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An dieser Stelle finden Sie Nachrichten von Radio Vatikan vom 24.02.2000

Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Redaktion: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

AUS UNSERER BERICHTERSTATTUNG:

 

Mit dem Papst in Ägypten

Bei herrlichem, wenn auch windigem Wetter und unter dem Jubel zahlreicher Kinder mit gelben Kappen ist Papst Johannes Paul II. heute mittag in Kairo zu seinem Besuch auf dem Sinai und in Ägypten gelandet. Es handelt sich um die 90. Auslandsreise des Kirchenoberhauptes.

Drei Tage lang wird er sich in dem arabischen Land mit nur einer kleinen christlichen Minderheit aufhalten. Die Katholiken machen dort weniger als ein halbes Prozent der Bevölkerung aus.

Es ist übrigens der fünfte arabische Staat, den der Papst seit Beginn seines Pontifikats besucht.

Auf dem Flughafen von Kairo wurde er von Staatspräsident Hosni Mubarak, dem Imam der Al Azhar Moschee, Scheich Mohammed Sayyed Tantaui und dem koptischen Patriarchen von Alexandrien Stephanos II. Ghattas begrüßt.

In seiner Rede verurteilte er Gewalt im Namen der Religion, erinnerte an die große Tradition des Mönchtums in Ägypten, forderte Frieden in der Region

Mubarak lobte in seiner Begrüßung die Rolle des Papstes als Verteitiger moralischer Were und sein weltweites Eintreten für Frieden und Soldarität.

Schon im Vorfeld des Besuchs war die von den Medien wiedergegebene Stimmung zum Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes großartig.

Am Donnerstagabend begab zu einem Treffen mit dem koptischen Kirchenoberhaupt, Papst Shenuda III. Am Freitag wird er im Sportpalast von Kairo eine Messe im römischen Ritus feiern. Man war auf die für die Ägypter zunächst unverständliche Stätte ausgewichen, um den erwarteten Teilnehmermassen gerecht zu werden. Anschliesßend gibt es ein Arbeitsessen mit den katholischen Patriarchen und den 15 Bischöfen, die in Ägypten wirken. Den Tag beschließt ein ökumenisches Treffen.

Höhepunkt der ausdrücklich als Pilgerreise deklarierten Visite des Papstes wird am Samstag der Besuch des orthodoxen Katharinenklosters auf dem Sinai sein. Der Überlieferung zufolge ist Gott Moses auf dem Berg Horeb auf der Halbinserl Sinai begegnet und hat ihm dort die zehn Gebote übergeben.

Trotz dieses alleinigen Zieles wird dem Besuch der katholischen Kirchenoberhauptes in Kairo auch politische Bedeutung beigemessen. Dies brachte Italiens Staatspräsident Azeglio Ciampi vor dem Abflug zum Ausdruck, als er den Papst als wichtigen Mittler zwischen westlicher und arabischer Welt, als Vermittler menschlicher Werte und im Einsatz für den interreligiösen Dialog bezeichnete.

Kongress über das 2.Vatikanische Konzil im Vatikan

„Die Verwirklichung des II. Vatikanischen Konzils". Unter diesem Thema steht eine internationale Tagung, die am 25.2. im Vatikan beginnt. Rund 200 Theologen und Bischöfe werden drei Tage lang über die Umsetzung der zentralen Inhalte des II. Vatikanums beraten. Heute wurde im Vatikan das Programm vorgestellt.

35 Jahre nach dem großen Konzil soll die Konferenz nach dem Wunsch des Papstes eine Art Gewissensprüfung sein. Diese hatte er bereits in seinem Apostolischen Schreiben Tertio Millenio Adveniente angekündigt. Entsprechend wurden auch die Themen der Vorträge und Diskussionsrunden gewählt: So geht es um die Frage, ob das Wort Gottes wirklich zur Seele der Theologie und Inspiration des ganzen christlichen Daseins geworden ist, wie es in der Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum" gefordert wird. Für Deutsche Ohren sicher interessant die Diskussionen zur Verfassung der Kirche. Hier geht es beispielsweise um die Frage, ob man den Charismen, Diensten und den verschiedenen Formen der Teilnahme des Gottesvolkes in der Kirche Raum gibt. Zu diesem Thema, der sogenannten „Communio-Ekklesiologie" wird, Kardinal Joseph Ratzinger am Sonntag einen Vortrag halten. Mit Spannung wird dann die Schlussrede von PJPII erwartet, in der die Ergebnisse der Beratungen zusammengefasst werden.

DIE NACHRICHTEN:

 

Europa

Deutschland

Einen besseren Patientenschutz für Schwerkrenke und Sterbende hat die Deutsche Hospiz-Stiftung gefordet. Dazu gehöre vor allem die Bewahrung vor Kostendruck, heißt es in einem Appell der Stiftung. Darin wurde auch kritisiert, das die Unabhängikeit der Informations- und Beratungsdienste nicht gewährleistet sei, da sie ausschließlich durch offizielle Stellen finanziert würden.

Die für den 12. März vorgesehene Vergebungsbitte des Papstes wird den konfessionellen und religiösen Dialog weiterbringen. Diese Einschätzung äußerte der Münchner Theologe Ludwig Müller gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur. Die Bitte solle propandistisch nichts erreichen. Sie könne ein Beitrag zur Versöhnung unter Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sein, die sich von bestimmten Vorgängen der Kirchengeschichte betroffen fühlen, erklärte Müller. Der Münchner Dogmatiker ist Mitglied der Internationalen Theologenkommission, die eine umfassende Stellungnahme zur geplanten Vergebungsbitte erarbeitet hat.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hält humanitär motivierte Militäreinsätze grundsätzlich für legitim. Es müssen allerdings strenge Bedingungen erfüllt sein, heißt es in dem Thesenpapier des ZdK. Der Anlass oder Zweck der Nothilfe müsse rechtens sein, gleiches gelte für den Träger der Intervention und die Art und Weise der Durchführung.

Kirchliche Hilfswerke haben vor irreführenden Versprechungen der deutschen Behörden im Zusammenhang mit der Rückkehr von Kosovoflüchtlingen gewarnt. Viele Heimkehrer rechneten mit der Hilfe internationaler Organisationen beim Wiederaufbau ihrer Häuser. Jedoch könne in weiten Teilen des Landes die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten noch nicht sichergestellt werden, so der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk.

Die Bundesregierung hat für die Katastrophenopfer in Mozambique eine Soforthilfe von 660.000 Mark bereitgestellt. Die Gelder sollen vor allem für Medikamente und für die Trinkwasseraufbereitung eingesetzt werden, so das Entwicklungsministerium. In Mozambique haben sintflutartige Regenfälle und ein Wirbelsturm grosse Teile des Landes verwüstet. Hundertausende haben ihre Häuser verloren und es besteht die Gefahr einer grossflächigen Ausbreitung von Epidemien.

Die Theologie muß nach Ansicht des Fundamentaltheologen Johann Baptist Metz die menschliche Leidensgeschichte stärker in die philosophische Debatte einbringen. An den Grenzen zur Moderne dürfe Theologie nicht zeitlos bleiben, sondern müsse ihre Stimme gegen „Leidvergessenheit und Mythenträume" erheben. Das betont Metz in einem Beitrag für die neueste Ausgabe der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit".

Die Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern halten im Streit um die „Bäderregelung" den Kompromißvorschlag des Wirtschaftsministeriums für nicht ausreichend. Eine mögliche Vorbedingung für einen Kompromiß um die Ladenöffnungen an Sonntagen sei die Rücknahme der vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig bezeichneten Bäderregelung. Das sagte der Leiter des bischöflichen Amtes Schwerin, Matthias Crone, heute gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur.

Belgien

Ein Brüsseler Senator hat Beleidigungsklage gegen eine Lebensschutz-Organisation angekündigt, die die geplante Neuregelgung zur Sterbehilfe mit den Euthanasieprogrammen der Nationalsozialisten in Deutschland verglichen hat. Pressemeldungen zufolge sei die Organisation von Ärzten gegründet worden und habe die Unterstützung von jüdischen und muslimischen Religionsführern Belgiens.

Niederlande

Nicht alle Versuche, Schwerkranken Sterbehilfe zu leistet, führen zu einem schnellen und leichten Tod. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Universität Rotterdam durchgeführte Studie. In über 20 Prozent der dokumentierten Fälle habe es Komplikationen gegeben und der begleitende Arzt teilweise nachhelfen müssen.

 

Italien

Pressemeldungen über eine zu erwartende Überlastung Roms im Jubiläumsjahr 2000 haben zu einem drastischen Einbruch der Touristenzahlen geführt. Dabei liegt nach Angaben der Region Latium die Zahl der Buchungen in den Hotels in und um Rom derzeit 9% unter dem Vorjahrsniveau. Bei den deutschen Touristen sei ein Rückgang von 14 , bei den japanischen um 15% zu verzeichnen.

Afrika

Kongo-Kinshasa

Den Protesten für eine freie Rückkehr des Erzbischofs von Bukavu in sein Bistum haben sich 21 protestantische Glaubengemeinschaften des Landes angeschlossen. Erzbischof Emmanuel Kataliko wird von Rebellen, die von der Regierung des benachbarten Ruanda unterstützt werden, an der Rückkehr gehindert. Sie werfen ihm vor, den gewaltlosen Widerstand in der ostkongolesischen Provinz Süd-Kivu unterstützt zu haben.

Nahost

Der Streit um einen geplanten Moscheebau in Nazareth hat sich wieder zugespitzt. Aus Kreisen der Islamisten hiess es heute, man weigere sich , den vorgesehenen Bauplatz in der Nähe der Verkündigungsbasilika bis zum Papstbesuch Ende März zu räumen. Dies war in einem Kompromiss mit der Regierung ausgehandelt worden. Vertreter der katholischen Kirche, die nach Angaben der katholischen Nachrichtenagentur ungenannt bleiben wollten, nannten die Haltung der Muslime eine „schlimme Provokation".

Ägypten

Die vor zehn Tagen erfolgte Unterzeichnung des Grundlagenabkommens zwischen dem Vatikan und den Palästinensern stellt eine „Ohrfeige" für Israel dar. Diese Ansicht vertritt die Regierungszeitung AlAkhbar in ihrer heutigen Ausgabe. Der Traum des Papstes von einer Reise ins Heiilige Land sei für die israelischen Politiker und Rabbiner zu einem Alptraum geworden., so das Blatt.

Asien

Philippinen

Der vor einigen Wochen begnadigte Priestermörder, Norberto Manero, ist erneut verhaftet worden, weil er sich nicht bei seinem Bewährungshelfer gemeldet hatte. Manero hatte im Jahr 1985 den iatlienischen Priester, Tullio Favali ermordet und seine Tat bis heute nicht bereut. Die katholische Kirche war deshalb gegen seine Freilassung.

Amerika

Vereinigte Staaten

Der Erzbischof von Detroit, Kardinal Adam Maida, hat die US-amerikanischen Politiker davor gewarnt, die Religion für Wahlkampfzwecke zu mißbrauchen. Niemand dürfe seine Kirchenzugehörigkeit oder religiöse Themen zum Selbstzweck einsetzen. Der Erzbischof reagierte mit seiner Stellungnahme unter anderem auf die Aktionen einer katholischen Wählerinitiative, die zur Wahl bestimmter Kandidaten aufforderte.

Australien

Vertreter der katholischen und der anglikanischen Kirche des Landes haben gegen eine Parade von Homosexuellen anlässlich des Karnevals protestiert. Sie bezeichneten die Veranstaltung als groß angelegte, erotische Werbeaktion für ein gleichgeschlechtliches Sexualleben. Die seit 22 Jahren existierende Parade wurde damit zum ersten Mal von kirchlicher Seite angegriffen.

Radio Vatikan sendet täglich um 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

Mittelwelle: 1530 Khz

Kurzwelle: 5880, 7250, 9645 Khz

! ! ! Im Heiligen Jahr 2000 bringt Radio Vatikan Sondersendungen im Stadtgebiet von Rom:

Täglich um 8.35 und 19 Uhr (sonn- und feiertags um 8.45) auf UKW 96,3 und MW 1260 ! !

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