Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Donnerstag, 27. August 1998 bis Samstag, 29.August 1998.

V A T I K A N

Das päpstliche Staatssekreteriat hat jetzt formell bei der italienischen Regierung wegen des Vorgehens gegen den Erzbischof von Neapel,Kardinal Michele Giordano,interveniert. Aussenminister, Erzbischof Jean-Louis Tauran, bestellte den Botschafter Italiens beim Apostolischen Stuhl zu sich, um dagegen Einspruch zu erheben, dass die Durchsuchung beim Erzbischof so spektakulär angekündigt worden sei. Man hätte die Vorgesetzten des Kardinals auch über die Verdächtigungen und das Telefonabhören informieren sollen. Der bekannte italienische Jesuit, Bartolomeo Sorge, hat indes gefordert , dass die katholische Kirche im Fall des verdächtigten Kardinals auf Immunitäts-Privilegien verzichtet.
Indes hat der italienische Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro Pressemeldungen zufolge den Papst in den Quirinal eingeladen. Beobachter schließen nicht aus, daß er damit ein Zeichen der Verständigung setzen will. Regierungschef Prodi erklärte am 29.8. es gebe keine diplomatische Krise zwischen Staat und Kirche.

 

Am 28. August ist das Arbeitspapier für die Ozeanien-Synode veröffentlicht worden. Es wurde aufgrund der Antworten zusammengestellt, die die Bischöfe Ozeaniens auf entsprechende Anfragen aus dem Vatikan gaben. Besondere Akzente bilden die Missionsarbeit in Ozeanien, die Inkulturation und die Wanderungsbewegungen in der Region. Die Synode findet vom 22. November bis 12.Dezember im Vatikan statt. Es ist die vorletzte der grossen Kontinentalsynoden nach denen für Afrika, Asien und Amerika.

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Bundeskanzler Helmut Kohl hat jetzt im deutschen historischen Museum in Berlin eine Ausstellung über die evangelische Sozialarbeit seit 1848 eröffnet. Dabei lobte Kohl die Zusammenarbeit mit der katholischen Caritas. Das diakonische Werk bezeichnete er als eine Gemeinschaft, die "einen unverzichtbaren Beitrag zu Mitmenschlichkeit und gelebter Solidarität"leiste.

Deutschland

Am 28. August hat die Bischofskonferenz eine Erklärung zur Bundestgaswahl veröffentlicht. Sie ruft darin zu einer verantwortlichen Wahlbeteiligung auf. Jeder Wähler müsse sich daher ein klares Bild machen über die Kandidaten, ihre bisherigen Leistungen und politischen Ziele, ihr Menschenbild und Gesellschaftsverständnis. Wichtig sei auch Sachkompetenz und persönliche Einstellung der Kandidaten.

Schweiz

Ein Gesetzesentwurf zur Fristenregelung beim Schwangerschaftsabbruch ist jetzt im Bundesrat gescheitert. Die Bischofskonferenz des Landes begrüsste die Entscheidung. Der Staat dürfe den Schutz des ungeborenen Lebens nicht reduzieren,betonten die Bischöfe. Das abgelehnte Gesetz sah eine straffreie Abtreibung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate vor. Der Bundesrat arbeitet jetzt an einem Indikationsmodell mit zahlreichen Einschränkungen.

E U R O P A

Polen

Die polnische Bischofskonferenz hat jetzt die Entfernung der illegalen und provozierenden Kreuze verlangt. Vorher hatte sich im Streit um die Kreuze am ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz der polnische Kardinal,Josef Glemp, zu Wort gemeldet. Der Kardinal erinnerte daran , dass die Greultaten der Nationalsozialisten im besetzten Polen geschehen sind. Man dürfe deshalb nie vergessen , dass in dieser Zeit auch nichtjüdischen Polen grosses Leid zugefügt wurde, so Glemp. Umso bedauerlicher sei es, dass ein Volk , dem in der Vergangenheit soviel Ungerechtigkeit zugefügt wurde, heute nicht genügend Verständnis aufbringe und nicht zu Kompromiss bereit sei. Die Bischöfe entschieden: Nur das Papstkreuz sollte nach ihrem Willen erhalten bleiben. Ein Sprecher der fanatischen Kreuzaktivisten teilte indes mit, dass man auf einen Brief des Kardinals und des polnischen Premiers warte, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werde. Derweil hat Staatspräsident , Alexander Kwasniewski, davor gewarnt , dass der Streit um die Auschwitz-Kreuze das internationale Image Polens schwer schädigen kann. Kwasniewski verlante von der Presse eine baldige Lösung im Respekt vor Polen , Juden und allen Auschwitz-Opfern.

Russland

Auch der orthodoxe Kirchenführer sorgt sich nach dem Börsensturz.

Bei einem Treffen mit den Führern der orthodoxen Kirchen Polens,sagte der Moskauer Patriarch Alexi II. , er hoffe , dass man die Wirtschaftskrise mit gemeinsamen Bemühungen überstehen werde. Trotz aller Schwierigkeiten sei es wichtig, Frieden und Einigkeit zu bewahren, so der Patriarch. Indes wird aus Moskau gemeldet, daß Alexi im kommenden Jahr Polen besuchen wolle.

Italien

Für einen baldigen Schuldenerlass gegenüber den Entwicklungsländern hat sich jetzt der Vorsitzende des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden,Diamond Martin, ausgesprochen. Beim alljährlichen Treffen der katholischen Bewegung "Comunione e Liberazione" in Rimini, bemerkte Martin, die Armut in der Welt sei skandalös. Er forderte , man müsse die geplanten Hilfsprogramme für arme Länder noch vor dem Jahr 2000 in vollem Unfang realisieren.

 

A S I E N

Südkorea

Der katholische Priester , Moon Kyu-Hyon , ist in Seoul verhaftet worden. Bei einem Besuch in Nord-Korea hatte er angeblich an politischen Aktivitäten teilgenommen. Seoul hatte ihm und seiner Gruppe die Reise in den Norden unter der Bedingung erlaubt, er dürfe nur an kirchlichen Aktivitäten teilnhemen. Bei einer Verhaftung drohen ihm sieben Jahre Haft.

Indien

Jesuitenprovinzial Lisbert De Souza hat jetzt darauf hingewiesen, dass viele Bücher, die unter dem Namen Anthony de Mello verkauft wurden,gar nicht von ihm selbst verfasst wurden,sondern nur auf Nachschriften seiner Vorträge beruhen. Daher könne man ihm nicht die Schuld an Ungenauigkeiten im Glauben geben.Der Jesuitenorden erkenne nur neun Bücher als authentische de Mello-Schriften an. Der Provinzial vermutet auch , dass manche von de Mello Geschriebene im Vatikan missverstanden worden sei. Die Gleubenskongregation hatte vor den Lehrirrtümern in de Mellos Schriften gewarnt.

Indien

Die Erzdiözese Kalkutta sammelt Hinweise auf Wunder, die auf Fürsprache von Mutter Teresa geschehen seien sollen. Dies verlautet jetzt aus dem Mutterhaus der Missionarinnen der Nächstenliebe. Es habe schon Hinweise auf wunderbare Heilungen gegeben,die Mutter Teresa zugeschrieben werden. Der Seligsprechungprozess muss von der Diözese eröffnet werden, in der die betreffende Person gestorben ist.

A F R I K A

Algerien

Hunderte von Gräbern auf dem christlichen Friedhof von Algier sind von Unbekannten geschändet worden. Die Täter hätten kostbare Marmorplatten, sowie den Schmuck der Toten gestohlen. Unter Bezug auf algerische Quellen heisst es, der Raubzug richte sich nicht gegen die christliche Minderheit im besonderen. Auch muslimische Grabstätten seien in jüngster Zeit entweiht worden. Indessen haben die Behörden von Algier Klage gegen Unbekannt erhoben.

Äthiopien

Die orthodoxe Kirchenleitung beschuldigt die Armee von Eritrea der Plünderung von sechzehn Kirchen in den besetzten Gebieten im Nordwesten des Landes. Reliquien und andere Kirchenschätze seien gestohlen worden, schreiben die Kirchenführer in einer Resolution. Sie appellieren an die Regierung von Eritrea, die Übergriffe zu unterbinden.

Kongo-Kinshasa

Die 31 österreichischen und deutschen Ordensleute im Osten des Landes sind vorläufig weiter auf ihren Posten. Es handelt sich um 11 Priester und 20 Ordensfrauen von verschiedenen Kongregationen. Ihre Stationen seien bis jetzt nicht von den Kämpfen berührt worden. Vor einem Jahr hatten sie ihre Stationen verlassen müssen, hatten bei ihrer Rückkehr alles zerstört gefunden. Ein Problem ist, dass die Versorgung nicht wie üblich durch kleine Flugzeuge möglich ist, aufgrund des von Präsident Kabilas verhängtes Flugverbot. Die Provinzleitung in Salzburg sei über Satellitentelefon ständig mit den Missionskräften in Verbindung.

A M E R I K A

Guatemala

Vor vier Monaten ist der Weihbischof von Guatemala-City,Juan Gerardi, von Unbekannten ermordet worden. Zu seinem Gedenken, nahmen am 27.August rund 2000 Menschen an einem Schweigemarsch teil. In einem Gottesdienst in der Kathedrale der Hauptstadt, erinnerte sein Nachfolger, Bischof Mario Rios-Montt, an den mutigen Einsatz des Kirchenführers. Unter anhaltendem Applaus der Gläubigen unterstrich er, die Kirche werde ihren Kampf für Menschenrechte und Frieden fortsetzen.

Peru

Die Bischofskonferenz verteidigt die direkte Demokratie. Ein von der Opposition angeregtes Referendum, das eine erneute Kandidatur von Präsident Alberto Fujimori im Jahr 2000 verhindern wollte,war vom Kongress in Lima untersagt worden. In einer Pressemitteilung mahnten die Bischöfe ,die vom Volk gewählten Politiker müssten den Volkwillen anerkennen.

Chile

Rund 30 Ordensleute haben jetzt an den ehemaligen Staatspräsidenten Augusto Pinochet appelliert, mitzuteilen, wo die unter seiner Herrschaft verschwundenen Personen geblieben sind. Bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt , Santiago de Chile,riefen sie Pinochet zu einer tiefgreifenden Bekehrung auf. Gleichzeitig wandten sich die Geistlichen an die Ehefrauen der Offiziere, damit sie sich bei ihren Männern für die Aufklärung des Schicksals der Verschwundenen einsetzen.

Vereinigte Staaten

Der ehemalige US-amerikanische Sicherheitsberater,Zbigniew Brezinski, hat Papst Johannes Paul II. zum herausragenden Weltführer erklärt. In einem Interview mit einer italienischen Tageszeitung brandmarkte er die Krise der amerikanischen Führung und prophezeite, dass heute, wo es an moralischen Vorbildern in der Politik mangelt, das katholische Kirchenoberhaupt eine wegweisende Rolle in der Weltpolitik innehat.

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Samstag:"Kommentar der Woche" von Barbara Gerl-Falkowitz und "Biblische Grundworte" von Bertram Meier

Sonntag: "Menschen in der Zeit" von Aldo Parmeggiani

Montag:Weltkirchen-Magazin

Dienstag:Radioakadmie

Man hört Radio Vatikan

täglich:6.20,16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 Khz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen:5880,7250,9645Khz

Im Kabel und auf Tonunterträger vom DSF um 16.15 Uhr und 19.10Uhr

Vier-Monats Programm kann angefordert werden bei.

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr.9a,D-40 878 Ratingen

Tel.:0 21 02/2 30 31, Fax: 0 21 02/2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:Eva Rohrmann

Redaktion dieser Ausgabe:Eva Rohrmann

Tel.: 00396 6988 4101,Fax: 00396 6988 3844

Post:Radio Vatikan-sezione tedesca,I-00120 Citta del Vaticano

E-Mail:DEUTSCH@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluss der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan:Mittwoch, 2.September 1998

Radio Vatikan Archiv

Leitseite www.kath.de