Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Sonntag, 2. August 1998, bis Mittwoch, 5. August 1998.

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat die Kirche zu einer Haltung des ständigen Dialogs mit der Welt ermahnt. Beim Angelusgebet am 2. August 1998 sagte der er in Castel Gandolfo, Dialog sei Stil und Methode im Umgang mit der modernen Gesellschaft. Der Papst bezog sich dabei auf die Enzyklika "Ecclesiam suam" seines Vorgängers Paul VI. Die Haltung des Dialogs gehöre zum Wichtigsten, was der Montini-Papst der Kirche hinterlassen habe. Paul VI. war vor 20 Jahren in der Päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandofo gestorben.

Der neue Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Pius Segmüller, ist zum ersten Mal in der öffentlichkeit aufgetreten. Im Vatikan nahm Segmüller am 1. August 1998 an den Festlichkeiten zum Schweizer Nationalfeiertag teil. Für die Schweizergarde ist damit wieder Alltag eingekehrt, wenn auch die Untersuchungen über den Mord am früheren Garde-Kommandanten Alois Estermann weitergehen.

Das Päpstliche Staatssekretariat hat sich wegen der Nuntiaturbesetzung in Paris durch Asylsuchende nicht an die französische Regierung gewandt und mischt sich nicht in die Frage der Asylgewährung ein. Das hat der vatikanische Pressesal am 4. August 1998 bekanntgegeben. Er reagierte damit auf entsprechende Medienberichte. Der Nuntius in Frankreich habe lediglich die Bitte der Botschaftsbesetzer an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Auf dem Gelände der Nuntiatur in Paris halten sich seit dem 1. August 1998 vier ausländische Asylsuchende sowie fünf Mitarbeiter humanitärer Organisationen auf.

Der Vatikan klagt über die Verfolgung der katholischen Kirche im Sudan. Die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung im Norden und den Rebellen im Süden des Landes sind nicht religiös motiviert, meinen Beobachter. Dennoch unterdrückt Karthoum die Kirche massiv. Die Polizei der Hauptstadt hatte am 1. August 1998 im Sitz der Erzdiözese Karthoum drei Priester verhaftet. Den Klagen der Ortskirche hat nun der vatikanische Pressesaal größeres Gehör verschafft. Die Festnahmen der Ordensleute hätten das Ziel, die Kirche in Mißkredit zu bringen, so ds Erzbistum Karthoum. Die Katholiken im Sudan leben hauptsächlich im Süden, wo der Bürgerkrieg herrscht. Ihre Freiheiten sind seit langem eingeschränkt.

Papst Johannes Paul II. hat anläßlich des 500jährigen Jubiläums der Evangelisierung Venezuelas der Kirche des Landes eine Botschaft gesandt. In ihr ruft er alle Glieder der Kirche zur Einheit auf. Der Papst versichert in dem Schreiben, er nehme im Geist an der Jubiläumsfeier teil. Er danke Gott für die reiche Geschichte und die vielen Früchte, die das Evangelium in diesem Land hervorgebracht habe. Weiterhin gehe es jetzt, zwei Jahre vor dem Jubiläumsjahr 2000, darum, das Evangelium immer vollständiger zu leben und eine authentische christliche Kultur aufzubauen.

Nach der Anti-Judaismus-Konferenz im vergangenen Jahr plant die historisch-theologische Kommission des Vatikans jetzt eine Tagung zum Thema Inquistion. Dies erklärte ihr Vorsitzender Georges Cottier im Vatikan. Auch die Kirche selbst müsse Gewissenserforschung betreiben, was ihre Vergangenheit angehe. Auf diese Weise werde sie gestärkt ins neue Jahrtausend gehen. Cottier betonte aber auch, daß man die Vergangenheit der Kirche nicht verteufeln wolle.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Edward Kardinal Cassidy, hat sich nach seiner Rückkehr von der Lambeth-Konferenz im britischen Canterbury zur Zukunft der ökumene geäußert. In einem Interview mit Radio Vatikan wies er darauf hin, daß jede Konfession sich fragen müsse, welche Folgen ihre Entscheidungen für das ökumenische Miteinander mit den anderen Konfessionen habe. Keine Konfession treffe Entscheidungen, die nicht auch die anderen Kirchen betreffe. Cassidy forderte von allen Religionsgemeinschaften mehr Konsequenz in der ökumenischen und innerkirchlichen Arbeit.

Bei der Generalaudienz am 5. August 1998 hat sich Papst Johannes Paul II. dagegen gewandt, einen Gegensatz zwischen der Amtskirche und dem spontanen Charisma von Christen zu sehen. Die Kirche habe von Beginn an eine legitime Vielfalt der Charismen gekannt. Es gebe zwischen der auf dem Priesteramt basierenden Institution Kirche und dem Modell einer auf den Gaben des Heiligen Geistes gegründeten Kirche keine Trennung und keinen Gegensatz.

Papst Johannes Paul II. hat seinen tiefen Schmerz über die Ermordung an dem Priester Jean-Pierre Loius in Haiti zum Ausdruck gebracht. Bei seiner Generalaudienz am 5. August 1998 sprach das Kirchenoberhaupt die Hoffnung aus, daß dieses Verbrechen der Insel helfen möge, zu mehr Respekt vor dem menschlichen Leben zu finden.

Die von Papst Johannes Paul II. gegründete Stiftung "Populorum Progressio" will mit umgerechnet rund 2,6 Millionen Mark 196 Entwicklungshilfe-Projekte in Lateinamerika fördern. Das beschloß der Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des Präsidenten des Päpstlichen Rates Cor Unum, dem deutschen Erzbischof Paul-Josef Cordes, auf seiner jüngsten Tagung im mexikanischen Oaxaca. Die meisten Fördermittel sollen landwirtschaftlichen und handwerklichen Vorhaben zugute kommen.

Am 17. und 18. August 1998 finden wieder Expertengespräche in der Päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo statt, zu der Papst Johannes Paul II. im Turnus von zwei Jahren einlädt. Thema ist diesmal die geistige Situation unserer Zeit sowie der Zeitbegriff in den verschiedenen Traditionen. Der Papst will an den Diskussionen der Fachleute meist schweigend teilnehmen. Zu ihnen gehören u. a. der Soziologe Ralf Dahrendorf und der ehemalige US-Sicherheitsberater Brezinski.

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern hat dazu aufgerufen, sich nicht von den ökumenischen Irritationen um die gemeinsame Rechtfertigungserklärung entmutigen zu lassen. Durch ein einzelnes Ereignis seien die seit Jahrzehnten gewachsenen Gemeinsamkeiten nicht hinfällig, so die ACK. Mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zwischen Vatikan und Lutherischem Weltbund wurde eine verbindliche Verständigung in dem Konflikt erzielt, der im 16. Jahrhundert zur Kirchenspaltung führte.

Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag will erstmals auch pietistische Gruppierungen offiziell integrieren. Nach den Worten von Präsidialmitglied Dieter Hackler ist dies eine "Bereicherung für den Kirchentag", aber "auch für den Pietismus". Dies erklärte Hackler gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Seit dem vergangenen Wochenende ist das internationale katholische Hilfswerk "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" im Internet vertreten. Unter der Adresse http://www.kirche-in-not.org können Informationen über Aufgaben, Struktur und Ziele des Werkes abgerufen werden. Die Internet-Seiten beinhalten außerdem die Geschichte des Werkes, eine Biographie des Gründers, Pater Werenfried van Straten OP, und einen Überblick über Publikationen.

österreich

Der belgische Jesuit Jan Kerkhofs hat einen Dialog der Theologie mit der Soziologie gefordert. Nur wenn Ekklesiologie und Dogmatik dieses "ehrliche Gespräch" suchten, könnten kirchliche Sprache und Struktur für die heutige Zeit angemessen vermittelt werden. Dies sagte Kerkhofs am 5. August 1998 bei den Salzburger Hochschulwochen. Zum "Dialog für österreich" mahnte der Jesuit, diesen nicht als Bedrohung für die Wahrheit zu sehen. Nur durch eine "Ethik des Dialogs" könne die Kirche ein Raum werden für die Befreiung des Wortes und die Kreativität der Gläubigen. Wirklicher Dialog bedeute, mit theologischen Spannungen zu leben.

E U R O P A

Großbritannien

Praktizierende Homosexuelle werden in der Anglikanischen Kirche vermutlich auch künftig nicht zu Priestern geweiht. Die 750 anglikanischen Bischöfe der Lambeth-Konfrenz in Canterbury stimmen am 5. August 1998 über ein entsprechendes Papier ab. Gleichzeitig soll die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verboten werden. Der Ausgang der Abstimmung gilt als ungewiß. Im Vorfeld war es zu vehementen Kontroversen gekommen. Die Gegner einer Weihe von praktizierenden Homosexuellen - unter ihnen viele afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Bischöfe - warnten dabei vor einer Selbstzerstörung der anglikanischen Kirche.

Auf der gleichen Versammlung haben die anglikanischen Bischöfe das Recht aller Palästinenser gefordert, in Jerusalem Häuser und Wohnungen zu bauen sowie "eigene Institutionen zu errichten". Palästinensischen Christen und Muslimen gleichermaßen müsse Gerechtigkeit widerfahren.

Italien

Ein Gipfel des Adamello in den Alpen ist nach Papst Johannes Paul II. benannt worden. Auf der 3.283 Meter hohen Cima Cresta Croce, die künftig "Cima Giovanni Paolo II." heißt, wurde am 1. August 1998 zugleich ein dreieinhalb Meter hohes Kreuz aus Granit gesegnet.

Illegale Einwanderer haben Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch in ihrem Lager im sizilianischen Agrigent eingeladen. Sie wollen so um Hilfe bitten und auf ihre Situation aufmerksam machen. Täglich kommen neue Flüchtlinge aus Maghreb in Sizilien an. In den Auffanglagern kommt es häufig zu Brandstiftung und zu Ausbruchsversuchen.

Im neuen Video des italienischen Popstars Amadeo Minghi werden Szenen aus dem Leben von Papst Johannes Paul II. dargestellt. Der italienische Popstar will damit den Papst zu seiner 20jährigen Amtszeit ehren. Das Video zeigt u. a. den Papst als jungen Mann oder das Treffen mit Fidel Castro. Der Titel des Songs heißt "Der Mann, der aus der Ferne kam". Zusätzlich plant der Musiker im Oktober ein Konzert auf dem Petersplatz.

A S I E N

Indien

Die Regierung in Dehli hat einen Anstieg der Übergriffe auf Christen zugegeben. Nach Angaben von Oppositionsparteien waren religiöse Minderheiten in den von der Hindu-Partei regierten Landesteilen in den vergangenen Monaten verstärkt der Gewalt ausgesetzt. Der staatliche Ausschuß für Minderheiten kündigte an, eine Delegation werde die Gewalttaten untersuchen.

A F R I K A

Simbabwe

Die katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden protestiert gegen eine Verfügung des Präsidenten Robert Mugabe. Dieser hat im Land ein Streikverbot verhängt sowie die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit eingeschränkt. Der Vorsitzende der Kommission nannte das einen unerklärlichen Ausnahmezustand und einen ernsten Rückschlag für das Land. Simbabwe brauche das Gegenteil, nämlich eine Liberalisierung.

Guinea Bissau

Zum ersten Mal seit der blutigen Militärrebellion vor zwei Monaten hat der katholische Bischof Settimio Ferrazzetta am 2. August 1998 wieder eine Messe in der Kathedrale von Bissau feiern können. In seiner Predigt rief er die Rebellen und die Regierung dazu auf, den in der vergangenen Woche erzielten Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden zu verwandeln. Weitere Verhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen sind für die nächsten Tage geplant.

Äquatorial-Guinea

Die drei aus Äquatorial-Guinea ausgewiesenen Missionare halten sich jetzt als Flüchtlinge in Kamerun auf. Das berichtet der vatikanische Informationsdienst FIDES. Die zwei Ordensleute und ein Laie hoffen auf eine Rückkehrmöglichkeit nach Äquatorial-Guinea. Der Laien-Katechet, ein Argentinier, der seit acht Jahren im Land tätig war, mußte seine Familie dort zurücklassen. Die vatikanische Nuntiatur und die US-Botschaft haben die Behörden von Äquatorial-Guinea aufgefordert, den drei Ausgewiesenen die Rückkehr auf ihre Missionsstation in Anisok zu erlauben.

A M E R I K A

Kolumbien

Eine "vorsichtig" positive Bilanz der Friedensgespräche zieht die Referentin des Bischöflichen Hilswerkes Misereor, Anna Dirksmeier. Zugleich warnte sie aber vor zu hohen Erwartungen angesichts des derzeitigen Friedensprozesses. In einer Schlußerklärung habe man selektive Ermordungen sowie Entführungen geächtet, eine Verschonung der Zivilbevölkerung beschlossen und einen Verzicht zur Rekrutierung Minderjähriger verlangt. In den nächsten drei Monaten werde man die Guerillagruppen des Landes zu Gesprächen auffordern.

Der Erzbischof von Bogotà, Pedro Rubiano, hat gedroht, er werde alle Gotteshäuser und kirchlichen Gebäude in der Hauptstadt schließen lassen, wenn sie weiterhin besetzt würden. Während der letzten Tage hatten Flüchtlinge aus dem ganzen Land und Wohnsitzlose in der Hauptstadt mehrere derartige Gebäude besetzt. Dies seien gewalttätige Akte, die er nicht dulden werde, so der Erzbischof.

Guatemala

Das Justiz-Verwirrspiel bei den Ermittlungen im Fall des ermordeten Bischofs Juan Gerardi geht weiter. Das Erzbischöfliche Menschentrechtsbüro will einer von der Generalstaatsanwaltschaft gewünschten Exhumierung und neuerlichen Untersuchung der Leiche von Bischof Gerardi nur dann zustimmen, wenn eine entsprechende richterliche Anordnung vorliegt. Dies erklärte Bischof Rios Montt, der Nachfolger des Ermordeten. Die interamerikanische Menschenrechtskommission hat indessen eine Spezialgruppe beauftragt, den Mord an Bischof Gerardi zu untersuchen. Sie soll ferner die Menschenrechtslage in Guatemala studieren. Über die Dauer ihres Aufenthalts in dem zentralamerikanischen Land und ihre Zusammensetzung ist bislang noch nichts bekannt.

Hinweise auf unser Wochenprogramm:

Donnerstag: Spurensuche im Kloster - Auf Frankreich-Reise mit Pater Eberhard v.Gemmingen SJ

Freitag:  Prisma-Magazin
Samstag: Kommentar der Woche: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden
       Biblische Grundworte: Bertram Meier, Rom

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan:
Samstag, 8. August 1998

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