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Der Limburger Dom |
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Rushhour auf der A3. Auto reiht sich an Auto. Eine bunte Blechkarawane rollt in den Morgenstunden über die Lahnbrücke und zieht weiter Richtung Frankfurt. Dem hektischen Treiben stellt sich ein Bild des Unverrückbaren, Mächtigen entgegen. Das Licht der aufgehenden Sonne enthüllt eine Stadt auf dem Berge, erbaut über den Wassern der Lahn. Weithin sichtbar verweist sie auf das Größere, Höhere. "Wenn wir zusammenkommen, Sieben Türme, gleich der Zahl der Sakramente, erheben sich auf dem Felsen über der Lahn. Sie unterstreichen die symbolische Bedeutung des Baus als "Stätte der Erlösten". Die Beschreibung dieser himmlischen Stadt haben die Erbauer dem letzten Buch des Neuen Testaments entnommen, der Johannesoffenbarung. Im Mittelalter wurde es intensiv gelesen. Anders als die gotischen Kirchen sind die romanischen als Gottesburg gebaut, mit starken Mauern, Türmen und Toren, geschützt wie eine Festung. In einer Zeit vieler Kriege und Fehden bildeten sie für die Menschen einen Zufluchtsort. "Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke, Herr, du mein Fels, meine Burg, Eine mittelalterliche Kirche hat ihr Hauptportal im Westen. Im Westen, dort wo die Sonne untergeht, herrschen die Mächte des Dunklen und Dämonischen, so vermutete man. Um ihnen Einhalt zu gebieten, setzte man ihnen ein Bollwerk entgegen, die monumentale Westfront. Hier begegnen wir aber auch dem "Fingerzeig" auf etwas, das außerhalb unserer Reichweite liegt, uns zugleich anzieht und zutiefst berührt: Die Türme weisen dem Leben die Richtung; wirklichen Schutz und Geborgenheit gibt es nur im Verankertsein in der Transzendenz des Himmels. Die Westfassade des Limburger Doms, geprägt von der späten rheinischen Romanik, trägt bereits erste Spuren des neu aufkommenden Baustils, der Gotik. Die Fensterrosette und die Betonung des Vertikalen, Aufstrebenden, sind vorsichtige Zitate der zur selben Zeit in Frankreich aufblühenden gotischen Architektur, umgesetzt in den Kathedralen von Laon, Noyon, Soissons und in der Kirche Notre-Dame-en-Vaux in Chalons-sur-Marne.
Im
romanischen Kirchbau spiegelt sich nicht nur der Himmel, sondern auch die
damalige soziale Ordnung, die sich aus der Spannung und gleichzeitigen
Verbindung von weltlicher und kirchlicher Macht ergibt. Während der im Osten
gelegene Chorraum der Ort des Bischofs und der Priester ist, steht die große
westliche Turmkonstruktion für das Weltliche. Nicht selten beherbergt sie den
Sitz des Herrschers. In Mainz und Worms ist für die weltliche Macht sogar ein
zweiter Chor im Westen gebaut. Der Kaiser bot Schutz gegen die Gefahren der
Welt, die von Westen einzubrechen drohten.
Er, der Herr der himmlischen und der irdischen Welt, blickt mit großen,
gesammelten Augen von der Ostwand der Vierungskuppel in den Kirchenraum. Das
Bildmotiv der Majestas Domini (der "Herrlichkeit des Herrn") zeigt den
Allherrscher auf dem himmlischen Thron, umgeben von den beiden Kirchenpatronen,
dem heiligen Bischof Nikolaus und dem heiligen Georg. In vielen romanischen
Kirchen findet sich diese zentrale Darstellung nicht in der Kuppel, sondern an
der Stirnwand der Kirche, in der Apsiswölbung.
Eine personifizierte Erde säugt eine Schlange und
ein Schwein, das Wasser hält in jeder Hand einen Fisch. Die Blendbögen des
Langhauses zeigen die Bewohner der Himmelsstadt, die Apostel und Propheten. Der
Gläubige ist auf seinem Weg nicht allein. Die "Säulen der Kirche" stützen
ihn. Der ursprüngliche Gedanke des schutzbedürftigen Gläubigen ist nicht
verdrängt. Insbesondere die Plastik des Taufsteins, der aus der Erbauungszeit
der Kirche stammt, aber auch die Fresken des südlichen Querhauses, in dem der
Taufstein ursprünglich stand, weisen auf die Bedrohung und zugleich die Stärke
des Christen hin. Wovor sich der Christ in seinem Alltag hüten soll, was er zu
tun und zu lassen hat, findet sich hier anschaulich dargestellt. Personifizierte
Tugenden und Laster umlagern das Taufbecken. Der durch die Taufe gestärkte
Christ hat jedoch nichts zu fürchten: Simson zerreißt einen jungen Löwen, der
ihn bedroht (Richter 14,6). Diese Szene soll auf Christus hinweisen, der den Tod
in seiner Auferstehung ein für alle Mal besiegt hat.
Karoline Exner
Führungen durch den Limburger Dom:
weitere Links: Dom zu Speyer Modelle von Kirchenführung Verzeichnis deutscher Kirchengemeiden Dom zu Limburg Abtei Maria Laach
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