Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Donnerstag, 6. August 1998, bis Samstag, 8. August 1998.

V A T I K A N

Mit einer Messe in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo hat Papst Johannes Paul II. am 6. August 1998 des zwanzigsten Todestages von Papst Paul VI. gedacht. Dabei würdigte der Papst das Lebenswerk seines Vorgängers. Er betonte, die Worte des Montini-Papstes hätten im Verlauf der Jahre zunehmend prophetische Bedeutung erlangt.

"Papst Paul VI. war der Mann des Dialogs". Das hat der Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini herausgestellt. In einem Fernsehinterview sagte er, die außergewöhnliche Fähigkeit des vor zwanzig Jahren verstorbenen Kirchenoberhaupts, seinen Gesprächspartnern zuzuhören, sei Ausdruck seiner großen Menschlichkeit gewesen.

Der deutsche Kurien-Erzbischof Paul Josef Cordes ist von einer Sitzung der Päpstlichen Stiftung "Populorum progressio" im mexikanischen Oaxaca zurückgekehrt. Wie der Erzbischof erklärte, liege die Besonderheit dieses Hilfsfonds darin, daß die Gelder von den Betroffenen selbst verwaltet würden. Bischöfe aus mehreren Ländern Lateinamerikas entschieden, an welche Randgruppen auf ihrem Kontinent das Geld verteilt werde, so Cordes.

Die Kongregation für die katholischen Ostkirchen hat am 8. August 1998 einen Bericht über ihre jüngsten Aktivitäten vorgelegt. Demnach fanden im Juli zwei theologische Fortbildungsveranstaltungen in Rumänien bzw. Ungarn statt. Sie schienen notwendig vor allem wegen der Bildungsrückstände aufgrund der früheren Kirchenverfolgung.

D E U T S C H S P R A C H I G E R   R A U M

Deutschland

Die Bischofskonferenz lehnt die Einführung der Abtreibungspille RU 486 ab. Das hat ihr Pressesprecher Rudolf Hammerschmitz erklärt. Durch das "Medikament" werde das Unrechtsbewußtsein weiter sinken und die Tötung ungeborener Kinder verharmlost.

Eine ungewöhnliche Familienaktion hat die katholische Kirche in Baden-Württemberg gestartet. Jede Familie, die ihr zweites Kind taufen läßt, erhält im Bistum Rottenburg-Stuttgart vom Pfarrer einen Gutschein über 250 Mark. Damit kann sie in einem der vier Feriendörfer des Bistums Ferien machen. Der Bon ist ein Jubiläumsgeschenk des Familienerholungswerks, das 1998 sein 40jähriges Bestehen feierte.

Als "Schönfärberei" mit "wahltaktischen Zügen" hat der Caritasverband die Darstellung der Bundesregierung zur politischen und sozialen Situation in Bosnien kritisiert. Die Rückkehr der Bosnien-Flüchtlinge zum gegenwärtigen Zeitpunkt und in der vorgesehenen Größenordnung sei unverantwortlich. Dies sagte Hermann Uehlein vom Referat für Flüchtlings- und Aussiedlerhilfe am 7. August 1998 in Freiburg. Nach Angaben der Caritas sollen im August 25.000 Menschen nach Bosnien zurückkehren, deren Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist. Im Juli waren es 16.000.

E U R O P A

Großbritannien

Homosexuell Praktizierende erhalten in der anglikanischen Kirche auch künftig keine geistlichen Ämter. Mit 526 gegen 70 Stimmen votierten die anglikanischen Bischöfe am 5. August 1998 auf der in Canterbury tagenden Lambeth-Konferenz für die Aufrechterhaltung der traditionellen Lehre, wonach homosexuelle Praktiken unmoralisch sind. In der Resolution wird Menschen mit homosexuellen Neigungen ausdrücklich versichert, daß sie "von Gott geliebt" und als vollwertige Glieder ihrer Kirche anerkannt seien.
Allerdings verurteilt das Papier homosexuelle Praktiken als "unvereinbar mit den heiligen Schriften". Die Übertragung geistlicher Ämter an homosexuell aktive Personen sei aus Treue zur biblischen Lehre abzulehnen.

Nach dem Entscheid über Homosexualität ist die anglikanische Lambeth-Konferenz den Gegnern der Frauenordination entgegengekommen. Kein Bischof dürfe dazu gezwungen werden, Frauen zu weihen oder Priesterinnen in seiner Diözese eine Arbeitserlaubnis zu geben. Auch seien Gegner der Frauenordination als "loyale Anglikaner" zu betrachten. Weiter seien für diesen Personenkreis "pastorale Vorkehrungen" zu treffen, um ihnen eine "größtmögliche Gemeinschaft" mit der anglikanischen Weltkirche zu ermöglichen, so die rund 800 Bischöfe in einer Erklärung.

Jerusalem soll die gemeinsame Hauptstadt Israels und des Palästinenser-Staates werden. Das haben die anglikanischen Bischöfe am 6. August 1998 auf ihrer Vollversammlung gefordert. Sie betonten dabei die Notwendigkeit eines dauerhaften Friedens im Nahen Osten.

Polen

"Das Kreuz von Auschwitz muß an seinem Platz bleiben". Das hat der polnische Primas, Jozep Kardinal Glemp, am 6. August 1998 gefordert. Das acht Meter hohe Holzkreuz, vor dem schon Papst Johannes Paul II. 1979 eine Messe zelebriert hatte, stehe nicht im Gegensatz zum Respekt vor dem Holocaust. Die israelische Regierung hatte Warschau aufgefordert, 50 neue Kreuze beim KZ-Gelände zu entfernen. Warschau wies alle Verantwortlichkeiten von sich, da die Kreuze auf einem privaten Grundstück stünden.

Frankreich

Rund vierzig illegale Einwanderer halten sich seit rund einer Woche in der Kathedrale von Orleans auf. Das meldet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Die sogenannten "sans papiers", vorwiegend Afrikaner und Türken, fordern eine Überprüfung ihrer Einwanderungsanträge.

Die drei illegalen Einwanderer, die sich noch immer in der Pariser Nuntiatur aufhalten, haben einen Appell an Ministerpräsident Lionel Jospin gerichtet. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung könne sich gegenüber den Protesten der letzten Tage nicht taub stellen, schreiben die "sans papiers". Alles, was sie wollten, sei, ein normales Leben zu führen.

Rußland

Die Regierung hält an den Einreisebeschgränkungen für ausländische Priester fest. Einreise-Visa werden nur noch für drei Montae ausgestellt. Verlängerungen gibt es nur gegen Gebühren. Dieser Umstand stellt die katholische Kirche in Rußland vor große fianzielle Probleme. Sie ist weitgehend auf die Hilfe ausländischer Priester angewiesen.

Die mit Rom unierte griechisch-katholische Kirche der Westukraine möchte ein eigenes Exarchat in Sibirien errichten. Dies berichtet die ukrainische katholische Nachrichtenagentur ARI. Derzeit gibt es in Sibirien vier griechisch-katholische Pfarrverbände. Für die pastorale Betreuung der Gläubigen stehen nur drei Priester zur Verfügung, während mindestens 20 Geistliche benötigt würden. Schätzungen zufolge umfaßt die Zahl der Sibiraken westukrainischer Herkunft mehrere Millionen. Die sibirischen Ukrainer sind Nachfahren der in der Stalin-Ära deportierten Bewohner der westukrainischen Gebiete.

Ein Treffen zwischen Papst Johannes Paul II. und dem orthodoxen Patriarchen von Moskau und ganz Rußland, Alexej II., wäre verfrüht. Das hat das Patriarchat in Moskau am 8. August 1998 wissen lassen. Rom hatte im vergangenen Jahr ein Treffen der Kirchenführer als möglich bezeichnet. Aus Moskau verlautete jetzt, der "katholische Proselytismus" sowie die gestörten Beziehungen der beiden Kirchen in der westlichen Ukraine stünden einem Treffen weiterhin im Wege.

Portugal

Bischof Carlos Belo, Friedensnobelpreisträger aus Ost-Timor, ist in Lissabon mit dem Großkreuz des Freiheitsordens ausgezeichnet worden. Staatspräsident Jorge Sampaio betonte in seiner Laudatio, der Bischof setze Zeichen in dem von Indonesien anektierten Land. Er sei ein großes Vorbild für alle, die sich für die Freiheit einsetzten.

A S I E N

Israel

Die Ernennung eines griechisch-katholischen Bischofs hat heftige Spannungen zwischen Israel und dem Vatikan ausgelöst. Wie am 6. August 1998 aus Kirchenkreisen verlautete, legte die israelische Regierung gegen die Ernennung von Boutros Moalem als Bischof der Diözese Galiläa im Norden des Landes Beschwerde ein. Presseberichten zufolge soll der designierte Bischof der Regierung zu palästinenser-freundlich sein. Der Vatikan erklärte, die Ernennung von Bischöfen stehe allein dem Papst zu.

Die Ständige Vertretung des Apostolischen Stuhls bei der UNO hat am 7. August 1998 in New York die Ausweitung der Stadtgrenzen von Jerusalem durch die Regierung Netanjahu kritisiert. Ein entsprechendes Schreiben war schon früher an die Diplomatischen Vertretungen bei den Vereinten Nationen weitergeleitet worden. Die Ausweitung der Stadtgrenzen diene sicher nicht dem Frieden mit den Palästinensern, heißt es in dem kurzen Schreiben. Beobachter gehen davon aus, daß der Vatikan mit der Veröffentlichung des Papiers auf die Kritik Netanjahus an der Bischofsernennung in Israel reagiert.

Türkei

Ab dem neuen Schuljahr werden Gymnasiasten türkischen Zeitungsmeldungen zufolge im Unterricht vor islamischem Fanatismus gewarnt. Die entsprechenden Unterrichtseinheiten sind demnach Teil des Stoffes über die nationale Sicherheit. Ihn müssen alle Schüler zwischen 15 und 18 Jahren studieren. Die Regierung kämpft gegen das Aufleben von religiösem Fundamentalismus.

Die Behörden am Bosporus verhindern die Wahl des neuen armenischen Patriarchen von Konstantinopel. Das meldet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer Ausgabe vom 7. August 1998. Fünf Monate nach dem Tod von Patriarch Karekin II. im März habe der Gouverneur von Istanbul noch immer keine Neuwahlen genehmigt. Den vom Heiligen Synod zum kommissarischen Patriarchen ernannten Erzbischof Mesrob Mutafyan erkenne er nicht an. Unter den rund 70.000 armenischen Gläubigen des Landes wachse die Unruhe, so die FAZ.

Südkorea

Der Bischof von Andong, Ignatius Pak Soh-Hi, hat die Freilassung aller politischen Häftlinge gefordert. Das meldete die Nachtichtenagentur Apic. In einem Brief a Präsident Kim Dae-Jung schreibt Soh-Hi anläßlich des Jahrestages der Befreung seines Landes, die Regierung müsse die Gedankenfreiheit der Bürger respektieren.

A F R I K A

Sudan

In Sudan herrscht derzeit offiziell Waffenstillstand, um den Hungernden im Süden des Landes zu Hilfe zu kommen. Kritiker des Regimes von Karthum befürchten jedoch, daß die Waffen nur deshalb schweigen, weil in der Regenzeit ohnehin schlecht kämpfen ist. Die Kirche des Sudan hat indes einen Hilfsappell an Caritas International gerichtet. Wie der Apostolische Administrator von Rumbek, Caesar Mazzolari, mitteilte, reichen die gelieferten Lebensmittel bei weitem nicht aus.

Kongo-Kinshasa

Der Aufstand gegen Präsident Kabila ist nach Ansicht eines italienischen Fachmannes für das Gebiet der Großen Seen in Afrika von Ruanda, Uganda und Burundi aus gesteuert. Vor einem Jahr seien es im Wesentlichen Tutsi aus Ruanda gewesen, die Kabila an die Macht verholfen hätten. Jetzt wendeten sie sich gegen den Diktator, weil sie von ihm vergeblich Einfluß auf das reiche Gebiet des Kongo erwartet hätten.

Der Erzbischof der Hauptstadt Kinshasa, Frederic Etsou, hat am 8. August 1998 das Eindringen von Militärs in kirchliche Gebäude auf der Suche nach Banjamulenge-Aufständischen scharf kritisiert. In einer Radio-Ansprache erklärte Etsou, dabei seien mehrere Personen von den Soldaten verletzt worden. Die Bevölkerung rief der Kirchenmann auf, nicht den Glauben an die Liebe und den Frieden zu verlieren.

Guinea-Bissau

Bischof Settimio Ferrazzetta ist dieser Tage mit dem Führer des Militäraufstandes vom vergangenen Juni, General Mane, zusammengetroffen. Der frühere Militärchef zeigte sich bei dem Treffen bereit, den Waffenstillstand einzuhalten. Er forderte jedoch neue Präsidentschaftswahlen.

A M E R I K A

Brasilien

Die katholische Kirche des Landes hat vor den Präsidentschaftswahlen eine Liste "sozialer Schulden" erstellt. Am 5. August 1998 wurde das Papier von der brasilianischen Bischofskonferenz verabschiedet. Es enthält rund 30 soziale Probleme, die auf Versäumnisse der Politiker eingehen, unter anderem die Arbeitslosigkeit, die notwendige Agrarreform sowie Probleme im Gesundheitswesen. Nächste Woche werden Kirchenvertreter das Papier mit den Präsidentschaftskandidaten öffentlich diskutieren.

Mexiko

Die Kirche des Landes hofft, daß der geplante Besuch von Papst Johannes Paul II. im kommenden Jahr den Friedensprozeß in der Krisenregion Chiapas wiederbelebt. Der Apostolische Nuntius schließt derartige Ziele jedoch völlig aus. Justo Mullor hatte an einer zweitägigen Sitzung der mexikanischen Bischofskonferenz zur Vorbereitung der Reise teilgenommen und im Anschluß daran erklärt, es handle sich um eine reine Pastoralreise. Daher sei die Visite auch keinesfalls als Versuch zu verstehen, den Friedensprozeß in der südlichen Provinz wieder zu aktivieren.



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Sonntag: Sie schreiben - wir antworten

Montag: Weltkirchen-Magazin

Dienstag: Joseph Kardinal Ratzinger: Glaube zwischen Vernunft und Gefühl

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens: Leben in jungen Kirchen

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täglich um 6:20, 16:00 und 20:20 Uhr
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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan:
Mittwoch, 12. August 1998

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