Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzerinnen und -Benutzer,

hier finden Sie die wichtigsten Nachrichten, die Radio Vatikan in der Zeit von Sonntag, 5. Juli, bis Mittwoch, 8. Juli 1998 gesendet hat.

V A T I K A N

Der Papst hat am 7. Juli ein Apostolisches Schreiben über die Bedeutung des Sonntags veröffentlicht. Darin ruft er alle Gläubigen auf, sich verstärkt für die Heiligung des Sonntags einzusetzen und ihn nicht als oberflächlichen Vergnügungstag anzusehen. Der Sonntag sei der Tag, an dem der Mensch mit Gott, mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen Frieden schließe. Daher habe jeder Christ die Gewissenspflicht, die Sonntagsruhe so zu organisieren, daß er an der Heiligen Messe teilnehmen könne, heißt es in dem Schreiben "Dies Domini", zu deutsch "Über die Heiligung des Sonntags". Am vorausgegangenen Sonntag hatte der Papst beim Angelusgebet das Apostolische Schreiben bereits angekündigt. [HTML-Fassung auf Vatikanserver]

Der rumänische Premierminister, Radu Vasile, hat den Papst in den ehemaligen Ostblockstaat eingeladen. Vasile traf den Papst bei einer Audienz am 7. Juli. Als unbestätigter Besuchtstermin gilt Mai 1999. Formell werde der rumänische Präsident Emil Constantinescu den Papst noch einladen. Bisher war ein solcher Schritt wegen Spannungen zwischen der mit Rom unierten und der orthodoxen Kirche nicht möglich gewesen. Die Visite wäre der erste Papstbesuch in einem mehrheitlich orthodoxen Land.

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Enttäuscht zeigten sich die Evangelisch-Lutherischen Kirchen von der Stellungnahme des Vatikans zur gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Lehrunterschiede würden aufs Neue problematisiert, die durch die gemeinsame Erklärung eigentlich aufgearbeitet sein sollten. Das erklärte die Leitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) nach Abschluß ihrer Tagung in Eisenach. Die römisch-katholische Lehre werde praktisch auch für die lutherische Seite für verbindlich erklärt. Trotz der Unstimmigkeiten hoffe die VELKD, daß sich die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche auch in Zukunft bewährt.

Die Deutsche Bischofskonferenz wird bei den Gesprächen zwischen dem nationalen Friedensrat von Kolumbien und der dortigen Rebellenbewegung vermitteln. Die Friedensgespräche beginnen am kommenden Sonntag in Mainz. Sie sollen dem blutigen Bürgerkrieg in Kolumbien ein Ende setzen.

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor hat den Entwicklungsetat als eine Blamage für die Bundesregierung bezeichnet. Die Steigerung des Etats sei reine Kosmetik und verhöhne alle, die sich für eine zuverlässige Entwicklungszusammenarbeit einsetzten.

SPD-Politiker Wolfgang Thierse fordert, ausländische religiöse Minderheiten in Deutschland besserzustellen. Vor allem brauche man für die zwei Millionen Moslems eine Regelung, die dem Körperschaftsstatus der christlichen Kirchen gleichkomme, sagte Thierse in der Berliner Zeitung.

Der katholische Sender Radio Campanile hat Konkurs angemeldet. Allerings soll er später auf bereits beantragten UKW-Frequenzen wiederbelebt werden, sagte der Vorsitzende des Fördervereins gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur.

E U R O P A

Nordirland

In Belfast ist in den Nächten vom 5. bis zum 7. Juli wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Protestanten und der Polizei gekommen. Die Protestanten sind verärgert darüber, daß ihnen verboten wurde, bei ihren traditionellen Paraden durch katholische Wohnviertel zu marschieren. Der Marsch des protestantischen Orange-Ordens am Vormittag des 5. Juli mit 1500 Teilnehmern, bei dem die Polizei das katholische Gebiet streng abgeriegelt hatte, war jedoch friedlich verlaufen.

Rußland

Rußland will die Todesstrafe abschaffen. Das sei jedoch erst möglich, erklärte Justizminister Pavel Krasheninnikov gegenüber der Presseagentur Interfax, wenn das Strafgesetz überarbeitet würde. Dazu hatte sich Rußland im Januar 1996 verpflichtet. Die Todesstrafe war aber weiter verhängt worden, bis Präsident Boris Jelzin deren Vollzug noch im selben Jahr stoppte.

Italien

Für die Gleichberechtigung von Staats- und Privatschulen hat der Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo-Maria Martini, am 5. Juli in einer großen italienischen Zeitung plädiert. Einem modernen und reifen Staat sei dies angemessen. Bis jetzt erhalten Privatschulen in Italien keinerlei staatliche Unterstützung und müssen daher hohes Schulgeld fordern.

Italien

Die Generaloberen aller Orden und Gemeinschaften der franziskanischen Familie haben die Staatschefs der Welt aufgerufen, die nukleare Rüstung zu beenden. In dem Appell zeigen sich die Franziskaner besorgt darüber, daß ncht einmal die UNO die Verbreitung von Atomwaffen verhindern könne.

A S I E N

Saudi Arabien

Die Polizei hat mittlerweile zehn Christen inhaftiert, weil sie Bibeln besitzen oder das Evangelium verkündet haben. Darunter ist auch ein Niederländer. 5 Personen waren bereits in der vergangenen Woche festgenommen worden. Christliche Kultstätten sind in dem vorwiegend muslimischen Staat verboten.

China

Die Regierung in Peking will die Ein-Kind-Politik nicht mehr mit Gewalt durchsetzen. Eine chinesische Zeitung berichtete am 7. Juli von einer Anordnung des Gesundheitsministeriums, nach der von übertriebenen Gefängnisstrafen für Frauen abzusehen ist, die Abtreibungen verweigern. Verschiedene Staaten hatten die Geburtenpolitik Chinas wiederholt kritisiert.

Vietnam

Zum ersten Mal darf sich ein UNO-Vertreter in Vietnam über Religionsfreiheit informieren. Ein Sonderberichterstatter für religiöse Intoleranz bei der UNO hatte sich seit 1995 um Einreiseerlaubnis in Vietnam bemüht. Er will sich über die Rechte religiöser Vereinigungen erkundigen. Unterdessen teilte das Politbüro der kommunistischen Partei mit, es wolle religiöse Aktivitäten schärfer überwachen lassen.

Indien

Katholische Kirchen werden nun doch nicht von der offiziellen Liste der religiösen Stätten gestrichen. Nach Zeitungsangaben verurteilte der Premierminister lokale Behörden, die diesen Schritt planten. Indischem Gesetz zufolge darf an religiösen Kultstätten kein Alkohol getrunken werden.

Tibet

Der Dalai Lama hat bestätigt, Kontakte zur kommunistischen Führung in Peking zu haben. Es gebe Bemühungen auf privater Ebene, mit Chinas Präsident Jiang Zemin zusammenzutreffen, sagte er einem US-Magazin. Jiang hatte angekündigt, China wolle mehrere Kommunikationskanäle zum Dalai Lama öffnen.

A F R I K A

Nigeria

Nach dem Tod des wichtigsten nigerianischen Oppositionspolitikers, Moschuud Abiola, ist es in Lagos und in der Geburtsstadt des Verstorbenen zu Unruhen gekommen. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Die aufgebrachte Bevölkerung macht das Regime dafür verantwortlich, daß der 1993 zum Präsident gewählte Abiola jetzt im Gefängnis zu Tode kam.

Äthiopien - Eritrea

Im Streit zwischen Äthiopien und Eritrea versucht der Präsident von Uganda, Yoweri Museveni, zu schlichten. Dazu will er mit den Präsidenten beider Länder sprechen. Auch Libyens Staatschef Muhammar Ghaddafi versuchte bereits zu vermitteln. Durch die Auseinandersetzungen zwischen beiden Staaten sind bisher mehrere hundert Menschen umgekommen.

Uganda

Eine fundamentalistische christliche Rebellengruppe will durch die Entführung von Schulkindern den Rücktritt von Präsident Yoweri Museveni erzwingen. Wie eine Zeitung in Kampala meldete, fordert der Rebellenchef vom Papst, einen neuen Staatschef für Uganda auszuwählen, der sich an die zehn Gebote halte. Die sogenannte Widerstandsarmee des Herrn führt im Norden von Uganda einen blutigen Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung.

Sudan

Die Ernährungslage im Südsudan hat sich verschlimmert. In einigen Gebieten der Region Bahr el Ghazal leiden bis zu sechzig Prozent der Bevölkerung an Unterernährung. Das sagte der apostolische Verwalter, Cesare Mazzolari, nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in der Region. Er rief Hilfsorganisationen und Kirchen deshalb dazu auf, die Nahrungsmittelhilfen für die rund zweieinhalb Millionen Hungernden zu verstärken.

Ägypten

Die Al-Azhar Moschee in Kairo hat am 7. Juli nach fast zweijährigen Restaurierungsarbeiten ihre neue Fassade gezweigt. Bei der Wiedereröffnung sprach der ägyptische Präsident Hosni Mubarak ein kurzes Gebet. Die bedeutendste Moschee und Universität des sunnitischen Islam war vor sechs Jahren bei einem Erdbeben schwer beschädigt worden. Die Renovierung war die erste seit ihrer Gründung im Jahr 970.

Guinea-Bissau

Tatenlosigkeit angesichts des Bürgerkriegs hat er Bischof von Bissau, Settimo Ferrazzetta, der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen. Der UNO-Sicherheitsrat und die Europäische Union würden nur zusehen, sagte der Bischof.

A M E R I K A

Nicaragua

Die Statue der Fatima-Madonna ist auf ihrer Reise in Lateinamerika in Nicaragua eingetroffen. Sie wurde nicht nur von Kirchenführern, sondern auch den höchsten Repräsentanten des Staates auf dem Flughafen von Managua begrüßt. Sie wird bis zum 22. Juli in vielen Kirchen Nicaraguas aufgestellt werden.

Mexiko

Rund 3000 Priester Amerikas sind im Marienwallfahrtsort Guadalupe zu einem fünftägigen Treffen zusammengekommen. Auf dem Programm stehen Themen wie Globalisierung und Armut. Am Rand der Veranstaltung sagte der Bischof der Hauptstadt von Chiapas, er sehe keine Möglichkeiten mehr für Verhandlungen zwischen der Regierung und den Indio-Rebellen in der südmexikanischen Provinz. Wenn man eine Lösung des Konflikts wolle, müsse man im Parlament aus den schon erreichten Friedensvereinbarungen gesetzgeberische Konsequenzen ziehen.

Chile

Die katholische Kirche befürchtet, daß ein geplantes Religionsgesetz ihre historisch gewachsenen Freiheiten einschränken könnte. Ein Sprecher der chilenischen Bischofskonferenz äußerte die Befürchtung, daß das neue Gesetz nicht mit dem kanonischen Recht vereinbar sei. Den Gesetzentwurf verhandelt der Senat in dieser Woche.

HINWEISE AUF UNSER WOCHENPROGRAMM

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Kommentar der Woche von Barbara Gerl-Falkowitz, Dresden; "Mystische Erfahrung und soziales Engagement" von Henri Boulad

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Täglich um 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr auf Mittelwelle 1530 khz und auf den Kurzwellenfrequenzen 5880, 7250 und 9654 khz.

Über Radio Campanile: Im Kabel und auf Tonunterträger vom DSF um 16.15 und 19.10 Uhr.

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan: Samstag, 11. Juli 1998.

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