Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 6. Juni 1998 bis Dienstag, 9. Juni 1998.

 

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat am 6. Juni den neuen Botschafter Mexikos beim Heiligen Stuhl in Audienz empfangen und daran erinnert, daß die Kirche nicht von ihrem Einsatz für die Eingeborenen ablassen werde. Die Bistümer mit einem hohen Indio-Anteil, somit auch die Region Chiapas, sollten sich für die Anerkennung der Eingeborenen einsetzen, so der Papst. Johannes Paul II., der im Januar nächsten Jahres Mexiko besuchen wird, rief zu einem harmonischen Zusammenleben aller Mexikaner auf, unabhängig von ihrer unterschiedlichen Tradition und Herkunft. Die Regierung müsse die sozialen Krisen entschärfen, die nach seiner Ansicht mit einem moralischen Werteverlust zusammenhängen, so der Papst.

Papst Johannes Paul II. hat Erzbischof Pietro Sambi zum Nuntius in Israel und Zypern ernannt. Sambi, der bislang Nuntius in Indonesien war, wird damit Nachfolger von Andrea Lanza di Montezemolo, der für den Vatikan bahnbrechende Vereinbarungen mit dem Staat Israel ausgehandelt hat.

Papst Johannes Paul II. hat sich beim sonntäglichen Angelusgebet am 7. Juni besorgt über die derzeitigen Konflikte im Kosovo sowie zwischen Eritrea und Äthiopien geäußert und zudem einen entschie-deneren Kampf gegen Drogen gefordert. Der Papst fordert das Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft im Kosovo-Konflikt und wies darauf hin, daß man der Gewalt, Unterdrückung und Massenflucht der Bevölkerung des Kosovo nicht einfach zusehen dürfe. Die Beteiligten am Konflikt rief der Papst dazu auf, Lösungen auf dem Verhandlungswege zu suchen. Mit Blick auf den Grenzkrieg zwischen Eritrea und Äthiopien drückte der Papst seine Hoffnung aus, daß Gott den Afrikanern neues Leiden erspare möge.

Papst Johannes Paul II. hat am 6. Juni das germanisch-ungarische Priesterkolleg in Rom, das Collegium Germanicum et Hungaricum, in Audienz empfangen. Der Papst äußerte sich auf deutsch ausführlich zum Thema Theologiestudium und Priesteramts-Kandidaten. Zudem bot sich dem Papst durch die Audienz die Möglichkeit, sich von dem bisherigen Leiter, dem Jesuitenpater Johannes Günter Gerhartz zu verabschieden, der nach 16 Jahren in Rom nach Deutschland zurückkehrt. In seiner Ansprache lobte der Papst das über 500 Jahre alte Kolleg vor allem in europäischer Hinsicht.

Die dreizehn katholischen Bischöfe Kubas sind unter Führung des Erzbischofs von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, am 8. Juni zu einer mehrtägigen Sondersitzung im Vatikan eingetroffen. Die Würdenträger wurden am 9. Juni von Papst Johannes Paul II. in Audienz empfangen. Der Papst rief die Kirche Kubas auf, die Chance zu nutzen, sich für eine Umsetzung der katholischen Soziallehre einzusetzen. Johannes Paul II. betonte, es reiche nicht, eine bloße Verbesserung der internationalen Beziehungen zu erreichen, sondern das Land müsse auch eine innere Bereitschaft entwickeln, soziale Strukturen zu ändern. Der Papst erklärte, er sehe erste Anzeichen dafür, daß mehr gesellschaft-liche und gesetzliche Freiräume für die Bürger geschaffen werden. Am 11. Juni werden die Bischöfe am Fronleichnamsgottesdienst und der anschließenden Prozession mit dem Papst teilnehmen.

Kardinal Agostino Casaroli, der von 1979 bis 1990 das Amt des Staatssekretärs bekleidete, ist in der Nacht zum 9. Juni 83-jährig gestorben. Papst Johannes Paul II. würdigte den Verstorbenen in einem Beileidsschreiben an das Kardinalskollegium als Priester tiefen Glaubens sowie als Kenner der Menschen und der Geschichte. Der aus Piacenza stammende Sohn eines Schneiders war maßgeblich an der öffnung der vatikanischen Diplomatie nach Osteuropa beteiligt, so daß Papst Johannes Paul II. bei der Verabschiedung Casarolis aus dem Amt des Staatssekretärs ihm mit den Worten dankte, es sei eine göttliche Vorsehung gewesen, mit ihm in diesen historischen Zeiten zusammengearbeitet zu haben. Seine erste Funktion übernahm Casaroli 1940 als Mitarbeiter im Archiv des päpstlichen Staatssekretariats. Seine Sprachbegabung -er verstand neben Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch auch Russisch - und seine persönliche Zurückhaltung prädesti-nierten ihn für eine diplomatische Laufbahn. Casaroli war es, der seit 1963 im Auftrag Papst Johannes XXIII. die Regeln des Kalten Krieges zu mildern versuchte. Es gelang ihm, in den kommunis-tischen Ländern kleine Freiräume und einen "Modus Vivendi" für die Katholische Kirche zu erwirken sowie Brücken von Kuba bis nach Moskau zu schlagen. 1967 wurde Casaroli zum Bischof ernannt und entwickelte sich fortan zum Rüstungsexperten. Er wirkte jahrzehntelang bei der Konferenz für Sicherheit und Zusammen-arbeit in Europa (KSZE) mit und bemühte sich um die Anerkennung des Rechts auf Religionsfreiheit und dessen Verankerung in den Verfassungen der KSZE-Mitgliedsstaaten. 1979 wurde Agostino Casaroli zum Kardinal erhoben, und Papst Johannes Paul II. übertrug ihm 1984 alle Verwaltungsvollmachten über den Vatikanstaat. Auch nach seinem Abschied aus dem Arbeitsleben im Jahr 1990 war seine Meinung immer wieder gefragt. Die Beisetzung des Verstorbenen, der zuletzt wegen Herzproblemen in einem römischen Krankenhaus behandelt wurde, ist für Freitagmorgen, im Beisien des Papstes im Petersdom geplant.

 

E U R O P A

Polen

Die Bischöfe des Landes haben am 5. Juni beschlossen, einen Internet-Aschluß einzurichten, der landesweit alle Diözesen miteinander verbinden soll. Der für das Projekt Verantwortliche, Josef Kloch, betonte, die Kirche wolle vor dem Papstbesuch und dem Heiligen Jahr 2000 mit moderner Netztechnik für Kommunikation und Information ausgestattet sein.

 

A S I E N

Israel

Der Tourismusminister hat anläßlich der Präsentation des Logos für das Jubeljahr erklärt, daß Jerusalem auch ohne das Mittun der Palästinenser die Vorbereitungen für das Jahr 2000 durchführen werde. Vor allem die Pilger, die Bethlehem besuchen wollten, würden wahrscheinlich darunter zu leiden haben, so der Minister, nach dessen Angaben Israel bislang rund 550 Millionen Mark in die Vorbereitung investiert hat.

Irak

Ein Kongreß mit dem Thema "Die Kirche im Dienst des Friedens der Menschheit", an dem auch der Friedensgesandte des Papstes, Kurienkardinal Roger Etchegaray, sowie die "Pax Christi"-Sektion Italiens teilnehmen, hat am 8. Juni in Bagdad begonnen. In seinem Grußwort verurteilte Kardinal Etchegaray sowohl das inter-nationale Embargo gegen den Irak als auch die Aufrüstung mit scharfen Worten. Eine Visite des Papstes im Irak, wo sich die Geburtsstätte Abrahams befindet, sei noch ebenso offen wie ein Treffen mit Vertretern monotheistischer Religionen in der ägyptischen Wüste im Jahr 2000, so der Kurienkardinal, der zugleich Präsident des Vatikan-Komitees für das Jubeljahr ist.

Afghanistan

Ein israelisches Charterflugzeug hat am 7. Juni fünfzehn Tonnen Hilfsmittel in das afghanische Erdbebengebiet transportiert. Die Hilfspakete wurden hebräisch beschriftet, obwohl das Rote Kreuz davon abgeraten hatte, um die Gefühle der Moslems nicht zu verletzen. Die afghanischen Behörden erklärten jedoch, die Bevölkerung dürfe ruhig wissen, daß die Hilfsgüter aus Israel seien.

Pakistan

Gläubige haben am 7. Juni in Faisalabad eine Gedenkmesse für den unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Bischof John Joseph gefeiert. Der Bischof habe sich für die Armen geopfert, um gegen die andauernden Grausamkeiten zu protestieren, so die Gläubigen über den Bischof, an dessen Selbstmord inzwischen Zweifel aufgekommen sind. Man hatte Joseph in dem Gerichtsgebäude tot aufgefunden, in dem wenige Tage zuvor ein Christ wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden war.

Pakistan

Der Premierminister des Landes, Nawaz Sharif, hat jetzt erklärt, die nuklearen Versuche seien nicht auf einem religiösen HIntergrund zu sehen. Bei seinem Besuch in Saudi Arabien widersprach er damit der These, sein Land baue an einer "islamischen Bombe".

Indonesien

Staatspräsident Habibie hat in einem Rundfunkinterview erklärt, er wolle Ost-Timor einen Spezialstatus zuerkennen. Er sei zudem bereit, auch politische Häftlinge freizulassen. Allerdings erstrecke sich die Amnestie nicht auf den osttimoresischen Freiheitskämpfer Xanana Gusmao. Nach Zeitungsberichten wurde jetzt bekannt, daß mehr als 150.000 Menschen im Verlauf der Aufstände vor dem Rücktritt Suhartos das Land verlassen haben. Insgesamt sollen zudem bei den Unruhen Mitte Mai 1.200 Menschen ums Leben gekommen sein.

Südkkorea

FÜr eine zumindest teilweise Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea hat sich der Staatspräsident des Landes, Kim Dae-Jung, ausgesprochen. In Washington äußerte Dae-Jung vor Politi-kern, diese Maßnahme würde den Dialog auf der koreanischen Halbinsel fördern.

 

A F R I K A

Algerien

Nach Aussagen einer französischen Tageszeitung sollen nicht nur islamische Fundamentalisten, sondern auch der algerische Geheim-dienst in den Mord an sieben Trappisten-Mönchen in Tibehirine vor zwei Jahren verwickelt gewesen sein. Die Zeitung beruft sich auf Aussagen von früheren algerischen Sicherheitskräften, aber auch auf römische Kirchenkreise.

Demokratische Republik Kongo

Eine Gruppe bewaffneter Unbekannter hat in der Nacht zum 7. Juni ein Karmelitenkloster in der Hauptstadt Kinshasa überfallen und dabei einen Ordensmann getötet. Anscheinend wollten die Eindringlinge den Konvent ausrauben.

Nigeria

Der Nachfolger für den am 8. Juni plötzlich verstorbenen Diktator Sani Abacha wurde bereits einen Tag später vom Militär ernannt. Von dem neuen Militärherrscher, Abdusalam Abukabar, erhofft sich die internationale Gemeinschaft, aber auch die Kirche demokratische Impulse für das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Tod Abachas wurde von Teilen der Bevölkerung mit spontanen Freudendemonstrationen aufgenommen. Der Nachfolger Abachas erklärte, er werden alles tun, um seinem Land zu nützen. Dennoch ist es fraglich, ob mit der neuen Führung in Nigeria maßgebliche Veränderungen eintreten werden.

Uganda

Der Präsident des Landes, Yoweri Museveni, hat die Bischöfe dazu aufgerufen, ihre Zustimmung für eine harte Bestrafung derer zu geben, die den Völkermord von 1994 geplant und durchgeführt haben. Die Bischöfe sollten das Prinzip "Auge um Auge" unter-

stützen, so der Staatschef.

 

A M E R I K A

Mexiko

Als Folge des Rücktritts von Bischof Samuel Ruiz hat sich die Versöhnungskommission der Kirche für die Krisenregion Chiappas aufgelöst. Bischof Ruiz, der als Vermittler zwischen den verfeindeten Parteien fungierte, hatte vor seinem Rücktritt erklärt, die Regierung trage die Schuld am Scheitern der Friedensgespräche. Seiner Ansicht nach habe die Verletzung des Autonomieabkommens von seiten der Behörden zu einem Schweigen der Zappatistenrebellen geführt. Die Versöhnungskommission gab als Begründung für ihre darauffolgende Auflösung an, daß die Regierung die Grundbedingungen für einen Dialog zerstört habe und spielte damit auf die wachsende Militärpräsenz und Gewalt durch die Regierungsvertreter in Chiappas an. Von seiten der Regierung hatte man in letzter Zeit wiederholt versucht, die Vermittlungs-kommission durch öffentliche Kritik unglaubwürdig zu machen.

Der Inneminister wies indes die Vorwürfe von kirchlicher Seite zurück und kündigte an, die Regierung werde die Friedensverhand-lungen in Chiapas nun selbst fortführen.

Guatemala

Menschenrechtsvertreter haben die Regierung angeklagt, den falschen Mann des Mordes an Bischof Juan Jose Gerardi zu verdächtigen. Merhfach sei darauf hingewiesen worden, daß es keinerlei Anhaltspunkte für die Schuld des Verdächtigen gebe, so ein ehemaliger Mitarbeiter Gerardis, der im April ermordet wurde, kurz nachdem er eine Untersuchung über die Greueltaten des Bürgerkriegs veröffentlicht hatte. Mit einer Meßfeier haben am 6. Juni 3.000 Menschen an den ermordeten Bischof erinnert und mit Transparenten vor einem neuen Rückfall in Bürgerkrieg und poli-tische Gewalt gewarnt.

Brasilien

Alle Diözesen des Landes haben sich organisiert, um die hungernden Menschen in den nord-östlichen Dürreregionen zu unterstützen. In einer gemeinsamen Initiative der Bischofs-konferenz und der Pastoralkommission sollen am bevorstehenden Fronleichnamsfest alle Brasilianer dazu aufgerufen werden, für die Dürreopfer zu spenden. Aus der Erzdiözese Goiania wurden bereits 200 Tonnen Lebensmittel in die am schlimmsten betroffene Region gebracht.

 

A S I E N

Afghanistan

Die Rettungsflüge in das afghanische Erdbebengebiet sind am 6. Juni nach tagelangen Regenfällen wieder aufgenommen worden. Mitglieder der Hilfsorganisationen nehmen mittlerweile an, daß das Erdbeben vom 30. Mai weit stärker war als zunächst ange-nommen. Genaue Angaben über die Anzahl der Toten sind nicht bekannt, aber lokale Behörden sprechen von etwa 4.000 - 5.000 Todesopfern. Die Bevölkerung klagt indes über die mangelnde Koordination der verschiedenen Hilfsorganisationen.

China

Der Bischof von Xianxian, Zahng Weizhu, ist nach Angaben einer der Untergrundkirche nahestehenden amerikanischen Gruppe verhaftet worden. Der Bischof wurde am 31. Mai festgenommen als er auf dem Weg in sein Heimatdorf war. Über die Umstände, die zu der Verhaftung führten, wurde nichts bekannt. Die chinesische Regierung verweigert zudem dem im US-Exil lebenden Bischof von Shanghai, Ignatius Kung Pin-Mei, die Verlängerung seines Ausweises und konfiszierte das Dokument aufgrund seines Namens.

 

 

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Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Freitag, 12. Juni 1998

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