Radio Vatikan Archiv

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An dieser Stelle finden Sie die wichtigsten Nachrichten von

Radio Vatikan in der Zeit von Samstag, 30. Mai 1998 bis Dienstag, 02. Juni 1998.

 

V A T I K A N

Auf dem Petersplatz fand am 30. Mai ein Welttreffen der neuen geistlichen Bewegungen der Kirche statt, das zugleich den Höhepunkt des seit dem 27. Mai abgehaltenen Kongresses der Gemeinschaften darstellt. Papst Johannes Paul II. traf sowohl am 30. Mai als auch am Pfingssonntag mit den Gruppen auf dem Petersplatz zusammen. Die Gründerin der Fokularbewegung, Chiara Lubich, hatte bereits am 30. Mai in einer kurzen Ansprache die Einigkeit unter den verschiedenen Bewegungen gefordert. Der Papst betrachtet das Entstehen neuer Bewegungen als "Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils". Bei der Feier der Pfingstmesse am Sonntagmorgen bezeichnete der Papst zudem die neuen geistlichen Bewegungen als "Zeichen für ein neues Pfingsten". Während der Messfeier erteilte der Papst einigen Jugendlichen das Sakrament der Firmung. Mit mehr als 250.000 Teilnehmern wurde das Treffen der Gruppen in Rom als Probe für das Jubeljahr 2000 angesehen und war damit eine der größten Veranstaltungen, die der Petersplatz je gesehen hat.

Papst Johannes Paul II. hat zu einer moralischen Erneuerung in den USA aufgerufen. Vor Bischöfen aus Chicago, Indianapolis und Milwaukee gab der Papst am 30. Mai der Hoffnung Ausdruck, daß vor allem die katholischen Schulen in den Vereinigten Staaten hierin ihre zentrale Aufgabe sehen mögen.

Papst Johannes Paul II. hat am 30. Mai den portugiesischen Erz-bischof Jose Saraiva Martins zum neuen Präfekten der Heilig-sprechungskongregation ernannt. Sein Vorgänger in diesem Amt, Kardinal Alberto Bovone, war am 18. April verstorben. Bislang war Martins Sekretär der Studienkongregation.

Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano hat am 1. Juni eine Reise in die Ukraine angetreten, um dort unter anderem die neue Nuntiatur in Kiew einzuweihen. Sodano wolle dort auch Gespräche mit Politikern führen, so Vatikansprecher Joaquin Navarro Valls. Anschließend reist Sodano weiter nach Lemberg, wo er mit Vertretern der griechisch-katholischen und der lateinischen Ritus-Gemeinschaft zusammentreffen wird.

Am 2. Juni sind überrraschend die Namen des neuen Kommandanten der Schweizer Garde und seines Vize bekanntgegeben worden. Papst Johannes Paul II. berief den 46-jährigen Pius Segmüller, Oberst im Generalstab von Altstätten im Kanton St. Gallen, zur Leitung seiner Schutztruppe. Zu seinem Vize wurde Oberstleutnant Elmar Mäder ernannt. Segmüller wird damit Nachfolger des am 4. Mai ermordeten Alois Estermann.

Papst Johannes Paul II. hat am 2. Juni die Bischöfe von Wien, Salzburg und Sankt Pölten in Privataudienz empfangen, die während seines bevorstehenden österreichbesuchs seine Gastgeben sind. Vor allem nach der Krise um Kardinal Hans Hermann Groer findet die vom 19. bis 21. Juni dauernde Reise des Papstes nach österreich öffentliche Beachtung.

 

D E U T S C H S P R A C H I G E R R A U M

Deutschland

Der Münchener Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, hat dazu aufgerufen, das Weltgeschehen in der Zuversicht des christlichen Glaubens zu sehen. Bei seiner Pfingstpredigt im Münchener Liebfrauendom betonte der Kardinal im Hinblick auf das atomare Wettrüsten, daß letztlich nicht Atombomben, sondern der Geist Gottes sich durchsetzen werde. Die Pfingstbotschaft ermutige, an den Sieg des Guten zu glauben, so Wetter.

 

E U R O P A

Niederlande

Mehrere protestantisch-reformierte Mitglieder des Königshauses haben bei der Hochzeit eines Prinzen in Amsterdam an der katholischen Kommunionausteilung teilgenommen. Der Vorfall löste heftige Debatten aus.

Frankreich

Auf einem Kongreß in Paris haben sich fünfundzwanzig inter-nationale Bewegungen für Menschenrechte und Entwicklungshilfe ein gemeinsame Programm gegeben. Zu den Teilnehmern des Treffens zählen auch Amnesty International, die UNESCO, UNICEF und eine katholische Einrichtung.

Frankreich

Rund 150 illegale Einwanderer haben am 31. Mai ein protes-tantische Kirche in Paris besetzt, um so von den Behörden

eine Aufenthaltsgenehmigung zu erzwingen. Bei den Besetzern handelt es sich vor allem um Chinesen und Kurden. Nach offiziellen Schätzungen leben etwa eine Million Einwanderer ohne Genehmigung in Frankreich.

Italien

Dem Erzbischof von Bologna, Kardinal Giacomo Biffi, wurde am 31. Mai der europäische Sankt-Benedikts-Preis verliehen. Es müsse Dinge geben, so der Kardinal bei der Verleihung, die inmitten der großen Vielfalt unterschiedslos gelten. Der Vorrang des Menschen, Solidarität, aber auch die Notwendigkeit, daß die Regierungen laizistisch seien, zählte der Kirchenmann zu diesen Voraus-setzungen.

Spanien

Hunderttausende von Gläubigen haben sich am 31. Mai zur traditionellen Pilgerfahrt ins andalusische El Rocio begeben. Auf ihrem Weg ließen sich die Pilger nicht durch die ökologische Katastophe beeinträchtigen, bei der im April große Mengen Säure in einen nahegelegenen Fluß gelaufen waren. Eine Taufe im Flußwasser konnte allerdings nicht stattfinden.

Rumänien

Ein Besuch des Papstes in Rumänien ist nach Aussage des rumänisch-orthodoxen Patriarchen Theoctist zur Zeit unerwünscht. Es bestünden derzeit interkonfessionelle Spannungen im Land, so der Patriarch. Mit seiner Stellungnahme antwortete er auf eine Ankündigung des Premierministers, Radu Vasile, der den Papst bei seinem Rombesuch im Juli eventuell in sein Land einladen wollte.

Rußland

Zukünftig wird es womöglich vier statt der bisherigen zwei Bischöfe in Rußland geben. Nach Angaben russischer Nachrichten-agenturen soll der polnische Prälat Jerzy Masur am 31. Mai zum Bischof für das Gebiet Krasnoyarsk und den Fernen Osten ernannt worden sein. Ein weiterer Bischof, dessen Name derzeit nicht bekannt ist, soll am 7. Juni in der Region Saratov in sein Amt eingeführt werden. Aus dem Vatikan liegen zu den Ernennungen noch keine Bestätigungen vor.

 

A S I E N

Israel

Der vermutliche Taufort Jesu am Jordan soll voraussichtlich im Jubeljahr 2000 für Pilger wieder zugänglich gemacht werden. Der Ort befindet sich in der Nähe von Jericho und gehört seit 1967 zu dem von Israel besetzten Teil des Westjordanlandes.

Iran

Ein sunnitischer Imam ist am 31. Mai in der südöstlich gelegenen und überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt Zabol Opfer eines Attentats geworden. Über die näheren Umstände des Anschlags wurde nichts weiteres bekannt.

Afghanistan

Die Hilfsorganisationen haben jetzt ihre Suche nach Verletzten und Opfern des Erdbebens im Nordosten des Landes deutlich verstärkt. Man rechnet mittlerweile mit mehr als 5.000 Todesopfern. Die Hilfswerke der katholischen und evangelischen Kirche, Caritas und Diakonie, starteten jetzt Hilfsprogramme. 200.000 Mark konnten bereits zur Verfügung gestellt werden, ebenso wie Nahrungsmittelpakete, Decken und Zelte für etwa 1.500 Familien.

Pakistan

Der katholische Bischof von Islamabad, Anthony Theodore Lobo, hat Verständnis für die durchgeführten Nukleartests geäußert. Die Pakistaner seien beunruhigt über die indischen Atomtests, zumal Neu Delhi anschließend Ansprüche auf Kaschmir angemeldet habe, so der Bischof, der sonst generell gegen den Gebrauch von Atomwaffen ist. Lobo warf den westlichen Mächten vor, anderen gute Ratschläge zu geben, ohne selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.

Pakistan

Erneut ist ein Christ in Faisalabad wegen Verstoßes gegen das umstrittene Blasphemiegesetz verhaftet worden. Ein junger Mann sei von einer Gruppe Moslems angegriffen worden, nachdem er angeblich Schmähworte gegen den Islam geäußert haben soll.

Indien

Der stellvertretende Generalsekretär der Bischofskonferenz, George Pereira, hat seine Besorgnis über den nuklearen Wettlauf auf dem Subkontinent geäußert. Es gehe darum, einem atomaren Holocaust in Südostasien entgegenzuwirken, so Pereira. Die Kirche Indiens fordert deshalb sowohl Pakistan als auch Indien dazu auf, Zurückhaltung zu üben und andere Maßnahmen zu ergreifen, um der Bevölkerung Frieden zu bringen. Der Weihbischof in Neu Delhi bedauerte, daß über die Atomtests Pläne zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der asiatischen Länder ins Hinter- treffen gerieten.

China

Vierhundert Polizisten haben am 30. und 31. Mai die im Zentrum des Landes liegende Stadt Hangpu abgeriegelt, um zu verhindern, daß Gläubige an einem dort stattfindenden Pfingstgottesdienst teilnehmen. Der fast achtzigjährige Zelebrant der Messe, Bischof Zeng Jingmu, der erst vor drei Wochen nach zweiunddreißig-jähriger Haft entlassen wurde, erklärte, es sei ein Fest des Schmerzes gewesen, da viele aus der Diözese nicht an der Messe hätten teilnehmen können. Nach wie vor fristet die romtreue katholische Kirche in China ein Untergrunddasein.

Indonesien

Bischof Carlos Belo von Ost-Timor hat jetzt die Freilassung aller politischen Häftlinge gefordert. Wenn es nicht zu den Freilassungen käme, so Belo, werde aus einem Dialog nichts werden. Zudem forderte Belo, daß alle indonesischen Truppen von der Insel abgezogen werden müßten. Ob diese Forderungen des Bischofs von der neuen Staatsführung berücksichtigt werden, ist mehr als fraglich, denn vor kurzem erst erklärte Präsident Habibie, die Haltung Indonesiens zu Ost-Timor bleibe wie sie sei.

 

A F R I K A

Algerien

Die Trappisten möchten das Kloster im Süden des Landes wieder eröffnen, das seit der Ermordung von sieben Ordensleuten vor zwei Jahren geschlossen ist. Die Kongregation wolle aber zunächst sichergestellt haben, daß die Sicherheit in Tiberihine garantiert sei, so der zuständige Abt.

Sierra Leone

Das Hohe Flüchtlingskommisariat der Vereinten Nationen hat am 2. Juni erklärt, daß humanitäre Hilfe für Flüchtlinge aus dem westafrikanischen Land dringend benötigt werde. Die Organisation forderte, daß die internationale Gemeinschaft umgehend 13 Millionen Mark zur Unterstützung der in die Nachbarländer geflohenen Menschen bereitstelle.

Demokratische Republik Kongo

Der Erzbischof von Kinshasa, Kardinal Frederic Etshaou, hat in seiner Pfingstpredigt an die etwa 80.000 Gläubigen einen Appell der Liebe und Versöhnung gerichtet. Er verurteilte vor allem Haß, Eifersucht, Vergewaltigungen, Diebstähle durch die Armee sowie Morde und Plünderungen, die zur Zerstörung des früheren Zaire geführt hätten.

Demokratische Republik Kongo

Unter dem Patronat der kongolesischen Bischofskonferenz hat am 1. Juni eine Tagung der Justitia-et-Pax-Kommission im katholischen Zentrum Nganda begonnen. Der Kongreß soll die Möglichkeiten eines friedlichen Überganges der Institutionen im ehemaligen Zaire zu einem neuen Rechtsstaat beraten.

Burundi

Die Bischöfe haben in einem Hirtenwort zum einhundertsten Geburtstag der Kirche des Landes erklärt, daß die Lage im Krisenland sich etwas gebessert habe. Die Rückführung von Flüchtlingen komme in Gang, die Sicherheit und auch die Bereit-schaft verschiedener Bevölkerungsgruppen zum Zusammenleben steige, so die Bischöfe. Allerdings seien auch viele Institu-tionen noch instabil und von Korruption und Willkür beherrscht.

Sierra Leone

Ein Vertreter des UNO-Generalsekretärs hat vor einem endlosen Kreislauf der Gewalt in den ländlichen Regionen des Landes gewarnt. Olara Otunnu forderte nach einer Visite den sofortigen Einsatz zur Entwaffnung der marodierenden Rebellen und Hilfen zur Einleitung eines Versöhnungsprozesses.

Sambia

Die Regierung des Landes sieht sich aufgrund von Haushalts-kürzungen dazu gezwungen, die Kosten des öffentlichen Dienstes zu reduzieren. DIe Kirche befürchtet nun, daß ihre Krankenhäuser, die zum Teil vom Staat mitfinanziert werden, unter den Kürzungen zu leiden haben, und so die medizinische Versorgung der Menschen nicht mehr gewährleistet werden kann.

 

A U S T R A L I E N

Der Erzbischof von Melbourne, George Pell, hat sich während einer Messfeier geweigert, fünfzig Homosexuellen die Kommunion zu erteilen. Die Homosexuellen hatten an dem Gottesdienst teilge-nommen, um gegen ein Verbot der Kirche zu protestieren, das ihnen die Teilnahme am Abendmahl verwehrt.

 

A M E R I K A

Mexiko

Drei Bischöfe der Provinz Chiapas, unter ihnen Samuel Ruiz von San Cristobal, haben den Vorwurf zurückgewiesen, eine Theologie der Gewalt zu betreiben. Präsident Ernesto Zedillo hatte vergangene Woche bei einem Besuch der Unruhe-Provinz diesen Vorwurf erhoben, gegen den sich die Bischöfe mit Nachdruck verwehrten.

Kuba

Die Kirche hat von der Regierung die völlige Achtung der Menschenrechte auf der Grundlage der UNO-Menschenrechts-Erklärung gefordert. In ihrem Hirtenbrief vom Pfingstwochenende, der den Titel "Der Geist Gottes will auf Kuba wehen" trägt, weisen die Bischöfe darauf hin, daß die Kirche einen Rahmen bietet, in dem sowohl das ökonomische, wie das zivile Leben gefördert wird. Weder neo-liberaler Kapitalismus noch extremer Kollektivismus

würden von der Kirche gutgeheißen, so die Bischöfe.

Vereinigte Staaten

Die American Family Foundation (AFF), eine amerikanische Vereinigung, die sich gegen das Sektenunwesen engagiert, hat am 30./31. Mai ihre Jahresversammlung abgehalten und mußte sich dabei gegen Gegner zur Wehr setzen. Man warf der AFF vor, mit einer militanten Sektenbekämpfungsorganisationen in Verbindung gestanden zu haben, die mittlerweile nicht mehr besteht. Die AFF arbeitet seit 1979 mit einigen festen und etwa 200 freiwilligen Mitarbeitern. Der Präsident der Organisation nahm die Vorwürfe gelassen hin. Man wolle nur öffentlich machen, so Herbert Rosendale, wenn Sekten mit psychischer Manipulation arbeiten und versuchen, ihre Mitglieder so zu kontrollieren und beherrschen.

 

V E R E I N T E N A T I O N E N

Das UNO-Flüchtlingskommissariat in Genf hat jetzt bekannt-gegeben, daß im letzten Jahr insgesamt 284.000 Menschen in 20 europäischen Ländern um Asyl gebeten haben. Während die Zahl der Asylsuchenden außerhalb Europas insgesamt zurückging, liegt Deutschland mit über 100.000 Asylanträgen an der Spitze der Statistik.

 

Hinweise auf unser Wochenprogramm

Dienstag: Radio-Akademie: "Wie Ehe gelingen kann" von Anjuta

Engert

Mittwoch: Römische Woche

Donnerstag: Jugendmagazin

Freitag: Prisma-Magazin

Man hört Radio Vatikan:

täglich 6.20, 16.00 und 20.20 Uhr

auf Mittelwelle 1530 kHz und auf den

Kurzwellen-Frequenzen: 5880, 7250, 9645 kHz

Über Radio Campanile. Im Kabel und auf Tonunterträger von

DSF um 16.15 Uhr 19.10 Uhr

Vier-Monatsprogramm kann angefordert werden bei:

Winfried Aufterbeck, Wiesenstr. 9a, D-40878 Ratingen

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Für die Internet-Nachrichten verantwortlich:

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Redaktion dieser Ausgabe: Verena Schlinkert

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Redaktionsschluß der nächsten Zusammenfassung mit den wichtigsten Meldungen von Radio Vatikan-Nachrichten: Freitag, 05. Juni 1998

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