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An dieser Stelle finden Sie Nachrichten von Radio Vatikan vom 21.02.2000

Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Redaktion: Clemens Behr

AUS UNSERER BERICHTERSTATTUNG:

Enthusiasmus und Kritik vor dem Papstbesuch in Ägypten

"Die Krönung des christlich-muslimischen Dialogs" - mit diesen enthusiastischen Worten hat der Bischof von Kairo, Youhanna Quolta, die Bedeutung des Treffens zwischen Papst Johannes Paul II. und dem Großscheich von Al-Azhar hervorgehoben. Scheich Mohammed Sayyed Tantaoui ist das geistliche Oberhaupt der größten sunnitischen Universität und damit eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der islamischen Welt. Der Papst wird ihm am kommenden Donnerstag gleich zu Beginn seiner dreitägigen Ägypten-Reise einen Besuch abstatten. Etwas schwieriger gestalten sich in Ägypten die Begegnungen mit den orthodoxen Kirchen. So haben einige Mönche aus dem griechisch-orthodoxen Katharinen-Kloster am Berg Sinai Kritik an dem Besuch Johannes Pauls II. am kommenden Samstag in ihrem Kloster geäußert. Das Katherinen-Kloster steht an der Stelle, wo der Tradition nach Moses die 10 Gebote erhielt, und gehört deshalb zu den besonderen Wunschzielen des Papstes. Die Mönche fürchten nun, der Besuch könne zu einer Machtdemonstration der katholischen Kirche ausarten. Von katholischer Seite wiederum wird darauf hingewiesen, dass der Ägypten-Besuch auch ökumenische Züge tragen soll - so jedenfalls der Sekretär im Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen, Bischof Walter Kasper.

Drei Jahre nach dem Sozialwort der Kirchen in Deutschland: Viele Forderungen blieben unerfüllt

Am Dienstag ist es genau 3 Jahre her, dass die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland ihr gemeinsames Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage veröffentlichten. Damals war das Papier von Vertretern aus Politik und Wirtschaft gelobt worden. Umgesetzt worden seien die Inhalte jedoch nicht, kritisierte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) am Montag. Und auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Manfred Kock meint im Rückblick, dass viele Forderungen nicht erfüllt worden seinen. Zwar hätten die Politiker das Bündnis für Arbeit neu belebt und einen Reichtumsbericht erstellt, sagte Kock gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur. Den Kirchen sei es jeoch um mehr gegangen. Sie wollten mit dem Sozialwort einen Prozess der Erneuerung anstossen. Daher wundert sich der Präses der Evangelischen Kirchen nicht, dass die meisten Forderungen noch nicht erfüllt worden sind: Zum Beispiel die Altersversorgung langfristig sichern oder die Arbeitslosigkeit überwinden. Dennoch sieht Kock auch positive Effekte des Sozialworts: Viele soziale und wirtschaftliche Initiativen seien daraufhin ins Leben gerufen worden. Die Vorsitzende des BDKJ Gaby Hagmans wirft den Kirchen vor, sie hätten es nach der Veröffentlichung des Papiers selbst versäumt, den gesellschaftlichen Dialog weiterzuführen. Ihr Verband will sich deshalb am 26. Februar mit Vertretern von Parteien, Gewerkschaften und anderen kirchlichen Verbänden zusammensetzen, um genauer zu prüfen, was aus den Forderungen des Sozialwortes geworden ist und was künftig für ihre Umsetzung getan werden kann.

DIE NACHRICHTEN:

Vatikanstadt

Der kubanische Botschafter beim Heiligen Stuhl hat Berichte über Spannungen zwischen Staat und Kirche in Kuba dementiert. Das Verhältnis sei vielmehr "positiv und konstruktiv", so Isidro Gomez Santos gegenüber der Presse. Zwar habe Präsident Fidel Castro öffentlich kritisiert, das exil-kubanische Gruppen in den USA Kirchenvertreter für ihre Zwecke zu vereinnahmen versuchten. Diese Kritik habe sich jedoch ausdrücklich nicht gegen die Kirche selbst gerichtet, so der Botschafter.

Der ungarische Staatspräsident Arpad Göncz hat Papst Johannes Paul II. einen Besuch abgestattet. Anlass seines sechsten Vatikanbesuchs ist eine Veranstaltung in Rom zum Gedenken an die Christianisierung Ungarns vor 1000 Jahren.

Europa

Deutschland

In Heidelberg ist in diesen Tagen eine „Martin-Buber-Gesellschaft" gegründet worden. Wie am Montag in Stuttgart bekanntgegeben wurde, soll sie das geistige Erbe des großen Religionsphilosophen wahren und verbreiten. Bis zu seiner Übersiedlung nach Israel im Jahr 1938 lebte Buber in Frankfurt und war geistig außerordentlich kreativ.

Grossbritannien

Die englische Königin Elisabeth II. hat das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirche gebeten, weiter im Amt zu bleiben. Der Erzbischof von Caterbury, George Carey, wollte kurz nach seinem 65. Geburtstag im November in Pension gehen. Elisabeth II., als Königin zugleich Oberhaupt der Anglikaner, bat Carey, mit seinem Rücktritt bis nach den Feiern zum 50-jährigen Jubiläum ihrer Thronbesteigung in 3 Jahren zu warten.

Spanien

Die sozialistische und die kommunistische Partei haben den Bischöfen am Montag vorgeworfen, Propaganda zugunsten der regierenden Volkspartei gemacht zu haben. In einem Schreiben zur Wahl hatten die Oberhirten den Gläubigen geraten, diejenige Patei zu wählen, die das Leben am besten schützt. Sprecher der Linksparteien nannten das kirchliche Dokument unannehmbar.

Frankreich

In Paris haben am Wochenende hunderte von Menschen gegen den Kauf der Konzerthalle Scala an eine Sekte protestiert. Die „universelle Kirche vom Königreich Gottes" hatte das traditionsreiche Gebäude um rund 4 Millionen Mark gekauft. Die Sekte aus Brasilien verfügt über große finanzielle Reserven, hat jedoch in Frankreich wenige Mitglieder. In der „Scala" waren berühmte französische Sänger aufgetreten.

Finnland

Der emeritierte katholische Bischof von Helsinki, Paul Verschuren ist am Samstag im Alter von 74 Jahren verstorben. Der aus Holland stammende Ordensmann hatte an Leukämie gelitten.

 

Afrika

Kongo

Der Erzbischof von Kisangani, Laurent Monsengwo Pasinya, ist enttäuscht über das seiner Ansicht nach schwache Engagement der Internationalen Gemeinschaft für sein Land. Während eines Besuchs in Brüssel sagte er, das ehemalige Zaire sei in Zeiten des kalten Krieges ein Schutzwall gegen den Kommunismus gewesen. Heute dagegen hätten die westlichen Staaten das zentralafrikanische Land vergessen. Zum Fall des von den Rebellen an der Rückkehr in seine Diözese gehinderten Bischofs Kataliko sagte Monsengwo: Die explosive Lage in dem Bistum drohe außer Kontrolle zu geraten, wenn Kataliko nicht bald nach Bukavo zurück dürfe.

Nigeria

Die Auseinandersetzung um die Einführung des islamischen Strafrechts, Scharia im Norden des Landes geht weiter. Am Montag haben Tausende von Christen in Kaduna dagegen friedlich protestiert. Während der letzten Wochen hatten mehrere muslimische Gruppen, darunter auch Frauen-Organisationen, durch Demonstrationen die Scharia gefordert.

Asien

Südkorea

Der presbyterianische Pastor Kang Won Yong erhält den diesjährigen Friedenspreis der buddhistischen Nirwano-Stiftung. Das wurde am Montag in Rom bekanntgegeben. Der 82-jährige Koreaner hatte sich während der 70-er Jahre für die Rückkehr zur Demokratie eingesetzt. Er gehörte der Weltkonferenz der Kirchen und dem Weltkirchenrat an. Der Preis ist mit 350.000 DM dotiert und prämiert das Engagement für den Frieden.

 

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