Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 10. Juni 1998 bis Freitag, 12. Juni 1998.

 

V A T I K A N

Aus aller Welt trafen am 10. Juni Beileidsschreiben zum Tod des in der Nacht zum 9. Juni verstorbenen früheren Kardinalstaats-sekretärs Agostino Casaroli ein. Auch Papst Johannes Paul II. betete vor dem aufgebahrten Leichnam seines ehemaligen Mitarbeiters. Am 12. Juni fand im Petersdom die Totenmesse für den Verstorbenen statt. In seiner Ansprache würdigte der Papst Casaroli erneut als den Mann, der die Ostpolitik des Vatikans ins Rollen gebracht habe. Casaroli habe das Gespräch mit den kommunistischen Regimen gesucht, um das Überleben der Kirche hinter dem Eisernen Vorhang zu sichern, so der Papst. Bei der Messe für den Kardinal waren Italiens Ministerpräsident, Diplomaten, zahlreiche Bischöfe und Kardinäle anwesend.

Papst Johannes Paul II. hat am 10. Juni dem neuen nigerianischen Präsidenten Abdusalam Abubakar in einem Telegramm sein Beileid zum Tod seines Amtsvorgängers, Sani Abacha, bekundet. In seinem Schreiben erinnerte der Papst noch einmal an seinen Nigeria-Besuch im Frühjahr, bei dem er mit großer Gastfreundlichkeit aufgenommen worden sei.

Palästinenserführer Yassir Arafat, der derzeit in Italien politische Gespräche führt und Papst Johannes Paul II. sind am 12. Juni zusammengetroffen, um über die Situtation des palästinensischen Volkes zu sprechen. Die PLO hatte vor dem Besuch angekündigt, Arafat werde den Papst bei der Audienz zu einem Besuch in Palästina einladen, was dieser auch wiederum tat. Noch vor kurzem hatte der libanesische Präsident den Papst geraten, seine Reisepläne nach Israel und Palästina zu verschieben, solange der Nahost-Friedensprozeß auf Eis liege. Gegenüber Arafat betonte der Papst, der Friedensprozeß müsse weitergehen, mit dem guten Willen aller Seiten. Er werde für ihn und seine Nation beten, versprach der Papst abschließend.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

In der Mainzer Innenstadt, wo seit dem 10. Juni der 93. Deutsche Kahtolikentag stattfindet, haben am 11. Juni mehr als 30.000 Gläubige an verschiedenen Fronleichnamsgottesdiensten und Prozessionen teilgenommen. An dem Hauptgottesdienst, der von dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Gastgeber des Katholikentages, Bischof Karl Lehmann, zelebriert wurde, kamen rund 13.000 Christen. Am Rande des Katholikentages äußerte der BIschof von Fulda, Johannes Dyba, Kritik am Programm der Veranstaltung. Ihm fehle das Wesentliche, so der Bischof. Zudem äußerte der deutsche Bundesbankchef Tietmeyer, ein genereller Schuldenerlaß für die armen Länder, wie ihn die Kirche wünsche, sei unmöglich.

Deutschland

Nach Angaben von Caritas International in Freiburg fliehen derzeit rund 120.000 Menschen vor den Kämpfen aus dem Grenzgebiet zwischen Eritrea und Äthiopien ins äthiopische Hinterland. Die katholische Hilfsorganisation werde für die Betroffenen Nahrungs-mittel, Medikamente, Decken und Zelte im Wert von 500.000 Mark, und für die Opfer des Wirbelsturmes in Indien 100.000 Mark bereitstellen, so Vertreter von Caritas. Für beide Hilfsprogramme ruft die Caritas die Bevölkerung zu Spenden auf.

österreich

Der Innsbrucker Bischof, Alois Kothgasser, hat in einer am 12. Juni veröffentlichten Stellungnahme die derzeitige Blockade der Brenner-Autobahn unterstützt. Er wünsche den versammelten Protestlern, daß ihr Aufschrei nicht ungehört bleibe. Die Bewahrung des Lebensraumes in den europäischen Regionen müsse Vorrang haben vor wirtschaftlichen Interessen, so Kothgasser.

Schweiz

Amedée Grab ist am 12. Juni zum neuen Bischof von Chur ernannt worden und tritt damit die Nachfolge des umstrittenen Erzbischofs, Wolfgang Haas, an, der jetzt der neugegründeten Diözese Vaduz vorsteht. Der 68-Jährige war bislang Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg.

 

E U R O P A

Albanien

Die Bischöfe des Landes haben am 11. Juni einen dringenden Appell für den Frieden im Kosovo veröffentlicht. Die Lage werde immer bedrohlicher, die Flüchtlingsstöme immer größer, heißt es in dem Schreiben. Jede direkte Anrede in ihrer Botschaft vermeidend betonen die Bischöfe, die Gewalt müsse ein Ende haben, von wem immer sie auch ausgehe. Indirekt berufen sich die Bischöfe auf den Papst, wenn sie eine Intervention der Vereinten Nationen fordern und nach Respekt vor den Grundrechten des Menschen aufrufen.

Rußland

Der französische Theologe, Olivier Clement, hat am 10. Juni in einem Beitrag für die französische Tageszeitung "Le Monde" schwere Angriffe gegen die russische Orthodoxie erhoben. Clement kritisiert darin Strömungen innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche, die eine neue Ideologie schaffen wollten, die den Marxismus ersetze. Früher sei das Patriarchat noch daran interessiert geswesen, ein Gleichgewicht von Konservatoren und Reformisten aufrechtzuerhalten, so Clement. Bei der Bücherverbrennung, die kürzlich in Jekatherinenburg stattgefunden habe und bei der auch Werke des Reformers Pater Alexandre Men verbrannt worden seien, habe sich gezeigt, daß dieses Gleichgewicht nicht mehr bestehe. Einige im Patriarchat dämonisierten die Reformisten und behaupteten, sie würden für den Westen spionieren, so der Theologe weiter. Man spreche von einem jüdisch-massonischen Komplott, von einer Allianz zwischen Katholiken und Moslems und trage offene Feindseligkeit zur Schau, die vor allem Jugendliche und Intellektuelle abschrecke, die die Weisheit und Schönheit der Orthodoxie suchten, beklagt Clement.

Usbekistan

Der Präsident des Landes hat erklärt, daß religiöser Extremismus weder Nationalität noch Grenzen erkenne, und die Regierung deshalb entschlossen sei, den islamischen Fundamentalismus mit allen Mittlen zu bekämpfen. Vor kurzem wurden bereits Mitglieder der besonders aktiven Wahhabiten-Sekte zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden, da sie die Stabilität der Verfassung gefährdeten.

 

A S I E N

Irak

Die Mitglieder einer internationalen chirstlichen Konferenz in Bagdad haben in ihrem abschließenden Kommuniqué einhellig die Aufhebung des WQirtschaftsembargos gegen den Irak gefordert. Von seiten des Vatikan nahm Kurienkardinal Roger Etchegaray an dem Treffen teil, das unter dem Motto stand "Die Kirche im Dienst am Frieden und an der Menschheit". Alle 150 Teilnehmer, die aus aller Welt kamen, verurteilten die Sanktionen, da sie den Frieden bedrohten und vor allem zu Lasten der Zivilbevölkerung gingen.Der irakische Vizepremier, Tarik Aziz, rief die Kirchen dazu auf, eine aktivere Rolle in der arabischen Welt zu übernehmen. Zudem erklärte er, daß das Embargo von Ländern ausgehe, die sich christlich nennen würden, aber in Wahrheit Kinder an Hunger sterben ließen.

Irak

Der Patriarch der chaldäischen Kirche, Raphael Bidawid, hat jetzt erklärt, daß der Besuch Papst Johannes Pauls II. im Rahmen einer Pilgerreise an die Orte des Glaubens über diplomatische Kanäle organisiert werde. Gleichzeitig bestätigte er, daß Kurienkardinal Roger Etchegaray am 10. Juni mit Vizepremier Tarik Aziz zusammnegetroffen sei, um über den Papstbesuch zu sprechen.

Indonesien

Das Angebot des neuen Staatschefs Habibie, Ost-Timor einen Sonderstatus zu garantieren und weitere Freiheitskämpfer aus der Haft zu entlassen, ist auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen.

Während einige nicht an Veränderungen glauben, interpretieren andere die Äußerung Habibies als langsam beginnenden Demokratisierungsprozeß. Der Friedensnobelpreisträger Ramos Horta bezeichnete den Sonderstatus als lächerlich, da er glaubt, daß es Habibie nur darum gehe, die bislang international nicht anerkannte Annektierung Ost-Timors zu legalisieren. Der weil protestieren Studenten friedlich auf dem Universitätsgelände in der Hauptstadt Dili für ein Referendum über die Autonomie Ost-Timors. Die Tatsache, daß die Meinungsäußerung weniger riskant zu sein scheint als früher, werten manche als Zeichen dafür, daß man sich hin zu demokratischen Verhältnissen entwickelt.

 

A F R I K A

Guinea-Bissau

Die derzeitigen Kämpfe zwischen Regierung und rebellierenden Soldaten haben einen Flüchtlingsstrom von rund 40.000 Menschen zum Nachbarland Senegal ausgelöst. Islamische und kahtolische Gruppierungen boten sich bereits als Vermittler in dem Konflikt an, der am vergangenen Sonntag nach einem Putschversuch ausgebrochen war.

Äthiopien/Eritrea

Die katholischen Bischöfe von Äthiopien und Eritrea haben sich mit einem gemeinsamen Friedensappell an die Regierungen ihrer Länder gewandt. Mit dem Zitat Papst Pius XII. aus seiner Radiobotschaft zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges - "Nichts ist verloren mit Frieden, alles ist verloren mit Krieg" - drückten die Bischöfe ihre Besorgnis über die Situtation im Konflikt zwischen beiden Ländern aus. Im Namen Gottes und der Menschheit bitten die Kirchenmänner alle Beteiligten, nicht zu töten und Stabilität und anfänglichen Wiederaufbau nicht zu gefährden.

Nigeria

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat am 10. Juni an den neuen Staatschef Abubakar appelliert, die politischen Gefangenen freizulassen und politischer Repression eine Absage zu erteilen. Mit diesen Maßnahmen könnte der Präsident ein Zeichen der Hoffnung setzen, erklärten Vertreter von Amnesty. In seiner ersten Rundfunkansprache erklärte Abubakar, er werde das Programm zur Übergabe der Macht an eine gewählte Zivilregierung fortsetzen, um so einen demokratischen Neubeginn zu ermöglichen

Simbabwe

Die Bischöfe des Landes haben ihre Sorge über die moralische und soziale Situation des südostafrikanischen Staates zum Ausdruck gebracht. In einem vierseitigen Schreiben betonten sie, man müsse zu einem Geist der Selbstaufopferung zurückfinden, gleiche Rechte für alle schaffen und Bürgerpflichten deutlicher wahrnehmen. Zugleich verurteilten die Bischöfe die mangelhafte medizinische Versorgung, die schlechten Ausbildungsmöglichkeiten sowie die zunehmende Korruption im Land. Das Allgemeinwohl müsse mehr im Vordergrund stehen, heißt es in dem Schreiben, und militärische Ausgaben zugunsten des sozialen Sektors reduziert werden.

 

A M E R I K A

Mexiko

Die katholischen Bischöfe des Landes haben ihre Regierung in einer öffentlichen Erklärung am 11. Juni der Korruption beschuldigt. Dies sei auch der Grund, weshalb der Kampf der Behörden gegen Kriminalität und Drogenhandel erfolglos und Mexiko zu einem "Schauplatz von Verbrechen und Tod" verkommen sei.

Kuba/Vereinigte Staaten

Am 11. Juni ist nach langwierigen bürokratischen Verhandlungen erstmals ein Flugzeug mit Hilfslieferungen in Höhe von zwei Millionen Dollar von Florida nach Havanna geflogen. Dies ist die erste humanitäre Hilfe seit der Lockerung der Washingtoner Sanktionen.

Kuba

Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, hat am 12. Juni bei einer Pressekonferenz erklärt, die Kirche des Landes wünsche sich eine stärkere Anerkennung ihres sozialen Engagements. Gruppen wie den anonymen Alkoholikern oder alleinstehenden Müttern müsse mehr geholfen werden, so der Kardinal. Die kubanischen Bischöfe hoffen, daß der Zugang der Kirche zu den Massenmedien verbessert werden kann.

Guatemala

Der Leiter des kirchlichen Menschenrechtsbüros hat am 9. Juni erklärt, er sei davon überzeugt, daß die Regierung die wahren Mörder Bischofs Juan Gerardi kenne. Er forderte die Regierung auf, die Fährte eines politischen Motivs für den Mord weiterzuverfolgen.

Brasilien

Nach Einschätzung des Erzbischofs von Joao Pessoa ist die Hungerkatastrophe und Notsituation im Nordosten Brasiliens "hausgemacht" und keineswegs nur auf die Dürre zurückzuführen. Der Bischof macht eine fehlende öffentliche Politik zur Hilfe für die Armen verantwortlich und betonte gegenüber dem bischöflichen HIlfswerk Adveniat, daß Plünderungen durchaus mit der katholischen Moral zu vereinen seien. Diese Haltung hatte kürzlich zu heftiger Kritik von politischer Seite geführt.

Vereinigte Staaten

Die 73 US-amerikanischen Bischöfe haben in einer Erklärung vom 10. Juni die nukleare Abschreckung als moralisch unannehmbar bezeichnet. Die jüngsten Atomtests in Indien und Pakistan hätten gezeigt, daß trotz aller Abrüstungsbemühungen die nukleare Bedrohung noch immer gegeben sei, so die Bischöfe. Zudem gebe es Hinweise darauf, daß die US-Regierung ihre eigenen Atomwaffen behalten wolle.

Vereinigte Staaten

Das oberste Gericht des Bundesstaates Wisconsin hat im ständigen Streit um die verfassungsmäßig vorgeschriebene Trennung von Staat und Kirche ein entscheidendes Urteil gesprochen. Demnach darf die öffentliche Hand armen Kindern neben dem Besuch von staatlichen Schulen auch den von kirchlichen Bildungseinrichtungen finan-zieren. In der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, daß dies nicht der Förderung der Religion diene, sondern einen säkularen Hintergrund habe.

 

V E R E I N T E N A T I O N E N

Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat am 10. Juni sein Bedauern über ein neues Gesetz in Tadschikistan geäußert, das politische Parteien mit religiösem Hintergrund verbietet. Dadurch könne das zwischen der Regierung und der muslimischen Opposition unter-zeichnete Friedensabkommen von 1997 gefährdet werden, so

Annan.

 

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Samstag: Wochenkommentar von Dr. Erhard Busek und "Mystische Erfahrung und soziales Engagement" von Henri Boulad

Sonntag: Zusammenfassender Bericht: Katholikentag in Mainz

Montag: Weltkirchen-Magazin

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Anne Granda

Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan - sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Dienstag, 15. Juni 1998

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