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An dieser Stelle finden Sie Nachrichten von Radio Vatikan vom 23.02.2000

Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Redaktion: Clemens Behr

AUS UNSERER BERICHTERSTATTUNG:

Nigerias Bischöfe kritisieren die Einführung der Scharia in einigen Bundesländern

Einige Bundesländer im Norden Nigerias haben die Scharia eingeführt, die islamische Rechtsprechung, andere wollen nachziehen. Daraufhin hatte es in den letzten Tagen gewalsame Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems in der nordnigerianischen Stadt Kaduna gegeben. Mindestens zwanzig Menschen waren dabei ums Leben gekommen, andere Quellen sprechen am Mittwoch sogar von über hundert Toten. "Da schüttet jemand Öl aufs Feuer, um die Demokratie in Nigeria aufs Spiel zu setzen", meint der Erzbischof von Abuja, John Olorunfemi Onaiyekan. Gegenüber der vatikanischen Nachrichtenagentur Fides sagte er, es gäbe Zirkel, denen die Politik von Staatspräsident Obasanjo nicht gefalle und die das Problem der Religionen nutze, um ihn in Schwierigkeiten zu bringen. Scharfe Kritik an der Einführung der Scharia hat der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz Emmanuel Badejo geübt. Ihre Anwendung stehe im Gegensatz zur nigerianischen Verfassung und verletze das Recht auf Religionsfreiheit, sagte Badejo am Dienstag. Und er erinnerte daran, dass Staatspräsident Obasanjo erst im Januar den katholischen Bischöfen zugesichert habe, den Bemühungen um die Anwendung der Scharia entgegenzutreten.

Der Papst beginnt seine Pilgerreise auf den Spuren der Heilsgeschichte mit einer Feier zum Gedenken an den Stammvater Abraham

Im vergangenen Jahr hatte Johannes Paul II. angekündigt, er wolle im Heiligen Jahr 2000 als Pilger die zentralen Orte der Heilsgeschichte besuchen. Die erste Station sollte das chaldäische Ur sein, die Heimat Abrahams. Der Ort liegt heute im Süden des Irak. Aus politischen Gründen scheiterte die Reise des Papstes dorthin. Dennoch war ihm das Gedenken an Abraham so wichtig, dass er – wenn schon keine physische – dann doch wenigstens eine spirituelle Reise auf den Spuren Abrahams machen wollte. Als Zeitpunkt wurde der Vorabend seiner Reise nach Ägypten gewählt; am Donnerstag wird der Papst aufbrechen, um den Berg Sinai zu besuchen.

"Abraham, unser Vater im Glauben" war das Thema der Wortgottesdienstes in der Audienzhalle im Vatikan. In Abraham habe Gott alle Völker gesegnet, so der Papst zu Beginn der gut einstündigen Feier, die geprägt war von Gebet, Gesang und Meditation. Auf einer Großleinwand waren Bilder der Städte und Landschaften zu sehen, die mit dem Leben Abrahams in enger Verbindung stehen. Auf der Bühne standen Eichenbäume und ein symbolischer Opferaltar In seiner Ansprache erklärte der Papst, warum ihm das Gedenken an Abraham so wichtig ist. Bevor Mose auf dem Berg Sinai die bekannten Wort Jahwes hörte: „Ich bin der Herr, Dein Gott, der Dich aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat", hatte Abraham bereits jene anderen Worte gehört: "Ich bin der Herr, der Dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat." Hier liege der Ursprung des Bundes Gottes mit dem Menschen, so der Papst. Da im Jubiläumsjahr sich ein besonderer Blick richte auf den Anfang des Bundes Gottes mit den Menschen, komme man unweigerlich zu Abraham, sowie dem Ort seiner Berufung und zu seiner Antwort im Gehorsam des Glaubens. Der Papst hob in seiner Ansprache auch die interreligiöse Bedeutung des Stammvaters hervor: "Gemeinsam mit uns schauen auch die Juden und Muslime auf die Person Abrams als ein Modell der bedingungslosen Unterordnung unter den Willen Gottes." Dieses tiefe Vertrauen zeige sich in der ganzen Geschichte Abrahams auch bei der Opferung des Sohnes.

DIE NACHRICHTEN:

Europa

Deutschland

Behinderte werden auch künftig nur in Begleitung zugfahren können. Vertreter der Deutschen Bahn lehnten aus Kostengründen die Ausstattung der Züge mit behindertengerechten Einstiegshilfen ab. Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt erklärte, dass es nicht möglich sei, der Bahn per Gesetz Vorschriften zum Einbau der Vorrichtungen zu machen.

Der Kölner Weihbischof Manfred Melzer hat die Kirche vor einem Rückzug aus der gesellschaftlichen Verantwortung gewarnt. Die Christen müssen sich einmischen in die moderne Welt und das christliche Leben, sagte Mezler am Dienstag in Bonn. Er vertrat das Bistum Köln bei der Verabschiedung des Leiters des Kommissariates der deutschen Bischöfe, Prälat Paul Bocklet. Melzer würdigte das über 22-jährige Wirken Bocklets an der Nahtstelle der katholischen Kirche zu Parlament und Regierung.

Österreich

Von dieser Woche an findet im Wiener Stephansdom jeden Freitag abend ein "Gebet für Österreich" statt. Für die Gestaltung der Gebetszeit von 20 Uhr bis 20 Uhr 30 sind jeweils unterschiedliche Gruppen verantwortlich. Unterdessen hat sich der ÖVP-Politiker und Initiator des Kirchenvolksbegehrens Thomas Plankensteiner von der Regierungskoalition und der FPÖ distanziert. Als christlich motivierter Mensch lehne er viele Positionen der FPÖ ab, sagte er gegenüber der deutschen Zeitschrift "Publik Forum".

Ukraine

Das Parlament hat nach langem Widerstand die Todesstrafe abgeschafft. 229 von 269 Abgeordneten stimmten für eine Gesetzesänderung, die Präsident Leonid Kutschma noch billigen muss. Das Oberste Gericht des Landes hatte die Todesstrafe zuletzt als verfassungswidrig bezeichnet. Der Europarat hatte wiederholt ihre Abschaffung gefordert und mit Sanktionen gedroht.

Grossbritannien

Die Erzdiözese Westminster hat in London wegen anhaltender Gewalt eine katholische Schule geschlossen. Nachdem ein Schüler 1995 einen Lehrer erstochen hatte, war es zu immer neuen Übergriffen gegen Lehrer gekommen, schreibt die Tageszeitung "The Times". Die Schule soll frühestens in zwei Jahren wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Italien

Das Turiner Grabtuch wird am dem 12. August bis zum 22. Oktober im Dom von Turin für die Öffentlichkeit ausgestellt. Der ursprüngliche Termin wurde um zwei Wochen vorverlegt, um auch den Teilnehmern am Weltjugendtag eine Pilgerfahrt zu der Reliquie zu ermöglichen. Die kirchlichen Veranstalter rechnen mit bis zu drei Millionen Besuchern und empfehlen Pilgern und Touristen daher eine vorherige Reservierung. Das ist zum Beispiel im Internet unter der Adresse www.sindone.org möglich.

Belgien

Die belgische Kirche will Kindesmissbrauch durch Priester und andere kirchliche Angestellte stärker bekämpfen. Dazu haben die Bischöfe eine unabhängige kirchliche Untersuchungskommission eingesetzt, teilte die Bischofskonferenz in Brüssel mit. Diese soll Klagen von Opfern nachgehen und mit Blick auf mögliche kirchenrechtliche Sanktionen ermitteln.

 

Afrika

Mosambique

Staatspräsident Joaquim Chissano bittet um internationale Hilfe für die mehr als 800.000 Kathastrophenopfer im Land. Seit Januar haben sinflutartige Regenfälle und ein Wirbelsturm das Land verwüstet. Hilfsorganisationen warnen davor, dass in den überfüllten Notlagern Epidemien wie Cholera, Malaria und Meningitis ausbrechen könnten.

Kongo-Kinshasa

Um den gefährdeten Friedensprozess im Land voranzutreiben, sind die Unterzeichner des Waffenstillstands-Abkommens von Lusaka zu Geprächen zusammengetroffen. Dabei ging es vorrangig um die Gründe für die schleppende Umsetzung der Beschlüsse. Die beteiligten Staaten hatten sich wiederholt gegenseitig angeklagt, das Abkommen gebrochen zu haben.

 

Nahost

Israel

Naturschützer verlangen den sofortigen Stopp der Vorbereitungen für die Papstmesse in einem Amphitheater. Nach Aussagen einer lokalen Organisation bereiteten Bulldozer das Gelände um das Theater seit Tagen rücksichtslos auf die Ankunft mehrerer zehntausend Pilger vor. Seit Jahrtausenden unberührte, heilige Stätten der Christenheit würden jetzt für den Papstbesuch zerstört.

 

Asien

Mongolei

Das Rote Kreuz des Landes hat um sofortige Hilfe für tausende Viehhirten gebeten, deren Herden von dem aussergewöhnlich harten Winter vernichtet wurden. Über 200.000 Menschen stehe eine Hungersnot bevor. In der Mongolei lebt ein Drittel der Bevölkerung ausschliesslich von der Viehhaltung.

 

Amerika

Brasilien

Die katholische Kirche droht rechtlich gegen eine Karnevalsgruppe vorzugehen. Die Karnevalisten wollen einen Festwagen mit einer 4 Meter hohen Marienstatue bauen, die einen toten Indianer in den Armen hält. Die Gruppe sagte, sie fühle sich missverstanden, denn sie wolle Maria als Beschützerin der Unterdrückten zeigen und nicht religiöse Gefühle verletzen.

 

Radio Vatikan sendet täglich um 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

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Kurzwelle: 5880, 7250, 9645 Khz

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Täglich um 8.35 und 19 Uhr (sonn- und feiertags um 8.45) auf UKW 96,3 und MW 1260 ! ! !

Radio Vatikan ist ferner zu hören bei:

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