Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen ! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Donnerstag , 23. Juli 1998 bis Samstag , 25. Juli 1998.

 

V A T I K A N

Im Vatikan ist am 23.Juli neue Normen für die Bischofskonferenzen erlassen. Danach haben deren Lehraussagen nur dann verbindliche Gültigkeit, wenn die Vollversammlung der Konferenz sie einstimmig billigt. Falls nur eine Zweidrittelmehrheit für eine Lehraussage erreicht wird, muß die Frage zur endgültigen Entscheidung an den Vatikan weitergeleitet werden. In dem Apostolischen Schreiben wird die große Bedeutung der Bischofskonferenz als Zeichen der gemeinsamen Verantwortung aller Bischöfe für die Kirche unterstrichen. Die Konferenz dürfe aber die Verantwortung des Ortsbischofs für seine Diözese nicht aufheben. Im eigentlichen Sinn über dem Ortsbischof steht nur die Gemeinschaft aller Bischöfe und der Papst. Lehraussagen dürften auf keinen Fall von einer Kommission oder dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz erfolgen. Auch sei wichtig, daß die Ortsbischöfe in diesen Angelegenheiten nicht von den Weihbischöfen überstimmt würden. Diese können zwar ordentliche Mitglieder der Konferenz sein, dürften aber nicht den Vorsitz übernehmen. Die Statuten der jeweiligen Bischofskonferenz müßten festlegen, ob die Weihbischöfe nur beratendes oder auch entscheidendes Stimmrecht hätten. [Dokument auf Englisch:]

Am 25. Juli vor 30 Jahren hat Papst Paul VI. die Enzyklika Humanae Vitae veröffentlicht. Sie ist als Pillenenzyklika in die Sprache eingegangen, obwohl es in ihr um die personale Liebe in der Ehe ging und keineswegs nur um das Verbot der Antibabypille.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Die Europäischen Euthanasie-Gegner haben entrüstet auf das Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt zur Sterbehilfe bei einer Komapatientin reagiert. Empört seien sie auch über die meisten Stellungnahmen aus Kirche, Politik und Ärzteschaft, heisst es in einer Pressemitteilung der Initiative. Es gehe bei der Sterbehilfe nur scheinbar um das Selbstbestimmungsrecht des Patienten. Die Euthanasie-Gegner befürchten , die Grauzone in Richtung Fremdbestimmung würde zu schnell überwunden.

 

E U R O P A

Grossbritannien

Das Mindestalter für legale homosexuelle Beziehungen wird zunächst nicht von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt. Das Britische Oberhaus, in dem auch anglikanische Bischöfe vertreten sind, hat eine entsprechende Gesetzesvorlage abgelehnt. Mit der Entscheidung stürzt es die britische Politik in eine Krise, denn die Gesetzesvorlage hatte im Unterhaus bereits eine grosse Mehrheit erhalten.

 

Grossbritannien

Die anglikanischen Bischöfe haben energisch zu einer Tilgung der Auslandsschulden der ärmsten Länder aufgerufen. Ihr Anliegen wollen sie auch dem Weltbank-Chef , James Wolfensohn, vortragen.

Frankreich

Eine Krankenschwester hat in einem Krankenhaus der Region Paris bei etwa dreissig Patienten Sterbehilfe geleistet. Obwohl sie des mehrfach beschuldigt wird, liess man sie frei, stellte sie jedoch unter strenge polizeiliche Aufsicht. Die Frau gab an, in allen Fällen von Familienangehörigen der Schwerkranken oder von den Patienten selbst um Sterbehilfe gebeten worden zu sein.

Bosnien-Herzegowina

Zum ersten Mal nach Ende des Bürgerkrieges konnten jetzt hunderte muslimischer Frauen nach Srebrenica zurückkehren und die Gräber ihrer gefallenen Ehemänner besuchen. Im Juli 1995 hatte das serbische Militär etwa achttausend Moslems erschossen .

Serbien

Angesichts der anhaltenden Kämpfe hat die serbisch-orthodoxe Kirche zwei Klöster im Kosovo geräumt. Das erklärte ein Prior gegenüber einem Belgrader Sender. Vor drei Tagen hatten Kämpfer der albanischen Widerstandsorganisation ein Kloster bei Orahovac besetzt.

 

A S I E N

Papua-Neuguinea

Die Evakuierung der Überlebenden aus dem Flutgebiet ist zur Zeit die wichtigste Aufgabe der zuständigen Behörden. Wie jetzt ein Regierungsvertreter in Vanimo erklärte, bestehe Seuchengefahr durch die rasche Verwesung der Flutopfer nicht nur für die Überlebenden, sondern auch für die an der Bergung beteiligten Hilfstruppen. Ein weiters Problem sei die Versorgung der rund 1.300 noch in Pou anwesenden Menschen mit Lebensmitteln und Trinkwasser. Die Versorgung durch Hubschrauber sei bisher mangelhaft. Sonntag 26. Juli hält das Land einen Tag der Trauer um die Toten des verheerendn Seebebens.

Indien

Die Zahl der Angriffe auf Christen von fanatischen Hindus nimmt zu. Einer Statistik der indischen Bischofskonferenz zufolge , gab es seit 1993 16 schwere Übergriffe , entweder sexuelle Gewalt oder Tötung von Priestern und Ordensleuten, dazu zahlreiche Anschläge auf Kirchen und kirchlichen Schulen. Vor 1993 war Terror dieser Art äusserst selten. Der Vorsitzende der katholischen Union Indiens, John Dayal, spricht gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur von gezielter Einschüchterung, mit der radikale Hindugruppen den christlichen Einfluss ausschalten wollen.

Indonesien

Das Land bemüht sich weiter, in Sachen Menschenrechten ein positiveres Bild abzugeben, als bisher. Die Behörden haben jetzt eine Kommission gebildet, die die organisierten Vergewaltigungen von Frauen im vergangenen Mai untersuchen soll. Ausserdem ist ein teilweiser Truppenrückzug aus Osttimor geplant. Auch der Jesuitenpater , der die Gewalt gegen Frauen in Jakarta denunziert hatte, ist Mitglied der Untersuchungskommission. Neben ihm agieren Militärchef Wiranto und der Präsident der nationalen Menschenrechtskommission.

 

A F R I K A

Sudan

Der Parlamentspräsident und Führer der Muslimbrüder, Hassan el Turabi, hat jetzt gegenüber der Presse erklärt, Khartoum schliesse eine Unabhängigkeitserklärung des Südsudan nicht aus. Seit Jahren herrscht dort Bürgerkrieg. Internationale Beobachter sagen, weil der muslimisch-arabische Norden die Christen und Animisten im Süden unterdrückt. Bei einem Referendum des Südens , würde die Mehrheit für den Erhalt des ganzen Sudan stimmnen, so die Einschätzung el Turabis.

Ruanda

Die beiden in Ruanda entführten Ordensleute Marc Francois und Jean Lefevre sind wieder frei. Am 23. Juli wurden sie von Soldaten gefunden und zum Bischofssitz von Ruhengeri gebracht. Die beiden Belgier waren bei einem Überfall von Hutu-Rebellen entführt worden. Nach eigenen Aussagen seien sie nicht misshandelt worden und auch nicht zu sehr von dem Vorfall traumatisiert.

Kambodscha

Rund 5,4 Millionen Kambodschaner sind für die morgigen Parlamentswahlen zugelassen. Es sind die ersten Wahlen seit fünf Jahren. Damals, nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg , hatte die UNO unter Einsatz einer Friedenstruppe Wahlen ermöglicht. Das Ergebnis war eine Koalition , die der Politiker Hun Sen im letzen Jahr in einem blutigen Staatsstreich zerschlug. Hun Sen sucht mit den jetzigen Wahlen Legitimation und will dadurch als Kambodschas Premier anerkannt werden.

Simbabwe

Den wirtschaftlichen und sozialen Abstieg des Landes haben der Verband Christlicher Gemeinden und der Rat der Kirchen angeprangert. In einem gemeinsamen Dokument beklagen die Kirchenvertreter die ständige Zunahme von Korruption und Inflation. Die dadurch hervorgerufene Armut machen sie dagegen verantwortlich für den Verfall moralischer Werte. Dieser zeige sich besonders durch eine unverhältnismässig hohe Scheidungsrate und die starke Zunahme von AIDS.

Guinea-Bissau

Gedämpfter Optimismus vor einer neuen Vermittlungsrunde zwischen dem Präsidenten und den Rebellen. In der Hauptstadt Bissau ist es nach Agenturberichten offenbar ruhig; die Vermittler , Aussenminister mehrerer portugiesisch-sprachiger Staaten, haben sich jetzt mit Bischof Settimio Ferrazzetta von Bissau gesprochen. Der Bischof der , der mit Regierung und Rebellen in Kontakt steht, bezeichnete die Gespräche mit den Vermittlern als äusserst wichtig.

 

A M E R I K A

Guatemala

Der Mord an Bischof Juan Gerardi Ende April ist immer noch nicht aufgeklärt, allerdings wurden jetzt zwei seiner Mitarbeiter verhaftet: Der Priester Mario Orantes und die Köchin Margarita Lopes. Der Mord hat nach Ansicht vieler Guatemalteken einen politischen Hintergrund, denn zwei Tage vor seinem Mord hatte Gerardi eine 1000- Seiten Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges vorgelegt. Seit einigen Wochen kursieren jedoch auch Gerüchte, dass Bischof Gerardi und der Priester Orantes in Dreiecksbeziehungen verstrickt gewesen sein sollen. Orantes beteuert derweil seine Unschuld am Mord. Sein einziges Verbrechen sei gewesen, dem Bischof begegnet zu sein, so Orantes. Die katholische Kirche des Landes gab jetzt bekannt, dass man die verantwortlichen am Mord kenne und zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben werden.

Mexiko

Die Regierung hat den Vorschlag, Abtreibungen zu legalisieren, vorläufig zurückgenommen. Der Vorschlag des Gesundheitsministers, Juan Ramon de la Fuente, der Straffreiheit für den Schwangerschaftsabbruch bei gleichzeitiger Legalisierung vorgeschlagen hatte, war auf scharfe Kritik katholischer und anderer Gruppen gestossen.

Brasilien

Kirchengruppen des Landes haben jetzt die Zahlungen von

" unerträglichen und illegalen " Auslandsschulden verurteilt.

Diese behinderten die Bemühungen , aus der Armut herauszukommen und die Umwelt zu schützen. Die Kirchengruppen kritisierten weiterhin , dass man von ausländischen Investoren abhängig sei. Dafür wird Präsident Fernando Henrique Cardoso verantwortlich gemacht , der grosse Teile der Wirtschaft privatisiert hat.

Vereinigte Staaten

Das State Department hat jetzt die Hinrichtung eines Anhängers der Bahai-Religion im Iran scharf verurteilt. Dem Mann wurde zur Last gelegt, einen Muslim zur Bahai-Religion bekehrt zu haben. Derweil plant der Iran offenbar die Hinrichtung von drei weiteren Angehörigen der Bahai-Gemeischaft. Das erklärte jetzt ein Bahai-Sprecher in Frankreich.

Vereinigte Staaten

Zahlreiche Religionsvertreter haben neue Experimente des Klonens von Säugetieren scharf verurteilt. Immer mehr wachse die Gefahr , dass auch an Klonen von Menschen gedacht werde, erklärten jetzt verschiedene protestantische Gemeinden gegenüber der Presse.

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Samstag: " Mystische Erfahrung und soziales Engagement "

von Henri Boulad und Kommentar der Woche von

Barbara Gerl- Falkowitz

Sonntag: " Menschen in der Zeit " von Aldo Parmeggiani

Montag: " Weltkirchen-Magazin "

Dienstag: " Radioakademie

Mittwoch: " Römische Woche "

Man hört Radio Vatikan

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 Khz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen : 5880 , 7250, 9645 Khz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger vom DSF um 16.15 Uhr und 19.19 Uhr

Vier-Monats-Programm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck , Wiesenstr. 9a, D- 40 878 Ratingen

Tel. : 0 21 02/ 2 30 31, Fax: 0 21 02/ 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich: Eva Rohrmann

Redaktion dieser Ausgabe : Eva Rohrmann

Tel.: 00396 6988 4101, Fax: 00396 6988 3844

Post: Radio Vatikan-sezione tedesca, I-00120 Citta del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluss der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten :

Mittwoch, 29. Juli 1998

Radio Vatikan Archiv

Leitseite www.kath.de