Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 13. Juni 1998 bis Dienstag, 16. Juni 1998.

 

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat am 13. Juni in einer Ansprache vor Bischöfen aus den Vereinigten Staaten erklärt, er sehe Anzeichen für eine neue Blüte des Ordenslebens in der katholischen Kirche. Mit Blick auf die Krise des Ordenslebens nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sagte der Papst, es falle nicht immer leicht, ein Gleichgewicht zwischen der notwendigen Veränderung und der Treue zur geistlichen Tradition und zum Kirchenrecht zu finden.

Papst Johannes Paul II. hat am 13. Juni Jurastudenten aus Harvard in Audienz empfangen. "Wir sind Zeugen der wiedergeborenen Hoffnung auf die Macht des Gesetzes und der rechtmäßigen Institutionen", mit diesen Worten begrüßte der Papst die Besucher aus Harvard und betonte gleichzeitig, daß gerade unser Jahrhundert von Verbechen gegen die Menschlichkeit gekennzeichnet sei, die oft unter dem Deckmantel der Legalität ausgeführt würden.

Papst Johannes Paul II. hat beim sonntäglichen Angelus-Gebet am 14. Juni seine Unterstützung für die UNO-Konferenz, die ab dem 15. Juni in Rom tagt und über die Schaffung eines internationalen Strafgerichtshofs berät, zugesagt. Die Konferenz müsse Wege finden, um die Menschenrechte zu schützen. An dem Treffen nehmen Vertreter von über 100 UNO-Mitgliedsstaaten teil sowie Beobachter von mehreren Nichtregierungsorganisationen. Strittig ist noch, ob das zukünftige Gericht unabhängig vom UNO-SIcherheitsrat tätig sein soll. Unter den Staatsvertretern, die an den Sitzungen teilnehmen, ist auch der südafrikanische Präsident Nelson Mandela. Er wird im Verlauf seines Aufenthaltes auch mit dem Papst zusammentreffen.

Der Präsident des päpstlichen Friedensrates, Kardinal Roger Etchegaray, hat erneut die Sanktionen gegen den Irak kritisiert. Etchegaray hatte sich letzte Woche anläßlich einer internationalen Kirchenkonferenz mehrere Tage in der Region aufgehalten.

Das Wirtschaftsembargo habe zu perversen und unkontrollierbaren Zuständen geführt, so der Kardinal. Man zerstöre damit die Selle des irakischen Volkes, das zusehen müsse, wie sein kulturelles und moralisches Erbe bedroht werde. Mit Nachdruck sprach der Kurienvertreter den Christen des Irak die Solidarität der vertretenen Kirchen aus. Man teile mit ihnen, die so tief in ihrer menschlichen Würde verletzt seien, Leid und Hoffnung.

Kurienerzbischof Crescenzio Sepe hat für das Jahr 2000 einen Schuldenerlaß oder zumindest eine spürbare Minderung der Schulden der ärmsten Länder gefordert. Soziale Inhalte des Jubiläums stünden in ältester biblischer Tradition, so Sepe in einem Zeitungsinterview. Der Schuldenerlaß sei eine angemessene Weise, dieses Prinzip in der modernen Welt umzusetzen.

Papst Johannes Paul II. hat den Bischof von Yokohama, Stephen Fumio Hamao, zum neuen Präsidenten des Päpstlichen Migrantenrates ernannt. Hamao löst damit Giovanni Cheli ab, der dieses Dikasterium zwölf Jahre lang leitete.

Papst Johannes Paul II. hat am 16. Juni anläßlich einer Audienz für kirchliche Hilfswerke, die sich vor allem im Orient engagieren, gefordert, daß die Christen dort nicht nur am Heiligen Land aus der Zeit Jesu hängen sollen, sondern auch am heutigen. Die Gläubigen sollten spirituell dem Land Israel und Palästina nahe sein, betonte der Papst. Vor allem die jungen Menschen aus dem christlichen Bevölkerungsteil dürften ihre Identität nicht vergessen und sollten die reichen Traditionen des Christentums im Heiligen Land pflegen.

Papst Johannes Paul II. am 16. Juni den UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Privataudienz empfangen. Annan hält sich anläßlich der UN-Konferenz über die Bildung eines internationalen Strafgerichtshofes in Rom auf.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Auf dem 93. deutschen Katholikentag standen auch am 13. und 14. Juni weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Es meldeten sich auch SPD-Politiker zu Wort, die sich der Forderung von Bundespräsident Roman Herzog anschlossen, im staatlichen System der Schwangerenberatung zu verbleiben. An dem feierlichen Schlußgottesdienst nahmen etwa 50.000 Menschen teil, bei der auch eine Botschaft Papst Johannes Pauls II. veröffentlicht wurde. Beobachter ziehen insgesamt eine positive Bilanz des Katholikentages. Der Bischof von Mainz, Karl Lehmann, und der Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Katholiken, Hans-Joachim Meyer, betonten auf einer Pressekonferenz einhellig, es sei wohl von allen bisherigen Katholikentagen der offenste gewesen.

österreich

Im Vorfeld des am 19. Juni beginnenden Papstbesuches in österreich hat der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, erklärt, die Kirche müsse aus dem Fall Groer lernen, die Frage nach der Wahrhaftigkeit und die Autoritätsfrage neu zu stellen. Autorität dürfe nicht in eine falsche Abhängigkeit führen, so Schönborn. Der Kardinal glaubt nicht, daß sich der Papst während seiner Visite zur Causa Groer äußern wird.

Schweiz

Der neu ernannte Kommandant der Schweizer Garde, Pius Segmüller, will Anfang August seinen Dienst im Vatikan antreten. Seinen Militärposten in der Schweiz werde er im Juli aufgeben, um dann seinen Umzug nach Rom vorzubereiten, erklärte der neue Kommandant.

 

E U R O P A

Irland

Der protestantische Oranier-Orden hat sich bereit erklärt, die Route für die am 19. Juni geplante Prozession durch Belfast zu ändern. Man will so Zusammenstöße zwischen Protestanten und Katholiken vermeiden. Während man sich in dieser Frage durchaus kompromißbereit zeigt, weigert man sich von protestantischer Seite nach wie vor, mit Mitgliedern der Sinn-Fein-Partei zu sprechen.

Niederlande

Der 51-jährige Antonius Hurkmans ist am 13. Juni zum neuen Bischof von s'Hertogenbusch ernannt worden. Den altersbedingten Rücktritt des bisherigen Bischofs, ter Schure, dessen Ernennung zum Bischof von s'Hertogenbusch bei einigen kirchlichen Gruppen auf Protest gestoßen war, akzeptierte der Papst.

Italien

Seit dem 15. Juni beraten in Rom Vertreter von fast 200 Nationen über die Einsetzung eines internationalen Strafgerichtshofes, der bei Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen tätig werden soll. UNO-Generalsekretär Kofi Annan betonte nach der Eröffnung, daß der Gerichtshof unabhängig sein müsse. Auch die Finanzierung solle von den Staaten übernommen werden, um die neue Institution vor Politisierung und Instrumentalisierung zu schützen.

Kosovo

Die internationale "Organisation der islamischen Konferenz" hat jetzt umgehende Maßnahmen zur Normalisierung der Situation im Kosovo gefordert. Der Sektretär der Organisation erinnerte die internationale Statengemeinschaft an den jüngsten Völkermord an den Muslimen in Bosnien-Herzegowina, der sich im Kosovo nicht wiederholen dürfe.

Türkei

Der orthodoxe Erzbischof von Athen, Christodoulos, ist am 13. Juni mit dem orthodoxen Ehren-Oberhaupt, Patriarch Bartholomäus, in Athen zusammengetroffen. Man will versuchen, durch Gespräch und die gemeinsame Feier der sogenannten "Göttlichen Liturgie" die Kontakte zu verbessern. Christodoulos wird Bartholomäus auch zu einer ökologischen Konferenz begleiten, die dieser auf einer Insel im Marmara-Meer organisiert hat. Der Patriarch von Athen hatte in letzter Zeit vor allem durch Äußerungen über eine mögliche Trennung von Staat und Kirche Spannungen zwischen der Regierung und der griechischen Orthodoxie hervorgerufen.

 

A F R I K A

Algerien

Der Erzbischof von Algier, Henri Teissier, und der Groß-Mufti von Marseille, Scheich Soheib Bencheich, haben zu einem Ende religiös motivierter Gewalt aufgerufen. Erzbischof Teissier begrüßte vor allem die Bekräftigung des Scheichs, islamische Fundamentalisten dürften sich nicht auf den Koran berufen

Guinea-Bissau

Eine Gruppe von religiösen Führern, unter ihnen der katholische Bischof der Hauptstadt, haben sich für Vermittlungsverhandlungen zur Verfügung gestellt, um die seit dem 9. Juni währenden Revolte in dem westafrikanischen Land zu beenden. Inzwischen mußten auch fünfzehn italienische Franziskaner-Missionare ihre Pfarreien aufgeben, die von der Regierung jetzt zum Einsatz in ein Flüchtlingsauffanglager gebracht wurden.

Sierra Leone

Der stellvertretende UNO-Menschenrechtsbeauftragte, Sergio Vieria de Mello, hat die Grausamkeiten, die Rebellen im NOrden vn Sierra Leone begehen, scharf verurteilt. In völliger Willkür verstümmelten die Rebellen, die im Frühjahr von der Macht verdrängt worden waren, Dorfbewohner, darunter auch Kinder. Es gebe für diese Verbrechen an der Zivilbevölkerung kaum Worte, so der UNO-Vertreter nach einer Reise durch das Land.

Nigeria

Die neue Regierung des Landes unter Staatschef Abdulsalam Abubakar hat am 15. Juni neun politische Häftlinge freigelassen. Unter den entlassenen Häftlingen befand sich der ehemalige Militärmachthaber Lusegun Obasanjo, der vor zwanzig Jahren als erster Militärstaatschef des Landes die Macht an eine Zivilregierung abgegeben hatte. Er war 1995 inhaftiert worden, nachdem er angeblich in einen Putschversuch verwickelt war. Bei den anderen Häftlingen handelt es sich um Oppositionspolitiker, Menschenrechtler, Journalisten und die einst oberste islamische Autorität des Landes. In einem offiziellen Kommunique heißt es, daß mit dieser Maßnahme der Prozeß der Versöhnung und des Wiederaufbaus in Nigeria gefördert werden solle. Die Opposition sieht dies und die Tatsache, daß Abubakar bereits Kontakt mit den Parteien aufgenommen hat, als Schritt in die richtige Richtung.

Äthiopien

Mit einem dringenden Appell, die rund 150.000 Kriegsflüchtlinge zu unterstützen, hat sich die Regierung in Addis Abeba an die Spendernationen gewandt. Der Verantworltiche des äthiopischen Krisenstabs betonte, daß sich die Zahl der FLüchtlinge noch verdoppeln könnte. Die am stärksten betroffenen Regionen sind Tigrai und Afar.

Ruanda

Zwei Caritas-Mitarbeiter haben bei einer parlamentarischen Anhörung in Paris erklärt, die Kirche sei in gewisser Weise mitverantwortlich für den Völkermord von 1990-1994. Man habe sich von kirchlicher Seite nicht genug für die interethnische Versöhnung eingesetzt und durch manche Äußerungen und Taten die Massaker unterstützt, so die Caritas-Mitarbeiter. Andererseits habe sich die Kirche aktiv für den Schutz der Opfer eingesetzt, betonten sie.

 

A S I E N

Kambodscha

Eine neue Übersetzung der Bibel in die Sprache der Khmer wurde am 16. Juni offiziell mit einem Festakt gefeiert. Bei der Feier anwesend war auch der Apostolische Vikar von Pnom Penh, Yves Rymousse.

Ost-Timor/Indonesien

Der Bischof von Dili, Carlos Belo, ist skeptisch, was die ersten Ankündigungen des neuen Präsidenten Yusuf Habibie betrifft. Es handle sich wohl nur um Übergangsregelungen, so der Friedensnobelpreisträger. Über den endgültigen Status der mehrheitlich von Christen bewohnten Insel müsse ein Referendum entscheiden. Erneut forderte Belo die Freilassung aller politischen Häftlinge. Insgesamt setzt die katholische Bevölkerung der Insel dennoch große Hoffnungen drauf, daß Ost-Timor mehr Selbstbestimmung unter dem neuen Staatspräsidenten erhält.

 

A M E R I K A

Mexiko

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, hat sich besorgt über die Lage im südmexikanischen Krisengebiet Chiapas geäußert. Die Regierung müsse schnellstmöglich den Dialog mit den indianischen Gemeinschaften wieder aufnehmen und einen Teil des Militärs aus der Region zurückziehen, so Robinson am 12. Juni in Genf. Die Lage in Chiapas hatte sich in den letzten Tagen wieder zugespitzt, es gab Tote und Verletzte. Am vergangenen Wochenende hatte der katholische Bischof von San Cristobal, Samuel Ruiz, den Vorsitz der nationalen Vermittlungskommission niedergelegt, nachdem es zu keinen Verbesserungen bei den Verhandlungen zwischen Zapatisten und Regierung gekommen war.

Eine Gruppe von Abgeordneten versucht derweil mit Zustimmung des Innenministers, die Friedensgespräche zwischen Regierung und Indio-Rebellen wieder in Gang zu bringen.

Nicaragua

Der Erzbischof von Managua, Kardinal Miguel Obando y Bravo, hat die Befürchtung geäußert, daß sich im Norden erneut bewaffnete Gruppen bilden. Er fühle sich in der derzeitigen Situation an "ungute Momente in der nicaraguanischen Geschichte" erinnert, betonte der Kardinal.

 

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Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuzfeuer-Magazin

Freitag: Prisma-Magazin

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Freitag, 19. Juni 1998

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