivationshilfe und Begleitung durch Fachleute, und zwar für die Seelsorger und die Gemeinden. Dabei soll es keine Reglementierung geben, sondern Hilfen derart, daß die Gemeinden Form und Intensität ihres Zusammenwachsens selbst finden.

Desweiteren sehen wir damit die Notwendigkeit, daß Kirche auch in Zukunft vor Ort präsent und lebendig bleibt. Dies im Blick zu halten, ist Aufgabe der sich neu entwickelnden Seelsorgebereiche. (G134-167-0)
Die Bistumsleitung sollte unmißverständlich erklären, daß sie in den Seelsorgebereichen die Eigenständigkeit ihrer Gemeinden erhalten und fördern will. (G172-297-0)
Hilfen zur Kooperation (Seelsorgebereich) aufzeigen und die Besonderheiten der Gemeinden entdecken. (G171-293-0)
Wir wünschen mehr Ermutigung und Befähigung zur Kooperation durch entsprechende Bistumsstellen. (G312-688-0)
Wir fordern Unterstützung des ''Zusammenwachsens'' in Nahbereich durch die Diözese a) für die Geistlichen des Nahbereiches, b) für die Gemeindemitglieder des Nahbereiches. (G314-712-0)
Deshalb müssen Zusammenlegungen bzw. Kooperationen im Nahbereich immer durch begleitende Maßnahmen (Klausurtagungen, Referenten von außen, etc.) unterstützt werden. (D-314)
Wir wünschen uns deshalb möglichst wenig Reglementierung! Die jeweiligen Seelsorgebereiche müssen vor Ort entscheiden, wie sie ihre Zusammenarbeit organisieren. Wichtig erscheint uns in jeder Gemeinde ein gut funktionierendes Pfarrbüro, als Ort der Begegnung, auch Außen- und Fernstehender mit der Gemeinde. (G141-180-0)
Darüber hinaus müssen Subsidiare in die Verantwortung für eine Gemeinde genommen werden können. Wir bitten, in dieser Übergangszeit die Subsidiare zur Entlastung des Pfarrers für den gesamten Nahbereich zu ernennen. (G115-058-0)
''Die Kirche muß im Dorf bleiben''. Nach der kommunalen Neugliederung (Wegfall von Schulen, Ämtern, usw.) ist die Pfarrgemeinde fast die einzige Kraft, die noch Identität stiften kann. (D-253)
Nicht hilfreich ist es, daß die Begriffe ''Seelsorgebereich'', ''Pfarreiengemeinschaft'' und ''Pfarrverband'' ohne ersichtliche Differenzierung nebeneinander stehen. (D-172)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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