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Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Sonntag, 27.September bis Mittwoch, 30.September 1998.

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat beim sonntäglichen Angelus am 27.9., eine Lösung für die Auslandsschulden der armen Länder gefordert. Anlässlich des Festes eines Apostels der Armen, des heiligen Vinzenz von Paul,meinte der Papst, die Menschheit dürfe vor Hunger und Obdachlosigkeit nicht resignieren. Nötig sei eine Kultur der Solidarität in den Menschen und den Familien , um die riesige Herausforderung der Not und der sozialn Ungerechtigkeit zu meistern. Abschliessend verabschiedete sich der Papst bei der Bevölkerung von Castel Gandolfo, wo er etwa acht Wochen verbracht hatte. Am kommenden Sonntag befindet er sich auf Pastoralreise in Kroatien und kehrt dann in den Vatikan zurück.

Die internationale Theologenkommission befasst sich in dieser Woche auf ihrer Jahresvollversammlung mit der Schuld der Kirche im Lauf der Geschichte, mit dem Diakonat und der Schöpfungstheologie. Mehrere Sonderkommissionen haben sich mit den Themen befasst und werden jetzt ihre Ergebnisse vortragen.

Am 26.9. ist der bisherige Rektor der Gregoriana-Universität, Pater Giuseppe Pittau,zum Bischof geweiht worden. Er wurde vom Papst bereits zum Sekretär der Vatikanischen Erziehungskongregation ernannt. Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, hob in seiner Predigt die zukünftige Arbeit von Pittau hervor. An der Weihe hatten sehr viele Kardinäle und Bischöfe teilgenommen.

Papst Johannes Paul II. hat am 29.9. die Patriarchen der katholischen Kirchen des östlichen Ritus empfangen, die für die Vollversammlung der Ostkirchenkongregation nach Rom gekommen sind. In seiner Ansprache an die Patriarchen betonte der Papst vor allem die Besonderheiten der Kirche des östlichen Ritus , die aber in der Einheit der Katholiken bewahrt werden müssen. Die Gläubigen des östlichen Ritus stehen in besonders engem Kontakt zu den orthodoxen Kirchen. So kommt ihnen nach Meinung des Papstes besondere Bedeutung für den ökumenischen Dialog zu. Ein Schritt der Annäherung an die Schwesterkirche sei bereits die Anerkennung der Ost-Katholiken durch das Konzil gewesen, so der Papst an die Patriarchen.

Papst Johannes Paul II. hat am 29.9. das spanische Königspaar, das sich in diesen Tagen zu einem Staatsbesuch in Italien aufhält,in Privataudienz empfangen. Dabei erinnerte der Papst besonders an seine erste Begegnung mit König Juan Carlos I. und Königin Sophia. Sie fand vor fast zwanzig Jahren, zu Beginn seines Pomtifikats, ebenfalls im Vatikan statt.

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Anlässlich des Beginns der Woche der ausländischen Mitbürger haben die Kirchen die Länder der Europäischen Union aufgerufen, sich nicht nach aussen abzuschotten. Ausländer und andere Minderheiten dürften nicht zu Sündenböcken einer verfehlten Politik gemacht werden, hiess es von Seiten der evangelischen , der katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche.

Deutschland

Die Hinführung Erwachsener zum Christsein wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Karl Lehmann,immer wichtiger. Das Erwachsenen-Katechumenat sei eine Aufgabe mit sehr hoher Priorität für die Zukunft der Kirche. Allerdings werde die Kindertaufe aus guten theologischen und pastoralen Gründen vorerst für die meisten Menschen der normale Weg zu Glaube und Kirche bleiben. Gemeinden und Seelsorger dürften das Erwachsenenkatechumenat nicht als zusätzliche lästige Beschwernis auffassen, fügte Lehmann hinzu.In einer Situation ,in der das Christentum immer mehr auf Ablehung stosse, sei das Interesse Erwachsener am christlichen Glauben sehr ermutigend.

Österreich

Mit multikulturellen Gottesdiensten hat die katholische Kirche in der Alpenrepublik am 27.9. den Ausländersonntag begangen. In Wien, wo allein 150.000 fremdsprachige Katholiken leben, feierte der lateinische Erzbischof von Alba Julia in Rumänien einen Festgottesdienst mit 24 fremdsprachigen Gemeinden. In seiner Predigt erinnerte das Kirchenoberhaupt an die Notwendigkeit des Miteinanders.

E U R O P A

Kroatien

Ein Regierungssprecher in Zagreb hat die Kritik des Simon-Wiesenthal-Zentrums an der Seligsprechung von Kardinal Stepinac zurückgewiesen. Indes meinte der Alterzbischof von Zagreb,Kardinal Kuharic,sein Vorgänger Stepinac hätte sich während des Ustascha-Regimes auch für die Rettung von Juden , Serben und Zigeunern eingesetzt. Ferner verlautet aus Kirchenkreisen in Zagreb, dass die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem,Jad-Vashem, Stepinac sogar unter die "Gerechten der Völker" einreihen wolle. Derweil erklärte Präsident Tudjman gegenüber einer Zeitschrift,Stepinac habe zwar das Recht der Kroaten auf einen eigenen Staat verteidigt,aber habe die Nazi-Methoden, die rassistischen Gesetze und Verbrechen streng verurteilt.Ebenso habe er sich dem kommunistischen Regime widersetzt. Zudem haben Historiker schon seit langem keine Zweifel daran,dass sich Stepinac für die Rettung der Juden eingesetzt hat. Das geht unter anderem aus einem Schreiben einer christlich-jüdischen Gruppe in den USA hervor. Diese hatte bereits im November 1946 öffentlich erklärt, dass Stepinac sich für die Juden in Kroatien stark gemacht hatte.

Italien

Am 27.9. hat in Rom eine Fachtagung über die Verfilmung der Bibel begonnen. Sie wird von den Produzenten durchgeführt, die die grosse Serie über die Bibel im Fernsehen organisiert haben. Es geht dabei hauptsächlich um die Frage, inwieweit sich biblischer Stoff in der Sprache des Fernsehens übertragen lässt. Fachleute aus mehreren Ländern nehmen an den mehrtägigen Studien teil. Am 28.9. wurde eine Abordnung der Bibelexegeten und Vertreter der Filmindustrie von Papst Johannes Paul II. empfangen. Der Papst lobte dabei solche Vorhaben, da sie einen Dienst von menschlichem und spirituellem Wert darstellten. Gleichzeitig warnte er aber auch , dass eine Verfilmung immer bei der Wahrheit bleiben müsse. Johannes Paul II. forderte zudem eine eingehende Vorbereitung solcher Projekte, um "erbärmliche Improvisationen" sowie "spektakuläre Effekte von schlechtem Geschmack" zu vermeiden.

Italien

Ab 1.10 gibt es in vielen Bäckereien das sogenannte "Brot der Nächstenliebe" zu kaufen.Durch den Vertrieb wird hungernden Menschen geholfen.Auf Initiative des Päpstlichen Rates "Cor Unum", verkaufen rund 16.000 Bäckereien einen 300-Gramm-Laib bis zum Ende des Jahres 2000. Pro Laib gehen 100 Lire an Notleidende.

Grossbritannien

Eine Gruppe von anglikanischen Christen hat gedroht, sich von der "Church of England" zu trennen, falls Frauen zu Bischöfen geweiht werden. Vorausgegangen war die Entscheidung im Jahr 1991, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Im gleichen Jahr wurde die Organisation "Forward in faith"-"Vorwärts im Glauben" gegründet. Sie hatte an diesem Wochenende ihre Jahresvollversammlung. Vorab schon sprach sie die Warnung aus,sie könnte sich von der anglikanischen Mutterkirche trennen. Sollte es nicht nur anglikanische Priesterinnen geben, sondern auch Bischöfinnen, dann wäre die Spaltung perfekt.Dagegen haben sich bereits der Erzbischof von Canterbury und viele seiner Anhänger ausgesprochen. Die anglikanische Kirche im englischen Mutterland steht vor schweren Zeiten. Andere anglikanische Kirchen haben längst Bischöfinnen.

Polen

Die Synagoge von Auschwitz, die im Zweiten Weltkrieg der Zerstörungsgewalt der Nationalsozialisten entging, wird im November für Gottesdienste wiedereröffnet. Die Synagoge , die unter den Kommunisten zeitweilig in stataliches Eigentum überführt worden war,ist von der New Yorker Stiftung "Auschwitz Jewish Center" restauriert worden.

Russland

Die Staatsanwaltschaft in Moskau hat am 30.9. in Moskau ein Gerichtsverfahren gegen die Zeugen Jehovas eingeleitet. Der Gemeinschaft wird vorgeworfen, ihre Missionstätigkeit im Land verstosse gegen die Verfassung.

A S I E N

Iran

Ein Sprecher des Aussenministeriums hat jetzt im Rundfunk bekanntgegeben, das Todesurteil gegen Salman Rushdie könne nicht zurückgezogen werden. Der Hass der Iraner gegen ihn wachse, wenn der Schriftsteller weiterhin den Islam beleidige. Rushdie hatte in London erklärt, er bereue nicht, die Satanischen Verse geschrieben zu haben. Vor kurzem hatte Staatschef Chatami erklärt, der Fall Rushdie sei abgeschlossen. Das wurde teilweise so interpretiert , dass es kein Todesurteil mehr gegen ihn gebe.

Indien

Erneut ist es zu Gewalttätigkeiten gegen eine christliche Missionsstation gekommen. Unbekannte versuchten am Wochenende, ein Missionszentrum im Bundesstaat Madhaya Pradesh zu überfallen. Es war dies der dritte Angriff innerhalb einer Woche. Führende Vertreter der katholischen Kirche in ganz Indien forderten inzwischen von der Regierung einen wirksamen Schutz der Christen, sowie ein entschiedenes Vorgehen gegen die Gewalttäter. Gleichzeitig riefen sie die nationalistische Hindu-Regierung auf, eine Kampagne zu beenden , die die Angst der Christen schüren soll. Derweil hat eine Gruppe militanter Hindus die jüngsten Übergriffe gegen christliche Missionare gerechtfertigt. Der Generalsekretär des extremistischen "Hinduistischen Weltrates" sagte in einem Zeitungsinterview, die Gewaltaktionen der vergangenen Woche seien Ausdruck der Empörung vieler junger patriotischer Hindus über antinationale Kräfte im Land.Zahlreiche Missionare würden verdächtigt, Hindus zum Christentum bekehren zu wollen. Sie sollten sich damit begnügen, den Armen in Indien zu helfen oder das Land verlassen. Der Polizeiminister in New Delhi hat Presseberichten zufolge am 3o.9. angeordnet, Gewalttaten gegenüber Christen unmittelbar zu bestrafen. Er reagierte damit auf Proteste der Kirchenführung gegen die Verbrechen an christliche Ordensfrauen und anderen Missionspersonal.

Philippinen

Der mutmassliche Anführer der Rebellengruppe , die am 8. 9. den italienischen Missionar Luciano Benedetti entführt hat, ist am 27.9. von der Polizei festgenommen worden. Die Entführer verlangen für die Freilassung Benedettis ein Lösegeld von umgerechnet rund 600.000 D-Mark.

A F R I K A

Algerien

"Nur eine glaubwürdige Regierung wird den blutigen Bürgerkrieg beenden können". Das hat der Apostolische Nuntius , Augustinus Kassuja, am 30.9. gegenüber dem Vatikanischen Nachrichtendienst Fides betont. Algier müsse nach innen und nach aussen glaubwürdiger handeln und die Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft annehmen, so der Nuntius.

Sudan

Das Regime in Khartoum hat den Semesterbeginn um einen Monat verschoben, damit die Studenten vorher im Süden des Landes als Soldaten eingesetzt werden können. Beobachter sind erstaunt, denn offiziell herrscht noch Waffenstillstand, der allerdings bald zu Ende gehen soll.

Malawi

Die islamische Minderheit hat sich in einer Petition an Staatspräsident Bakili Muluzi über zunehmende antimuslimische Propaganda von Seiten der Christen in dem afrikanischen Land beklagt. Wie ein Sprecher der islamischen Gesellschaft Malawis bekanntgab,fordern die Moslems zudem eine gerechtere Beteiligung an den Sendezeiten im staatlichen Rundfunk. Die Oppositionsparteien beschuldigen demgegenüber Muluzi, der selbst Moslem ist,das Land islamisieren zu wollen.

Nigeria

Der neue Staatschef, Abdulsalam Abubakar, hat vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York erneut im Exil lebende Oppositionelle des Landes aufgerufen zurückzukehren. Auch Literaturnobelpreisträger,Wole Solynka, solle nach Nigeria zurückkommen. Abubakar bekräftigte zugleich seine Absicht,nach den für Februar 1999 vorgesehenen Wahlen, die Macht an eine zivile Regierung abzugeben.

A M E R I K A

Guatemala

"Die öffentliche Diskussion über das Ergebnis der Exhumierung der Leiche von Bischof Juan Gerardi ist verfrüht". Das hat am 27.9. der Generalstaatsanwalt von Guatemala-Stadt, Adolfo Gonzales Rodas, erklärt. Gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE sagte er, die Diskussion, ob die Leiche Bissspuren aufweise, führe nur zu weiterer Verwirrung im Mordfall Gerardi.

Ecuador

Unbekannte haben am 29.9. einen Bombenanschlag auf den Sitz der Bischofskonferenz in Quito verübt. Beobachter vermuten, daß dies ein Racheakt für die Stellungnahme der Bischöfe zur Hilfe für die Armen ist. Sie soll die Folgen der einschneidenden Wirtschaftspolitik erleichtern,die Ecuador vom Internationalen Währungsfond auferlegt wurde. Nicht alle Bischöfe stimmen der Massnahme allerdings zu; sie meinen, die Hilfe gehe nicht weit genug.

Chile

Die Vorbereitungen für das grosse Treffen von katholischen Jugendlichen Lateinamerikas neigen sich ihrem Ende entgegen. Die Versammlung beginnt am 5.10. , und die Organisatoren rechnen mit bis zu 500.000 Teilnehmern, davon rund 70.000 aus dem Ausland. Die Finanzierung haben Kirche und Regierung in Chile übernommen.

 

Haiti

Adveniat-Bischof Serge Miot hat den Opfern des Hurrikan "George" finanzielle Hilfen in Höhe von rund 30.000 D-Mark zur Verfügung gestellt.Damit soll insbesondere die Unterbringung derjenigen gesichert werden,deren Wohnung durch den Wirbelsturm zerstört wurden.

 

Vereinigte Staaten

Die Führer von mehr als 12 christlichen und jüdischen Gemeinschaften haben den Starr-Report gegen Präsident Bill Clinton energisch kritisiert. Es handele sich dabei um unnötige Details und um eine Art öffentliche Folter des Beklagten.

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Mittwoch:"Römische Woche"

Donnerstag:"Jugendmagazin: Spurensuche bei den Focolarini"

Freitag: "Berichterstattung von der Papstreise in Kroatien"

Samstag:"Berichte von der Seligsprechung von Kardinal Stepinac"

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Für die Internet-Nachrichten verantwortlich: Eva Rohrmann

Redaktion dieser Ausgabe: Eva Rohrmann

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Redaktionsschluss der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten:

Samstag, 3. Oktober 1998.

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