Radio Vatikan Archiv

 

Verehrte Internet-Benutzerinnen und -Benutzer!

An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Sonntag, 9. August 1998, bis Mitwoch,
12. August 1998.

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat die Bombenanschläge gegen die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam scharf verurteilt. In Telegrammen an die katholischen Erzbischöfe der beiden ostafrikanischen Hauptstädte heißt es, der Papst sei zutiefst traurig über die Attentate. Die Anschläge seien "verabscheuungswürdige Verbrechen" und "Taten böswilliger Aggression und Gewalt".

Die politisch Verantwortlichen müssen sich nach Ansicht von Papst Johannes Paul II. für ihr Handeln eines Tages vor Gott verantworten. Daran erinnerte das Kirchenoberhaupt beim Angelusgebet am 9. August 1998 in Anbetracht zahlreicher blutiger Konflikte in aller Welt.

Papst Johannes Paul II. hat ferner an mehrere Krisengebiete der Welt erinnert. Die sommerliche Entspannung dürfe die leidenden Bevölkerungen, deren Gegenwart und Zukunft bedroht seien, nicht vergessen machen. Der Papst erinnerte unter anderem an die Lage im Kosovo sowie in den afrikanischen Staaten Guinea-Bissau und Ruanda.

Ab dem 15. August 1998 ist der Papst im Internet zu hören. Unter der Adresse http://www.vatican.va wird es dann über die Hompage des Vatikan möglich sein, die Stimme von Johannes Paul II. live zu empfangen. Übertragen werden unter anderem das Angelusgebet, die Generalaudienz und Auslandsreisen des Papstes.

Im Herbst dieses Jahres wird sich ein internationaler Historiker-Kongreß mit der Schuld der katholischen Kirche bei der Inquisition auseinandersetzen (vgl. Internet-Nachrichten vom 5. August 1998). Das hat der Vatikan-Theologe George Cottier bekanntgegeben, der die Tagung vorbereitet. An dem Kongreß werden auch Nicht-Katholiken teilnehmen.

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland
Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano wird den Papst bei den 750-Jahr-Feiern des Kölner Doms vertreten. Johannes Paul II. beauftragte ihn am 10. August 1998 offiziell als Päpstlichen Legaten. Der Papst würdigte den Kölner Dom als weltweit herausragendes Gotteshaus.

Die deutschen Bischöfe haben die Katholiken zu Spenden für die Weltmission aufgerufen. Das "Wachstum der jungen Kirchen" sei ein "leuchtendes Hoffnungszeichen" für die gesamte Kirche. So heißt es im Aufruf der Bischöfe zum diesjährigen Sonntag der Weltmission am 25. Oktober. Neue Christengemeinden seien erfüllt von einer großen Glaubensfreude. Sie setzten sich ein, um an der Seite der Armen für Gerechtigkeit einzutreten und Versöhnung zu stiften.

Eine Initiative für Nürnberg als Veranstaltungsort des ersten ökumenischen Kirchentags im Jahr 2003 haben zwei CSU-Politiker gestartet. Aufgrund der Infrastruktur und des guten ökumenischen Klimas sei die Stadt "hervorragend geeignet". So heißt es in einem Schreiben der Abgeordneten Renate Blank und Harald Häßler. Der ökumenische Kirchentag soll den Dialog so weiterzuführen, "daß die Grundelemente wahrer Einheit der Kirche in der ganzen Christenheit bestimmt und angenommen werden können".


Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam verurteilt. Die Terroristen hätten ein falsches Verständnis vom Islam. Dies sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in islamischen Ländern seien einige Menschen für extremistische Glaubensauffassungen ansprechbar, so Elyas. Er hoffe aber, daß die Täter schnell gefunden würden, um Mutmaßungen und Spekulationen vorzubeugen.

Ab dem Jahr 2004 soll in den Schulen Baden-Württembergs Religion mit Ethik gleichgestellt werden. Das fordert die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Der wertneutrale Staat müsse einer zunehmenden Säkularisierung mit einem weltanschaulich neutralen Fach Rechnung tragen, so die Grünen. Für die muslimischen Schüler forderten sie eine Ausbildung islamischer religionslehrer an Hochschulen.

An der Ludwig-Maximilians-Universität in München gibt es ab dem Wintersemester 1998/99 einen neuen Magisterstudiengang Religionswissenschaften. Die Regelstudienzeit soll neun Semester betragen. Der Studiengang will "interdisziplinäre und interfakultative Fähigkeiten" vermitteln, das Phänomen Religion in den verschiedenen Kulturkreisen zu analysieren.

E U R O P A

Frankreich
Die Besetzung der Apostolischen Nuntiatur in Paris ist beendet. Die illegalen Einwanderer trafen am 8. August 1998 mit einem Vertreter des französischen Innenministeriums zusammen. In der kommen Woche werden auch die anderen Besetzer, die die Nuntiatur bereits vorher verlassen hatten, von den Behörden empfangen.

Großbritannien
Die anglikanische Kirche will sich stärker für die Armen und Schwachen in der Gesellschaft einsetzen. Zum Abschluß der anglikanischen Weltbischofskonferenz forderte Erzbischof George Carey von Canterbury, die anglikanische Kirche solle ihre Stimme gegen inhumane Zustände wie Auslandsverschuldung und weltweite Armut erheben.

Portugal
Der Apostolische Stuhl hat gefordert, daß in der Lissabon-Erklärung über die Jugend auch der Begriff der Eltern aufgenommen wird. Zum einen seien die Eltern die Erstverantwortlichen für die Erziehung der Jugendlichen, zum anderen würden die meisten Jugendlichen selbst einmal Eltern, so eine Erklärung des Vatikan.

Polen
Konservative Gruppen widersetzen sich der Bitte von Primas Josef Glemp, keine Kreuze mehr im Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz aufzustellen. Kurz nach Bekanntwerden der Aufforderung Glemps errichteten Mitglieder des sogenannten "Kommittees zur Verteidigung des Kreuzes" gestern ein weiteres vier Meter hohes Kreuz. Lokalzeitungen berichteten jetzt, nationalistische Hardliner sowie ehemalige Geheimdienstler stünden hinter den Aktionen. Sie wollten im Land Antisemitismus schüren und Regierung und Kirche bloßstellen. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen soll Papst Johannes Paul II. Primas Glemp gebeten haben, den "Krieg der Kreuze" beenden helfen.

Italien
Die Seligsprechung von Papst Johannes XXIII. ist nähergerückt. Dies teilte die Zeitung "La Republica" unter Berufung auf die Kongregation für die Heiligsprechungen mit. Der Vorbehalt, der Papst hätte dem Kommunismus zu nahe gestanden, sei nicht mehr aktuell.

A S I E N

Israel
Der neuernannte melkitische Bischof von Akko, Boutros Moullem, darf ohne Vorbedingungen in das Land einreisen. Das erklärte ein Sprecher von Ministerprästident Benjamin Netanjahu am 12. August 1998. Über die Neubesetzung des Bischofsstuhls war es zu Verstimmungen zwischen dem Vatikan und Israel gekommen. Zweitweise hatte es geheißen, die Regierung könne dem Bischof die Einreise verweigern. Der Sprecher Netanjahus ließ jetzt verlauten, man wolle sich nicht in Entscheidungen des Vatikans einmischen.

Indien
Zwei Bischöfe sowie Priester, Ordensfrauen und Seminaristen haben in Neu Delhi an einer Anti-Atom-Kundgebung mit mehr als 20.000 Demonstranten teilgenommen. Erzbischof Henry D'Souza von Kalkutta und ein Weihbischof von Bombay marschierten am 6. August 1998 zusammen mit Studenten eines Jesuitenkollegs, um an den Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima zu erinnern und gleichzeitig gegen die Atomwaffentests von Indien und Pakistan zu protestieren. Erzbischof D'Souza sagte, seine Teilnahme an der Kundgebung helfe den Studenten, die Probleme in Asien besser zu verstehen und sie auf ihren Dienst in der Kirche vorzubereiten.

Vietnam
Mehr als 5.000 Pilger sind bis jetzt zu den Feierlichkeiten aus Anlaß des 200. Jahrestages der Marienerscheinung von La Vang angereist. Am 13. August 1998 sollen in dem kommunistischen Land die bislang größten offiziell genehmigten katholischen Feierlichkeiten stattfinden. Im Vorfeld hatte es geheißen, die Polizei wolle die Zahl der Pilger beschränken. Priester seien von den Behörden aufgefordert worden, nicht zu große Pilgergruppen nach La Vang zu bringen, so ein Sprecher der Bischofskonferenz.

A F R I K A

Sierra Leone
Sechs Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Secours Catholique werden in dem afrikanischen Land vermißt. Die Entwicklungshelfer seien mit dem Angriff von Rebellen auf die Stadt Kabala vor zwei Wochen verschwunden. Dies teilte die Organisation am Wochenende in Freetown mit.

Kenia
Hunderte von Muslimen haben eine Kirche im nordöstlichen Wajir angezündet. Sie reagierten damit auf den Freispruch für einen US-amerikanischen Prediger, der den Islam und seinen Propheten beleidigt haben soll. Das meldete die Tageszeitung Daily Nation am 9. August 1998.

In der Kathedrale der kenianischen Hauptstadt ist am 9. August 1998 der Opfer des Terroranschlags auf die US-Botschaft gedacht worden. Zelebranten der Totenmesse waren der emeritierte Erzbischof von Nairobi, Maurice Kardinal Otunga, sowie sein Amtsnachfolger Rafael Nzeki. In seiner Predigt verurteilte Nzeki die Bluttat und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Ruanda
Ein kanadischer Missionar ist mit vier Mitarbeitern in der Diözese Ruhengeri entführt worden. Das meldete die Nachrichtenagentur Misna am 10. August 1998. Diesen Angaben zufolge entdeckte der neue Bischof bei seiner ersten Pastoralvisite die Tat, die vermutlich bereits zwei Tage zuvor begangen worden war. Die Motive der Entführer sind bislang unklar.

Sudan
Caritas International hat erneut zur Unterstützung der Hungernden im Süden des Landes aufgerufen. In einem Schreiben an alle Caritasverbände der deutschen Diözesen heißt es, die bisher gelieferten Hilfsmittel reichten bei weitem nicht aus. Die Gesellschaft für bedrohte Völker forderte, die Luftbrücke in den Sudan auszuweiten und sie mit UNO-Truppen abzusichern.

Die Sklaverei steht im Sudan weiter auf der Tagesordnung. Das geht aus einem Bericht der Hilfsorganisation Christian Solidarity International hervor. Die Gruppe mit Sitz in Genf berichtete, sie habe in den vergangenen Jahren rund 2.000 Sklaven freigekauft. Der Bürgerkrieg fördere den Handel mit Sklaven. Auch Appelle der Welt-arbeitsorganisation und des UN-Ausschusses für Menschenrechte hätten dagegen nichts ausrichten können.

Kongo-Kinshasa
Im Ostteil des Landes dauern die Kämpfe zwischen Aufständischen und Truppen von Staatschef Kabila an. Caritas International teilte mit, in Bukavu am Kivusee lieferten sich beide Seiten nach wie vor heftige Gefechte. Wegen der schlechten Versorgungslage in Uvira stellte Caritas International der Stadt weitere 100.000 Mark als Nothilfe zur Verfügung.


A M E R I K A

Haiti
Teilnehmer der Beisetzung des ermordeten Priesters Jean-Pierre Louis gehen davon aus, daß der Geistliche von der Übergangsregierung in Port-au-Prince getötet wurde. Der 50jährige Ordensmann war durch seine offenen Worte im ganzen Land bekannt gewesen. Der Sprecher einer katholischen Studentenbewegung erklärte, der Tod von Pater Jaen-Pierre sei kein Zufall, sondern ein politischer Mord.

Mexiko
Eine Delegation der Bischofskonferenz hat auf ihrer Reise durch die Region Chiapas die dort operierenden Guerillas zum Frieden und zur Versöhnung aufgerufen. Der Vorsitzende der Konferenz, Bischof Luis Morales Reyes, betonte, die Aussöhnung müsse auf Gegenseitigkeit beruhen. Die Friedensverhandlungen zwischen zapatistischen Rebellen und der Regierung sind seit zwei Jahren festgefahren.

Guatemala
Der Mord an Bischof Juan Gerardi darf nicht ungestraft bleiben. Das hat die interamerikanische Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am 11. August 1998 gefordert. Die Ausschußmitglieder hatten auf einer Reise durch das mittelamerikanische Land die Einhaltung der Grundfreiheiten überprüft. In ihrem Abschlußkommuniqué erklärten sie, der im April ermordete Oberhirte sei ein Hoffnungsträger für mehr Gerechtigkeit gewesen. Über seine Ermordung dürfe man nicht schweigend hinweggehen.

A U S T R A L I E N  U N D  O Z E A N I E N

Polynesien
Die evangelische Kirche des Inselstaates hat von Frankreich die öffnung der Archive über das Mururoa-Atoll gefordert. In einem Schreiben verlangen die Kirchenführer die Einrichtung einer Strahlen-Überwachungsantenne sowie eine seriöse Studie über die Folgen der Kernversuche auf die örtliche Bevölkerung.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Donnerstag: Kreuz des Südens: Leben in jungen Kirchen

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Hannah-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden:
Kommentar der Woche

Bertram Meier, Rom: Biblische Grundworte

Sonntag: Aldo Parmeggiani: Aktenzeichen Carl von Ossietzky,
Pazifist und Publizist

Man hört Radio Vatikan auf deutsch
täglich um 6:20, 16:00 und 20:20 Uhr
auf Mittelwelle 1530 KHz und auf den
Kurzwellen-Frequenzen 5880, 7250 und 9645 KHz.

Das Vier-Monats-Programm kann angefordert werden bei:
Winfried Aufterbeck, Wiesenstraße 9a, D-40878 Ratingen,
Tel.: 0 21 02 - 2 30 31, Fax: 0 21 02 - 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:
Pater Eberhard von Gemmingen SJ
Redaktion dieser Ausgabe: Matthias Menzinger
Tel.: 00 39 06 - 69 88 41 01, Fax: 00 39 06 - 69 88 38 44
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan:
Samstag, 15. August 1998

 

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