Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 20. Juni 1998 bis Dienstag, 23. Juni 1998.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Der Trägerkreis des katholischen Hilfswerkes "Renovabis" will mit mehr als 37 Millionen Mark Projekte in Mittel-, Südost- und Osteuropa unterstützen. Auf einer Sitzung in Köln dankte der Weihbischof in Trier, Leo Schwarz, in Vertretung des Kölner Erzbischofs den deutschen Katholiken für ihre Solidarität mit den Nachbarn im Osten. http://www.renovabis.de

österreich-Papstreise

Am 19. Juni traf Papst Johannes Paul II. nach der Messe im Salzburger Dom noch mit dem orthodoxen Metropoliten von österreich, Michael Staikos, und mit dem evangelischen Bischof Herwig Sturm zusammen. Er sprach beiden seine Anerkennung für das Gelingen der ökumenischen Versammlung in Graz aus. In seiner Begrüßung betonte Staikos dann, alle Kirchen seien heute in österreich echte Schwesterkirchen, und es gebe zu ökumene und Versöhnung keine Alternative.

Am 20. Juni, dem zweiten Tag seines Besuches in österreich, warb Papst Johannes Paul II. am Vormittag in der Wiener Hofburg für ein einiges Europa. Es gehe weniger um Ost-Erweiterung der EU als um eine Europäisierung des gesamten Kontinents, so der Papst, der ansonsten vor allem das Wirtschaftsgefälle in Europa beklagte. Die wohlhabenderen Länder müßten unvermeidlich Opfer bringen, damit der Kontinent nicht zu einer "Wohlstandsinsel", sondern zu einer gesamteuropäischen Zone werde. Mit Nachdruck setzte sich der Papst auch für eine weitere Aussöhnung mit den Juden ein.

Der österreichische Bundespräsident, Thomas Klestil, würdigte in seiner Ansprache den Papst als unablässigen Mahner gegen Unrecht und Unmenschlichkeit sowie als Vorkämpfer für Solidarität und Versöhnung. Er bezeichnete die Äußerungen des Papstes zur Einheit Europas, die er während seiner vorhergehenden österreichbesuche gemacht hatte, als prophetisch. Am Spätnachmittag des 20. Juni zelebrierte der Papst dann in St. Pölten eine Messe. Unter den Gläubigen waren sowohl Bundespräsident Klestil als auch seine beiden Amtsvorgänger. Nach Meldung von Nachrichtenagenturen ließen Demonstranten gegen Bischof Krenn schwarze Luftballons steigen. Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände österreichs erklärte, die Messe sei insgesamt von froher Stimmung gläubiger Menschen geprägt gewesen. Thema der Messe und auch der Predigt war der Heilige Geist. Papst Johannes Paul II. äußerte sich zudem noch einmal, wie schon am Vortag in Salzburg, zum Verhältnis von Priestern und Laien.

Den Höhepunkt der Papstvisite in österreich stellte am Morgen des 21. Juni die Messe in Wien dar, in deren Verlauf drei öster-reichische Ordensleute seliggesprochen wurden: Jakob Kern, Anton Maria Schwarz und Restituta Kafka. Etwa 50.000 Menschen nahmen an der Eucharistiefeier mit dem Papst teil, die von einigen Bischöfen aus den Nachbarländern, darunter Kardinal Meisner aus Köln, mitzelebriert wurde. Unter den Gläubigen befanden sich die Präsidenten von österreich, Rumänien und Litauen. Auch in seiner Predigt in Wien ging Papst Johannes Paul II. nicht auf die Kirchenprobleme des Landes ein. Er rief zu tätiger Nachfolge Christi auf; Lippenbekenntnisse genügten nicht, so Johannes Paul II. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, erklärte hingegen in seiner Begrüßungsansprache an den Papst, die jüngsten Kirchenkonflikte hätten bei manchen das Vertrauen in den Papst und in die Bischöfe erschüttert. Nach der Messe und den Selig-sprechungen traf sich der Papst mit den Bischöfen des Landes im erzbischöflichen Palais. Ohne Einigkeit unter den Bischöfen zerfalle das Lehramt Christi in ein Vielerlei einzelner Stimmen, so der Papst gegenüber den Würdenträgern. Er betonte zudem, die Bischöfe seien keine Herrscher, sondern Diener, die sich auch gegenseitig helfen sollten. Der Papst schlug den Bischöfen vor, sich zur inneren Besinnung einmal für ein paar Tage zu Exerzitien zurückzuziehen. Ohne direkt auf die Debatten um Kardinal Groer einzugehen, warb Johannes Paul II. um Verständnis, daß ein Bischof manchmal vor einem "Gestrüpp dorniger Probleme stehe". Den "Dialog für österreich" nannte der Papst ein Wagnis. Er dürfe nicht harmlos werden, oberflächlich oder angepaßt. Der nicht immer unparteiische Einsatz der Massenmedien und die Beteiligung der öffentlichen Meinung könnten eine Gefahr für den innerkirchlichen Dialog bedeuten. Kirche müsse zwar transparent sein, aber es müsse auch Räume zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen geben, betonte der Papst. http://www.papstbesuch.at

E U R O P A

Irland

Der Primas von Irland, Erzbischof Sean Brady, sieht in den Extremisten immer noch eine große Gefahr für den Friedensprozeß im Land. Obwohl bislang alles sehr positiv verlaufen sei, gebe es immer noch Radikale auf beiden Seiten, die sich dem mehrheitlichen Willen zur Versöhnung nicht beugen wollten. Brady lobte alle Parteien, die sich dafür einsetzen, ihre Ziele auf friedlichem Wege zu erreichen.

Italien

Die Beratungen über die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofes in Rom gehen weiter und konzentrierten sich dabei vor allem auf das Schicksal der Kinder. Der Direktor des Informationszentrums der Vereinten Nationen, Staffan de Misura, erklärte, der geplante Gerichtshof müsse den Millionen von Kindern, die während der jüngsten Bürgerkriege und Genozide verstümmelt wurden oder ihr Leben ließen eine Antwort geben. Man dürfe nicht vergessen, daß die UNO auch wegen dieser Kinder interveniert habe, so de Misura. In Salvador forderte die UNO zum Beispiel die Impfung der Kinder, was zu einem Waffen-stillstand führte und den Kontrahenten die Gelegenheit gab, miteinander zu sprechen, betonte de Misura.

Italien

Der ehemalige Erzbischof von Turin, Kardinal Alberto Anastasio Ballestrero, ist am 21. Juni 83-jährig verstorben. Der gebürtige Genueser war vor dem zweiten Konklave von 1978 als möglicher Papstkandidat genannt worden. Papst Johannes Paul II. sprach dem Karmeliterorden, dem Ballestrero angehörte, sein Beileid aus. Nach dem Tod Ballestreros zählt das Kardinalskollegium 158 Mitglieder, von denen 118 an einer Papstwahl teilnehmen können.

 

Italien

Die Gemeinschaften von rund 100 Missionaren und Freiwilligen Helfern, die in Guinea-Bissau arbeiten, haben den italienischen Außenminister um ein Treffen gebeten. In ihrem Appell zeichnen die Missionare ein dramatisches Bild von der Situation der rund 400.000 Flüchtlinge, von denen sich allein 200.000 in der Hauptstadt des Landes befinden. Die Helfer fordern die sofortige öffnung der Grenzen, damit zumindest humanitäre Hilfe ins Land gelangen kann.

 

 

A F R I K A

Sudan

Eine der bedeutendsten Führungspersönlichkeiten im islamischen Fundamentalismus, Hassan al-Turabi, will seinen Posten als Parlamentspräsident aufgeben, um sich zukünftig mehr der Arbeit in der Einheitspartei und dem von ihm gegeründeten Volkskongreß zu widmen. Im Parlament hatte Turabi an der neuen Verfassung mitgewirkt, die angeblich die Gründung von politischen Parteien erlauben soll. Beoabachter glauben jedoch nicht an eine Verwirklichung und sehen in Turabis Wechsel auch weiterhin minimale Chancen für die Demokratie.

 

Guinea-Bissau

Die Leiterin des UNO-Flüchtlingswerks, Sadako Ogata, hat in einem Schreiben vom 22. Juni vor einer Flüchtlingskrise in dem westafrikanischen Land gewarnt. Sie ruft die Staatschef in dem Schreiben dazu auf, sich für eine friedliche Lösung des Konflikts einzusetzen, da ohne Gegenmaßnahmen der Konflikt in einer großen humanitären Krise enden werde. Zehntausende sind bereits vor den anhaltenden Kämpfen geflüchtet und von jeglicher Versorgung

abgeschnitten. Die Militärregierung hat derweil positiv auf einen Vermittlungsvorschlag bedeutender Persönlichkeiten der einhei-mischen Gesellschaft reagiert. Dazu sollen auch Vertreter der christlichen Kirchen und des Islams zählen.

Ruanda

Amnesty International hat in einer Erklärung vom 23. Juni die Regierung des Landes mit dafür verantwortlich gemacht, daß die Gewalt im Land zunimmt und immer mehr Menschen vermißt werden.

Bei einem Überfall auf einen Schulbus wurden am 22. Juni erneut etwa 50 Personen verletzt. Die Zahl der in Ruanda vermißten und spurlos verschundenen Personen hat mittlerweile solche Ausmaße erreicht, daß die Angehörigen es aufgegeben haben, die Vermißtmeldungen an die Behörden weiterzu-leiten. In der Erklärung von Amnesty International heißt es, daß viele vor allem nach einer Verhaftungswelle durch regierungstreue Soldaten im Nord-Westen des Landes verschwunden seien. Man befürchtet, daß die Vermißten in Militärlager verschleppt wurden, zu denen jeglicher Zutritt strengstens untersagt ist. Die Menschenrechtsorganisation hat sich an die Regierung gewandt und sie an die Situation im Land erinnert. Sie solle die Gewalt bekämpfen, die nicht nur von den Rebellen, sondern auch von regierungseigenen Sicherheitskräften ausgehe, so Amnesty.

 

A S I E N

Pakistan

Religiöse Minderheiten werden im Land immer stärker verfolgt. Immer offener wird auch in den Medien gegen Minderheiten gehetzt, werden Christen wegen angeblicher blasphemischer Äußerungen angeklagt. Das Europaparlament forderte bereits einen unverzüglichen Rückzug des Blasphemiegesetzes.

Indien

Die Nachfolgerin Schwester Teresas bei den "Missionarinnen der Nächstenliebe" hat jetzt Vorwürfe zurückgewiesen, ihr Orden arbeite konzeptions- und strategielos. In einem Zeitschriften-Interview erklärte sie, es gehe dem Orden darum, das Übel an der Wurzel zu packen und sofortige, effektive Hilfe zu leisten, die beispielsweise darin bestehe, einem Hungernden etwa zu essen zu geben. Die Entwicklungsarbeit müßten andere leisten, unterstrich die Ordensleiterin.

Indonesien

Der Außenminister Indonesiens, Ali Alatas, hat gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur erklärt, die Regierung werde Ost-Timor einen Sonderstatus zuerkennen. Die Staatsführung wolle mit diesem Schritt eine dauerhafte Lösung bieten, die auch für die internationale Gemeinschaft akzeptabel sei. Die Regierung will jetzt mit Portugal und UNO-Generalsekretär Kofi Annan über die Einzelheiten des Status für Ost-Timor beraten. Präsident Yussuf Habibier werde sich zudem am 24. Juni mit dem Bischof von Dili, Friedensnobelpreis-träger Carlos Belo, über die Zukunft der ehemals porugiesischen Kolonie unterhalten.

 

A M E R I K A

Brasilien

Ein italienischer Missionar, der seit zwanzig Jahren in dem lateinamerikanischen Land arbeitete, ist am 21. Juni in San Bernardo ermordet worden. Der Bischof von Imola, der den Getöteten gut kannte, äußerte die Vermutung, daß es sich entweder um einen Raubüberfall oder um die Beseitigung einer unbequemen Person gehandelt haben könnte. Der Missionar war bekannt für seinen Einsatz für die Ausgegrenzten in den Slums von Sao Paolo.

 

 

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Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin

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Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Freitag, 26. Juni 1998

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