Radio Vatikan Archiv

Verehrte Internet-Benutzer und Benutzerinnen! An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von Radio Vatikan in der Zeit von Mittwoch, 03. Juni 1998 bis Freitag, 05. Juni 1998.

 

V A T I K A N

Papst Johannes Paul II. hat bei der Generalaudienz am 03. Juni an die Regierungen von Eritrea und Äthiopien appelliert, ihren Streit auf friedlichem Wege zu lösen. Der Papst mahnte an, der afrikanische Kontinent brauche dringend Wiederaufbau und keine neuen Kriege und Spaltungen. Die am 31. Mai ausgebrochenen Kämpfe hielten auch am 03. Juni noch an.

Papst Johannes Paul II. hat in einem Beileidsschreiben, das von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano unterzeichnet ist, seine tiefe Trauer um die Opfer des Zugunglücks in Eschede zum Ausdruck gebracht. Er bete für die zahlreichen Todesopfer und sei mit den Angehörigen und Freunden tief verbunden, so der Papst.

Die Botschaft Papst Johannes Pauls. II. zum Weltmissionstag am 18. Oktober wurde am 5. Juni im Vatikan veröffentlicht. In dem Schreiben wendet sich der Papst gegen den Pessimismus innerhalb der Kirche. Auch die Krise der modernen Welt sei ein Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes, so Papst Johannes Paul. In den letzten Jahrzehnten hätten Ideale und Werte an Bedeutung für die Menschen verloren, moralischer Relativismus und Materialismus habe sich ausgebreitet. Diese Tatsachen sollten zum Glauben anspornen, so der Papst. Ein weiteres Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes sei der weltweite Aufschwung der Religionen. Selbst die Verfolgung der Christen in vielen Teilen der Erde habe ihre gute Seite, da so immer neue Christen hervorgebracht würden, die bereit seien, ihr Leben für den Glauben hinzugeben.

Der vatikanische Missions-Dienst "Fides" ist seit dem 4. Juni auch auf chinesisch im Internet abrufbar. Der Leiter des Fides-Dienstes, Bernardo Cervellera, startete den chinesischen Internet-Service ausgerechnet am neunten Jahrestag des Massakers von Tienanmen, was von vielen als symbolisch angesehen wird. Cervellera kennt China von zahlreichen Reisen, soll dort eine Weile unterrichtet haben und beherrscht die Sprache. Das chinesische Außenministerium reagierte derweil besorgt. Man hoffe, daß der Vatikan das Internet nicht nutze, um sich in Chinas innere Angelegenheiten einzumischen, so eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am 5. Juni.
http://www.fides.org/

Vatikansprecher Joaquin Navarro Valls hat erklärt, der Apostolische Stuhl sei nicht an dem Vertrag zwischen dem römischen Pilgerwerk und der israelischen Fluggeselschaft EL Al über den Transport von Pilgern ins Heilige Land beteiligt. Das Abkommen, das die EL AL zum offiziellen Partner des größten Pilgerreiseunternehmens im Jahr 2000 benennt, war am 2. Juni unterzeichnet worden.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat jetzt Vorwürfe Bundeskanzler Helmut Kohls zurückgewiesen, man betreibe Wahlkampf gegen die Bundesregierung. Der Kanzler hatte die Fastenzeit-Aktion "Armutszeugnis für die Bundesregierung" des BDKJ kritisiert, bei der man die junge Generation gebeten hatte, den Bund bei der Forderung an die Regierung zu unterstützen, die Entwicklungshilfe deutlich zu steigern. In ihrem Schreiben an Kohl betonte der Bundesvorstand des BDKJ, man habe alle Aussagen und Forderungen von Fachleuten prüfen lassen. Vieles stimme mit dem überein, was auch von bekannten Hilfsorganisationen wie "Misereor" veröffentlicht worden sei. Man begrüße aber auch die Entscheidung der Regierung, den Entwicklungsländern neun Millionen Mark der Schulden zu erlassen. Der Bundesvorstand betonte ferner, man engagiere sich seit Jahren auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe und bemühe sich zudem, auch junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Deutschland

Bischöfe aus aller Welt haben den Familien der Opfer des Zugunglücks von Eschede kondoliert. Briefe kamen unter anderem von Bischöfen aus Brasilien und Sarajewo. Viele Helfer vor Ort stünden unter Schock und benötigten geistliche Hilfe, so protestantische und katholische Seelsorger. Am 4. Juni fand in der Kirche des Ortes ein spontaner Trauergottesdienst statt.

 

E U R O P A

Italien

Am 6. Juni ging in Rom ein Treffen der Direktoren von 105 Außenstellen des päpstlichen Missionswerkes zu Ende. Der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung, Kardinal Josef Tomko, betonte, daß bisher von sechs Milliarden Menschen nicht einmal die Hälfte von Jesus Christus gehört habe. Die Christen stellen etwa achtzehn Prozent der Weltbevölkerung, wobei auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent, Asien, das Christentum mit nur knapp drei Prozent vertreten ist. Eines der größten Probleme sei die Finanzierung der Einsätze des Missionswerkes, so Tomko. Aufgerufen, an der Mission mitzuwirken, seien aber alle Christen, so der Kurienkardinal.

Italien

Die Teilnehmer einer Konferenz für den Schuldenerlaß zum Jahr 2000, die an der päpstlichen Universität Gregoriana stattfand, betonten am 3. Juni, daß die Auslandschulden zu Verstößen gegen die Menschenwürde, die Grundrechte und das Wohlergehen von zwei Milliarden Einwohnern der ärmsten Länder der Erde führen. Die Geberstaaten hätten die Schuldenrate in die Höhe getrieben, während sie sich durch Finanzoperationen und Spekulationen vor allem bei den ölkrisen selbst schadlos gehalten hätten, so Wirtschaftsexperten bei der Veranstaltung.

Polen

Der scheidende Sekretär der BIschofskonferenz, Tadeusz Pieronek, hat den Zustand der katholischen Kirche in seinem Land kritisiert. In einem Interview mit der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wybrocza" erklärte der Bischof, politische Rivalitäten hätten zu heftigen internen Konflikten geführt. Der größte Fehler der Kirche in Polen sei die Annahme, daß die Gesellschaft nur dann gesunden könne, wenn alle in die katholische Kirche zurückkehrten, so der Kirchenmann, dem - so behaupten manche Stimmen im Land - wegen seiner Haltung eine zweite Amtszeit als Sekretär der Bischofskonferenz verwehrt wurde. Pieronek wirft den Katholiken vor, die Leistungen der Politiker nur daran zu messen, ob sie im Sinne kirchlicher Missionierung handelten. Entsetzt zeigte sich der 63-jährige Bischof zudem über den Radiosender "Radio Maria", dessen anti-europäische und anti-semitische Haltung er scharf verurteilte.

Bosnien

Die Franziskanerinnen haben ein Projekt gestartet, um die verfeindeten Volksgruppen des Landes miteinander zu versöhnen. Die Ordensfrauen betreiben an der Grenze Bosniens, in der Nähe von Brcko, ein Haus für Frauen und Witwen. Man hofft neben dem praktischen Nutzen für die Betroffenen, daß die Frauen dort auch über Probleme des Zusammenlebens sprechen und so neue Wege der Verständigung finden.

Kosovo

Der Erzbischof von Scutari in Albanien, Angelo Massafra, hat einen dringenden Appell an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet, umgehend in der Provinz Kosovo zu intervenieren. Die Lage sei kurz davor zu explodieren, so der Erzbischof, und es werde wieder die zivile Bevölkerung sein, die darunter zu leiden habe. Tausende von Flüchtlingen seien bereits in seine Diözese geflüchtet, so Massafra. Der Erzbischof hat inzwischen eine Kommission ernannt, die Hilfsgüter nach Tropoja bringen soll. Viele Kinder kommen in dem Flüchtlingslager, nahe der Grenze zwischen Kosovo und Albanien, völlig erschöpft an. Der Bischof appellierte zudem an Belgrad, die Autonomie des Kosovo so schnell wie möglich wieder herzustellen. Bosnien dürfe sich nicht wiederholen, so Massafra.

Rußland

Der oberste Richter des Landes hat sich jetzt gemeinsam mit dem Oberstaatsanwalt für eine Abschaffung der Todesstrafe ausgesprochen. Man habe mit der Unterzeichnung der Europäischen Konvention auch in dieser Hinsicht eine Verpflichtung, die Gesetze westlichen Maßstäben anzupassen, so der Vorsitzende des obersten Gerichtshofs, Vyacheslav Lebedev. Es gibt jedoch viele Stimmen, die sich nach wie vor für die Todesstrafe aussprechen, unter ihnen der Justizminister Pavel Kraschenikov, aber auch die Mehrheit der Bevölkerung. Immer noch sieht man darin das einzige Mittel gegen die ausufernde Kriminalität im Land. Anfang 1998 hatte die Duma die europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert, mit Ausnahme des Verbots der Todesstrafe.

Rußland

In der Uralhauptstadt Jekaterinenburg sind auf Anweisung des orthodoxen Bischofs theologische Bücher verbrannt worden. Die Bände waren in einem Priesterseminar konfisziert worden, da sie nach Ansicht der Lokalkirche von häretischen Theologen stammen. Einer der drei Autoren der Bücher war jedoch erst kürzlich vom Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Alexi II., als positives Beispiel der Modernität gelobt worden.

Rußland

Das Oberhaupt der russischen Katholiken, Tadeusz Kondrusiewicz, hat am 4. Juni bekanntgegeben, daß die katholische Kirche im europäischen Teil Rußlands die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft erhalten hat. Das russische Justizministerium erteilte der Apostolischen Administratur von Moskau die offizielle Registrierung. Er hoffe, daß diese Entscheidung auch den Weg für die Anerkennung der katholischen Kirche im asiatischen Teil Rußlands und für andere kirchliche Organisationen und Orden öffne, so Kondrusiewicz. Nach dem umstrittenen Religionsgesetz müssen bis Ende 1999 die Religionsgemeinschaften registriert sein.

Ukraine

Präsident Leonid Kutschma und Kardinal Staatssekretär Angelo Sodano sind am 03. Juni in Kiew zu Beratungen über einen möglichen Papstbesuch in dem osteuropäischen Land zusammen getroffen. Präsident Kutschma äußerte sich zufrieden über die Beziehungen zum Vatikan und erklärte, er werde bald einen Botschafter beim Apostolischen Stuhl ernennen. Über das Datum eines eventuell stattfindenden Papstbesuchs wurden keine Angaben gemacht. Weitere Gesprächsthemen waren die Spannungen zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche, sowie die Rückgabe der von den Sowjets konfiszierten Kirchengüter.

 

A S I E N

China

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat zum neunten Jahrestag des Massakers von Tienanmen am 4. Juni die Freilassung der noch inhaftierten politischen Gefangenen gefordert, die an den damaligen Demonstrationen teilgenommen hatten. Die Lage der Häftlinge stehe im Widerspruch zu den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Volksrepublik, so Amnesty International.

China

Am 31. Mai haben Polizisten eine Gruppe von 20 Gläubigen der Untergrundkirche mißhandelt, als diese versuchten, die Wohnung Bischofs Zeng Jingmu zu erreichen, um mit ihm einen Pfingstgottesdienst zu feiern.

 

A F R I K A

Nigeria

Vier Menschenrechtler wollen vor dem obersten Gerichtshof des Landes gegen die Kandidatur von Diktator Sani Abacha bei den Präsidentschaftswahlen klagen. Sie stützen sich dabei auf ein Gesetz von 1996, das es allen Parteien verbietet, Angehörige des Militärs als Kandidaten aufzustellen. Die fünf zugelassenen Parteien des Landes hatten Abacha als Kandidaten nominiert, damit dieser eine Übergangregierung führt. Eine Klage von zwei potentiellen Kandidaten, die von Oppositionsparteien aufgestellt worden waren, wurde von einem Gericht in Lagos am 01. Juni bereits abgelehnt.

Südafrika

Der ehemalige Präsident, Pieter Willem Botha, hat sich am 03. Juni in einem Gerichtsverfahren der Wahrheitskommission dem Vorwurf gestellt, er sei in einen Bombenanschlag auf eine kirchliche Einrichtung verwickelt gewesen. Ein methodistischer Geistlicher bezeichnete das Attentat von 1988, bei dem 21 Menschen verletzt wurden, als "gewaltsamsten Akt des Apartheids-Staates gegen die Kirche Gottes". Nach wie vor bestreitet Botha, Unrecht begangen oder falsch gehandelt zu haben. Die Wahrheitskommission bezeichnete er als "Zirkus".

 

A M E R I K A

Kuba

Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, hat am 4. Juni bei einem Besuch in New Orleans erklärt, die Papstvisite in seinem Land habe in internationaler Hinsicht viel gebracht. Man dürfe die Schwierigkeiten der Kirche im Umgang mit dem Regime nicht unterschätzen, so Ortega. Einige kubanische Bischöfe werden am 8. Juni zu einem Besuch im Vatikan erwartet, um sich mit dem Papst zu beraten.

El Salvador

Nach Angaben einer Regierungsstatistik, die am 3. Juni bekannt wurde, werden in dem mittelamerikanischen Land derzeit mehr Menschen umgebracht als zu Zeiten des Bürgerkrieges, der vor rund sechs Jahren zuende ging. Die Kriminalität forderte 1997 fast 8.300 Todesopfer, das sind dreiundzwanzig pro Tag. Die Mordrate während der zwölf Jahre Bürgerkrieg lag um etwa 2.000 Fälle pro Jahr niedriger.

 

V E R E I N T E N A T I O N E N

Am 4. Juni wurde der "Welttag der Kinderopfer von bewaffneten Konflikten" begangen, mit dem das Kinderhilfswerk UNICEF auf das Schicksal unzähliger Minderjähriger aufmerksam machen will, die unter Situationen leiden müssen, die sie nicht selbst verursacht haben. Vor allem in Afrika sei die Zahl der jugendlichen Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen groß, so Marie Heuzé von der UNICEF. Demnächst will man in Rom über die Gründung eines internationalen Gerichtshofes beraten, der ein Mittel sein soll, mit dem Kriegführende, die Kinder für ihre Ziele mißbrauchen, bestraft werden können.

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Samstag: "Mystische Erfahrung und soziales Engagement" von Henri Boulad und Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater

Sonntag: Aktenzeichen "Johann Adam Möhler - Fachmann für ökumene"

von ALdo Parmeggiani

Montag: Weltkirchen-Magazin

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

Tel. 0 21 02 / 2 30 31, Fax: 0 21 02 / 2 14 13

Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

Anne Granda

Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

Tel.: 00396 69 88 41 01, Fax 00396 69 88 38 44

Post: Radio Vatikan - sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano

E-Mail: SEDOC@VATIRADIO.VA

Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Dienstag, 09. Juni 1998

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