R A D I O  V A T I C A N A
G E S C H I C H T E ,  S P R A C H E N  u n d  T E C H N I K

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Radio Vatikan: kleiner geschichtlicher Überblick

Es fing an mit der Idee von Papst Pius XI im Jahr 1930. Er beauftragte den italienischen Rundfunkpionier Guglielmo Marconi, den Sender aufzubauen. Der baute einen 10-Wattsender auf dem Leo-Turm mitten in den vatikanischen Gärten, auf der Spitze des Vatikanhügels. Hier war vorher die vatikanische Sternwarte gewesen, die ihren Sitz nach Castel Gandolfo verlegen mußte, weil es in Rom durch die Stadtbeleuchtung nachts schon zu hell für die Sternbeobachtung geworden war. Der Sendebetrieb wurde am 11. Februar 1931 aufgenommen. Gleich zu Anfang wandte sich der Papst mit einer Botschaft an alle Welt, die sogar im fernen Amerika schon empfangen werden konnte.

Hinter der Gründungsidee stand vermutlich die Gefängnis-Erfahrung des Papstes, der sich als "Gefangener im Vatikan" betrachtete, bevor zwischen dem Apostolischen Stuhl und Italien die Lateranverträge abgeschlossen wurden.

Durch die Radiowellen erhielt das Oberhaupt der katholischen Kirche die Möglichkeit, sich unabhängig von der politischen Willkür an die Katholiken in aller Welt zu wenden und sie im Notfall um Hilfe zu bitten. Der Papst blieb nicht Spielball der Gunst Italiens, sondern nutzte die Technik, um mit den Seinen in aller Welt in Austausch zu treten.

Die ersten Programme waren in italienischer Sprache, es folgten unregelmäßig die größeren europäischen Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch. Vor allem während des Nationalsozialismus und Faschismus spielte der Papstsender dann auch eine gewisse politische Rolle. Goebbels betrachtete den Vatikansender als Feind. Nach dem Krieg gewann Radio Vatikan Lorbeeren durch den Suchdienst, über den Hunderttausende von Personen in ganz Europa ihre Lieben wiederfanden. Die Zahl der Programme explodierte, als Stalin seine Front nach Westen vorschob. Alle Satellitenstaaten erhielten ihr Sprachprogramm. Eine der jüngsten Sprachen ist Suaheli, eine Sprache, die Millionen von katholischen Afrikanern verstehen.


Radio Vatikan: ein Sprachenbabel

Radio Vatikan sendet täglich in etwa 30 Sprachen. Die Sprachpalette reicht von Albanisch, Arabisch und Armenisch bis Ungarisch, Ukrainisch und Vietnamesich. Dazwischen liegen u.a. Englisch und Französisch, Russisch und Chinesisch, Suaheli und Amharisch. Selten gibt es auch Esperanto-Sendungen, nie aber Programme auf Latein oder Griechisch.

Die Redaktionen in den einzelnen Sprachen sind relativ unabhängig von einander. Jede muß selbst entscheiden, was für ihre Hörer wichtig ist: aktuelle Information, Hintergrundberichte, theologische Fortbildung, geistliche Betrachtung oder eher katechetische Programme. Die Entscheidung hängt natürlich vom Zielpublikum ab. Das aber ist im evangelischen Dänemark oder Norwegen ganz anders als im katholischen Brasilien oder im meist hinduistischen Tamil Nadu in Südindien. Es gibt keine Zensur - weder vor noch nach der Sendung. Jeder Redakteur muß selbst entscheiden, was seinem Auftrag und dem Hörerinteresse entspricht.

Der Auftrag lautet: Die Weltkirche mit ihrem Zentrum in Rom zu verbinden und Interessenten zu erläutern, was in der katholischen Welt los ist und was in ihr gedacht wird.

Für den deutschen Sprachraum muß man Radio Vatikan wohl definieren als Kommunikationsorgan für Menschen jedweder Konfession und Weltanschauung, die an der Kirche und ihrer Botschaft, am Urteil der Kirche über Politik, Gesellschaft, Ethik und Kultur interessiert sind. Also kein Missionssender, kein Propagandainstrument. Dafür ist der Sender nicht geeignet.


Radio Vatikan: die Technik

Die jüngste Errungenschaft ist die Ausstrahlung der Sendungen über die INTEL-Satelliten und Eutelsat. Radio Vatikan wünscht, daß möglichst viele Sender in aller Welt die RV-Programme übernehmen und wiederausstrahlen. Doch auch Privatpersonen, die eine entsprechende Antenne von 80 cm Durchmesser haben, können mit ihr Radio Vatikan empfangen, wenn sie auf Eutelsat F2 eingestellt ist.

Doch bleibt auch in Zukunft der Empfang über Mittel- und Kurzwelle für die meisten Hörer der Normalfall. Erstaunlich gut hört man Radio Vatikan mit "Omas Küchenradio": Einfache transportable Geräte aus der guten alten Zeit bekommen die Mittelwelle meist am besten herein. Freilich nur bei Dämmerung oder Dunkelheit, wenn die Mittelwelle bis zur Nordsee gelangt. Die Kurzwelle wird am besten von Geräten mit Digitalanzeige aufgefangen. Freilich gehört immer schon ein Stück Voraus-Interesse dazu, um sich während der Sendezeiten freizumachen für die RV-Sendungen.

Die meisten RV-Sendungen sind nicht live gesprochen, sondern aufgezeichnet. Es gibt aber auch Live-Sendungen, so z.B. die deutsche Nachrichtensendung täglich um 16.00 Uhr.

Das Signal geht vom Redaktionsgebäude über Kabel auf einen kleinen Sendemasten in den vatikanischen Gärten. Von hier wird es per Richtfunk zur Sendeanlage in Santa Maria di Galeria 30 km nördlich von Rom gesandt. Hier wird das Signal aufgefangen, verstärkt und per Richtantenne in die gewünschte Richtung gesandt - je nachdem - nach Asien oder Afrika, Nord- oder Südamerika oder eben in Europa. Eine Fülle von Leserbriefen bezeugt, daß es seine Hörer findet.


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