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An dieser Stelle finden Sie Nachrichten von Radio Vatikan vom 10.02. 2000

Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ

Redaktion: Clemens Behr

AUS UNSERER BERICHTERSTATTUNG:

Will Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl Bischöfen die Namen von Spendern anvertrauen?

In der Spendenaffäre der CDU in Deutschland schweigt Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl weiter. Eine Tageszeitung berichtete am Mittwoch, Kohl überlege, hochrangigen Kirchenvertretern die Namen der bislang unbekannten Spender zu nennen. Diese könnten dann mit den Geldgebern Kontakt aufnehmen und anschließend in der Öffentlichkeit die Existenz der Spender bezeugen - ohne aber deren Namen preiszugeben. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, bezeichnete diese Überlegungen am Donnerstag als „absurd". Nach Ansicht Hammerschmidts ist der Vorschlag kein gangbarer Weg. Jeder Bischof würde sich dabei zu einem Komplizen für einen Verstoß gegen das Parteiengesetz machen. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, die Namen der Spender zu erfahren. Der Sprecher der Bischofskonferenz betonte, ihm seien keine Gespräche zwischen Kohl und katholischen Bischöfen in dieser Sache bekannt. Nach Angaben des „Bonner Generalanzeigers", der am Mittwoch von den angeblichen Überlegungen Kohls berichtet hatte, bestritt auch das Büro des Altbundeskanzlers die Angelegenheit. In der Zeitung hiess es weiter, Berater Kohls suchten nach einem Weg, damit dieser aus der Defensive herauskomme. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, in dieser Angelegenheit habe Kohl unter Verweis auf seine enge Freundschaft mit dem Mainzer Bischof abgelehnt.

Kubanischer Kardinal: Den sechsjährigen Elian nicht für Angriffe gegen die Kirche missbrauchen

Fast drei Monate ist es mittlerweise her, dass ein Boot mit kubanischen Flüchtlingen unterging und der sechsjährige Elian Gonzales überlebte. Seit dieser Zeit befindet er sich in den USA. Seine Verwandten in Florida sowie sein Vater in Kuba streiten sich darüber, wohin er nun eigentlich gehört. Um endlich eine Lösung zu finden, hatten sich auch Kirchenvertreter eingeschaltet. Zuletzt hatte eine Ordensfrau ein Treffen des Jungen mit seinen kubanischen Grosseltern arrangiert und sich danach dafür ausgesprochsen, das der Sechsjährige doch lieber in den USA bleiben solle. Wie bereits in ähnlichen Fällen reagierten die Medien in Kuba mit heftiger Kritik. Das hat die kubanischen Bischöfe gestern veranlasst, eine Erklärung zu veröffentlichen. Die Emotionen seien derart hochgeputscht, beklagt darin der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, dass es in den Medien zu völlig unbegründeten Attacken gegen die Kirche komme. Er hoffe nur, dass es sich um Attacken Einzelner handele und nicht um eine von Castros Regierung gesteuerte Kampagne. Der Kardinal selbst steht mit den kubanischen Bischöfen auf dem Standpunkt, dass ein Kind, das ein Elternteil verloren hat, das Recht hat, beim anderen Elternteil zu bleiben. Da bei dem Unfall die Mutter und sein Stiefvater starben, käme Elian damit zu seinem kubanischen Vater.

Begegnung des Papstes mit der maronitischen Kirche

In der gutgefüllten Basilika St. Maria Maggiore haben am Mittwoch abend mehrere hundert Gläubige der maronitischen Kirche und ihre Gäste das Fest ihres Patrons, des heiligen Maron, gefeiert. Unter Leitung des maronitischen Patriarchen für Antiochien und den gesamten Orient, Kardinal Nasrallah Sfeir, waren allein 500 Libanesen aus dem Libanon und den USA nach Rom gepilgert. Ihre Reise bildete den Auftakt mehrer Rom-Wallfahrten von orientalischen Kirchen anläßlich des Heiligen Jahres in den nächsten Monaten. Heute morgen dann wurden die Maroniten von Johannes Paul II. in Audienz empfangen. Dabei betonte der Papst die starken Bande, die die Kirche Antiochiens mit dem Apostolischen Stuhl verbinden:"Ein innerer Befehl hat euch angetrieben, an das Petrusgrab zu kommen, um mit dem Apostel die kirchliche Kommunion zu leben." Diese Einheit mit der Kirche in Rom, so fuhr der Papst fort, helfe den Gläubigen, sich für die Evangelisierung der Welt einzusetzen. Dann erinnerte der Papst an seine eigene Pilgerfahrt in den Libanon vor drei Jahren. Damals habe er mit seinem Ruf nach Frieden die Weltöffentlichkeit auf das Schicksal des Landes aufmerksam gemacht: "Ich ermutige alle Priester und Gläubigen der katholischen Gemeinden im Libanon, die Botschaft des nachsynodalen Schreibens anzunehmen." Mit Freude sehe er bereits erste ermutigende Zeichen, die Beschlüsse von damals in die Tat umzusetzen. Besonders froh sei der Papst, die Wiedereröffnung des 400 Jahre alten, aber seit Jahrzehnten geschlossenen päpstlichen Maronitischen Collegs in Rom bekanntzugeben. Und schließlich entlies das Kirchenoberhaupt die Besucher mit dem Wunsch, dass im Libanon weiterhin ein friedliches Nebeneinander der Religionen möglich sei. Er stehe an ihrer Seite als Vater und Bruder in dieser Zeit, in der Intoleranz manchmal den Hass, der längst vergessen schien, neu aufleben lasse.

 

DIE NACHRICHTEN:

Vatikanstadt

Außer den maronitischen Pilgern hat Papst Johannes Paul II. auch den Erzbischof von New York, Kardinal John O‘ Connor in Audienz empfangen. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts mitgeteilt. Aus der Umgebung der Kardinals war zuvor jedoch bekannt geworden, O‘Connor wolle sich beim Papst bedanken und sich zugleich verabschieden. Der krebskranke O‘ Connor ist der einzige Kardinal einer westlichen Diözese, der über den 80 Geburtstag hinaus noch immer sein Amt wahrnimmt.

 

Europa

Deutschland

Die katholische Kirche warnt vor einem übertriebenen Börsenfieber. Der Vorsitzende der Kommission Justitia et Pax, der Paderborner Weihbischof Reinhard Marx, sagte gestern im Saarländischen Rundfunk, zwar sei der Aktienbesitz an sich nicht unmoralisch; reine Spekulation sei aber aus katholischer Sicht ethisch nicht zu verantworten.

Die Sternsinger-Aktion im Jahr 2001 steht unter dem Leitwort: "Funduzenzele. Lernen und Handeln, damit Kinder heute leben können." Weltweit werde immer noch 130 Millionen Kindern jegliche Grundbildung vorenthalten, so der Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Rolf-Peter Cremer, deshalb soll mit den Spendengeldern der kommenden Aktion die Lehrerausbildung und Unterrichtsqualität in Entwicklungsländern verbessert werden.

Kroatien

Nach der Wahl des neuen Staatspäsidenten muss das Land nach Worten des Zagreber Erzbischofs Josip Bozanic seine Würde wiederfinden. In einem Schreiben an den Staatspräsidenten rief Bozanic ausserdem dazu auf, ein Rechtsstaatssystem einzuführen und die Prinzipien von Ethik und Demokratie umzusetzen.

 

Nahost

Libanon

Der Friedensprozess im Nahen Osten droht nach Ansicht des maronitischen Patriarchen, Kardinal Nasralla Sfeir, durch die israelischen Luftangriffe ins Stocken zu geraten. In einem am Donnerstag von der franzöischen Zeitung La Croix veröffentlichten Interview verlangt Sfeir den Rückzug aller ausländischen Truppen aus dem Libanon.

 

Asien

Armenien

Der armenische Katolikos Karékin II. will die Kirche des Landes radikal modernisieren. Durch die Erneuerung der Traditionen soll die Kirche den Menschen wieder näher gebracht werden. Karékin II. äusserte sich anlässlich der Vorbereitungen der Feierlichkeiten zum 1700jährigen Bestehen der apostolischen Kirche im nächsten Jahr.

 

Amerika

Kolumbien

Führer der FARC-Rebellen haben am Mittwoch den Wunsch geäußert, den Papst zu besuchen. Wie einer der Leitfiguren, Raul Reyes, gestern im kolumbianischen Radio verkündete, wolle er dabei das Kirchenoberhaupt um seinen Segen für den schwierigen Friedensprozess im Land bitten.

Mexiko

Das Zentrum für Menschenrechte in San Cristonbal de las Casas hat am Donnerstag erneut den Dialog als einzigen legitimen Weg für einen Frieden in der Chapaz-Region betont. In einer Botschaft anläßlich des fünften Jahrestages der Militäroffensive gegen die Zapatisten, wird von der Organisation, die Bischof Samuel Ruiz leitet, ein Dialog in Würde und unter Respekt der Menschenrechte gefordert.

 

Radio Vatikan sendet täglich um 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

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