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Einschätzungen der Votanten

Reflexionen, Kritik, Beurteilung, Genese, Fragen

Der Großteil der Voten betont das Verbindende der Konfessionen und wünscht eine Intensivierung der Ökumene. Das, was gemeinsam getan werden kann, soll auch gemeinsam getan werden. Die Kirchenspaltung ist heute immer weniger zu verstehen und zu ertragen.

Kirche kann im nächsten Jahrtausend nur überleben, wenn es in der Ökumene nennenswerte Fortschritte gibt. Auch das gehört wesentlich zur Glaubwürdigkeit. (G351-804-0)
Was sinnvoller gemeinsam getan werden kann, soll auch gemeinsam getan werden. Das, was theologisch möglich ist, ist dabei noch lange nicht ausgelotet und muß immer weiter entwickelt werden. (SB-112-C)

Theologische wie praktische Überlegungen führen in einigen Voten zu der grundlegenden Einschätzung, daß Ökumene nicht nur ein freundliches Nebeneinander oder eine punktuelle Zusammenarbeit, sondern ein strukturelles Miteinander in vielen Bereichen sein oder werden muß.

Ökumene kann nur selten die Form einer Zusatzveranstaltung neben all der Belastung des Gemeindealltags sein (= fünftes Rad am Wagen zur Zierde oder als Reserverad). Bei der Belastung aller Haupt- und Ehrenamtlichen in der Gemeinde können wir uns diese zusätzliche Belastung nicht oft erlauben. (VD-015-110)
Diese Überlegungen, daß ökumenisches Denken und Handeln nicht schmückendes Beiwerk sind, sondern zentrale Kategorie christlichen Selbstverständnisses und sich im Auftrag Jesu Christi um Einheit der Kirche zu bemühen haben, führen in Konsequenz zu der grundlegenden Notwendigkeit, christliches Leben in den evangelischen wie katholischen Gemeinden nicht - wie bisher oft - in einem freundlich gesinnten Nebeneinander, sondern in einem strukturellen Miteinander zu vollziehen. (G313-708-0)

Zwei Voten kritisieren die Bistumsleitung bezüglich eines konkreten Vorfalls im Januar 1994:

Wer jahrzehntelang von Ökumene redet, aber im Rahmen der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen am 23. Januar 1994 dem ehemaligen katholischen Priester und nunmehrigen altkatholischen Bischof Dr. Kraft die Predigt in einer katholischen Kirche verbietet, hat den Ernstfall nicht bestanden. (G367-921-0)

Einige recht unterschiedliche Voten reflektieren die ''Anstöße'' zum Pastoralgespräch:

Der in den ''Anstößen zum Pastoralgespräch'' (S. 42) geäußerte Gedanke, daß Ökumene u.a. dazu diene, ''die eigene Identität zu vertiefen'', erscheint theologisch problematisch; er definiert Christsein primär konfessionell und nicht von einer - neu zu findenden - ökumenischen Mitte her. (G313-708-0)

Zu der Aussage, ''Ökumene meint nicht das Verwischen von bestehenden Unterschieden in Inhalten, Traditionen und Strukturen'' (''Anstöße'' Seite 42), nehmen zwei gegensätzliche Voten Bezug:

Damit versuchen die ''Anstöße'' zu verhindern, daß die Kirche sich bewußt bleibt, daß sie den Grundsatz des ''semper reformanda'' unterliegt. Wieso dürfen - wir möchten sagen - müssen die genannten Bereiche nicht kritisch überdacht werden: Traditionen, etwa die gesamte Volksfrömmigkeit einschließlich der praktizierten Marienverehrung, Inhalte, etwa der in der katholischen Kirche gewordene Liturgismus und Sakramentalismus (einschl. vor allem die Sakramentalienlehre und -praxis), Strukturen, etwa die absolute Herrschaft der Hierarchie über die Glaubenden, in der sich die Angehörigen der Hierarchie (s. ''Anstöße'' Seite 54 Rd.Z. 12/13) als Repräsentanten Christi verstehen. Dagegen gilt doch, daß die Kirche insgesamt (!) der geheimnisvolle Leib Christi ist. (G342-762-0)
In den ''Anstößen zum Pastoralgespräch'' vermißt der Sachausschuß Ökumene bei den Ausführungen III.4 ''Ökumenische Zusammenarbeit'' einen Hinweis darauf, daß ökumenische Offenheit und Förderung ökumenischer Initiativen nicht in das Belieben des einzelnen gestellt sind. ...
Um Ängste auf allen Seiten abzubauen, wäre es hilfreich, klar zu sagen, ökumenische Öffnung bedeutet nicht Einebnung von einmal erkannter und gelebter konfessioneller Wahrheit. Vielmehr kann sich die Fülle christlichen Glaubens, die sich in der Vielfalt der Kirchen und Glaubensgemeinschaften entfaltet hat, auch weiterhin entfalten. Das Erbe Jesu Christi wurde in unterschiedlichen Traditionen und Prägungen bewahrt. Es kommt darauf an, diese als Gaben zu entdeken, zum Leuchten zu bringen und dadurch zu größerer Weite und zu einem vertieften Verständnis des Evangeliums beizutragen. (DS-110)


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HTML von F. Seiffert 24/9/1996
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