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An dieser Stelle finden Sie Nachrichten von Radio Vatikan vom 03.03.2000

Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Redaktion: Clemens Behr

AUS UNSERER BERICHTERSTATTUNG:

Rau befürwortet islamischen Religionsunterricht

Anfang der Woche hatte die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Annette Schavan, den Berliner Senat aufgefordert, die Einrichtung der Fächergruppe Religion/Ethik/Philosophie als Wahlpflichfach zu ermöglichen. Im Rahmen dieser Fächergruppe könnte dann auch islamischer Religionsunterricht angeboten werden. Diesen Vorschlag befürwortet auch der deutsche Bundespräsident Johannes Rau. Das hat er heute in der evangelischen Akademie im niedersächsischen Loccum deutlich gemacht. "Der Staat kann und darf seinen Bürgern ihren Glauben nicht vorschreiben - genauso wenig, wie er von ihnen Religionslosigkeit verlangen darf," sagte Rau am Freitag in Loccum. Deshalb hätten auch Muslime in Deutschland Anspruch darauf, ihre Religion auszuüben und den Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Aber die Frage, wie und durch wen islamischer Religionsunterricht erteilt werden könne, sei nicht leicht zu beantworten. Der Staat sei dabei auf verlässliche und verfassungstreue Partner angewiesen. Rau nannte drei Bedingungen: Die Lehrer, die islamischen Religionsunterricht erteilen, müssten angemessen ausgebildet sein, in deutscher Sprache unterrichten und sich unter die allgemeine Schulaufsicht stellen. Der Bundespräsident äusserte sich auf einer Tagung über "Kirche im pluralen und globalen Dialog". Dabei sagte Rau, ein Wahlpflichtfach Religion habe sich in vielen Ländern seit langem bewährt. Beide Seiten, sowohl der Staat als auch die Religionsgemeinschaften, könnten damit ihre Ziele verfolgen und ihre Anliegen wahren.

Symposium in Kamerun: Der Beitrag der Christen für eine Friedenskultur

"Ein Jahr für die Kultur des Friedens" – das ist das Motto, das die Vereinten Nationen über das Jahr 2000 gestellt haben. Dennoch sind auch in diesem Jahr wieder neue Konfliktherde ausgebrochen, die Tausende von Menschen das Leben gekostet haben – so auch in Afrika. Aus diesem Anlass hat gestern in Kamerun ein Symposium begonnen, bei dem Kirchenvertreter über den Beitrag der Christen für eine Kultur des Friedens nachdenken wollen. In Yaoundé, Kameruns Hauptstadt, sind die Bischöfe von sechs Ländern Zentralafrikas versammelt, dazu kommen Sprecher von Familienverbänden und anderen Laienorganisationen. Den Vorsitz führt der Präsident des päpstlichen Kulturrates, Kardinal Paul Poupard. Er betont, dass die Christen einen besonderen Aspekt in die weltweiten Friedensbemühungen einzubringen hätten. "Das besondere ist der Glaube an Christus. Dieser unterstreicht den ethischen Charakter einer Kultur des Friedens, indem er die Würde jedes Menschen offenbart. Daraus folgt ein großer Respekt vor dem Anderen, eine Solidarität der Menschen untereinander, eine Ethik des Teilens und des gemeinsamen Fortschritts." Thema des Symposiums werde deshalb auch die Erziehung sein, so Poupard: "Welches sind dafür die wichtigsten Stützpunkte? Natürlich zunächst die christliche Familie. Dazu kommen das Katechumenat und die Medien, die eine Öffnung zu den anderen Kulturen ermöglichen, und schließlich die katholischen Kulturzentren, die dem Austausch dienen und die Voraussetzungen für eine Kultur des Friedens schaffen."

DIE NACHRICHTEN:

Europa

Deutschland

Der Frankfurter Sozialethiker Friedhelm Hengsbach hat Kritik an der "Propaganda vom schlanken Staat" geübt. Mit diesem "neoliberalen Dogma" sei immer der Sozialstaat gemeint, sagte der Jesuit zum Abschluss der Freiburger Therapiewoche 2000. Er bemängelte, dass im Bündnis für Arbeit zwar Industrievertreter vertreten seien, aber keine Vertreter der Dienstleistunsbetriebe.

Krankenkassen verhindern nach Ansicht von Experten aus finanziellen Gründen eine angemessene Behandlung chronisch Schmerzkranker. Nach Angaben von Ärzten befinden sich mindestens 7,5 Millionen Bundesbürger wegen chronischer Schmerzen in ärztlicher Behandlung. Ausreichend starke Medikamente würden aus kostentechnischen Gründen von den Krankenkassen oft verweigert. Der Vizepräsident des "Schmerztherapeutischen Kolloquiums" Thomas Nolte erklärte, daß eine solche Haltung umso dramatischer sei, als viele der Betroffenen auf Grund ihrer unerträglichen Leiden stark suizidgefährdet seien.

Ein deutscher Katholik hat Strafanzeige gegen die Ausstellung "Körperwelten" erstattet. Durch die Ausstellung von rund 200 präparierten Leichen in Köln werde die Würde des Menschen in verächtlicher Weise angetastet, sagte er zur Begründung. Er bezweifelte außerdem, dass für alle sogenannten Exponate eine schrifliche Zustimmung vorliege.

Österreich

Der nationale Caritasverband und das Osteuropa-Hilfswerk der österreichischen Bischöfe PRO EUROPA wollen ihre Unterstützung für Albanien auch nach dem Ende der Flüchtlingsprogramme weiterführen. Auch wenn die Kosovo-Vertriebenen mittlerweile alle in ihre Heimat zurückgekehrt sind, werden beide Hilfswerke ihren Einsatz im sozialen und pastoralen Bereich verstärken. Das sagte der albanische Caritas-Direktor, Segundo Tejado, bei einem Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress in Wien.

Berufung erkennen und Berufung leben - das ist eines der Themen beim Jahrestreffen der Frauenorden in Österreich, das heute in Vöcklabruck beginnt. Die rund 100 Oberinnen der Frauenorden werden sich daneben der verstärkten Zusammenarbeit mit Laien in ihren Häusern und Instituten widmen.

Schweiz

Pierre Mamie, Altbischof des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg, wird am Samstag 80 Jahre alt. Mamie, der die Geschicke der Diözese 25 Jahre lang geleitet hat, lebt seit 1995 in einem Altenheim für Priester in Villars-sur-Glane.

Polen

Das Parlament hat sich für eine totale Abschaffung der Pornographie in Polen ausgesprochen. Wie die Nachrichtagentur AP meldet, wäre der Erlass das härteste Pornographiegesetz Europas. Es sieht Bußgelder und Gefängnisstrafen bis zu zwei, für Kinderpornographie bis zu fünf Jahren vor. Diese Maßnahme, die von den Konservativen des Landes und der katholischen Kirche vorgeschlagen wurde, soll einer seit 1989 stark ansteigenden Pornographie und Sex-Industrie entgegenwirken. Zum entgültigen Erlass ist jedoch noch die Zustimmung des Präsidenten Alexander Kwasniewski erforderlich.

Italien

Über zwei Millionen Unnterschriften für ein Moratorium bei der Vollstreckung von Todesstrafen hat die römische Basisgemeinschaft Sant´Egidio gesammelt. Wie dazu ein Sprecher der Gemeinschaft heute mitteilte, wolle man mit der weltweiten Kampagne zumindest eine internationale Aussetzung der Todesstrafe während des Heiligen Jahres erreichen.

Großbritannien

Die Londoner Regierung will gegen die besonders gegen die besonders bei britischen Staatsbürgern asiatischer Herkubft üblichen „Zwangsheiraten" vorgehen. Auch könne nicht hingenommen werden, dass asiatische Frauen mit einem britischen Pass, die unter Zwang einen Ausländer heirateten, dann für diesen eine Aufenthaltsgenehmigung beantragten, so heute der Rundfunksender BBC.

Frankreich

„Die zehn Gebote" ist der Titel eines neuen Musicals, daß im Herbst im Pariser Sportpalast uraufgeführt werden soll. Text und Musik stammen von Pascal Obispo, die Regie von Elie Chouraqui. Die Rolle des Moses übernimmt der Sängerschauspieler Daniel Levi.

Liechtenstein

Dem Laientheologen Stefan Hirschlehner ist die Aufsicht über den Religionsunterricht an den Schulen des Fürstentums Liechtenstein entzogen worden. Der Entzug dieser Lehrbefugnis löste heftige Kritik aus. Erzbischof Wolfgang Haas begründete seine Entscheidung, dass die Tätigkeit Hirschlehners auf das Dekanat Liechtenstein eingegrenzt sei. Haas hatte nach seinem Amtsantritt 1997 das Dekanat Lichtenstein aufgehoben.Bereits 1997 gab es bezüglich des Religionsunterrichtes kontroverse Ansichten von Haas und Hirschlehner. Der Betroffene äußerte die Vermutung, daß die Bistumsleitung selbst die Aufsicht über den Religionsunterricht ausüben wolle.

Afrika

"Es ist lächerlich und illusorisch zu glauben, daß Kondome die Probleme Afrikas lösen könnten." Diesen Kommentar von Bruder Luigi Antonini, einem Comboni Missionar, übermittelte die vatikanische Nachrichtenagentur Fides. Fra Antonini reagierte damit auf den Vorschlag des Sekretärs der linksdemokratischen Partei Italiens, Walter Veltroni. Dieser hatte nach einem Besuch in Südafrika Papst Johannes Paul II. aufgefordert, seine Einstellung der Empfängnisverhütung gegenüber zu ändern. Fra Antonini meinte, dass die bisherigen Verhütungskampagnen in Afrika eher zu häufigen seuxuellen Kontakten und Untreue in Ehen, als zu einer Reduzierung Aidskranker geführt hätten. In seinen Augen sei der einzige Weg, AIDS in Afrika zu stoppen, die Jugend zu einem verantwortungsvollen Sexualverhalten zu erziehen und ihnen Arbeit und kulturelle sowie soziale Aktivitäten zu garantieren.

Kongo Kinshasa

Solange ihr Bischof, Emmanuel Kataliko, nicht aus seinem Exil in Butembo zurückkehren darf, feiert die Diözese Bukavo die Sonntagsmessen ohne Musik und Glockengeläute. Sakramente werden nur in Notfällen gespendet. Erst bei der Rückkehr des Bischofs wollen die Katholiken von Bukavo ihren Protest beenden und das normale Gemeindeleben wieder aufnehmen.

Die Hintergründe für die Ermordung des stellvertretenden Caritasdirektors der Diözese Uvira, Armand Thamba, konnten bisher nicht aufgeklärt werden. Wie dazu Caritas International heute in Freiburg mitteilte, befinden sich zwei mutmaßliche Täter in einem Gefängnis in Burundi. Die Mandanten des Mordes seien jedoch bisher unbekannt. Armand Thamba war im Dezember 1999 in dem nahe an der kongolesischen Grenze liegenden Bujumbura getötet worden.

Mosambik

In den Katastrophengebieten von spitzt sich die Lage weiter zu. Hilfswerke berichten, dass der Wasserstand an manchen Stellen wieder steigt. Außerdem werden für die kommenden Tage erneut starke Regenfälle erwartet. Ein Zyklon droht nach Angaben von Meteorologen nach Mosambik zu ziehen. In den Hochwassergebieten warten noch immer mehr als 20. 000 Menschen auf Rettung. Viele von ihnen sind geschwächt, dazu besteht die Gefahr von Seuchen. In dieser angespannten Lage haben erneut mehrere Kirchliche Organisationen Hilferufe an die Internationale Staatengemeinschaft gerichtet. Die italienische Bischofskonferenz drängt auf schnelle und konkrete Hilfe und kündigte selber eine erste Spende von drei Millionen Mark für Soforthilfe an.

Asien/Ozeanien

Papua- Neuguinea

Auf den Vatikan-Botschafter in Papua-Neuguinea ist ein Mordanschlag verübt worden. Unbekannte hätten auf das Fahrzeug des deutschen Erzbischofs Hans Schwemmer geschossen, ihn jedoch nicht verletzt. Wie die Katholische Nachrichten Agentur meldet, habe sich der Anschlag bereits vor einigen Tagen ereignet, als der Nuntius außerhalb der Stadt unterwegs war. Der aus Bayern stammende Vatikan-Diplomat steht seither unter Polizeischutz.

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